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Alt 09.06.2007, 23:59
  #501 Nach oben
AW: Sommer
Moderatorin Weiblich
 
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Hermann Lingg (1820 - 1905)


Hochsommer

O Frühling, holder fahrender Schüler,
Wo zogst du hin? Die Linden blühn,
Die Nächte werden stiller, schwüler,
Und dichter schwillt das dunkle Grün.

5 Doch ach! Die schönen Stunden fehlen,
Wo jedes Leben überquoll,
Wo trunken alle Schöpfungsseelen
In's Blaue schwärmten wolllustvoll.

Nicht singt mehr, wie am Maienfeste,
10 Die Nachtigall, die Rosenbraut,
Sie fliegt zum tiefverborgnen Neste,
Mit mütterlich besorgtem Laut.

Der goldne längste Tag ist nieder,
Der Himmel voll Gewitter glüht;
15 Verklungen sind die ersten Lieder,
Die schönsten Blumen sind verblüht.

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Alt 10.06.2007, 20:34
  #502 Nach oben
AW: Sommer
Moderatorin Weiblich
 
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Sanft - so dehnt sich mein Herz,
Segel, gehoben von Luft,
Sehnt sich weit länderwärts,
Stiller, blauer August -
Sanft so dehnt sich mein Herz.

Silberne Fäden fliehn
An mir vorüber im Wind,
Schimmernde Wolken ziehn,
Wege bedrängen mich lind.

Wege verlocken mein Herz,
Einer dem andern mich gibt,
Wiesenzu, wälderwärts:
Oh, wie die Erde mich liebt! -
Sanft - so dehnt sich mein Herz ...

Ina Seidel
1885 - 1974

Andrey Redlich | Landschaft

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Alt 11.06.2007, 22:25
  #503 Nach oben
AW: Sommer
Leòn Leòn ist offline
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Extrem fleissiges Mitglied Männlich
 
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Einen Sommer lang

Detlev von Liliencron

Zwischen Roggenfeld und Hecken
Führt ein schmaler Gang,
Süßes, seliges Verstecken
Einen Sommer lang.

Wenn wir uns von ferne sehen
Zögert sie den Schritt,
Rupft ein Hälmchen sich im Gehen,
Nimmt ein Blättchen mit.

Hat mit Ähren sich das Mieder
Unschuldig geschmückt,
Sich den Hut verlegen nieder
In die Stirn gerückt.

Finster kommt sie langsam näher,
Färbt sich rot wie Mohn,
Doch ich bin ein feiner Späher,
Kenn die Schelmin schon.

Noch ein Blick in Weg und Weite,
Ruhig liegt die Welt,
Und es hat an ihre Seite
Mich der Sturm gesellt.

Zwischen Roggenfeld und Hecken
Führt ein schmaler Gang,
süßes, seliges Verstecken
Einen Sommer lang.
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Alt 11.06.2007, 22:51
  #504 Nach oben
AW: Sommer
Moderatorin Weiblich
 
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Christen, Ada (1839-1901)

Nach dem Regen
Die Vögel zwitschern, die Mücken
Sie tanzen im Sonnenschein,
Tiefgrüne feuchte Reben
Gucken ins Fenster herein.
Die Tauben girren und kosen
Dort auf dem niedern Dach,
Im Garten jagen spielend
Die Buben den Mädeln nach.

Es knistert in den Büschen,
Es zieht durch die helle Luft
Das Klingen fallender Tropfen,
Der Sommerregenduft.



http://gallery.dralzheimer.stylesynd.../EOS_A2625.jpg

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Alt 11.06.2007, 23:07
  #505 Nach oben
AW: Sommer
Leòn Leòn ist offline
Themenstarter
Extrem fleissiges Mitglied Männlich
 
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Beiträge: 10.117
(seufz) Ja wenns mal regnen würde!
Ein schönes Gedicht, Uta!

...........................

Zitat:
Sommeranfang
Heute ist der 1. Juni. Für Meteorologen ist das der Sommeranfang. Aus statistischen Gründen.
Auf Travellers Pfaden: Sommeranfang

Zitat:
Meteorologischer Sommeranfang

Offenbach - Für Meteorologen in aller Welt beginnt der Sommer schon am 1. Juni. Die Sonne erreicht aber erst am 21. Juni am Wendekreis des Krebses bei 23 Grad, 26 Strich nördlicher Breite ihren höchsten Stand über der Nordhalbkugel. Dieser Tag ist der astronomische Sommeranfang.

Für die Meteorologen wäre ein Jahreszeitenwechsel mitten im Monat aber schon aus Gründen der Statistik unpraktisch. Für langfristige Wetter- und Klimavergleiche sind Monatsmittelwerte wichtig. So hat die Weltorganisation für Meteorologie, eine Unterorganisation der UN, den Wechsel der Jahreszeiten nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes jeweils um etwa drei Wochen auf die Monatsanfänge vorverlegt.

Klimatologisch zählt der Juni nach Auffassung der Wetterkundler ohnehin mehr zum Sommer als zum Frühling. Genauso sei der März schon dem Frühling und nicht mehr dem Winter zuzurechnen. Nach dem astronomischen Sommeranfang werden die Tage auf der Nordhalbkugel der Erde wieder kürzer, für die Bewohner der Südhalbkugel ist unser Sommeranfang gleichzeitig Wintersonnenwende.
dpa
RZ-Online (News): Meteorologischer Sommeranfang




Herzliche Grüße von

Leòn
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Alt 11.06.2007, 23:13
  #506 Nach oben
AW: Sommer
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Beiträge: 35.732
Sonnenwende

Nun die Sonne soll vollenden
Ihre längste, schönste Bahn,
Wie sie zögert, sich zu wenden
Nach dem stillen Ocean!

Ihrer Göttin Jugendneige
Fühlt die ahnende Natur,
und mir dünkt, bedeutsam schweige
Rings die abendliche Flur.

Nur die Wachtel, die sonst immer
Frühe schmälend weckt den Tag,
Schlägt dem überwachten Schimmer
Jetzt noch einen Weckeschlag;
Und die Lerche steigt im Singen
Hochauf aus dem duft´gen Thal,
Einen Blick noch zu erschwingen
In den schon versunk´nen Strahl.

Ludwig Uhland (1787 - 1862

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Alt 12.06.2007, 07:06
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AW: Sommer
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Beiträge: 11.134
An die Rose

Rose, komm! der Frühling schwindet,
Veilchen haben dich verkündet,
Maienblumen starben hin;
Öffne dich beim Lustgetöne
Dieser Fluren; komm o schöne
Holde Blumenkönigin!

Als du kamst im ersten Lenze,
Hingen tausendfache Kränze
Schon um Anger, Berg und Tal;
Ufer lockten, Wälder blühten,
Pomeranzen-Haine glühten
Weit umher im Sonnenstrahl.

Und du gingst mit leisem Beben
Aus der zarten Knosp' ins Leben;
Erd' und Himmel neigten sich;
Und es huldigten die Wiesen;
Nachtigallenchöre priesen,
Alle Nymphen liebten dich.

Goldne Schmetterlinge schlugen
Froh die Flügel; Winde trugen,
Wo die Luft in Jubel war,
Deinen Balsam; Herzen pochten
Dir entgegen; Mädchen flochten
Unter Perlen dich ins Haar.

(Johann Georg Jacobi)



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Alt 12.06.2007, 08:36
  #508 Nach oben
AW: Sommer
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Ort: Bayern
Beiträge: 35.732
"Rittersporn"

Als Georg mit dem Drachen focht,
da hat der Wurm es noch vermocht,

daß er ihm mit dem letzten Biß
das Sporenrad vom Stiefel riß.

Der Heilige, so arg versucht,
hat nicht gelästert, nicht geflucht,

und dafür wuchs zu seinem Ruhme,
aus jenem Sporn die blaue Blume.

Karl Heinrich Waggerl (1897-1973)

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Alt 14.06.2007, 23:12
  #509 Nach oben
AW: Sommer
Leòn Leòn ist offline
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Registriert seit: 19.03.2006
Beiträge: 10.117
Tanz der Liebenden

Elke Anita Dewitt

Leises Rauschen in den Wipfeln,
tief in schwarzen Samt gehüllt,
summen den Himmelssphären ein Lied.
Von vergangenen Tagen und Nächten,
von Stürmen, Hitze und Kälte,
vom wechselnden Farbenspiel der Natur.

Ein heller Strahl durchbricht das dunkle Firmament,
kitzelt das Laub, das sich wohlig räkelt,
klettert über Äste und Stamm.
Tautropfen blitzen wie Diamanten
der aufgehenden Sonne zum Gruß.
Sachte hebt sich nun der schwarze Mante.

Der Tag hüllt die Nacht in seinen rotgoldenen Schleier.
In inniger Umarmung schweben sie
über Berge, Wiesen und Wälder hinweg.
Ihr Atem verleiht dem Land einen goldenen Hauch.
Blumen recken sich und heben die Köpfchen.
Begrüßen die Liebenden mit ihrem süßesten Duft.

Tanz der Liebenden der Ewigkeit gewidmet,
auf immer verbunden in der Gewissheit,
dass ihr Einssein nur für Augenblicke währt.
Ihr zärtliches Spiel in Zartrosa,
belebt das letzte noch verbliebene Grau.
Geheimnisvolles Geflüster in Violett,
verheißt dem Morgen ein neues Gesicht.

Ekstase in einem Meer aus flammendem Rot,
weckt schillernde Impulse, vertreibt den Frost.
Strahlend erhebt sich der Morgen
über die letzten Schatten hinweg.
In seinem Glanz bettet sich die Nacht,
Vertrauensvoll ruhend im Schein ihrer Wiederkehr.

Ihre Vergänglichkeit, so weiß sie,
ist ein Teil des Unendlichen.
Mit jeder Wolke schickt sie
einen Traum auf die Reise.
Sehnsuchtsvoll erwartet sie die Begegnung
in der unbegrenzten azurblauen Weite.


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Alt 15.06.2007, 22:47
  #510 Nach oben
AW: Sommer
Moderatorin Weiblich
 
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Registriert seit: 10.01.2004
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Beiträge: 35.732
Zum Geburtstag im Juni
Den Jahreszeiten allen
Selbviert sei Preis und Ehr!
Nun sag ich: Mir gefallen
Sie minder oder mehr.

Der Frühling wird ja immer
Gerühmt, wie sich's gebührt,
Weil er mit grünem Schimmer
Die graue Welt verziert.

Doch hat in unsrer Zone
Er durch den Reif der Nacht
Schon manche grüne Bohne
Und Gurke umgebracht.

Stets wird auch Ruhm erwerben
Der Herbst, vorausgesetzt,
Daß er mit vollen Körben
Uns Aug und Mund ergörzt.

Indes durch leises Tupfen
Gemahnt er uns bereits:
Bald, Kinder, kommt der Schnupfen
Und's Gripperl seinerseits.

Der Winter Kommt. Es blasen
Die Winde scharf und kühl;
Rot werden alle Nasen,
Und Kohlen braucht man viel.

Nein, mir gefällt am besten
Das, was der Sommer bringt,
Wenn auf belaubten Ästen
Die Schar der Vöglein singt.

Wenn Rosen, zahm und wilde,
In vollster Blüte stehn,
Wenn über Lustgebilde
Zephire kosend wehn.

Und wollt' mich Einer fragen,
Wann's mir im Sommer dann
Besonders tät behagen,
Den Juni gäb ich an.

Und wieder dann darunter
Den selben Tag gerad,
Wo einst ein Kindlein munter
Zuerst zu Tage trat.

Drum flattert dies Gedichtchen
Jetzt über Berg und Tal
Und grüßt das liebe Nichtchen
Vom Onkel tausendmal.

von Wilhelm Busch

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