Das Forum für Gesundheit
Erfahrungs- und Wissensaustausch von Interessierten und Betroffenen.
Kein Ersatz für professionelle ärztliche Beratung oder Behandlung.
von Werner Klöpper
1.
Altweibersommer, wie genieße ich deine süßen Früchte,
wie genieße ich deine roten Blätter, die das ganze Jahr rot sind,
wie die Begonien, die vor dem Fenster stehen und darauf warten,
von der Sonne in ein anderes Rot getaucht zu werden. Die
Schnitzereien des Schreibtisches erinnern an unser Familienwappen,
das schon seit alters her den Stammbaum unserer
Familie prägt und auf allen Briefbögen zu finden ist.
2.
Altweibersommer, wie genieße ich deinen zarten Atem, der
mir leise Liebesworte in den Nacken haucht, wie genieße
ich die tobenden Hunde im Südpark, die sich begierig auf
jeden kleinen Ast stürzen, den man ihnen zuwirft.
Die roten Rosen in dem bläulichen Krug lassen bei dem warmen
Wetter vorzeitig die Köpfe hängen, während der gelb-rosa
Blumenstrauß in der gelb-grünen Vase grün umrankt vor sich
hin strahlt.
3.
Altweibersommer, dein Haupt ist rebenumkränzt. Begierig
lauschen deine Kinder auf das, was du ihnen sagen möchtest.
Auf deinem Schreibtisch stapeln sich die Ansichtskarten aus
fernen Ländern. Mit dem Alter kommt die Weisheit...sehr
sehr langsam. Die Liebenden fliegen auf einem riesengroßen
Hahn über ein Phantasieland, Geigen und Tierköpfe hängen
in der Luft.
Tauben gurren vor dem Fenster. Eichhörnchen springen von
Ast zu Ast. Wir haben sie geschossen und dann in Butter
gebraten . Ungewohnt ist der Geschmack auf der Zunge.
Der stürmische Wind treibt die letzten Wolken über den
blauen Himmel. Spärliche Sonnenstrahlen verirren sich
zum Travelmann. Die Sonnenschirme sind zugeklappt.
Das Familienpicknick auf dem Rasen mit der Großfamilie
ist schon vom Winde verweht, ausgelöscht die letzten Spuren
des Grillabends vom Nieselregen.
4.
Türkische Musik kommt durch das geöffnete Fenster zu mir
geflogen. Grün vermischt sich mit Sonnenstrahlen.
5.
Fahrradtour zur Werse. Strahlender Sonnenschein vom blauen
Himmel. Kanufahrer, die singend auf der Werse paddeln.
Wochenendhäuser, die den Blick versperren auf den mit
Seerosen zugewachsenen Fluß.
Einkehr auf einem ehemaligen Bauernhof, der jetzt ein Kaffeehaus
ist.
Der Himmel zugezogen mit Schäfchenwolken.
6.
Heute stürmisches Wetter mit Orkanböen. Es regnet viel mit
Aufheiterungen. Herbstliches Wetter ohne den goldenen Oktober.
Altweibersommer , schon vorbei.
Wer sich auf mein Niveau begibt, kommt darin um! ;)
Gleich einer reifen Frau von schönster Sorte
streift jener Sommer noch einmal das Feld, die Flur.
Verwöhnt mit seinem lauen Atem viele Orte,
zeigt unverhüllt die Herrlichkeiten der Natur.
Noch küssen uns des Sommers warme Strahlen,
der Herbst, er scheint so weit und fern zu sein.
Und während Sonnenblumen sich gen Himmel malen,
erfreut den Menschen Obst und neuer Wein.
Wie lange mag der Sommer seine Tage mit uns teilen,
sein helles Antlitz und die übervolle, pure Lust.
Wir wünschten uns, er müsse nicht so schnell enteilen,
und mancher wehe Ton liegt auf der heißen Brust.
Schon bald hat er sein frohes Spiel verloren,
der Herbst tut eisern die Regentschaft kund.
Dann wird die Macht des Windes neu geboren,
der Bäume Blätter werden wieder welk und bunt.
Hansjürgen Katzer
Hinweis:
Moderatoren sorgen für die Rahmenorganisation im Board. Beteiligen sie sich inhaltlich,
sollte aus ihrer Moderatorenfunktion keine spezielle fachliche Kompetenz abgeleitet werden.
Die Bäume tropfen vom Gewitterguß,
im nassen Laub glänzt Mondlicht kühlvertraut,
vom Tal herauf der unsichtbare Fluß
tönt dunkel her mit ruhelosem Laut.
Jetzt im Gehöfte schlagen Hunde an -
o Sommernacht und halbverhangene Sterne
wie reißt es mir auf eurer bleichen Bahn
das Herz hinaus in Reiserausch und Ferne!
Das ist ein Abschied mit Standarten
aus Pflaumenblau und Apfelgrün.
Goldlack und Astern flaggt der Garten,
und tausend Königskerzen glühn.
Das ist ein Abschied mit Posaunen,
mit Erntedank und Bauernball.
Kuhglockenläutend ziehn die braunen
und bunten Herden in den Stall.
Das ist ein Abschied mit Gerüchen
aus einer fast vergessenen Welt.
Mus und Gelee kocht in den Küchen.
Kartoffelfeuer qualmt im Feld.
Das ist ein Abschied mit Getümmel,
mit Huhn am Spieß und Bier im Krug.
Luftschaukeln möchten in den Himmel.
Doch sind sie wohl nicht fromm genug.
Die Stare gehen auf die Reise.
Altweibersommer weht im Wind.
Das ist ein Abschied laut und leise.
Dir Karussells drehn sich im Kreise.
Und was vorüber schien, beginnt.
Hinweis:
Moderatoren sorgen für die Rahmenorganisation im Board. Beteiligen sie sich inhaltlich,
sollte aus ihrer Moderatorenfunktion keine spezielle fachliche Kompetenz abgeleitet werden.
Du hast doch auch ein schönes Hesse-Bild gefunden ! Es ist sicher ein Motiv aus seiner Wahlheimat Tessin.
Föhnige Nacht
Schaukelt im wehenden Föhnwind der Feigenbaum
Wieder wie Schlangen wirr die gewundenen Äste,
Seigt übers kahle Gebirg zu einsamem Feste
Vollmond empor und beseelt mit Schatten den Raum,
Spricht zwischen gleitenden Wolkenschiffen der Lichte
Träumerisch mit sich selber und zaubert die Nacht
Über dem Seetal still zum Seelenbild und Gedichte,
Daß mir im Herzen zuinnerst Musik erwacht,
Dann erhebt sich in drängender Sehnsucht die Seele,
Fühlt sich jung und begehrt ins flutende Leben zurück,
Kämpft mit dem Schicksal und ahnt, woran es ihr fehle,
Summt sich Lieder und spielt mit dem Traume vom Glück,
Möchte noch einmal beginnen, noch einmal der fernen
Jugend heiße Gewalten beschwören ins kühlere Heut,
Möchte wandern und werben und bis zu den Sternen
Dehnen der schweifenden Wünsche dunkles Geläut.
Zögernd schließ ich das Fenster, entzünde das Licht,
Seh die weißglänzenden Kissen des Bettes warten,
Weiß den Mond um die Welt und das wehende Wolkengedicht
Draußen lebendig im Föhn überm silbrigen Garten,
Finde zurück mich langsam zu meinen gewohnten Dingen,
Höre bis in den Schlaf das Lied meiner Jugend klingen.
Hermann Hesse
Hinweis:
Moderatoren sorgen für die Rahmenorganisation im Board. Beteiligen sie sich inhaltlich,
sollte aus ihrer Moderatorenfunktion keine spezielle fachliche Kompetenz abgeleitet werden.
[44] DES ALTEN MANNES SEHNSUCHT
NACH DEM SOMMER
Wenn endlich Juli würde anstatt März,
Nichts hielte mich, ich nähme einen Rand,
Zu Pferd, zu Wagen oder mit der Bahn
Käm ich hinaus ins schöne Hügelland.
5Da stünden Gruppen großer Bäume nah,
Platanen, Rüster, Ahorn oder Eiche:
Wie lang ists, daß ich keine solchen sah!
Da stiege ich vorn Pferde oder riefe
Dem Kutscher: Halt! und ginge ohne Ziel
10Nach vorwärts in des Sommerlandes Tiefe.
Und unter solchen Bäumen ruht ich aus;
In deren Wipfel wäre Tag und Nacht
Zugleich, und nicht so wie in diesem Haus,
Wo Tage manchmal öd sind wie die Nacht
15Und Nächte fahl und lauernd wie der Tag.
Dort wäre Alles Leben, Glanz und Pracht.
Und aus dem Schatten in des Abendlichts
Beglückung tret ich, und ein Hauch weht hin,
Doch nirgend flüsterts: »Alles dies ist nichts.«
20Das Tal wird dunkel, und wo Häuser sind,
Sind Lichter, und das Dunkel weht mich an,
Doch nicht vom Sterben spricht der nächtige Wind.
[45] Ich gehe übern Friedhof hin und sehe
Nur Blumen sich im letzten Scheine wiegen,
25Von gar nichts anderm fühl ich eine Nähe.
Und zwischen Haselsträuchern, die schon düstern,
Fließt Wasser hin, und wie ein Kind, so lausch ich
Und höre kein »Dies ist vergeblich« flüstern!
Da ziehe ich mich hurtig aus und springe
30Hinein, und wie ich dann den Kopf erhebe,
Ist Mond, indes ich mit dem Bächlein ringe.
Halb heb ich mich aus der eiskalten Welle,
Und einen glatten Kieselstein ins Land
Weit schleudernd, steh ich in der Mondeshelle.
35Und auf das mondbeglänzte Sommerland
Fällt weit ein Schatten: dieser, der so traurig
Hier nickt, hier hinterm Kissen an der Wand?
So trüb und traurig, der halb aufrecht kauert
Vor Tag und böse in das Frühlicht starrt
40Und weiß, daß auf uns beide etwas lauert?
Er, den der böse Wind in diesem März
So quält, daß er die Nächte nie sich legt,
Gekrampft die schwarzen Hände auf sein Herz?
Ach, wo ist Juli und das Sommerland!
Daß Araber an ihrem Teil
Die Weite froh durchziehen,
Hat Allah zu gemeinem Heil
Der Gnaden vier verliehen.
Den Turban erst, der besser schmückt
Als alle Kaiserkronen;
Ein Zelt, daß man vom Orte rückt,
Um überall zu wohnen;
Ein Schwert, das tüchtiger beschützt
Als Fels und hohe Mauern;
Ein Liedchen, das gefällt und nützt,
Worauf die Mädchen lauern.
Und Blumen sing ich ungestört
Von ihrem Shawl herunter;
Sie weiß recht wohl, was ihr gehört,
Und bleibt mir hold und munter,
Und Blum und Früchte weiß ich euch
Gar zierlich aufzutischen;
Wollt ihr Moralien zugleich,
So geb ich von den frischen.
Wer sich auf mein Niveau begibt, kommt darin um! ;)
Blauer Schmetterling von Hermann Hesse Flügelt ein kleiner blauer
Falter vom Wind geweht,
Ein perlmutterner Schauer,
Glitzert, flimmert, vergeht.
So mit Augenblicksblinken,
So im Vorüberwehn
Sah ich das Glück mir winken,
Glitzern, flimmern, vergehn.
Wer sich auf mein Niveau begibt, kommt darin um! ;)