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Alt 04.08.2006, 15:51
  #431 Nach oben
Leòn Leòn ist offline
Themenstarter
Extrem fleissiges Mitglied Männlich
 
Registriert seit: 19.03.2006
Beiträge: 10.117
Und noch ein Mal: Der Wassermann. Eine mythologische Figur, die scheinbar viele Autoren angeregt hat. Interessant!

Der Wassermann
von Justinus Christian Andreas Kerner
Entstehungsjahr: 1800-1854

Es war in des Maien milden Glanz
Da hielten die Jungfern von Tübingen Tanz.

Sie tanzten und tanzten wohl allzumal
Um eine Linde im grünen Tal.

Ein fremder Jüngling in stolzem Kleid
Sich wandte bald zu der schönsten Maid;

Er reichte ihr dar die Hände zum Tanz,
Er setzt ihr aufs Haar einen meergrünen Kranz.

O Jüngling! warum ist so kalt dein Arm?
"In Neckars Tiefen da ist's nicht warm."

O Jüngling! warum ist so bleich deine Hand?
"Ins Wasser dringt nicht der Sonne Brand!"

Er tanzt mit ihr von der Linde weit;
Laß, Jüngling! horch, die Mutter schreit!

Er tanzt mit ihr den Neckar entlang;
Laß, Jüngling! weh! mir wird so bang!

Er faßt sie fest um den schlanken Leib:
"Schön Maid! du bist des Wassermanns Weib!"

Er tanzt mit ihr in die Wellen hinein:
O Vater und du, o Mutter mein!

Er führt sie in einen kristallenen Saal.
Ade, ihr Schwestern im grünen Tal!


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Alt 04.08.2006, 15:57
  #432 Nach oben
Leòn Leòn ist offline
Themenstarter
Extrem fleissiges Mitglied Männlich
 
Registriert seit: 19.03.2006
Beiträge: 10.117
Noch eine Variante:


Die schöne Lilofee


Es freit´ ein wilder Wassermann.
Er freit´ nach königlichem Stamm
Um die schöne Lilofee.

Er ließ eine Brücke mit Gold beschlagen,
darauf sollt´ sie spazieren gahn,
die schöne Lilofee.

Und als sie auf die Brücke kam,
der Wassermann zog sie hinab,
die schöne Lilofee.

Da unten war sie sieben Jahr.
Und sieben Kind sie ihm gebar,
die schöne Lilofee.

Und als sie bei der Wiege stand,
da hört´ sie einen Glockenklang,
die schöne Lilofee.

„Ach Wassermann, lieber Wassermann,
laß mich einmal zur Kirche gahn,
mich arme Lilofee.“

Und da sie auf den Kirchhof kam,
da neigt´ sich Laub und grünes Gras
vor der schönen Lilofee.

Und da sie in die Kirche kam,
da neigt´ sich Graf und Edelmann
vor der schönen Lilofee.

Der Vater machte die Bank ihr auf,
die Mutter legt ein Kissen drauf
der schönen Lilofee.

Sie führten sie an den gedeckten Tisch
Und trugen ihr auf viel Fleisch und Fisch,
der schönen Lilofee.

Da sie den ersten Bissen aß,
fiel ihr ein Apfel in den Schoß,
der schönen Lilofee.

„Ach, liebe Mutter, seid so gut,
werft mir den Apfel in Feuersglut,
mir armen Lilofee.“

„Ei, willst du mich verbrennen hier?
Wer wird unsre Kinder ernähren mir,
du schöne Lilofee?“

„Die Kinder, die wollen teilen wir.
Nimmst du ihr drei, nimm ich ihr vier,
ich arme Lilofee.“

„Nimm ich ihr drei, nimmst du ihr drei,
das siebente wollen wir teilen gleich,
du schöne Lilofee.

Nimm ich ein Bein, nimmst du ein Bein,
daß wir einander gleiche sein,
du schöne Lilofee.“

„Und eh´ ich mir lass´ ein Kind zerteiln,
viel lieber will ich im Wasser weiln,
ich arme Lilofee!“

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Alt 04.08.2006, 16:09
  #433 Nach oben
Leòn Leòn ist offline
Themenstarter
Extrem fleissiges Mitglied Männlich
 
Registriert seit: 19.03.2006
Beiträge: 10.117
So, ein Letztes noch zu diesem Thema:

Der Wassermann
- Meine Geschichte -
von Sidonie Grünwald-Zerkowitz
(1852-1907)

Ich blickte hinab auf die Donau,
Da nahtest leise Du.
Mich zog es, ins Aug' Dir zu schauen -
Ich hört' Deiner Rede zu. -

Und pflückte mir süße Blumen
Von Deiner Seel', die geglüht;
Die haben voll Zauber geduftet
Mir tief hinein ins Gemüt.

Gelauscht hab' ich und geschaut nur,
Und vergaß dabei, was ich wag' -
Und eh' ich mich konnte besinnen,
In Deinen Armen ich lag. -

Und als ich von Dir in die Fluten
Der Donau schaute hinein,
Fiel aus der Kindheit das Mährchen
Vom »Wassermann« mir ein,

Vom Wassermann, der die Kinder,
Die pflücken Blumen am Rand,
Zu sich zieht in die Tiefen ...
Mit schmeichelnder Zauberhand. -

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Alt 04.08.2006, 18:38
  #434 Nach oben
Moderatorin Weiblich
 
Benutzerbild von Oregano
 
Registriert seit: 10.01.2004
Ort: Bayern
Beiträge: 35.572
Früher war eine Methode des Selbstmordes ja das "Ins Wasser Gehen". Vielleicht sind u.a. deshalb so viele Wassermann-Geschichten entstanden?
Dramatische Geschichten...
************************************************** *******

Hier Gedichte und Zeichnungen von Ludwig Janssen. Sehr eindrucksvoll, finde ich, vor allem, wenn man sich die Lebensdaten anschaut.


Glaube und Liebe
Lichtzarte Rettung in uns
Arche sein dem Du.

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sollte aus ihrer Moderatorenfunktion keine spezielle fachliche Kompetenz abgeleitet werden.
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Alt 04.08.2006, 18:45
  #435 Nach oben
Leòn Leòn ist offline
Themenstarter
Extrem fleissiges Mitglied Männlich
 
Registriert seit: 19.03.2006
Beiträge: 10.117
Meine Güte! - Was macht dieser Mensch eigentlich nicht?

Zitat:
Komplexe Zusammenhänge verständlich aufbereiten und lesbar machen - so beschreibt Ludwig Janssen seine tägliche Arbeit. Der in Ostfriesland aufgewachsene und ausgebildete Elektriker studierte anschließend in Kassel Sozialwesen und in Bonn Politik und Geschichte. Während des Studiums kam der passionierte Saxophonspieler und Marathonläufer zum Schreiben und arbeitete für Verlage, Zeitschriften und Rundfunkanstalten. Er war zwei Jahre beim Literaturrat NRW angestellt und anschließend für die Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes der Verlage und Buchhandlungen NRW verantwortlich.
1996 machte er sich als Redakteur, Lektor und Autor selbständig.
In fassungsloser Bewunderung

Leòn

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Alt 05.08.2006, 15:47
  #436 Nach oben
AW: Sommer
Moderatorin Weiblich
 
Benutzerbild von Malve
 
Registriert seit: 26.04.2004
Beiträge: 11.046
Aquarius

When the moon is in the Seventh House
and Jupiter aligns with Mars
Then peace will guide the planets
And love will steer the stars

This is the dawning of the age of Aquarius
The age of Aquarius
Aquarius! Aquarius!

Harmony and understanding
Sympathy and trust abounding
No more falsehoods or derisions
Golden living dreams of visions
Mystic crystal revelation
And the mind's true liberation
Aquarius! Aquarius!

(Aus dem Musical HAIR)


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Alt 05.08.2006, 15:50
  #437 Nach oben
Let the sunshine in
Leòn Leòn ist offline
Themenstarter
Extrem fleissiges Mitglied Männlich
 
Registriert seit: 19.03.2006
Beiträge: 10.117
Genau und dann regiert die Erde
der Wassermann,
der Wassermann...


Danke Uma, für diese Erinnerung an "Hair"!

In dem Sinne:

"Lasst die Sonne, lasst den Sonnenschein
in Euer Herz hinein!"

Liebe Grüße von

Leòn

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Alt 05.08.2006, 16:13
  #438 Nach oben
AW: Sommer
Moderatorin Weiblich
 
Benutzerbild von Oregano
 
Registriert seit: 10.01.2004
Ort: Bayern
Beiträge: 35.572
Huch, Leòn, Du hast Dich aber gewaltig verändert ... Diesen Herrn da schätze ich außerordentlich, aber ich wußte noch gar nicht, daß Du Engländer bist. Bisher schien mir Deine Muttersprache unbedingt Deutsch zu sein. So kann man sich täuschen ...

************************************************** *****
Manchmal ist es draußen schon ein bißchen herbstlich:


INDIAN SUMMER
Emily Dickinson [1830-1886]

These are the days when birds come back,
A very few, a bird or two,
To take a backward look.

These are the days when skies put on
The old, old sophistries of June, -
A blue and gold mistake.

Oh, fraud that cannot cheat the bee,
Almost thy plausibility
Induces my belief,

Till ranks of seeds their witness bear,
And softly through the altered air
Hurries a timid leaf!

Oh, sacrament of summer days,
Oh, last communion in the haze,
Permit a child to join,

Thy sacred emblems to partake,
Thy consecrated bread to break,
Taste thine immortal wine!

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Alt 05.08.2006, 17:17
  #439 Nach oben
AW: Sommer
Leòn Leòn ist offline
Themenstarter
Extrem fleissiges Mitglied Männlich
 
Registriert seit: 19.03.2006
Beiträge: 10.117
Das Raubtier (Fiara)
von Mircea Ciobanu


"Das alte Raubtier, wie ich sie einst nannte,
im Schlupfwinkel eines Gedichts,
das alte Raubtier, die Weinrebe, war brüllend auf den Mauern gewachsen,
hatte die Stadt überzogen.
Brüllend wachte sie morgens auf,
brüllend schlief sie ein,
ihre Eingeweide sog sie mit bitteren Laugen voll,
will sagen mit dem nächtlichen Schweiß
der schwarzen, rauhen Kalke.
Die Löwen, in den weiten Käfigen,
die Löwen im Park ächzten, wenn sie ihr Brüllen hörten,
das Fell auf ihren Rücken kräuselte sich wie Wasser,
über das der Wind streicht.
Niemand hat auch nur ein Wort ausgesprochen gegen
ihr Wachsen."

Dieses diktiertest du
deinem Schreiber - während die Weinrebe sich
gerade an deinen Fenstern emporarbeitete.
Es war ihr ein Leichtes unter die Maisschuppen
der hohen Türme zu dringen,
Schiefer und Ziegel beiseitezuschieben,
ein Leichtes, bis zu den Dachrinnen deiner Häuser
zu klettern.
Schau, sie ist in die Fensterflügel vorgedrungen und während sie abwärts
kriecht, schlingt sie Gitter und dauerhafte Knoten -
das Fenster der Schreibstube
liegt unter einem dichteren Schatten jetzt als die Wolke gestern
abend.

Der Schreiber mit versteinerter Hand verharrt er über
dem weißen Blatt. Du hast ihn gerufen
wegen der sogenannten Diktierten Chronik - und jetzt ist er im Dunkeln
geblieben. Du hast genug verwahrloste, dem Vergessen anheimgegebene
Fächer, kennst viele, irgendwo im Haus verborgene,
seit langem nicht durchstöberte Stellen,
denk nur an den Dachbalken, in Harz gehüllt -
überall hast du
Lampen mit versteinertem Öl im Innern.
Mach etwas Licht, wenigstens für den Schreiber. Er hört nicht
das Brüllen des Raubtiers,
das Krachen seiner Kiefer; er hört
nur deine Worte. Fahr fort wo du stehengblieben bist
und diktiere: "Draußen, da heißt das Licht
noch Licht. Der Mittag
hat seinen Namen nicht eingebüßt."



http://www.jbeilharz.de/seiler/uebers.html

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Alt 05.08.2006, 19:17
  #440 Nach oben
AW: Sommer
Moderatorin Weiblich
 
Benutzerbild von Malve
 
Registriert seit: 26.04.2004
Beiträge: 11.046
Hallo Leòn - hab mich auch schon gewundert, wie schnell so eine Typveränderung vonstatten gehen kann ...

Hallo Uta - ich liebe den Indian Summer bzw.- etwas weniger taktvoll ausgedrückt - den Altweibersommer mit all seinen Farben!

Zitat:
Altweibersommer - auch Flugsommer, Frauensommer, Witwensommer
Der Ursprung dieser Bezeichnung führt weit in die Vergangenheit, vermutlich sogar bis in die germanische Mythologie.
Seit etwa 1800 gibt es den Namen Altweibersommer. Man teilte davor nur die Jahreszeiten in Sommer und Winter ein.
Den Frühling nannte man den "Jungen Weibersommer", und der Herbst wurde als "Alter Weibersommer" bezeichnet
Von Mitte bis Ende September gibt es fast jedes Jahr eine der schönsten und beständigsten Hochdruckwetterlagen über Mitteleuropa. Ursache ist ein Festlandshoch über Osteuropa, das trocken-kontinentale Luft nach Mitteleuropa einströmen lässt. Typisch sind auch die morgendlichen Nebelfelder in den Flußniederungen, die sich durch die noch ausreichend starke Sonneneinstrahlung vormittags auflösen. Dieses schöne Hochdruckwetter kann von mehreren Tagen bis Wochen dauern, ja selbst noch bis in die ersten Oktobertage hinein.
In Wetterstatistiken ist diese Schönwetterperiode seit ca. 200 Jahren nachweisbar und in Bauernregeln sogar seit mehreren Jahrhunderten.

Der Altweibersommer hat seinen Namen von den vielen dünnen Spinn-Fäden, die in dieser Zeit in der Luft schweben. Sie erscheinen, von Nebel und Tau benetzt, wie Perlschnüre. Die Kühle am Morgen zaubert diese Tauperlenschnüre ins Gras.
Mit "weiben" wurde im Altdeutschen das Knüpfen der Spinnweben bezeichnet. Im Volksglaube wurden diese Spinnweben aber auch für Gespinste von Elfen und Zwergen gehalten.
Das Christentum sah früher darin ein Zeichen Gottes und auch der heiligen Maria. In Südddeutschland wurden diese Fäden auch als Marienfaden, Marienhaar, Marienseide oder Mariengarn bezeichnet.
Millionen von Jungspinnen und erwachsenen Kleinspinnen wie die Baldachinspinnen oder Zwergspinnen produzieren diese durch die Luft schwebenden Fäden. Die Spinnen erklettern einen herausragenden Punkt und lassen dann in einer besonderen Stellung die Spinnfäden aus ihrem Hinterleib austreten um sich damit durch die Luft tragen zu lassen. Dies wird als tip-toe-Verhalten bezeichnet. Wenn die Fäden dann ihr Gewicht (ca. ein Hundertstel Gramm) tragen, und vom warmen Boden aus eine entsprechende Thermik herrscht und die Spinnen so in höhere Luftschichten trägt, fliegen sie ungesteuert mit davon.
Indian Summer (Indianersommer)
In Nordamerika heißt die frühherbstliche Schönwetterperiode "Indian Summer" und ist besonders berühmt in Massachusetts für seine prächtige Laubfärbung.
Bezeichnungen in anderen Ländern:
  • In Schweden: Birgitta Sommer
  • In der Schweiz: Witwensommer, Witwensömmerli
  • In Böhmen: Wenzelsommer
  • In Frankreich: (Ete de la Saint-Martin)
    Die Spinnfäden in Frankreich bezeichnet man als filis de la Vierge, was soviel heist wie die Fäden der Jungfrau Maria.
Legenden, Sagen und Erzählungen:

Legende 1: Diese durch die Luft schwebenden Fäden erinnerten unsere Vorfahren an das Garn, das früher von den am Spinnrad sitzenden „alten Weibern"gesponnen wurde.
Legende 2: Das Christentum berichtete früher, daß die Silberfäden des Altweibersommers aus dem Mantel Marias stammen, den sie bei ihrer Himmelfahrt trug.
www.brauchtumsseiten.de



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