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Alt 03.08.2006, 16:01
  #421 Nach oben
Leòn Leòn ist offline
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Extrem fleissiges Mitglied Männlich
 
Registriert seit: 19.03.2006
Beiträge: 10.117
Der verwundete Baum

C.F. Meyer


Sie haben mit dem Beile dich zerschnitten,
Die Frevler - hast du viel dabei gelitten?
Ich selber habe sorglich dich verbunden
Und traue: Junger Baum, du wirst gesunden!
Auch ich erlitt zu schier derselben Stunde
Von schärferm Messer eine tiefre Wunde.
Zu untersuchen komm ich deine täglich,
Und meine fühl ich brennen unerträglich.
Du saugest gierig ein die Kraft der Erde,
Mir ist, als ob auch ich durchrieselt werde!
Der frische Saft quillt aus zerschnittner Rinde
Heilsam. Mir ist, als ob auch ichs empfinde!
Indem ich deine sich erfrischen fühle,
Ist mir, als ob sich meine Wunde kühle!
Natur beginnt zu wirken und zu weben,
Ich traue: Beiden geht es nicht ans Leben!
Wie viele, so verwundet, welkten, starben!
Wir beide prahlen noch mit unsern Narben!



Wer sich auf mein Niveau begibt, kommt darin um! ;)
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Alt 03.08.2006, 16:05
  #422 Nach oben
Moderatorin Weiblich
 
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Beiträge: 35.572
muttermattes Lächeln? mh - soso - hm - was bedeutet das denn nun?

**************************************************

Peter Paul Althaus 1892-1965

In der Traumstadt ist ein Lächeln stehn geblieben;
niemand weiß, wem es gehört.
Und ein Polizist hat es schon dreimal aufgeschrieben,
weil es den Verkehr, dort wo es stehn geblieben, stört.

Und das Lächeln weiß auch nicht, wem es gegolten;
immer müder lächelnd steht es da,
kaum beachtet, und gescholten
und geschubst und weggedrängt, wenn ja.

Langsam schleicht es sich von hinnen;
doch auf einmal wird es licht verklärt
und dann geht es ganz nach innen -
und du weißt, wem es gegolten und gehört.

http://www.bod.de/index.php?id=635&auto_id=4125

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Alt 03.08.2006, 16:14
  #423 Nach oben
Leòn Leòn ist offline
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Extrem fleissiges Mitglied Männlich
 
Registriert seit: 19.03.2006
Beiträge: 10.117
Hallo Uta,

das Gedicht stammt aus den "Marienversen" von Rilke und ist aus der Perspektive eines jungen Mädchens geschrieben.
"Muttermatt" bezieht sich auf die Mutterrolle Marias. Naja, es ist nicht das gängigste Deutsch....

Gruß von
Leòn

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Alt 03.08.2006, 16:18
  #424 Nach oben
Moderatorin Weiblich
 
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Beiträge: 35.572
Ich bin noch beim Lächeln bzw. Lachen

Erich Kästner

Kicherfritzen
Habt ihr das schon mal gemacht:
ohne jeden Grund gelacht?
Na wie steht's? Ich glaube sicher,
daß ihr dieses Lachen kennt,
das man allgemein Gekichernennt.

Wie entsteht so etwas bloß?
Es entsteht nicht. Es geht los.
Eben noch tat keiner mucksen.
Fritz beginnt herumzudrucksen.

Paul hat sich parterre gesetzt,
denkt nichts Böses, hört sie juxen
und bekichert sich zuletzt.

Schließlich platzen sie vor Lachen.
Und sie meckern wie die Ziegen,
bis sie fast am Boden liegen.

Und sie finden es zu dumm.
Doch da läßt sich gar nichts machen,
und sie meckern und sie lachen,
und sie wissen nicht warum.

Keiner sieht den andern an,
denn sonst würde es noch schlimmer.
Und das Kicher wird Gewimmer.
Mutter sitzt im Nebenzimmer
und bleibt ernst, so gut sie kann.
Kichern strengt genauso an
wie ein Tausend-Meter-Lauf.

Und so leise, wie's begann,
hört es auf.

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Alt 03.08.2006, 16:21
  #425 Nach oben
Leòn Leòn ist offline
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Beiträge: 10.117
Oh ja, das kenne ich!

Es tritt inzwischen nur noch selten auf...aber ich wurde während meiner Schulzeit zwei Mal wegen solch eines "Anfalles" vor die Klassenzimmer - Tür gesetzt!

Gruß von
Leòn

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Alt 03.08.2006, 16:31
  #426 Nach oben
Moderatorin Weiblich
 
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Beiträge: 35.572
Das passiert ja sonst eher Mädchen, die sich vor lauter Kichern gar nicht mehr einkriegen... Ich hoffe, Du hast keinen bleibenden Schaden abbekommen durch dieses Vor-die-Tür-Gesetzt-werden? .

Ich wurde eher vor die Tür gesetzt, weil ich so frech war - hieß es ...

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Alt 03.08.2006, 16:39
  #427 Nach oben
Leòn Leòn ist offline
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Beiträge: 10.117
Was Dir heute bestimmt nicht mehr passieren würde, oder?



Ebenfalls freche Grüße von

Leòn

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Alt 03.08.2006, 17:11
  #428 Nach oben
Leòn Leòn ist offline
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Beiträge: 10.117
Der Nöck
http://gutenberg.spiegel.de/kopisch/...e/0htmldir.htm

von August Kopisch

Es tönt des Nöcken Harfenschall:

Da steht sogar still der Wasserfall,

Umschwebt mit Schaum und Wogen

Den Nöck im Regenbogen.

Die Bäume neigen

Sich tief und schweigen,

Und atmend horcht die Nachtigall. -

»O Nöck, was hilft das Singen dein?

Du kannst ja doch nicht selig sein!

Wie kann dein Singen taugen?«

Der Nöck erhebt die Augen,

Sieht an die Kleinen,

Beginnt zu weinen...

Und senkt sich in die Flut hinein.

Da rauscht und braust der Wasserfall,

Hoch fliegt hinweg die Nachtigall,

Die Bäume heben mächtig

Die Häupter grün und prächtig.

O weh, es haben

Die wilden Knaben

Der Nöck betrübt im Wasserfall!

»Komm wieder, Nöck, du singst so schön!

Wer singt, kann in den Himmel gehn!

Du wirst mit deinem Klingen

Zum Paradiese dringen!

O komm, es haben

Gescherzt die Knaben:

Komm wieder, Nöck, und singe schön!«

Da tönt des Nöcken Harfenschall,

Und wieder steht still der Wasserfall,

Umschwebt mit Schaum und Wogen

Den Nöck im Regenbogen.

Die Bäume neigen

Sich tief und schweigen,

Und atmend horcht die Nachtigall. -

Es spielt der Nöck und singt mit Macht

Von Meer und Erd und Himmelspracht.

Mit Singen kann er lachen

Und selig weinen machen!

Der Wald erbebet,

Die Sonn entschwebet...

Er singt bis in die Sternennacht!


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Alt 03.08.2006, 18:10
  #429 Nach oben
Moderatorin Weiblich
 
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Registriert seit: 10.01.2004
Ort: Bayern
Beiträge: 35.572
Hast Recht, Leòn: vor die Türe werde ich heute nicht mehr gesetzt ...



Melodie - Aus Nordböhmen


http://www.bigis-schatzkiste.de/inde...wassermann.htm

1. Es freit ein wilder Wassermann
Auf der Burg wohl über dem See.
Des Königs Tochter wollt er han,
|: Die schöne junge Lilofee. :|
2. Sie hörte drunten Glocken gehn
Im tiefen, tiefen See,
Wollt' Vater und Mutter wiedersehn,
|: Die schöne, junge Lilofee. :|

3. Und als sie vor dem Tore stand
Auf der Burg wohl über dem See,
Da neigt sich Laub und grünes Gras
|: Vor der schönen, jungen Lilofee. :|
4. Und als sie aus der Kirche kam
Vor der Burg wohl über dem See,
Da stand der wilde Wassermann
|: Vor der schönen, jungen Lilofee. :|
5. "Sprich, willst du hinuntergehn mit mir
Von der Burg wohl über dem See?
Deine Kindlein unten weinen nach dir,
|: Du schöne, junge Lilofee. :|

6. "Und eh ich die Kindlein weinen laß
Im tiefen, tiefen See,
Scheid ich von Laub und grünem Gras,
|: Ich arme, junge Lilofee." :|

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Alt 04.08.2006, 15:44
  #430 Nach oben
Leòn Leòn ist offline
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Extrem fleissiges Mitglied Männlich
 
Registriert seit: 19.03.2006
Beiträge: 10.117
Hallo Uta, nein - das wohl nicht mehr !
Schau mal, diese Variante habe ich gefunden:
http://www.gedichte-garten.de/forum/ftopic604.html


Der Wassermann

Volksballade

Es freit einmal ein Wassermann,
der wollte Königs Tochter han.

Er freit wohl länger als sieben Jahr,
bis daß die junge Braut seine war.

Sie ging wohl in den Garten,
und wollt der Blümlein warten.

Da sah sie in den Wolken stehn,
daß sie im Rhein sollt untergehn.

Sie ging wohl in die Kammer,
beweint sich ihren Jammer.

Ach Tochter, schweig nur stille,
und tu nach unserm Willen!

Und so du tust, wie's uns gefällt,
so kommst du ja nicht aus der Welt.

Der Bräut'gam kam geritten
mit vierundvierzig Reitern.

Guten Tag, guten Tag, liebste Eltern mein,
wo ist denn nun das junge Bräutelein?

"Da drinnen in der Kammer
schlägt sie die Händ zusammen."

Der Bräut'gam war ein geschwindiger Mann,
er schaut, daß er in die Kammer kam.

"Ach, Bräutlein, liebstes Bräutlein mein,
wie geht dir's denn im Kämmerlein?"

"Mir geht's nicht gut, mir geht's nicht wohl,
und daß ich heut noch sterben soll.

Ei, Mutter, herzliebste Mutter mein,
laß mich dies Jahr noch Jungfer sein!"

"Keine Jungfer darfst du nicht mehr sein,
du mußt ja jetzt schon seine sein!"

"Ei, Mutter, bleib in Gottes Nam'n!
Jetzt seht ihr mich zum letztenmal!"

Und als sie auf den Wagen stieg,
ihrem Vater und Mutter gute Nacht sie gibt.

"Gute Nacht, gute Nacht, mein Töchterlein!
Wir hoffen, es wird dein Glück noch sein."

"Wie soll denn das mein Glück noch sein?
Seine Mutter ist ein wildes Wasserweib,
das wird mir kosten meinen Leib."

Und als sie auf Grundheid nauskam'n,
zwei weiße Schwanen ihr entgegenkam'n.

"Fliegt ihr nur hin, wo Freude ist!
Ich fahre hin, wo Elend ist.

Das kann ich an der Sonne sehn,
daß ich heut muß zugrunde gehn."

Und als sie an die Brücke kam'n,
ihren Tod sie schon vor Augen sah.

"Nun zieht mir aus mein Ehrenkleid,
ich mach mich gleich zum Tod bereit."

Er ließ die Brücke befahren
mit vierundvierzig Wagen.

Sie fuhren hinüber, sie fuhren herüber,
die junge junge Braut wollte nicht hinüber.

Er ließ die Brücke bereiten
mit vierundvierzig Reitern.

Sie ritten hinüber, ritten wieder herüber,
die junge junge Braut wollte nicht hinüber.

Und als sie auf die Brücke kam,
ein Stein mit ihr zu Grunde gang.

"Geschwind, geschwind, eine Kette,
damit ich sie errette!"

Sie schwimmt wohl hin, sie schwimmt wohl her,
die Braut, die sah man nimmermehr.

"Soll das die siebente Seele sein,
die ich gefahren hab an diesen Rhein,
so soll mein Mutter die achte sein!"



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