MW mit "nur" psychischer Ausprägung möglich?

12.11.08 08:08 #1
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MW mit "nur" psychischer Ausprägung möglich?

Lenia76 ist offline
Themenstarter Beiträge: 4
Seit: 12.11.08
Hallo Zusammen,

kurze Zwischenfrage, ist "Kupfer im Serumspiegel" Bestandteil eines großen Blutbildes?

Danke und Grüße

MW mit "nur" psychischer Ausprägung möglich?

margie ist offline
Beiträge: 4.564
Seit: 02.01.05
Hallo Lenia,

ein großes Blutbild umfasst nur die Zusammensetzung des Blutes, also rote und weiße Blutkörperchen (das sind Erythrozyten und Leukozyten), MCV (=mittleres Zellvolumen der roten Blutkörperchen), Hämatokrit, MCH, MCHC, Lymphozyten, etc.
Es gehören weder die Leberwerte oder Nierenwerte dazu und noch weniger Spezialwerte wie Kupfer, Zink, Coeruloplasmin etc.

Bei MW würde ich folgende Blutwerte bestimmen lassen:
Die Leberwerte (also GGT, GPT, GOT) mit GLDH und Cholinesterase. Die letzten beiden werden nämlich oft nicht gemacht, sagen aber sehr viel aus bei chronischen Leberkrankheiten.
Die alkalische Phosphatase muss auch unbedingt gemacht werden. Ist sie eher im unteren Normbereich oder gar erniedrigt, wäre dies ein (kleiner) Hinweis auf M. Wilson und außerdem auf einen Zinkmangel, den man bei M. Wilson haben kann.
Bilirubin ist auch ein wichtiger Leberwert.

Außerdem sollte man die Werte des Kupferstoffwechsels, das sind Coeruloplasmin und das Kupfer im Blutserum (nicht im Vollblut) bestimmen und zwar in einer Blutentnahme.
Daraus kann man das sog. freie Kupfer errechnen, das in einem Fall, der lange nicht diangostiziert wurde, hoch ausfallen müsste.

Das wären erst mal die allerwichtigsten Werte, wenn es um MW geht.

Man sollte dann noch den Patienten zu einem 24-Stunden-Sammelurin überreden und darin das 24h-Urinkupfer bestimmen.
Wie man sammelt siehe z. B. hier:
Die Sammelperiode des 24 h-Sammelurins erstreckt sich jeweils über einen Tag und eine Nacht und beginnt am Morgen um 7.00 oder 8.00 Uhr. Zuerst wird die Blase entleert. Dieser Urin wird noch nicht gesammelt. Von diesem Zeitpunkt an wird bis zum nächsten Morgen um die gleiche Zeit (diese Urinmenge gehört noch dazu) gesammelt.
24 h-Sammelurin

Man sollte wissen, dass die Werte des Kupferstoffwechsels, also Coeruloplasmin und Serum-Kupfer völlig im Normbereich liegen können und dennoch kann ein M. Wilson vorliegen.
Der Wert des sog. freien Kupfers ist dann noch sehr entscheidend. Dieser wird mit Hilfe einer Formel errechnet, die man hier findet:
MorbusWilsonEV
Wenn das Coeruloplasmin z. B. zwischen 20 und 30 mg/dl bzw. zwischen 0,2 und 0,3 g/l liegt, dann kann dennoch ein M. Wilson vorliegen (sagen Wilson-Experten und schreibt G. Brewer).
Man muss wissen, dass Coeruloplasmin ein sog. "akute-Phase-Protein" ist, genauso wie CRP, und das bedeutet, dass es höher ausfällt, wenn man Entzündungen oder Infekte hat (auch schon bei kleineren Infekten kann es hochgehen). Es kann also durch solche Dinge falsch hoch ausfallen. Insbesondere ältere Menschen haben ja oft chronische Infekte oder Entzündungen und da wird das Coeruloplasmin möglicherweise etwas höher ausfallen, als wenn dies nicht der Fall wäre.
Außerdem schwanken alle Werte stark.
So hatte ich vor meiner Diagnose beim sog. "freien Kupfer" immer wieder Werte über 60 µg/dl, aber auch immer wieder Werte unter 30 µg/dl und auch meine Coeruloplasminwerte schwanken mitunter stark.
Das heißt, man sollte die Werte öfters bestimmen, im mindesten 2 Mal (jedoch wären häufigere Bestimmungen noch sicherer). Man muss auch bedenken, dass die Labore öfters Fehler machen.
Schon wenn das Blut nicht zentrifugiert wurde, wirkt sich dies auf das Coeruloplasmin aus und dieser Wert sollte noch am Tag der Blutentnahme vom Labor auch bestimmt werden, denn es ist ein Protein (Eiweiß) und diese sind sehr empfindlich.
Es gibt also jede Menge Fehlerquellen bei diesen Bestimmungen.
Eine weitere wäre, dass manche Labore auch die Kupferbestimmung nicht richtig beherrschen sollen.

Vielleicht liegen auch in der manchmal schwierigen Diagnostik die Gründe, weshalb die Dunkelziffer bei MW so hoch ist, denn meiner Beobachtung nach wird die Diagnostik oft schon nach nur einer Blutuntersuchung wieder abgebrochen (wobei auch Kostengründe wohl eine Rolle spielen).

Ich hoffe, dass ich Dir etwas weiterhelfen konnte.

Gruß
margie
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“Das Fleisch, das wir essen, ist ein 2-5 Tage alter Leichnam.” - Volker E. Pilgrim, Schriftsteller


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