Alt werden, alt sein

09.11.11 21:34 #1
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Alt werden, alt sein
LieberTee
Liebe Rota,

das meiste habe ich schon per PN geschrieben. Der Schritt die Pflege in Kurzzeitpflege umzuwandeln ist richtig, es wäre von Anfang an der richtige Schritt gewesen. Die berechtigen Wünsche Deiner Freundin wurden unrechtmäßig nicht berücksichtigt.

Dazu gibt es Gesetzgebung: es gibt den Grundsatz ambulant vor stationär. Ambulante Pflege wird in der Regel dann nicht finanziert, wenn sie aus verschiedenen Gründen nicht zumutbar ist, diese können finanzielle aber auch gesundheitliche Gründe sein.

Ambulant vor stationär
Sozialverband VdK Deutschland - Der Grundsatz "ambulant vor stationr"

Die Würde des Menschen ist zu achten!

Lieben Gruß
LieberTee

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Rota ist offline
Themenstarter Beiträge: 2.638
Seit: 22.07.08
Hallo lieber Tee,

Du bist ein richtiger Schatz, ich habe alles aufgenommen was Du geschrieben hast und so weit nötig eingebracht.

Danke dafür.

Liebe Grüße
Rota
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Alles Gelingen hat seine Gründe, alles Mißlingen hat sein Geheimnis Joachim Kaiser, Musikkritiker

Geändert von Rota (28.07.12 um 22:00 Uhr)

Alt werden, alt sein

glücksdrachen ist offline
Beiträge: 520
Seit: 31.08.08
Liebe Rota,

ich bin fast 60 Jahre alt und mit einem 12 Jahre älteren Mann verheiratet.

In jungen Jahren,beschäftigt mit Beruf und Kinderaufzucht,ist der Altersunterschied nicht ins Gewicht gefallen.

Ich, immer sehr empfindsam ,mein Mann gesegnet mit einer wahren Rossnatur,es hat alles gepasst.

Aber jetzt mit 72 Jahren ,steht ein alter Mann an meiner Seite.
Und auch ihn hat das Alter gepackt mit all seinen Wehwechen.

Und auch ich, bin alt?
Irgendwie sind diese fast 60 an mir vorbei gegangen.

Ich schaue in den Spiegel ,ganz genau schau ich hin.

Und was sehe ich ,sehe ich wirklich?

Ich sehe mich mit Erstaunen.

Wie habe ich mich in den letzten 5 Jahren verändert?

So schnell ist der Alterungsprozess gegangen ,das kann doch nicht sein?

Und ich beobachte andere Frauen ,wo ich denke ,sie könnten so alt sein wie ich .

Aber so alt kann ich doch noch nicht sein.

Doch bin ich.


Und ich habe einen Mann der schwerhörig ist und damit kein Problem hat.

Neeeeeeiiiiiin.

Warum auch.

Die anderen haben damit ein Problem

Über sowas kann ich nicht mehr lachen.

Manchmal dreh ich mich dann um und gehe weg.
Ziehe mich zurück.

Es ist ja nicht nur die Schwerhörigkeit,es kommt ja noch eine sehr laute Aussprache dazu ,er hörts ja nicht.

Ich find das sehr egoistisch.

Ach Rota ,ich möchts einfach stiller haben.

Danke für die Aufforderung hier zu schreiben.

glücksdrachen

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Rota ist offline
Themenstarter Beiträge: 2.638
Seit: 22.07.08
Hallo Glücksdrachen,

ich bin fast 60 Jahre alt und mit einem 12 Jahre älteren Mann verheiratet.


Wie lange bist Du denn schon verheiratet ?


Aber jetzt mit 72 Jahren ,steht ein alter Mann an meiner Seite.
Und auch ihn hat das Alter gepackt mit all seinen Wehwechen.
Mein Mann und ich sind 9 Monate auseinander und haben beide unsere Wehwehchen. Als unser Urenkelchen geboren war, habe ich ihn einmal angeschaut und mir so gedacht: Da bist Du jetzt also Urgroßvater--- daß ich Urgroßmutter geworden war, das kam mir erst später. Es hat uns aber nicht weh getan, man merkts ja nicht äußerlich, oder?[quote]

Wie habe ich mich in den letzten 5 Jahren verändert?
Bei mir war es so, daß ich in der Zeit zwischen 60 und 65 einen sehr entspannenden Stillstand meiner Alterung hatte. Mir ging es einfach gut und ich hatte keine Sorgen. Bis zu dem Tag, als mein Mann einen Innenohrtumor diagnostiziert bekam. Ab da gings mit mir bergab. Nach der OP hatte er nur noch ein schlecht hörendes Organ und ich muß alles 3x sagen, was mir schwer fällt, weil ich keine laute Stimme habe und schreien macht meinen Hals rauh.

Und ich habe einen Mann der schwerhörig ist und damit kein Problem hat.
Mein Mann setzt sich selber immer so hin, daß sein Ohr, das noch etwas hört zu den Leuten steht, mit denen er gerade redet. Er hat eine Gelassenheit, die ich bewundere, Es macht ihm nichts aus, wenn er mal etwas nicht versteht, dann fragt er halt mich. Ansonsten zieht er sich immer mehr zurück an seinen PC und spielt gegen ihn Schach oder er liest viel. Laut ist er zum Glück nicht, das wäre für mich auch ein Problem, ich habe nämlich im Gegensatz zu seiner Schwerhörigkeit eine sogenannte Hyperakusis, die mich vor lauten Geräuschen flüchten läßt.

Die anderen haben damit ein Problem
Sagt er das? oder denkst Du Dir das nur?

Ach Rota ,ich möchts einfach stiller haben.


Hast Du schon mal über Ohrstöpsel nachgedacht?


Ich kann Dir all Deine Probleme sehr gut nachfühlen. Aber das schlimmste wäre doch, wenn er gar nicht mehr da wäre? oder,

Sei herzlich umarmt und gebusselt von Rota
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Rawotina ist offline
Rubrikenbegleiterin Schüssler Salze
Beiträge: 2.743
Seit: 17.07.10
Hallo Rota und Glücksdrachen,

manchmal ist es wirklich ein Graus mit unseren schwerhörigen Männern. Ich muss zeitweise jeden Satz mehrfach wiederholen, obwohl er dann trotzdem etwas anderes versteht und macht. Neuerdings schreit er beim Antworten, um sich selbst hören zu können. Das strengt mich so an, dass ich längere Unterhaltungen immer mehr meide.

Schlimm ist es, wenn ich ihn zu einem Spezialisten oder zu einer Feier fahren soll. Wenn ich unterwegs nach dem Weg frage, versteht er es nicht, nickt nur oder brummelt etwas vor sich hin. Sobald er aber merkt, dass ich mich falsch eingeordnet habe, schreit er los, dass ich vor Schreck auf die Bremse gehe und die Leute auf uns aufmerksam werden. Ich schimpfe dann zu Hause wie ein Rohrspatz mit ihm - aber beim nächsten Mal passiert es erneut.

Liebe Grüße
Rawotina

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Oregano ist offline
Beiträge: 63.714
Seit: 10.01.04
Hallo,

ich habe die Schwerhörigkeit meiner Mutter quasi andersherum erlebt: sie hatte immer Angst davor, zu laut zu reden und sprach deshalb besonders leise. Das Ergebnis: ich mußte sie bitten, doch lauter zu sprechen, weil ich sie nicht verstehen konnte. Besonders absurd wurde das ganze, wenn noch jemand Schwerhöriges dabei war, der ebenfalls leise sprach, um nicht zu laut zu sein .

@Rawotina: wie sieht es denn mit einem Hörgerät aus?

Grüsse,
Oregano
__________________
They tried to bury us. They didn't know we were seeds.

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Rota ist offline
Themenstarter Beiträge: 2.638
Seit: 22.07.08
Hallo Rawotina,

Schwerhörigkeit scheint verschiedene Ausprägungen zu haben.
Mein Mann hört auf einem Ohr jetzt gar nichts mehr.

Das andere hört, je nach Ohrenschmalzansammlung (das er aber nicht selber entfernen darf, sagt der Arzt, weil sein Gehörgang sehr eng ist und er sich verletzen könnte) hört er besser oder schlechter. Dann ist es auch abhängig davon, was sonst noch alles im Raum an Geräuschen herrscht. Er schreit nie, sondern selbst ist er sehr irritiert, wenn einer mit ihm zu laut spricht, weil er nicht zuordnen kann, woher der Text kommt. Dazu braucht er auch den Sprechenden vor sich nicht dahinter, oder auf der Seite, er weiß dann nicht, woher der andere spricht und ist wieder irritiert. In Räumen wie Gaststätten fühlt er sich sehr unglücklich weil es in seinem Kopf zu rauschen anfängt.

Wenn ich das Thema wechsle bei einer Unterhaltung, muß ich ankündigen, daß ich jetzt ein anderes Thema anschneide, sonst rätselt er und wird ganz ungehalten, weil er nicht versteht, wie es jetzt dahin gekommen ist. Die Operation scheint auch etwas verdorben zu haben, was kombinieren, oder assoziieren möglich macht. Am besten ist, wenn ich ihn anspreche, wenn ich einen Satz vorwegsage, um was es sich jetzt dann gleich dreht. Dann geht alles problemlos.

Wenn wir miteinander Auto fahren, ist es selbstverständlich, daß er fährt. Es hat keinen Sinn ihm zum 100ten Mal zu sagen, daß er mit seinem Hörschaden eigentlich eine Gefahr darstellt. So bin ich hellwach, wenn er fährt und eine Reise strengt mich so an, daß ich am Ziel total geplättet bin. Er hört ja nicht, woher z.B. ein Tatütata kommt. Wenn einmal ein Raser überholt mit 200 Sachen, erschrickt er. Ich auch, aber er fährt und das ist nicht gut.

Nachts hört er jede Maus husten. Dann ist es nämlich ganz still außer der Maus und das hört er, wenn er nicht gerade auf seinem mobilen Ohr liegt.

Also, ich könnte noch viel schreiben, aber das sprengt die Möglichkeiten hier.

Liebe Grüße
Rota
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Rawotina ist offline
Rubrikenbegleiterin Schüssler Salze
Beiträge: 2.743
Seit: 17.07.10
Hallo Oregano,

Frauen sind wohl wesentlich rücksichtsvoller als Männer. Wir haben auf diesen Seiten schon mal darüber gesprochen. Aber so ein leises Sprechen stell ich mir auch etwas anstrengend vor.

Mein Mann hat zwei Hörgeräte, aber er setzt sie nicht auf. Sie sind ihm lästig und ich ärgere mich, dass wir uns nicht mehr vernünftig unterhalten können.

Zumindest konnte ich durchsetzen, dass er jetzt beim Fernsehen ein Hörgerät trägt - die Lautstärke dröhnte früher durchs ganze Haus.

LG Rawotina

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Rawotina ist offline
Rubrikenbegleiterin Schüssler Salze
Beiträge: 2.743
Seit: 17.07.10
Hallo Rota,

sei froh darüber, dass Dein Mann beim Antworten nicht schreit. Ich erschrecke mich oft, aber er bemerkt es gar nicht. Und Du hast recht, beim Autofahren sehe ich auch manchmal rot. Er hört kein Signal und versteht dann meine Fahrweise nicht.

Manchmal mache ich vor Schreck einen Schlenker, wenn er plötzlich so laut zu sprechen beginnt. Ich bin nach so einer Fahrt auch oft fix und fertig.

Ja, man könnte noch sehr viel darüber reden. Es ist einfach schade, dass diese Schwerhörigkeit für uns so anstrengend ist.

LG Rawotina

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Nyota
Zu bedauern sind ja dennoch hauptsächlich die Schwerhörigen, die von ihrem Zustand wissen, aber nichts dagegen tun können (außer vielleicht Hörgeräte einsetzen).


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