Wann fängt Alter an?

08.03.16 17:00 #1
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Es war einmal - vor mehr als 60 Jahren

philia ist offline
Beiträge: 294
Seit: 13.03.11
Zitat von philia Beitrag anzeigen

Zuhören ist m. E. ein extrem wichtiger Faktor.
...
Ich habe von so manchem eine lange Zeit Verbalinjurien einstecken müssen, bis ich dann in sehr intimen und wertvollen Gesprächen erkennen konnte, dass damit gar nicht wirklich ich gemeint war, sondern die betreffende Person es nur nie gelernt hat, sinnvolle Gedanken, mit denen sie mir Gutes tun wollte, auch in entsprechend positive Worte zu fassen.
Wenn man hier den "Ton", der die "Musik" macht, weiterhin unterscheiden kann, ist das wohl eher gut.

Denn jemand, der auf genau diesem Gebiet eher mit schlechtesten Erfahrungen in der Kindheit wie ich damit fertigwerden musste, könnte durchaus in späteren Jahren alle "in einen Topf werfen" und negativ beurteilen, die sich mit harten Ausdrücken äußern, die mobben, die Falschheit zur Schau tragen usw.

Ich wollte das einfach nicht, weil ich das ungerecht fand, als Kind schon - und jetzt erst recht, wo nach menschlichem Ermessen eindeutig die Vergangenheit an Lebensjahren länger ist als die Zukunft.

Es war einmal - vor mehr als 60 Jahren
Clematis
Zitat von Fremder Beitrag anzeigen
Werner PS: Übrigens, Clematis, wie geht es dir? Was macht die Gesundheit?
Danke für die Nachfrage, Werner
Lasse mir immer was Neues einfallen, damit es nicht langweilig wird
Insgesamt geht's aber...

Hoffe Dir geht's gut im neuen Heim...

Gruß,
Clematis

AW: Wann fängt Alter an?

philia ist offline
Beiträge: 294
Seit: 13.03.11
Der 101jährige Telefonjoker in der Sendung "Wer wird Millionär?" / Günther Jauch letztens wirft jetzt meine ganzen Überlegungen über den Haufen, ob die Frage des Beginns des Alters überhaupt sinnvoll ist oder ob man nicht besser ganz andere Kriterien sammeln und hier ausdiskutieren sollte. Was meint ihr?

Wann fängt Alter an?

mondvogel ist offline
Beiträge: 5.086
Seit: 07.04.10
liebe philia,

ich bin der Meinung es gibt keine wirklichen Kriterien. Aber es gibt "biologische Kriterien": wie Augen, Gehör, Muskelkraft, Stoffwechsel - da fangen wir teilweise mit 18 an zu "altern" ohne gleich alt zu sein....

Und es gibt "psychodynamische" Kriterien und auch soziokulturelle Kriterien.

Menschen die in Armut leben werden etwa 10 Jahre früher alt, weil sie sich nicht die nötigen Erholungsphasen gönnen können (keine Nahrungsmittelergänzungen, Spa, Urlaub am Meer, keine "gesunden" Lebensmittel oder so....).

Und es gibt Veranlagungen....die man aber durch ungesunde Lebensweise völlig außer Schach setzen kann.....und, und und.....

EIne gesunde , starke Psyche hilft vielleicht aber auch nicht in allen Fällen in Würde altern zu können.....

Das waren meine spontanen Gedanken, die mir so durchs Hirn flogen ....da gibt es sicher Ideen wie Sand am Meer.....

ciaociao und Dir einen lieben Gruß, mondvogel
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"There is a crack in everything. That's how the light comes in." Leonard Cohen (RIP)

AW: Wann fängt Alter an?

Oregano ist gerade online
Beiträge: 61.734
Seit: 10.01.04
Was mir gerade zu diesem Thema einfällt:

Das Alter zeigt sich dann immer deutlicher, wenn die erfreulichen Gegebenheiten im Leben die unerfreulichen nicht mehr ausgleichen können bzw. überwinden. Wenn die Kraft, sich aus Löchern wieder empor zu arbeiten, nicht mehr recht, und der Aufenthalt in irgendwelchen "Tiefen" häufiger wird und letztlich unüberwindbar.
Reicht dann die Kraft auch nicht mehr zur Gelassenheit, Suche nach Möglichkeiten usw. aus, sieht so ein Mensch "alt" aus - wie man ja auch im Sprichwort sagt.

Grüsse,
Oregano
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They tried to bury us. They didn't know we were seeds.

Wann fängt Alter an?

Locke 38 ist offline
Beiträge: 104
Seit: 17.03.16
"Reicht dann die Kraft auch nicht mehr zur Gelassenheit, Suche nach Möglichkeiten usw. aus, sieht so ein Mensch "alt" aus - wie man ja auch im Sprichwort sagt."

Ich glaube, das ist der Punkt. Die innere Einstellung ist wichtiger als die körperliche Fitness. Vielleicht bin ich ein Glückspilz. Mit 77 J. freue ich mich noch auf jeden Tag mit seinen Herausforderungen. Ich bin dankbar für meinen Lebens- und Gesprächspartner, unsere Kinder und Enkel, meine kreativen Tätigkeiten, die ehrenamtliche Arbeit mit Migrantenkindern, das Wandern, Chorsingen, eben alles, was ich noch machen kann.

Ich denke aber auch an zwei Tanten, die im Alter von 98 bzw 102 Jahren gestorben sind. Obwohl sie kaum mehr sehen und schlecht hören konnten und körperlich sehr eingeschränkt waren, ließen sie nicht nach, ihren Geist zu üben. Die eine kannte nicht nur von ihren 5 Kindern, sondern auch von 25 Neffen und Nichten und deren Kindern und Enkeln Einzelheiten über ihr Leben. Die andere hatte 3 Stiefkinder und 4 eigene Kinder und nahm noch lebhaft an ihrem Leben und dem ihrer Nachkommen teil. Als sie noch lesen konnte, auch griechisch und lateinisch, strich sie orthographische und sachliche Fehler in den Büchern an. Ihre Beerdigung plante sie einschließlich des Bibeltextes und der Lieder bis ins Kleinste. Beide klagten nie über ihr Alter, sondern waren dankbar für das, was sie noch hatten.

Ja, wo fängt das Alter an? Vermutlich, wenn man nicht mehr auf das schaut, was man noch hat, sondern dem nachtrauert, was nicht mehr möglich ist. Und da können manche ziemlich Jungen schon sehr alt sein.

Geändert von Locke 38 (17.04.16 um 20:57 Uhr)

AW: Wann fängt Alter an?

philia ist offline
Beiträge: 294
Seit: 13.03.11
Danke für eure Gedanken, mondvogel und Oregano.

Mit den „biologischen Kriterien“ kann ich schon etwas anfangen, wobei du, mondvogel, sicherlich die nachlassenden Kräfte bei den von dir angeführten Körperfunktionen meinst, die durchaus schon mit 18 in Mitleidenschaft gezogen sein können, dann aber eigentlich eher aus krankheitsbedingten Gründen oder auch selbstverschuldet.

Wenn ich mir vorstelle, dass ich mit 18 Jahren bereits eine Reihe Popkonzerte besucht hätte von Bands, deren Musik „laut“ sein muss, um zu wirken, hätte ich sicherlich mit dem Gehör dauerhafte Probleme bekommen. Ich war ein paar Jahre älter, als ich hin und wieder mal in ein solches Konzert ging. Danach war mein Gehör ein paar Tage ziemlich ramponiert, hatte sich aber immer noch wieder erholt. Bei den Augen ist die Sehkraft als solche bei mir noch top, wenn man mal von meiner im Alter von 11 Jahren beginnenden Kurzsichtigkeit absieht, die sich bis zum Alter von über 20 Jahren noch regelmäßig verschlechterte, bis sie dann stagnierte bis zum heutigen Tag.

Bei der Muskelkraft ist unterschiedliches Potential in Armen oder Beinen, je nachdem, was man mehr trainiert.

Ansonsten finde ich sogar, man fängt eigentlich von Beginn der Existenz schon an zu altern, der eine deutlicher, der andere weniger deutlich.

Und auch bei den „psychodynamischen“ und soziokulturellen Kriterien gibt es ganz unterschiedliche Ausprägungen. Bei armen Menschen sind es, denke ich, vor allem diejenigen, die auf der Straße leben (müssen), die schneller altern, da sie Tag und Nacht Wind und Wetter ausgesetzt sind. Als ich noch Teenager war, ist mir mal ein Mann begegnet, der kein Zuhause hatte und mir erzählte, dass er von einer Frau ihre überschüssige Muttermilch geschenkt bekam. Ich dachte damals, der müsste über 50 Jahre alt sein, nach seinem Aussehen zu urteilen. Dann sagte er mir, dass er erst gerade über 30 war. Das hat mich echt betroffen gemacht.

Und in Würde zu altern geht auch nur dann, wenn man nicht dement, schlaganfallgeschädigt oder anderweitig auf fremde Hilfe, weil alleinstehend, angewiesen ist, die aber die eigenen Interessen konterkariert. Wer von uns weiß denn heute schon, dass er nicht in eine solche Situation kommt. Und wer verdient heute in seinem Job genug, um sich ein Altern in Würde leisten zu können, wenn er mit plötzlich eintretenden Behinderungen konfrontiert wird?

Oregano:
Wenn die unerfreulichen Dinge im Leben die erfreulichen überlagern und man keine körperliche Kraft mehr hat, um sich daraus befreien zu können, dann gibt mir noch die Geisteskraft Hoffnung, wenn ich sie so lange wie möglich und so intensiv wie möglich positiv genährt habe. So würde ich es ausdrücken.
Ich habe von beeindruckenden Beispielen von Menschen gelesen, die körperlich in einem unwiederherstellbaren gesundheitlichen Verfall begriffen waren, denen ihre Geisteskräfte geholfen haben, ja sogar anderen, die sie besuchten, um sie zu trösten, haben sie selber getröstet.

Es gibt ja so grausame Krankheiten wie ALS, Sklerodermie usw., die Menschen durchaus im eigentlich noch recht produktiven Alter treffen.

Also wer mit 101 Jahren noch so fit ist wie dieser Vater, der als Telefonjoker bei „Wer wird Millionär“ fungierte, ist sicher die absolute Ausnahme. Ich denke nicht, dass da ein ganz besonderes Rezept dahintersteckt, sondern einfach sehr gute körperliche Voraussetzungen sowie ein gutes soziales Umfeld usw.

Auch wenn man es bis Mitte 80 schafft ohne pflegebedürftig zu werden, ist das schon gut.

Wer alt ist und wer nicht, ist zumindest nicht an der Zahl der Falten im Gesicht oder der Zahl der Lebensjahre festzumachen und auch nicht daran, ob jemand eine Couch potato ist oder eine Sportskanone.

Ich denke, dass es sehr viel mit der Geisteshaltung zu tun hat, mit Offenheit, mit Neugier und mit gutem Unterscheidungsvermögen bzgl. der Dinge, die einem guttun. Wenn man da seinen Weg nicht finden kann bzw. sich im Informationsgewusel verliert und viele vermeidbare Fehler macht, den falschen Leuten vertraut und das nicht erkennt, ist die Gefahr sehr groß, dass man tatsächlich zum alten Eisen tendiert.

AW: Wann fängt Alter an?

philia ist offline
Beiträge: 294
Seit: 13.03.11
Als ich vor Jahrzehnten in Berlin wohnte, lebte auf unserem Flur in der Wohnung nebenan eine Frau von über 90 Jahren. Sie las Tageszeitungen in mehreren Sprachen mit beleuchteter Lupe und besuchte regelmäßig ihre Kinder in den USA. Diese Nachbarin hatte meinen absoluten Respekt.

Eines Tages sah ich sie nicht mehr. Dann kam die Hausmeisterin irgendwann und klingelte bei ihr. Die Frau erlitt einen Schlaganfall und konnte nicht mehr sprechen. Die Hausmeisterin ist jeden Tag zu ihr zu Besuch gekommen und redete stundenlang mit ihr. Dann lernte diese "alte" Frau das Sprechen wieder...

Wann fängt Alter an?

mondvogel ist offline
Beiträge: 5.086
Seit: 07.04.10
Zitat von philia Beitrag anzeigen
Mit den „biologischen Kriterien“ kann ich schon etwas anfangen, wobei du, mondvogel, sicherlich die nachlassenden Kräfte bei den von dir angeführten Körperfunktionen meinst, die durchaus schon mit 18 in Mitleidenschaft gezogen sein können, dann aber eigentlich eher aus krankheitsbedingten Gründen oder auch selbstverschuldet.
nein philia, mit den biologischen Kriterien meine ich tatsächlich, dass allein wegen des Erreichens des "Erwachsenenalters" gewisse Prozesse nicht mehr optimal laufen..(ohne dass einem das auffällt) ...und das eben unabhängig vom Verhalten und von Krankheit. Das ist dann nochmal eine ganz andere Geschichte.....
ciao, mondvogel
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"There is a crack in everything. That's how the light comes in." Leonard Cohen (RIP)

Geändert von mondvogel (18.04.16 um 22:03 Uhr)

AW: Wann fängt Alter an?

philia ist offline
Beiträge: 294
Seit: 13.03.11
Alles klar, mondvogel, dann entschuldige ich mich für meine (nicht nur optisch bedingte) Kurzsicht. Denn ich könnte mir bei Muskelkraft und besonders beim Stoffwechsel durchaus so einen Alterungsprozess vorstellen und dass man ihn nicht merkt bzw. spürt. Endokrinologen sucht man meist ja auch erst auf, wenn "das Kind schon in den Brunnen gefallen ist".


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