Ich will krank sein, sterbenskrank und weiß nicht wieso

11.10.10 11:49 #1
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Judieeeee ist offline
Beiträge: 79
Seit: 07.08.10
Seit einigen Tagen habe ich eine Lungenentzündung. Ich bekam Antibiotikum und seither verbesserten sich die Lungenschmerzen auch ein bisschen. Allerdings werden Mama und ich morgen trotzdem zum Lungenfacharzt schauen, da mein Herz teilweise wirklich arg weh tut , sodass ich nicht mehr atmen kann.

....das andere Problem ist jenes, dass ich seit zwei Jahren (ich bin 16 Jahre alt) an Depressionen leide, die seit Mai 2010 in Behandlung sind. Mir geht es zwar besser...aber ich verspüre den Wunsch...so krank zu werden, dass ich fast sterben muss. Das klingt furchtbar krank und abnormal, ich weiß. Aber ich kann nichts dagegen tun dass es so ist . Wenn ich krank bin, kann ich mich verkriechen, ich kann alle üble Laune und Traurigkeit auf den Zustand desKrankseins schieben...und ich werde auch jetzt alles daran setzen NOCH kranker zu werden.
Es ist unvernünftig und dumm was ich tue und ich weiß gar nicht mal wieso das so ist.
Doch genau deshalb schreibe ich hier: WARUM verspüre ich den Wunsch schlimm krank zu sein? Wieso verspüre ich den Wunsch nicht nur, sondern gehe sogar extra ohne Jacke oder mit luftigen Schuhen bei kühlem Wetter aus dem Haus, wenn ich ohnehin schon unter einer Lungenentzündung leide??
:-( Das gibt's ja nicht, ...


Ich will krank sein, sterbenskrank und weiß nicht wieso

Oregano ist gerade online
Beiträge: 62.221
Seit: 10.01.04
Hallo Judieeee,

ich denke, Du hast Dir die Antwort schon selbst gegeben: Du steckst in einer Depression.
Da sind Gedanken selten positiv gestimmt sondern eher im Gegenteil: schwarz angemalt, ohne große Hoffnung, eben depressiv.

Die Frage ist nur - und ich denke, die wäre jetzt wichtig:
Was kannst Du tun, um die Depression zu überwinden, um herauszufinden, woher sie kommt und was Du tun kannst?

Auch wenn Dich die Gedanken an noch schlimmere Krankheit bedrängen: bitte nutze trotzdem Deinen Verstand und schalte den nicht ab. Das ist sicher nicht einfach, aber dennoch möglich.

Machst Du denn eine Psychotherapie? Hast Du Gesprächspartner? Nimmst Du irgendwelche Medikamente? Gibt es eine Vorgeschichte.....?

Grüsse,
Oregano

Ich will krank sein, sterbenskrank und weiß nicht wieso

Dexterine ist offline
Beiträge: 24
Seit: 08.10.10
Hallo Judieee....

Ich kann dich gut verstehen...

Auch ich leide unter Depressionen...

Leider ist es so, dass wenn man Depressionen hat, die Leute von aussen nichts erkennen können, da man ja kein gebrochenes Bein hat oder so.

Wenn ich mal nicht arbeiten konnte, hatte ich immer das Gefühl, die Menschen (egal wer, Vater, Verwandte, Bekannte) glauben mir nicht, da ich von aussen eigentlich recht gesund aussah, aber wie's mir mit meiner Depression innerlich ging, hatte niemand eine Ahnung.

Dazu bin ich noch eine gute Schauspielerin und konnte mein Leiden gut überspielen, wenn ich unter Menschen war und die fragten sich noch mehr, warum ich nicht arbeiten gehe.

Daher wünschte ich mir ab und zu auch, irgendwas zu haben, was sichtbar ist oder offensichtlich, dass ich krank bin.

Hatte dann einen Unfall und musste 8 Wochen mit einer Schiene am Bein herumlaufen. Das war eine Zeit, wo mich endlich die Leute nicht schief angekuckt haben und mich nicht mit dummen Fragen bombadiert haben, weil sie ja auf einen Blick sahen, was ich habe. War ehrlich gesagt für mich eine Erleichterung und musste mich nicht andauernd für etwas rechtfertigen.

Auch heute kämpfe ich noch mit sehr schweren körperlichen Symptomen, welche von aussen nicht erkennbar sind und ich mir nichts anmerken lasse. Da kommt mir schon mal der Gedanke, dass mir wieder mal etwas zustossen könnte, damit ich wieder mal an Krücken oder so gehen muss. Ich weiss, völliger Unsinn...

Liebe Grüsse

Dexterine

Ich will krank sein, sterbenskrank und weiß nicht wieso

Judieeeee ist offline
Themenstarter Beiträge: 79
Seit: 07.08.10
Zitat von Oregano Beitrag anzeigen
Hallo Judieeee,

ich denke, Du hast Dir die Antwort schon selbst gegeben: Du steckst in einer Depression.
Da sind Gedanken selten positiv gestimmt sondern eher im Gegenteil: schwarz angemalt, ohne große Hoffnung, eben depressiv.

Die Frage ist nur - und ich denke, die wäre jetzt wichtig:
Was kannst Du tun, um die Depression zu überwinden, um herauszufinden, woher sie kommt und was Du tun kannst?

Auch wenn Dich die Gedanken an noch schlimmere Krankheit bedrängen: bitte nutze trotzdem Deinen Verstand und schalte den nicht ab. Das ist sicher nicht einfach, aber dennoch möglich.

Machst Du denn eine Psychotherapie? Hast Du Gesprächspartner? Nimmst Du irgendwelche Medikamente? Gibt es eine Vorgeschichte.....?

Grüsse,
Oregano
Vielen Dank' , dass du immer wieder auf meine Fragen antwortest und das auch noch so ausführlich und interessiert. Das tut gut.

Ich befinde mich seit Juni 2010 in einer Gesprächstherapie und fühle mich bei der Therapeutin auch wohl und verstanden.
Als ich mir im Mai 2010 Hilfe suchte im akh wurden mir nach der dritten Gesprächsrunde Medikamente (,,Antidepressiva-> Tresleen") verschrieben. Ich merke auch, dass ich ohne diese Medikamente leider noch nicht auskomme, da ich selbst vor einem Monat einmal so blöd war und die Medikamente abgesetzt hatte, weil ich dachte ich bräuchte sie nicht mehr.

Es gibt eine Vorgeschichte und zwar eine sehr lange:
Als ich in die sechste Klasse kam, Gymnasium, wurde ich Klassensprecherin. Ich hatte zwar FreundInnen und fühlt mich zuerst auch sehr wohl,...bis der Tag kam, an dem mich einige Jungs aus meiner Klasse Tag für Tag zu quälen begannen. Sie drückten mir tropfnasse Tafelschwämme in's Gesicht und schrien durch die gesamte Klasse ich sei eine "Hure" und eine "miese Klassensprecherin". Einmal reichte es mir und ich klatschte einem der Jungs ebenfalls den Tafelschwamm in's Gesicht und sagte zu ihm:,,Na?? Wie fühlt sich das an?? Nicht besonders toll oder?? Also lass es!" . Daraufhin ging er mit seinen Freunden voll auf mich los. Schimpfte mich und sie drückten mich zu dritt mit voller Wucht gegen die Wand,...so stark dass ich aufschrie und mir den Arm prellte. Obwohl ich es einer Vertrauenslehrerin erzählte und diese so tat als würde sie ihren Job auch ernst nehmen, also als würde sie mir helfen,...tat sie NICHTS dergleichen.
Irgendwann war dann eine Ruhe. Zumindest bis zur achten Klasse.
15-20Mädchen lästerten Tag täglich über mich, sie verbreiteten Gerüchte, beschimpften mich, sie schlossen mich aus allen Aktivitäten aus und taten ALLES, um mich rauszuekeln.
Sie verbaten mir das Singen, Tanzen, Lachen, Sprechen.
Alles aus Neid.
Nur, weil sie nicht singen konnten.
Nur, weil sie nicht tanzen konnten.
Nur, weil sie nicht so fröhlich waren wie ich damals.
Nur, weil sie nicht so ehrlich sprechen konnten.

Sie versuchten mir all meine FreundInnen wegzunehmen...
mit Erfolg.
Alle weg. Mein bester Freund, der mich immer unterstützte, hasste mich aufeinmal und mobbte mich auch. Meine beste Freundin (alle in meiner Klasse) war nur noch genervt von mir und den problemen.
Ein guter Freund wollte nichts mehr von mir wissen. Und das alles, obwohl ich immer nur versuchte irgendwie damit klarzukommen, dass man mich nicht in Ruhe ließ.
Ja...das ist die Vorgeschichte.

Ich will krank sein, sterbenskrank und weiß nicht wieso

Judieeeee ist offline
Themenstarter Beiträge: 79
Seit: 07.08.10
Zitat von Dexterine Beitrag anzeigen
Hallo Judieee....

Ich kann dich gut verstehen...

Auch ich leide unter Depressionen...

Leider ist es so, dass wenn man Depressionen hat, die Leute von aussen nichts erkennen können, da man ja kein gebrochenes Bein hat oder so.

Wenn ich mal nicht arbeiten konnte, hatte ich immer das Gefühl, die Menschen (egal wer, Vater, Verwandte, Bekannte) glauben mir nicht, da ich von aussen eigentlich recht gesund aussah, aber wie's mir mit meiner Depression innerlich ging, hatte niemand eine Ahnung.

Dazu bin ich noch eine gute Schauspielerin und konnte mein Leiden gut überspielen, wenn ich unter Menschen war und die fragten sich noch mehr, warum ich nicht arbeiten gehe.

Daher wünschte ich mir ab und zu auch, irgendwas zu haben, was sichtbar ist oder offensichtlich, dass ich krank bin.

Hatte dann einen Unfall und musste 8 Wochen mit einer Schiene am Bein herumlaufen. Das war eine Zeit, wo mich endlich die Leute nicht schief angekuckt haben und mich nicht mit dummen Fragen bombadiert haben, weil sie ja auf einen Blick sahen, was ich habe. War ehrlich gesagt für mich eine Erleichterung und musste mich nicht andauernd für etwas rechtfertigen.

Auch heute kämpfe ich noch mit sehr schweren körperlichen Symptomen, welche von aussen nicht erkennbar sind und ich mir nichts anmerken lasse. Da kommt mir schon mal der Gedanke, dass mir wieder mal etwas zustossen könnte, damit ich wieder mal an Krücken oder so gehen muss. Ich weiss, völliger Unsinn...

Liebe Grüsse

Dexterine
Du sprichst mir aus Leib und Seele und es tut mir sehr leid, dass es dir auch so furchtbar ergeht.
Ich bin ebenfalls eine dieser guten Schauspielerinnen, die wissen, wie man sein Leiden überspielen kann. Leider kann ich nicht nur die anderen quasi "anschwindeln", indem ich mein Leid überspiele, nein! Sondern auch noch mich selbst. Ich sage mir oft, vielleicht auch bloß um mich aufzuheitern, :,,es geht mir eh gut!". Doch umso länger ich mich so schamlos belüge, desto schlimmer wird es dann, wenn ich dann wieder offensichtlich merke, dass es mir NICHT gut geht.
Kennst du das?

Ich wünsche dir alles Gute und hoffe, dass es dir bald besser geht.
Ich schicke dir mal eine dickes Trösterbussi ->

Ich will krank sein, sterbenskrank und weiß nicht wieso

Dexterine ist offline
Beiträge: 24
Seit: 08.10.10
Hallo liebe Judieeeee

Als ich in die sechste Klasse kam
Bist du immer noch in der gleichen Klasse? Was diese Leute mit dir getan haben ist echt miserabel. Die haben dich ja richtig geplagt. Das tut mir echt leid

Aber wie ich so aus deinem Text lesen kann (Klassensprecher und so) hast du recht viele Fähigkeiten/Talente. Lass dich nicht unterkriegen und versuche auf deinem Weg zu bleiben. Ich bin mir sicher, du wirst viele gute Freunde finden, welche dir es gönnen und mit dir auf gleicher Ebene durch's Leben gehen.

Doch umso länger ich mich so schamlos belüge, desto schlimmer wird es dann, wenn ich dann wieder offensichtlich merke, dass es mir NICHT gut geht.
Kennst du das?
Das kenne ich sehr gut.

Schieb dann alles immer zur Seite, mach den Alltag wie nichts wäre und ignoriere alle Schmerzen, die Traurigkeit, meine Depressionen. Plötzlich kommt der Tag wo die ganze Mauer wieder zusammefällt und ich sitz da, liege einfach herum, könnte nur noch heulen vor Elend. Ich kann das gar nicht beschreiben, ich hasse dann mein ganzes Ich. Das geht dann eine Weile so (ein paar Tage), dann überkommt mich wieder ein Schub, fange wieder an weiter zu kämpfen und das ganze Spielchen fängt von vorne an.

Ich befinde mich seit Juni 2010 in einer Gesprächstherapie und fühle mich bei der Therapeutin auch wohl und verstanden
Ich finds gut, fühlst du dich bei ihr wohl. Es ist immer wichtig, dass du ehrlich und offen zu ihr sein kannst.

(,,Antidepressiva-> Tresleen") verschrieben. Ich merke auch, dass ich ohne diese Medikamente leider noch nicht auskomme, da ich selbst vor einem Monat einmal so blöd war und die Medikamente abgesetzt hatte, weil ich dachte ich bräuchte sie nicht mehr.
Solange du dich noch zu labil fühlst und merkst, die Medikamente helfen dir, würde ich sie noch nicht absetzen. Gut, dass du sie wieder nimmt. Sie sind eine gute Unterstützung.

Ich wünsche dir alles Gute und hoffe, dass es dir bald besser geht.
Ich schicke dir mal eine dickes Trösterbussi
Danke, das ist sehr lieb von dir und stellt mich auf

Auch dir ein . Kopf hoch

Viele Grüsse Dexterine

Ich will krank sein, sterbenskrank und weiß nicht wieso

Judieeeee ist offline
Themenstarter Beiträge: 79
Seit: 07.08.10
Zitat von Dexterine Beitrag anzeigen
Hallo liebe Judieeeee



Bist du immer noch in der gleichen Klasse? Was diese Leute mit dir getan haben ist echt miserabel. Die haben dich ja richtig geplagt. Das tut mir echt leid

Aber wie ich so aus deinem Text lesen kann (Klassensprecher und so) hast du recht viele Fähigkeiten/Talente. Lass dich nicht unterkriegen und versuche auf deinem Weg zu bleiben. Ich bin mir sicher, du wirst viele gute Freunde finden, welche dir es gönnen und mit dir auf gleicher Ebene durch's Leben gehen.



Das kenne ich sehr gut.

Schieb dann alles immer zur Seite, mach den Alltag wie nichts wäre und ignoriere alle Schmerzen, die Traurigkeit, meine Depressionen. Plötzlich kommt der Tag wo die ganze Mauer wieder zusammefällt und ich sitz da, liege einfach herum, könnte nur noch heulen vor Elend. Ich kann das gar nicht beschreiben, ich hasse dann mein ganzes Ich. Das geht dann eine Weile so (ein paar Tage), dann überkommt mich wieder ein Schub, fange wieder an weiter zu kämpfen und das ganze Spielchen fängt von vorne an.



Ich finds gut, fühlst du dich bei ihr wohl. Es ist immer wichtig, dass du ehrlich und offen zu ihr sein kannst.



Solange du dich noch zu labil fühlst und merkst, die Medikamente helfen dir, würde ich sie noch nicht absetzen. Gut, dass du sie wieder nimmt. Sie sind eine gute Unterstützung.



Danke, das ist sehr lieb von dir und stellt mich auf

Auch dir ein . Kopf hoch

Viele Grüsse Dexterine
Zum Glück konnte ich dieses Jahr Schule wechseln. Bin jetzt in der zehnten Klasse, meine MitschülerInnen sind alle sehr lieb und ich werd eendlich nicht mehr gequält. Doch leider sitzen die Narben einfach noch sehr tief... .
Mir geht es GENAU so, was dieses "sich selbst belügen" angeht. Irgendwo ist eine Depression ja doch ein Phänomen, wenn man sich erstmal ernsthaft zu überlegen beginnt, welch ein Teufelskreis das ganze eigentlich tatsächlich ist.
Du kannst mir jederzeitgerne eine e-Mail schreiben, ich tauschemich gerne aus und helfe auch gerne. Ich verstehe dich nämlich sehr gut.
Lg Judieeeee

Geändert von Malve (12.10.10 um 11:49 Uhr)

Ich will krank sein, sterbenskrank und weiß nicht wieso

Kirschrot ist offline
Beiträge: 147
Seit: 28.11.09
hallo judieee,
hallo dexterine,

ich kann so gut nachvollziehen, was ihr beschreibt...
auch mir wurde eine depression diagnostiziert, als reaktion auf meine lange krankheit. mir ging es körperlich sehr schlecht, aber seelisch gut. jetzt geht es mir körperlich viel besser und dafür seelisch schlecht.
ich vermisse die zeit im krankenhaus, denn da war alles klar. jeder wusste bescheid.
wenn du im krankenhaus liegst, dann versteht jeder, dass du krank bist.
wieso muss man sich überhaupt rechtfertigen?
meine krankheit ist nciht heilbar, und nicht sichtbar, noch dazu kennt keiner den namen, weil sie so selten ist. wenn man mich fragt, was ich genau habe, weiß ich nicht was ich sagen soll.
ich schiebe viel auf die krankheit, obwohl ich weiß, dass es meine seele ist, die noch nicht wieder gesund werden will...

es tut gut zu hören, dass es euch ähnlich geht, und ich nicht nur einfach undankbar bin. denn eigentlich liebe ich doch das leben. doch jetzt finde ich nicht die kraft glücklich zu sein... das ist doch verrückt.

liebe grüße

Ich will krank sein, sterbenskrank und weiß nicht wieso

Dexterine ist offline
Beiträge: 24
Seit: 08.10.10
Guten Morgen Kirschrot

mir ging es körperlich sehr schlecht, aber seelisch gut. jetzt geht es mir körperlich viel besser und dafür seelisch schlecht.
Nach schwerer Krankheit ist es nicht verwunderlich, dass es einem dann seelisch schlecht geht, da man ja alle Kräfte verliert, von vorne beginnen muss, neu anfangen muss und viele Zukunftsfragen hat.

Darf ich fragen, warum's dir körperlich sehr schlecht ging?

Hast du jetzt ein wenig Unterstützung? Therapie?

ich vermisse die zeit im krankenhaus, denn da war alles klar. jeder wusste bescheid.
Das kann ich gut verstehen, war bei mir auch so. Solange man im Krankenhaus ist, weiss jeder, da muss ja was nicht stimmen. Früher ging ich wegen jeder Kleinigkeit ins Krankenhaus, damit sie mir was diagnostizieren können (egal wie klein die Krankheit), nur damit ich den anderen erzählen kann, was ich habe

wieso muss man sich überhaupt rechtfertigen?
Keine Ahnung. Die Menschheit ist halt so. Vor allem wenn man noch einigermassen aufrecht laufen kann, können viele Menschen nicht verstehen, warum man denn krank ist. Wenn ich so durch's Dorf laufe, lese ich manchmal so in den Gesichtern: Die ist ja topfit, die hat ja nichts, warum ist die krankgeschrieben. Den Schmerz und andere Leiden können sie nicht sehen.

Darum frage ich mich immer mehr, warum nehme ich mich immer zusammen, warum tue ich so wie es mir gut ginge. Das gibt ein ganz falsches Bild von mir ab. Wenn ich mich jedoch immer beklagen würde, wie schlecht es mir geht, dann würde ich als Jammertante hingestellt werden und das wär auch wieder nicht recht.

denn eigentlich liebe ich doch das leben. doch jetzt finde ich nicht die kraft glücklich zu sein... das ist doch verrückt.
Das ist wirklich verrückt. Ich hätte so viele Träume und möchte gerne noch so viele Sachen machen, aber es geht einfach nicht

Viele Grüsse

Dexterine

Ich will krank sein, sterbenskrank und weiß nicht wieso

Judieeeee ist offline
Themenstarter Beiträge: 79
Seit: 07.08.10
Zitat von Kirschrot Beitrag anzeigen
hallo judieee,
hallo dexterine,

ich kann so gut nachvollziehen, was ihr beschreibt...
auch mir wurde eine depression diagnostiziert, als reaktion auf meine lange krankheit. mir ging es körperlich sehr schlecht, aber seelisch gut. jetzt geht es mir körperlich viel besser und dafür seelisch schlecht.
ich vermisse die zeit im krankenhaus, denn da war alles klar. jeder wusste bescheid.
wenn du im krankenhaus liegst, dann versteht jeder, dass du krank bist.
wieso muss man sich überhaupt rechtfertigen?
meine krankheit ist nciht heilbar, und nicht sichtbar, noch dazu kennt keiner den namen, weil sie so selten ist. wenn man mich fragt, was ich genau habe, weiß ich nicht was ich sagen soll.
ich schiebe viel auf die krankheit, obwohl ich weiß, dass es meine seele ist, die noch nicht wieder gesund werden will...

es tut gut zu hören, dass es euch ähnlich geht, und ich nicht nur einfach undankbar bin. denn eigentlich liebe ich doch das leben. doch jetzt finde ich nicht die kraft glücklich zu sein... das ist doch verrückt.

liebe grüße
Hallo Kirschrot!

Mir tut es leid, dass es dir auch so ergeht wie uns.
Ich kenne das. Mir ging es zwar immer körperlich und seelisch schlecht, doch wenn der körperliche Schmerz nachlässt, ist der seelische dafür wieder umso größer. Es ist, als würde man immer irgendetwas suchen, damit es einem schlecht geht, obwohl man doch oberflächlich gesehen alles hat, weshalb man glücklich oder zumindest zufrieden sein sollte.
Doch es geht nicht.
Einmal sind es die Halsschmerzen.
Dann die Verzweiflung.
Dann wieder die Kopfschmerzen.
Sind diese weg, kommt das Gefühl vor Traurigkeit zu ersticken.
Und das geht ununterbrochen so.
Ist das eine weg, kommt das nächste und es will nicht aufhören. Es ist ein ewiger Teufelskreis.
,,Lass die Vergangenheit Vergangenheit sein!", sagen so viele zu mir. Aber das geht nicht. Wie soll ich sie sien lassen, wenn mich ihre Geschehnisse bis heute verrückt machen? Wenn die Narben so tief sitzen, das ich Folgen tragen muss?
Ist Depression mal weniger, die Verzweiflung nicht so groß, kommt die Essstörung wieder.
Dann höre ich auf zu essen. Und fühle mich gut. Weil ich sehe, dass ich irgendwie Kontrolle über mich habe. Dass es einen Bereichgibt, den ich kontrollieren und steuern kann.
Die Depression kann man kaum steuern und schon gar nicht die miteingehenden Gefühle mit ihr. Außenstehende haben keine Ahnung wie das ist so leer zu sein.
So leer und doch so voller Gedanken,Fragen.

Alles Liebe,
Judieeeee


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