V.a. therapieresistente Sprue

29.07.10 18:12 #1
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sommerkind ist offline
Beiträge: 3
Seit: 29.07.10
hallo,

habe bereits seit einigen Jahren Zöliakie, halte mich seit ca. einem Jahr an die strikte Diät. Nur hilft diese nicht... Ich versuchte es eine Zeit lang mit Kortison, was jedoch nur in höheren Dosen die gewünschte Besserung brachte. Ist aber keine Dauerlösung.. Neulich wurde ich erneut gespiegelt und sitze jetzt vor dem Befund, aus dem ich nicht schlau werde. Darin steht: '...einerseits eine komplette Rückbildung der intraepithelialen Lymphozyten jedoch weiterhin Zottenatrophie und TGA-Erhöhung..'
Kann mir jemand sagen was das bedeutet? Ich habe erst in einigen Wochen den Termin beim Arzt, und so lange kann ich nicht warten ohne wenigstens ein wenig Ahnung zu haben was da los ist.

Vielen Dank und Grüße!

Das Sommerkind

v.a. therapieresistente sprue :(

Oregano ist offline
Beiträge: 61.734
Seit: 10.01.04
Hallo sommerkind,

geht es Dir denn mit der glutenfreien Ernährung besser oder hat das gar nichts zum Positiven verändert?

Wenn Cortison in hohen Dosen Dir hilft, dann klingt das nach einer Entzündung irgendwo in Deinem Körper; das muß nicht unbedingt die Zöliakie sein.

Außerdem verursacht die Zöliakie ja auch Mängel, die behoben werden müssen. Ist da bei Dir daran gedacht worden?:

Nach einer ausführlichen Diätschulung wurde eine glutenfreie Diät eingeleitet. Parallel erfolgte eine parenterale Substitution von Vitamin B12, Vitamin K, Vitamin D, Vitamin E und Vitamin A über 3 Monate. Bei der Wiedervorstellung unserer Patientin nach 6 und 12 Monaten war eine Gewichtszunahme von 8 kg eingetreten. Die Patientin berichtete über subjektives Wohlbefinden und eine deutlichen Zunahme ihrer bisher als eingeschränkt empfundenen Vitalität. Die sonografisch initial vergrößert darstellbaren mesenterialen Lymphknoten konnten nicht mehr nachgewiesen werden. Die metabolische Osteopathie mit osteoporotischer BWK 9 Fraktur zeigte nach 3 monatiger parenteraler Vitamin D3- Substitution und einem gesamten Follow-up von 12 Monaten osteosonografisch alters- und
geschlechtskorrigiert im Vergleich zum Kontrollkollektiv wieder eine überdurchschnittliche Knochensteifigkeit (T-Score 0,40; Z-Score 0,27). Die Kontrollgastroduodenoskopie beschrieb nach 6 Monaten makroskopisch und histopathologisch eine deutliche Befundbesserung im Sinne eines wiedereingetretenen Zottenaufbaus und einer regredienten Kryptenhyperplasie.
Die AK-Serologie (Gliadin-, Endomysium-, Transglutaminase-AK) war nach 12 Monaten
Diät negativ
. Die initial bestehende hypochrome Anämie war nicht mehr nachweisbar.
Vitamin B12, 25-OH-Vitamin D3 und Quick lagen im oberen Streubereich der Norm. Nach insgesamt 3 Grand-mal-Anfällen in der Zeit von 03/03-07/03 war die Patientin unter glutenfreier Diät, ohne jede weitere antikonvulsive Therapie, über 12 Monate anfallfrei.
http://www.innere-kardio-gastro.de/p...sche_sprue.pdf
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v.a. therapieresistente sprue :(

sommerkind ist offline
Themenstarter Beiträge: 3
Seit: 29.07.10
Hallo Oregano,

danke für die schnelle Antwort! Leider habe ich nach wie vor das gesamte Paket an Beschwerden. Schmerzen, Durchfälle, etc. Die Diät hat bis jetzt nichts geholfen, nach über einem Jahr hätte sich das aber schon langsam einpendeln müssen. Seltsamerweise hatte ich weder vor noch jetzt während der Diät Probleme mit meinem Gewicht, hatte noch nie Mangelerscheinungen aufgrund von Nährstoffmangel oder sonstigem..

v.a. therapieresistente sprue :(

Oregano ist offline
Beiträge: 61.734
Seit: 10.01.04
Hallo sommerkind,

Du kennst Dich sicher mit der glutenfreien Ernährung aus, oder? Nicht, daß Du am Ende aus Versehen immer noch Gluten zu Dir nimmst?

Oder es trifft auf Dich dieses zu:
Nach Ansicht von Jörg Reckel sollten bei Sprue auch andere Unverträglichkeiten getestet werden, da die Krankheit oft Basis einer mikrobiologischen Störung des gesamten Organismus sei. "Man muss das "Leck" in der Schleimhautwand beseitigen und die Barrierefunktion des Darms durch eine antientzündliche Therapie wieder aufbauen. Denn wenn dort erstmal ein eher grobes Molekül, wie das Gluten hindurchgelangt, ist sie meist offen für andere Allergene.".....
www.muscle-sports.de/Bodybuilding/component/content/article/69/693-heilung-ausgeschlossen-bei-glutenunvertrichkeit-hilft-nur-di.html

Die anderen Unverträglichkeiten könnten Allergien sein oder Intoleranzen wie
Fruktose-, Histamin-, Laktose-Intoleranz.
Inhaltsverzeichnis

Immerhin ist es positiv, daß Du keine Mangelerscheinungen und Gewichtsprobleme hast.
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v.a. therapieresistente sprue :(

sommerkind ist offline
Themenstarter Beiträge: 3
Seit: 29.07.10
Ich achte auf jede Kleinigkeit und lese vorsichtshalber immer die Zutaten durch, ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich nicht versehentlich doch Glutenhaltiges esse. Vor allem esse ich nie auswärts, sondern habe immer etwas dabei.
Neben der Glutenunverträglichkeit habe ich noch eine Laktoseintoleranz, achte aber auch da auf laktosefreie Produkte. Andere Unverträglichkeiten wurden getestet, war aber alles negativ. Es ist zum verzweifeln...
Weißt du denn, was der Befund zu bedeuten hat? Das interessiert mich wirklich brennend.

Vielen Dank für deine Mühe und liebe Grüße

v.a. therapieresistente sprue :(

Oregano ist offline
Beiträge: 61.734
Seit: 10.01.04
'...einerseits eine komplette Rückbildung der intraepithelialen Lymphozyten jedoch weiterhin Zottenatrophie und TGA-Erhöhung..'
Ich kann da auch nur googeln:

Die Beurteilung, ob mit einer Zöliakie zu vereinbarende Veränderungen vorliegen, sollte jedoch letztendlich durch den Pathologen erfolgen. Abgeflachte oder rarefizierte Dünndarmfalten bzw. ein mosaikartiges Muster der Schleimhaut sind keine spezifischen Charakteristika der Zöliakie und insbesondere bei geringer ausgeprägten Veränderungen nicht zwingend vorhanden.
Die Einteilung der Schleimhautveränderungen sollte gemäß der durch Oberhuber modifizierten Marsh-Kriterien (1+2) erfolgen. Die typischen, wenn auch nicht für die Zöliakie spezifischen Zeichen sind:

- Vermehrung der intraepithelialen Lymphozyten über 30/100 Epithelzellen
- Kryptenhyperplasie
- Partielle bis totale Zottenatrophie
- Lympho-plasmazelluläre Infiltration der Lamina propria
Die Veränderungen reichen von der Infiltration des Epithels mit Lymphozyten ohne Veränderungen der Gesamtarchitektur (Typ 1) bis hin zur vollständigen Abflachung der Zotten mit deutlicher Kryptenhyperplasie (Typ 3 c).
DZG - Diagnostik

Wenn ich das richtig verstehe, sind abgeflachte Dünndarmfalten nicht unbedingt typisch für eine Zöliakie, wobei ich nicht weiß, wofür dann?
+++++
Intraepitheliale Lymphozyten (IEL)
Neben einer ungewöhnlichen Verteilung der reifen Lymphozytensubpopulationen enthalten IEL auch zahlreiche unreife, sonst nur im Thymus anzutreffende Lymphozyten. Der Nachweis dieser unreifen Zellen in der Darmschleimhaut führte zur Hypothese einer thymusunabhängigen T-Zellreifung im Darm. Bestätigt wurde diese Hypothese, als in neonatal thymektomierten Mäusen, die eigentlich keine reifen T-Zellen besitzen, reife T-Zellen im Darm gefunden wurden (6,7). Aufgrund dieser Beobachtungen mußte das bis dahin gültige Dogma der alleinigen T-Zellreifung im Thymus als widerlegt gelten.

Neben diesen phänotypischen und ontogenetischen Besonderheiten weisen IEL auch funktionelle Charakteristika auf, die sie von anderen Lymphozyten unterscheiden und für eine immunologische Überwachungsfunktion in der Darmschleimhaut prädestinieren: die Hypothese einer „first line of defense“ der IEL im mukosalen Immunsystem entstand (8,9).

Aber trotz einer weitgehenden Beschreibung der physiologischen Charakteristika der IEL bezüglich Phänotyp, Ontogenese und Funktion, war die Bedeutung dieser hochspezialisierten Zellen im Rahmen verschiedener Erkrankungen zu Beginn dieser Arbeit weitgehend unklar
Natascha C. Nüssler: Die Bedeutung von intraepithelialen Lymphozyten, oxidativem Streß und endogenen Schutzmechanismen für die Integrität der intestinalen Mukosa

Das klingt für mich danach, daß diese IEL im Grunde noch nicht wirklich beurteilt werden können, daß sie aber nicht unbedingt typisch für eine Zöliakie sind sondern eher für entzündliche Vorgänge im Darmbereich überhaupt.
++++++++
utoimmunologische Erkrankung von Personen mit entsprechender genetischer Disposition, welche durch Gliadin (alkohollösliche Fraktion von Gluten) oder analoge Proteine (Prolamine) in Roggen (Secaline), Gerste (Hordeine) und Hafer (Avenine) getriggert wird.
Von Antigen-präsentierenden Zellen (APC) wird z.B. Gliadin zusammen mit dem HLA-Klasse-II-Antigen HLA-DQ2 oder -DQ8 präsentiert und dadurch eine T-Zell-Antwort vermittelt, welche u.a. gegen das Enzym ‚tissue transglutaminase‘ (tTGA) als Haupt-Epitop gerichtet ist. Die Aktivierung der inflammatorischen Zytokin-Kaskade (Interferon gamma, TNF-alfa, Interleukin 4) führt darauf zur Mucosaschädigung i.S.e. Enteritis, die Aktivierung von Plasmazellen zur Antikörper-Produktion. Reis- und Mais-Proteine sind in dieser Form nicht immunogen.
Medicle Organisation - Glutensensitive Enteropathie (Zliakie)

Das ist mir leider auch nur irgendwie verständlich, aber erklären kann ich das auch nicht. Auf jeden FAll geht es um einen Antikörper gegen ein Enzym, ab er was das konkret bedeutet: keine Ahnung.

Tut mir leid; ich wollte, ich würde das alles besser verstehen.
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v.a. therapieresistente sprue

Oregano ist offline
Beiträge: 61.734
Seit: 10.01.04
Diesen Artikel finde ich sehr interessant:

....
Für den Kliniker und den Arzt in der Praxis sind die vier folgenden praktischen Konstellationen bedeutsam(4):
*
- Biopsie pathologisch, Antikörpertests positiv: Damit ist eine Sprue gesichert.
- Biopsie normal, Antikörpertests negativ: Damit ist eine Sprue ausgeschlossen.
- Biopsie pathologisch, Antikörpertests negativ: Diagnose Sprue wahrscheinlich, aber nicht sicher.

Andere Ursachen für die pathologische Dünndarmmukosa sind auszuschließen, dazu zählen:
Tropische Sprue, Zollinger-Ellison-Syndrom mit gastraler Hypersekretion, Malignes Lymphom, eosinophile Gastroenteritis, virale Gastroenteritis, Lambliasis, Morbus Crohn, bakterielle Überbesiedlung des Dünndarms, Autoimmunenteropathie, Kuhmilchintoleranz.

Eine Therapie mit glutenfreier Diät nach Ausschluss der genannten Krankheiten ist gerechtfertigt. Kontrollbiopsie nach sechs Monaten.

- Biopsie normal, Antikörpertests positiv: Es liegt eine Glutenüberempfindlichkeit vor (potenzielle Sprue). Eine Glutenbelastung und Kontrollbiopsie nach drei bis sechs Monaten (bei Auftreten von gastrointestinalen Symptomen früher) sollten durchgeführt werden.
Oftmals kommen Patienten, die wegen unspezifischer gastrointestinaler Beschwerden (Dyspepsie, Reizdarmsyndrom) seit Monaten eine glutenfreie Diät zu sich nehmen in die Praxis des Gastroenterologen und wollen wissen, ob eine Sprue vorliege. Unter diesen Umständen helfen weder Antikörperdiagnostik, noch Duodenalbiopsie. Diesen Patienten ist die Umstellung auf eine normale Kost und eine Antikörpertestung sowie eine Duodenalbiopsie nach vier bis sechs Monaten oder, beim Auftreten von Symptomen früher, zu empfehlen.
Getestet werden sollte immer dann, wenn ein entspechender Verdacht auf eine Sprue oder ihre atypischen Verlaufsformen besteht. Bei folgenden Krankheiten besteht ein hohes Risiko, dass sie mit einer Sprue assoziiert sind (2): Erst- und zweitgradig Verwandte von Patienten mit Sprue, Diabetes mellitus Typ I, Sjögren-Syndrom und andere Kollagenosen, Down- oder Turner-Syndrom, Selektiver IgA-Mangel (IgG-anti-AGA oder IgG-anti-tTG).
Therapie – glutenfreie Diät.....
Deutsches Ärzteblatt: Archiv "Sprue – die vielen Gesichter der glutensensitiven Enteropathie" (07.12.2001)

Ob das auf Dich zutrifft?
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