Entscheidung Wachkoma

21.07.10 07:45 #1
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wolfgang 46 ist offline
Beiträge: 10
Seit: 20.07.10
Ich muss heute eine schwere Entscheidung treffen, welche, ich weiss jetzt nicht wie ich genau schreiben soll,ein ganzes Leben verändern werden.Ich hatte gehofft, nicht nur hier, irgendwo eine hilfe oder irgendsowas zu finden.
Meine Frau hatte am letzten donnerstag im Zug totales Herz-Kreislaufversagen.Trotz Herzmassage und Mund-zu-Mundbeatmung durch mich und nach etwa 10 minuten durch Ärzte im Zug und anschliessend durch Notarzt Team am Bahnhof mit Defi fiel sie ins Koma.Nierenversagen und Hirnschäden waren dann die nächsten Tage die Folge davon,angeblich ohne Hoffnung auf Heilung, da im Grosshirn ein Ödem Schwellungen verursacht haben, welche angeblich,laut den Ärzten zu Schäden geführt haben, welche nicht 100 % absehbar sind.Sie sagten mir nur, dass sie wahrscheinlich im Wachkoma bleiben wird.Ich weiss nicht,ob schon jemand von euch,damit Erfahrung hat oder ob jemand gleiches erlebt hat. Danke

Entscheidung

Bergeversetzer ist offline
Beiträge: 1.146
Seit: 12.04.10
Hallo Wolfgang,


dein Schicksal tut mir sehr leid! Das ist eine sehr schwere Entscheidung, die du da treffen mußt.

Ich habe ein paar Jahre mit Wachkomapatienten gearbeitet.
Möchtest du mehr über diesen Zustand wissen?
Was da auf dich zukommt, kann man nicht unbedingt abschätzen. Jeder Wachkomapatient ist anders. Beim Wachkomapatienten sind verschiedene Fähigkeiten noch nutzbar. Beispielsweise können einige selbst essen, andere reagieren auf Musik, Ansprache mit gezielten Bewegungen.
Wenn man vor jemandem im Wachkoma steht, hat man oft das Gefühl, diese Menschen sind vollkommen da, können sich nur nicht bemerkbar machen.

Ich habe es oft erlebt, das ein Patient wirklich versucht hat zu kommunizieren.
Nur ist es schwer zu erkennen, was derjenige möchte.

Mußt du entscheiden ob deine Frau in diesem Zustand verbleiben soll?
In welchem Zustand befindet sie sich gerade? Sind Maschinen angeschlossen?

Bergeversetzer

Entscheidung

wolfgang 46 ist offline
Themenstarter Beiträge: 10
Seit: 20.07.10
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Hallo Wolfgang,


dein Schicksal tut mir sehr leid! Das ist eine sehr schwere Entscheidung, die du da treffen mußt.

Ich habe ein paar Jahre mit Wachkomapatienten gearbeitet.
Möchtest du mehr über diesen Zustand wissen?
Was da auf dich zukommt, kann man nicht unbedingt abschätzen. Jeder Wachkomapatient ist anders. Beim Wachkomapatienten sind verschiedene Fähigkeiten noch nutzbar. Beispielsweise können einige selbst essen, andere reagieren auf Musik, Ansprache mit gezielten Bewegungen.
Wenn man vor jemandem im Wachkoma steht, hat man oft das Gefühl, diese Menschen sind vollkommen da, können sich nur nicht bemerkbar machen.

Ich habe es oft erlebt, das ein Patient wirklich versucht hat zu kommunizieren.
Nur ist es schwer zu erkennen, was derjenige möchte.

Mußt du entscheiden ob deine Frau in diesem Zustand verbleiben soll?
In welchem Zustand befindet sie sich gerade? Sind Maschinen angeschlossen?

Bergeversetzer


Ja, es wird eine Entscheidung verlangt, die Ärzte geben ihr keine Hoffnung mehr.Laut den Aussagen der Ärzte bekommt sie momentan nichts mit, ist an der Dyalyse angeschlossen, zusätzlich an der Beatmung, da sie aus eigener Kraft zu wenig selber atmet, reflexe gibt es keine und wir haben uns, im Falles wenn es mal so kommen sollte, abgesprochen, dass es keine Lebenserhaltenen massnahmen geben soll, wenn nur noch solch ein Leben möglich ist.Ich stelle mir nur die Frage, ob es vielleicht einen Funken Hoffnung gibt, dass es durch eigene Körperanstrengung möglich wäre, dass sich das grosshirn teilweise selber wieder heilt, was ich aus verschiedenen Medien erfahren habe, was aber anderseits die Ärzte abstreiten.

Entscheidung

BunnyDog ist offline
Beiträge: 1.291
Seit: 05.08.08
hallo wolfgang 46

du bist da wirklich in eine furchtbare Situation geraten. Ich hoffe, dass du diese nicht völlig alleine durchstehen musst. Von dir wird eine schwere Entscheidung verlangt - und du hast nicht übertrieben: wie immer sie ausfällt, sie wird dich wohl dein ganzes Leben lang begleiten.
Doch wenn ich das richtig verstanden habe, gibt es einen gewissen Zeitraum zum Nachdenken? Lass dich nicht zu einer überstürzten Entscheidung drängen.

Es kann meiner Ansicht nach bei der Entscheidungsfindung nur einen Faktor geben: den Willen deiner Frau. Ich an deiner Stelle würde wohl versuchen, abzuschätzen, wie wohl sie entscheiden würde, könnte sie sich mitteilen. Was würde sie wollen?

Gruss - BunnyDog

Entscheidung

Bergeversetzer ist offline
Beiträge: 1.146
Seit: 12.04.10
Hallo Wolfgang,


die Möglichkeit zur Selbstheilung gibt es bei jeder Erkrankung.
Natürlich sind Ärzte da vorsichtig, denn sie haben einschlägige Erfahrungen.
In der Regel passiert das nicht. Heilungen sind demnach sozusagen Einzelfälle.
Bei denen weiß niemand, weshalb sie wieder erwacht sind.
Ich schließe mich da Bunny Dog an. Was würde deine Frau dazu sagen, wenn du ihr diese Problematik schildern könntest?

Das ist leider der einzige Orientierungspunkt, den Du hast. Ihre Meinung.

Bergeversetzer

Entscheidung

wolfgang 46 ist offline
Themenstarter Beiträge: 10
Seit: 20.07.10
Ich danke euch beiden für eure Hilfe
Nachdem ich gestern,am 21.07. wieder im Krankenhaus in Günzburg war,sieht es nun leider so aus, dass sie lebenslang eine Schädigung am grosshirn behalten wird.Momentan bemühe ich mich um eine Verlegung nach München.Es ist nur immer wieder komisch, dass man, bei Anfragen im dortigen Krankenhaus unterschiedliche Meinungen von den Ärzten hört.Morgen fahrich dort wieder hin und werde sehen, was sie dann diesmal sagen.
Unterstützt in dieser Situation werde ich von meinen 3 kids.Nochmals danke an euch beide


LG Wolfgang

Entscheidung Wachkoma

Oregano ist gerade online
Beiträge: 61.735
Seit: 10.01.04
Hallo Wolfgang,

auch wenn Du hier nicht viele Antworten bekommen hast, bin ich doch sicher, daß viele Menschen aus dem Forum an Dich denken und Dir Kraft in dieser schrecklich schwierigen Situation wünschen -
u.a. auch ich.
__________________
They tried to bury us. They didn't know we were seeds.

Entscheidung Wachkoma

nicht der papa ist offline
Beiträge: 4.535
Seit: 18.11.09
Hallo wolfgang,
ich bin bestürzt, dies zu lesen und wünsche dir ganz viel Kraft.

Ich habe in Bezug auf Organspende so viel darüber gelesen, dass ich weiß, dass es Menschen gibt, die noch vor der Organentnahme oder kurz nach Verweigerung der Organspende durch die Eltern wieder aufgewacht sind. Auch manche Komapatienten sind trotz schlechter Prognosen wieder aufgewacht, wie man auch hier Allmystery: Mein Bruder liegt im Koma. lesen kann.

Ich denke das zeigt einfach, Ärzte wissen auch nicht alles. Deshalb die unterschiedlichen Aussagen.
Wäre es mein Mann, so weiß ich, dass auch er keine lebenserhaltenden Maßnahmen möchte, wenn er nur noch künstlich am Leben erhalten wird und mehr oder weniger vor sich hinvegetiert.

Aber um ehrlich zu sein sind wir nun seit über 27 Jahren zusammen und ich kann mir nicht vorstellen ohne ihn zu leben.
Zudem empfinde ich es schon als unseriös, wenn Ärzte auf eine so schnelle Entscheidung drängen.
Denn kann man 1,2 Tage nach Vorfall wirklich mit 100%iger Sicherheit sagen, dass sie in diesem Zustand verbleiben wird? Wahrscheinlich nicht wirklich.
Wie man an Kerstin Fritzl sah, die nach einem Multiorganversagen ins künstliche Koma gelegt wurde, kann ein Mensch sich selbst davon erholen.

Ich könnte einer Abschaltung einfach nicht sofort zustimmen und müsste ihm doch wenigstens eine gewisse Zeit lang die Chance auf eine Heilung geben. Schon, dass ich mir keine Vorwürfe machen müsste vorschnell entschieden zu haben.

Andererseits denke ich, dass diese Entscheidung schlimmstenfalls zu einem Punkt führen würde, der mir und unseren Kindern die Möglichkeit eines bewusst entschiedenen Abschieds gäbe.

Wie ich lese, hast Du dich auch nicht für eine sofortige Abschaltung entscheiden können und ich kann dich da vollkommen verstehen.
__________________
Jeder muß mit den Konsequenzen leben, die sich aus seinen Entscheidungen ergeben. gerold 2.1.11

Geändert von nicht der papa (22.07.10 um 19:55 Uhr)

Entscheidung Wachkoma

wolfgang 46 ist offline
Themenstarter Beiträge: 10
Seit: 20.07.10
Nun nach dem jetzigen Stand, wird meine Frau, nach den Auskünften des Neurologen und der beiden behandelnden Ärzte ein Lebenslanger Pflegefall bleiben, da sie sich sicher sind, dass sie ihr ganzes Leben im Koma bleiben wird.Nennt sich in der Medizinsprache, appalisches Syndrom. Nächste Woche wird ein Luftröhrenschnitt wegen der Beatmung gemacht und eine Magensonde, zwecks Ernährung gelegt.Sie wollen sie dann in ein Rehazentrum überweisen, wenn sie wieder aus eigener Kraft atmen kann.Es ist für mich zwar auch nicht leicght, diesen Eingriffen zuzustimmen, aber ich hoffe halt immer noch, dass es irgendwie mal vielleicht doch was wird .Als ich jetzt bei ihr im Krankenhaus war, kam es mir so vor, als versuchte sie sich gegen den Zustand zu wehren,der Herzschlag ging zwischendurch von 64 auf über 72 und sie versuchte sich zu bewegen, der Arzt meinte aber, dass dies unmöglich sei, aber mein Sohn, der dabei war, ist der gleichen Meinung, da sie sich aus eigener Kraft versuchte zu bewegen.Man wird sehen.ich danke auf alle Fällen allen , die da mitfühlen können,

Entscheidung Wachkoma

Bergeversetzer ist offline
Beiträge: 1.146
Seit: 12.04.10
Hallo Wolfgang,

meinen die Ärzte denn das sie bald wieder selbstständig atmen kann?
Das sie demnach in Kürze zur Reha kann?
Hast du ein wenig Literatur zu diesem Thema?

Es ist bestimmt erleichternd, wenn du etwas mehr darüber weißt.
Selbsthilfegruppe fr Wachkoma-Patienten

Wachkoma | Bundesverband Schädel-Hirnpatienten in Not e.V.


Vielleicht helfen dir die Informationen hier ein wenig weiter.

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