Entscheidung Wachkoma

21.07.10 07:45 #1
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Entscheidung Wachkoma

nicht der papa ist offline
Beiträge: 4.535
Seit: 18.11.09
Hallo,
wenn ich mir das Apallisches Syndrom
www.patientenanwalt.com/fileadmin/dokumente/04_publikationen/expertenletter/patient/0409upatzent_Prim_Donis.pdf
so durchlese, dann frage ich mich, ob man diese Diagnose wirklich so schnell stellen kann. Zudem ergibt sich aus diesen Texten, dass es noch geringe Hoffnung gibt. Auch wenn es leider nicht so sein muss.

1997 schrieb die Ärztezeitung
Das apallische Syndrom kann vorübergehend auftreten oder irreversibel sein.

Häufigste Ursachen des apallischen Syndroms sind das Schädel-Hirn-Trauma und die globale hypoxische Hirnschädigung nach akuter kardio-respiratorischer Insuffizienz (22).

Nach Empfehlungen der Multi-Society Task Force sollte die Diagnose "apallisches Syndrom" nach traumatischer und nichttraumatischer ZNS-Läsion erst dann gestellt werden, wenn ein Zeitraum von mindestens einem Monat nach dem akuten Ereignis verstrichen ist (22). Deutsches Ärzteblatt: Archiv "Das apallische Syndrom: Diagnose, Prognose und ethische Probleme" (14.03.1997)
Dies ist auch im Buch Das sog. Wachkoma von 2007, Seite 38 unten zu lesen. Sogenannte Wachkoma - Google Bücher

Hier ist eine Doktorarbeit zum apallischen Syndrom http://www-brs.ub.ruhr-uni-bochum.de...thias/diss.pdf
Bei der das apallische Syndrom in verschiedene Phasen eingeteilt wird.

Bei wikipedia kann man auch die von dir beschriebenen Maßnahmen und weitere nachlesen.

Ich wünsche dir und deinen Kindern so sehr, dass deine Frau wieder aufwacht.
__________________
Jeder muß mit den Konsequenzen leben, die sich aus seinen Entscheidungen ergeben. gerold 2.1.11

Entscheidung Wachkoma

credenza ist offline
Beiträge: 20
Seit: 25.07.10
Hallo wolfgang 46,

lassen Sie sich nicht von Meinungen der Ärzte irritieren - ich habe schon unzählige "Fehldiagnosen / vernichtende Aussagen gegenüber Angehörigen zum Thema Wachkoma" erlebt, wo letztenendes die betroffene Person soweit "zurückkam", dass mit der Hilfe der Angehörigen und Therapeuten ein adäquates Leben geführt werden konnte.

Entscheidend wichtig ist jetzt in der nächsten Phase, dass ein hochkompetentes, multiprofessionelles Team die neurologische Frührehabilitation gestaltet.
Sie wohnen wohl im Großraum München?

Ich kann Ihnen guten Gewissens das Therapiezentrum Burgau (Therapiezentrum Burgau) empfehlen.

Ich selber arbeite z.Zt. in der neurologischen Frührehabilitation am Bodensee und habe immer wieder unglaubliche Krankheitsverläufe miterleben dürfen . . .

Seien Sie sich dessen gewiss > Ihre Frau hört Sie und Ihre Kinder > der Hörsinn ist nicht ausgeschaltet. Sprechen Sie mit Ihr, lesen Sie vielleicht aktuelle Nachrichten aus der Tageszeitung vor, erzählen Sie von zuhause, lassen Sie Ihre Frau teilhaben am Leben, das weitergeht.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie viel Kraft und ein gutes soziales Netzwerk für die Herausforderungen der Zukunft.


Sie dürfen mich gerne auch kontaktieren, wenn Sie spezielle Fragen haben. Ich arbeite seit 1993 im Bereich der Intensivmedizin.


Freundliche Grüße
Credenza
__________________________________________________ _____________

Hoffnung ist nicht die Überzeugung dass etwas gut ausgeht,
sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.

Václav Havel

Entscheidung Wachkoma

credenza ist offline
Beiträge: 20
Seit: 25.07.10
Zitat von wolfgang 46 Beitrag anzeigen
Ich muss heute eine schwere Entscheidung treffen, welche, ich weiss jetzt nicht wie ich genau schreiben soll,ein ganzes Leben verändern werden.Ich hatte gehofft, nicht nur hier, irgendwo eine hilfe oder irgendsowas zu finden.
Meine Frau hatte am letzten donnerstag im Zug totales Herz-Kreislaufversagen.Trotz Herzmassage und Mund-zu-Mundbeatmung durch mich und nach etwa 10 minuten durch Ärzte im Zug und anschliessend durch Notarzt Team am Bahnhof mit Defi fiel sie ins Koma.Nierenversagen und Hirnschäden waren dann die nächsten Tage die Folge davon,angeblich ohne Hoffnung auf Heilung, da im Grosshirn ein Ödem Schwellungen verursacht haben, welche angeblich,laut den Ärzten zu Schäden geführt haben, welche nicht 100 % absehbar sind.Sie sagten mir nur, dass sie wahrscheinlich im Wachkoma bleiben wird.Ich weiss nicht,ob schon jemand von euch,damit Erfahrung hat oder ob jemand gleiches erlebt hat. Danke

Hallo wolfgang 46,

es gibt viele Menschen die Gleiches erlebt haben oder gerade erleben. Wenn so ein Schicksalschlag wie ein Blitzschlag einschlägt, denkt man, wieso passiert das gerade mir / uns.
Die Praxis zeigt, dass für Angehörige immens viele Fragen aufbrechen, wenn der Partner / die Partnerin / ein naher Verwandter / Bekannter durch ein Schicksalsschlag die gewohnte Alltagsroutine durchbricht und dadurch das eigene sowie das Leben der Angehörigen völlig anders weitergeführt werden muss.

Vielleicht sind folgende weiterführende Links hilfreich für Sie:

1. Adressen von neurologischen Rehabilitationskliniken in Deutschland

>> Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe - Kontakt


2. Nachrichten rund um die Pflege

>> Nachrichten rund um die Pflege


3. BAG - Selbsthilfe

>> Start - BAG SELBSTHILFE


4. ISL e.V.

>> Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben e.V.


5. BAR, Frankfurt

>> Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation - Startseite


6. Sozialverband Deutschland e.V.

>> SoVD -Sozialverband Deutschland e.V.


7. Deutsche Rentenversicherung

>> Deutsche Rentenversicherung - Startseite


8. MDK

>> Home - MDK - Medizinischer Dienst der Krankenversicherung



Liebe Grüße

Credenza
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Entscheidung Wachkoma

wolfgang 46 ist offline
Themenstarter Beiträge: 10
Seit: 20.07.10
Nochmals euch beiden (Bergversetzer und credenza) vielen Dank für die Tips.
Burgau wurde mir auf der Intensivstation von den Ärzten auch empfohlen, nur ist es leider doch eine ziemlische Strecke, 2 Stunden mit dem Zug, aber ich habe bereits hier in München Kontakt mit einer Reha aufgenommen.Das Problem ist momentan nur, dass sie noch nicht selbstständig atmet und noch an der dialyse ist, heute wird ein Luftröhrenschnitt gemacht, damit sie anfängt leichter und selbstständiger zu atmen, morgen wird eine Magensonde gesetzt, wegen der Ernährung, so dass zumindest die Schläuche in Mund und Nase erst mal weg sind, welche sie bestimmt auch behindern.Sprechen tu ich immer mit ihr, wenn ich bei ihr bin, erzähle von zu hause, den kids usw.Ich glaube auch, dass sie etwas wahrnimmt, vielleicht kann sie es sogar richtig zuordnen,Noch dazu macht es mir Hoffnung, dass sie zwischendurch Phasen hat, wo sie versucht, sich zu bewegen wobei der Puls höher wird und wie ein Stationsarzt mir sagte, dass sie beim wechsel der Nadel in der Hand, die Hand versucht hat, wegzuziehen,das gibt mir Hoffnung, auch wenn die Ärze sagen, dass dies eine willkürliche Bewegung ist,.

Entscheidung Wachkoma

Bergeversetzer ist offline
Beiträge: 1.146
Seit: 12.04.10
Hallo Wolfgang,


all das erfordert viel Stärke von dir, ich wünsche dir sehr, das du dich immer wieder aufbauen kannst und deine Hoffnung bestätigt wird!

Ich würde es auch als gutes Zeichen empfinden, das deine Frau die Hand bei Schmerzreiz wegziehen möchte.
In einer guten Reha kann da noch viel mehr geschehen.

Deine Situation geht mir sehr nahe, es ist einfach unvorstellbar, das einen sowas trifft.
Wie kommen denn die Kinder damit zurecht?


LGB

Entscheidung Wachkoma

wolfgang 46 ist offline
Themenstarter Beiträge: 10
Seit: 20.07.10
Sie reagieren oder verhalten sich unterschiedlich, der jüngste, 19, ist oft dabei, wenn ich zu ihr hinfahre, der mittlere, 22, ist auch an allem interressiert, aber ich glaube, er kommt momentan nicht so ganz klar mit der situation( er ist mehr oder weniger,meist mit der Freundin unterwegs), der älteste(26) ist natürlich auch sehr besorgt,kommt aber nicht so richtig aus sich herraus und wohnt ein wenig weiter entfernt.
Die noch vorhandene Stärke ziehe ich aus der Hoffnung heraus und geben mir auch in gewisser weise meine kinder.

LG Wolfgang

Entscheidung Wachkoma

Pegasus ist offline
Beiträge: 1.118
Seit: 06.11.04
Hallo Wolfgang,

wäre ich an Deiner Stelle, würde ich bei meiner Frau damit beginnen, ihre Füsse zu massieren. Das erste Mal nur leicht und die Füsse auch ein wenig bewegen - leicht dehnen. Das nächste Mal ein wenig steigern. Das Massieren der Reflexzonen fördert die Durchblutung und regt die Organe an. Ich kann Dir leider nicht sagen, wieviel Prozent mehr Hoffnung es dadurch gibt.
Eine Anleitung findest Du hier ->http://www.symptome.ch/vbboard/beweg...enmassage.html

Ich wünsche Euch viel Kraft, das gewiss nicht Leichte zu ertragen.

Herzlich, Pegasus
__________________
Ich vermute, dass viele Symptome entstehen, weil die Reflexzonen zu wenig stimuliert werden.

Entscheidung Wachkoma

Bergeversetzer ist offline
Beiträge: 1.146
Seit: 12.04.10
Hallo Wolfgang,

das ist für die Kinder ja ebenfalls eine enorm schwierige Situation.
Ich entnehme deinen Zeilen aber das ihr euch gewissermaßen eine Stütze seid und das tut gut. Dann bist du nicht völlig allein mit dem Thema.

In München gibt es gute Einrichtungen für eine Reha. Es ist besser wenn du häufig hin kannst.
Deine Frau wird auf dich oder die Kinder sicherlich noch spezifischer reagieren, wenn sie die Möglichkeit dazu hat.

LGB

Entscheidung Wachkoma

wolfgang 46 ist offline
Themenstarter Beiträge: 10
Seit: 20.07.10
Nun , nach dem Luftröhrenschnitt, zwecks besserer Beatmung(nach Aussagen der Ärzte ein Routineeingriff) kam es 15 Minuten später zu Komplikationen,Atemwegsverlagerung, Herz-Kreislaufversagen, Wiederbelebung anschliessend, nach einer Stunde wurde ein Herzschrittmacher gelegt, da die herzfrequenz unter 30 lag, später kamen Blutgerinnungsstörungen dazu, welche erneut den Kreislauf und das Herz so sehr mitnahmen, dass sie um 22.20 verstarb.
Soviel zu dem Sinn eines Luftröhrenschnitts.Laut den Ärzten nichts gefährliches, aber............
ich danke nochmal allen,die mir in Gedanken und mit Schrift und Wort an meiner Seite standen.

Entscheidung Wachkoma

Oregano ist offline
Beiträge: 61.734
Seit: 10.01.04
Hallo Wolfgang,

danke, daß Du hier mitgeteilt hast, daß Deine Frau nun selbst gegangen ist. Vielleicht war es ihre Entscheidung?

Dir und Deinen Kindern wünsche ich die Kraft, über den Verlust hinwegzukommen.
__________________
They tried to bury us. They didn't know we were seeds.


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