Histamin und Milchsäure-Produkte

22.12.06 09:30 #1
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SunnyBeatz ist offline
Beiträge: 8
Seit: 21.12.06
Ist es richtig, dass Histamin vor allem durch bakterielle Gärung freigesetzt wird?

Wie steht es denn dann mit dem Verzehr von Produkten, die viele Michsäurebakterien enthalten wie Kanne Brottrunk, Kefir/Wasserkefir, Gemüsesäfte usw.?

Sind die im Falle von Histamin-Unverträglichkeit zu meiden?

Histamin und Milchsäure-Produkte

Oregano ist gerade online
Beiträge: 63.703
Seit: 10.01.04
Ich habe HI und vertrage so Sachen wie Kanne Brottrunk und Kefir nicht gut. Yogurt in Maßen geht, aber nicht zu oft. 'Bei Gemüsesäften habe ich - wenn ich sie selbst presse -bei den Gemüsen keine Probleme, die ich auch gekocht esse. Aber Tomatensaft z.B. geht nicht (da wird meine Haut auch rot), Sauerkrautsaft geht nicht ....

Ebensowenig vertrage ich solche fermentierten Sachen wie das Rechtsregulat, aber auch das ist wohl von Mensch zu Mensch verschieden.

Was ich mich gerade frage ist, ob ich eigentlich den Kräutertee (von PLUS, bio-Kräutertee) vertrage.

Gruss,
Uta

Histamin und Milchsäure-Produkte

Marlon ist offline
Beiträge: 148
Seit: 14.09.06
Hallo,

Brottrunk und Kefir vertrage ich auch nicht gut. Bekomme dann heftige Symptome wie generell bei den "falschen" Lebensmitteln. Ist auch für mich selbst ganz einfach und logisch zu erklären, beim Kefir gehts ja um Gärung, sprich man setzt ihn ein paar Tage an. Der Brottrunk wird ja auch aus Kulturen hergestellt und gärt, damit wären diese zwei Getränke zumindest für Histaminempfindliche Personen mehr als ungeeignet. Bei frisch gepressten Säften verspüre ich kaum Nebenwirkungen, nur dürfen es eben keine Tomaten, oder Histaminbomben, Liberatoren sein. Beim Milchkefir kann ich nichts sagen, bin Laktose-Intolerant.

Aber all das zielt ja nicht so richtig auf deine eigentliche Frage ab (ob es um bakterielle Gärung geht), tut mir leid, kann dir da nicht weiterhelfen. Habe diesbezüglich auch noch keine gescheite Antwort bekommen.

LG
Marlon

Histamin und Milchsäure-Produkte

SunnyBeatz ist offline
Themenstarter Beiträge: 8
Seit: 21.12.06
Hmmm... Milchsäurebakterien sind doch unerlässlich für eine gesunde Verdauung und einen funktionierenden Stoffwechsel. Was im Darm geschieht, ist ja im Grunde nichts anderes als ein Gär-und Fermentiervorgang. Wie passt das zusammen?

Histamin und Milchsäure-Produkte

SunnyBeatz ist offline
Themenstarter Beiträge: 8
Seit: 21.12.06
Zitat von einer Webseite:

"Im Zuge der Reifung/Trocknung, Räucherung, Zugabe von Mikroorganismen (vor allem Lactobazillen) bei der Aromabildung und Haltbarmachung kommt es auch in unterschiedlichem Ausmaß zur Anreicherung von biogenen Aminen."

Lactobazillus Acidophilus ist doch der Hauptvertreter und das wichtigste Bakterium für die menschliche Verdauung.

Bedeutet das, dass Histamin-empfindliche Menschen einen Bogen um eben diese Bakterien machen sollte?

Histamin und Milchsäure-Produkte

Jenz ist offline
Beiträge: 60
Seit: 17.06.14
Zitat von SunnyBeatz Beitrag anzeigen
Hmmm... Milchsäurebakterien sind doch unerlässlich für eine gesunde Verdauung und einen funktionierenden Stoffwechsel. Was im Darm geschieht, ist ja im Grunde nichts anderes als ein Gär-und Fermentiervorgang. Wie passt das zusammen?
Seit 8 Jahren kennt niemand die Antwort?

Histamin und Milchsäure-Produkte

Abigail ist offline
Beiträge: 212
Seit: 10.10.10
Hallo Ihr alle,

Hmmm... Milchsäurebakterien sind doch unerlässlich für eine gesunde Verdauung und einen funktionierenden Stoffwechsel. Was im Darm geschieht, ist ja im Grunde nichts anderes als ein Gär-und Fermentiervorgang. Wie passt das zusammen?
Das passt genau zusammen, so dass ich hier erstmal auf Threads zu Probiotika bei Histamin-Intoleranz hinweisen möchte. Ich glaube ich hatte dort schon mehrmals geschrieben, welche der Bakterien, die in Probiotika, aber eben auch in milchsauren oder vergorenen Produkten. vorkommen problematisch sind bei Histamin-Intoleranz und welche nicht. Darum kann auch eine Darmfehlbesiedlung mit stark Histamin produzierenden Keimen bei Histamin-Intoleranz problematisch sein (mit Clostridien oder E. Coli z. B.).

Problematisch sind natürlich alle Bakterien/Keime, die Histamin produzieren. Zusätzlich sind auch solche Bakterien/Mikroben problematisch, die Biogene Amine produzieren, die Histaminliberatoren bilden und/oder Biogene Amine, die DAO hemmen (insb. Putrescin und Cadaverin).

Die Bakterien- und Hefe-Kulturen in /für Brottrunk, Kefir und Probiotische Joghurts gehören da leider dazu, genauso wie die für Sauerkraut oder Sauerteig/Backferment oder die an Käse- oder Hartwurst-Herstellung beteiligten. Die normal üblichen Joghurtbakterien (L. acidophilus, St. thermophilus, Bifidusbakterien) sind allerdings verträglich (jedoch kann bei schwerer Histamin-Intoleranz das Casein aus der Milch - Histaminliberator - ein Problem sein, ebenso wie der L. acidophilus, der Cadaverin bildet, eben falls ein Mistaminliberator und zusätzlich DAO-Hemmer).

Mal sehen, ob ich meine Liste gleich finde ...

... hier ist sie:

Zu Probiotika und Bakterienpräparaten für die Darmflora:

Folgende Mikrobenstämme, die sich in Probiotika und Bakterienpräparaten finden lassen sind Histaminbildner und sollten bei Histaminintoleranz nicht eingenommen werden: Lactobacillus casei (z. B. auch in Actimel, Yakult, Kombucha), Lactobacillus reuteri (z. B. auch in Brottrunk), Lactobacillus fermentii / fermentum, Lactobacillus plantarum, Lactococcus lactis, Enterococcus faecialis, Enterococcus faecium, Escherischia coli (+ produziert Ammoniak und ev. Hämolysin als Histaminliberatoren sowie andere Toxine)

Folgende Mikrobenstämme, die sich in Probiotika und Bakterienpräparaten finden, bilden andere /weitere bei Histamin-Intoleranz problematische Biogene Amine z. B. Putrescin/Cadaverin) und sollten daher bei Histamin-Intoleranz gemieden werden: Lactobacillus casei, Lactobacillus plantarum, Escherischia coli. Leider produziert auch das Joghurtbakterium Laktobacillus acidophilus ev. Cadaverin. In welchem Ausmaß geht aus meiner Quelle nicht hervor (Lactobacillus acidophilus bildet weder Histamin, noch Putrescin. Jedoch denke ich sollten wegen der Cadaverinproduktion L. acidophilus-Produkte bei schwerer Histamin-Intoleranz mit Vorsicht angewendet werden.)

Folgende Mikrobenstämme, die sich in Probiotika und Bakterienpräparaten finden sind Thyraminbildner und sollten bei schwerer Histaminintoleranz oder (Verdacht auf) Thyraminintoleranz / Einnahme von MAO-Hemmern nicht eingenommen werden: Lactobacillus: L. acidophilus, L. bulgaricus, L. casei, L. delbrückii, L. helveticus; L. lactis, L. plantarum; Streptococcus thermophilus

Folgende Mikrobenstämme, die ich beim Durchsehen verschiedener Präparate im Internet gefunden habe scheinen bei Histaminintoleranz und Tyraminintoleranz o. k. zu sein: Bifidobacterien, Lactobacillus gasseri, Lactobacillus rhamnosus, Lactobacillus salivarius, Lactobacillus sporogenes
Es finden sich durchaus Produkte, die nur diese enthalten, beispielsweise: SymbioLact B oder Omniaflora N (laut Tabellen der Histamin und Thyramin produzierenden Mikroben in unten angegebenem Buch).
Zusätzlich scheinen folgende Mikrobenstämme in Ordnung zu sein, sofern keine Tyramin-Intoleranz oder schwere HIT besteht: Lactobacillus acidophilus, Lactobacillus helveticus (?), Lactobacillus lactis, Streptococcus thermophilus (Tyraminproduzenten).

Über Hefen wird zur Zeit noch diskutiert. Die Bäckerhefe Saccharomyces cerevisiae ist selbst offensichtlich kein Histaminbildner. Jedoch enthalten Hefe(n) und Hefeextrakte unter Umständen größere Mengen an Histamin. Ev. sind Verunreinigungen der Bäckerhefe mit anderen Keimen für die deutliche Histaminbildung verantwortlich. Hefen enthalten von Natur aus Glutaminsäure (Histaminliberator u. DAO-Hemmer). Daher ist Hefeextrakt nicht nur histamin- sondern auch glutamathaltig. Wenn Getränke mit Hefen vergoren werden entsteht auch Alkohol (Wein, Bier, Kefir/Kumys).

(Quelle der Histamin und Thyramin bildenden Bakterien: D. M. Beutling "Biogene Amine in der Ernährung", Springer Berlin Heidelberg 1996 - S 60 -63 und zusätzliche Ergänzungen aus späteren Recherchen, Stand 2014)

... hat mir doch das Programm hier die Farben gelöscht ..., das mache ich ev. später ...

Abigail

P.S. Mikroben zur Kefirherstellung: typischerweise Milchsäurebakterien wie Lactobacillus acidophilus, Hefen wie Saccharomyces kefir und wenig Essigsäurebakterien, es entsteht auch etwas Alkohol, produziert von den Hefen (Quelle wahrsch. Wikipedia)

... Hallo Jenz, danke für's hochholen ... vor 8 Jahren wusste ich noch nicht einmal, dass ich eine Histamin-Intoleranz habe ...

Geändert von Abigail (17.08.14 um 22:51 Uhr)

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Oregano ist gerade online
Beiträge: 63.703
Seit: 10.01.04
Vielen Dank für diesen Beitrag, Abigail !

Grüsse,
Oregano
__________________
They tried to bury us. They didn't know we were seeds.

Histamin und Milchsäure-Produkte

Kayen ist gerade online
Beiträge: 5.060
Seit: 14.03.07
Von mir auch einen ganz herzlichen Dank, Abigail.
Derzeit benötige ich für meinen Darmaufbau genau diese Infos und ich erinnere mich gerade, das vieles mit dem übereinstimmt, wie ich es in der Vergangenheit mit Darmbakterien - Verträglichkeiten/Unverträglichkeiten selbst erlebt habe.
Wirklich sehr wertvoll Dein Beitrag.

Liebe Grüsse von Kayen
__________________
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Histamin und Milchsäure-Produkte

arnenuem ist offline
Beiträge: 37
Seit: 28.04.14
Vielen Dank, Abigail, für deine Mühe!

Wenn ich deine Fakten berücksichtige, stellt sich für mich ein interessantes Problem. Lt. Stuhltest habe ich erniedrigte E. Coli und Milchsäurebakterien. Die Einnahme von Probiotika beider Stämme-Gruppen habe ich jetzt mal abgesetzt, führe sie also nicht mehr von außen zu. Aber wenn ich jetzt durch die Einnahme von Resistenter Stärke versuche, eben diese Bakterienarten zu erhöhen, würde ich mir nach deiner Schlußfolgerung ja selbst schaden - zumindest was den Histaminspiegel beträfe, oder?


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