Eisenwerte, Interpretationshilfe

31.08.07 21:46 #1
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Eisenwerte, Interpretationshilfe

Shelley ist offline
Themenstarter Beiträge: 10.455
Seit: 28.09.05
hallo,

ich habe ganz vergessen; ich habe mir mal notiert gehabt:
vor zehn bis vor 15 jahren, da hatte sie immer erhöhtes eisen und eine erhöhte transferrinsättigung, dafür war transferrin und ferritin im guten bereich.
was mag das wohl zu bedeuten haben?

lieber beat,

vielen dank für deine interessanten gedankengänge, welche du mit mir anstellst!

viele liebe grüsse von shelley
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Eisenwerte, Interpretationshilfe

margie ist offline
Beiträge: 4.553
Seit: 02.01.05
Hallo Shelley,

erhöhtes Eisen und erhöhte Transferrin-Sättigung würden gar an eine Hämochromatose denken lassen. Aber dann wäre das Ferritin deutlich höher und das Transferrin deutlich niedriger.
Das würde ich anhand aller Werte also ausschließen.
Evtl. hat die Person einen Gendefekt auf Hämochromatose, den habe ich auch, jedoch ohne erkennbare negative Auswirkungen, d. h. mein Ferritinwert ist eher zu niedrig als zu hoch.
Aber man kann schon mal mit einem Gendefekt, also als Genträger, auch leichtere Krankheitszeichen haben. Doch dazu ist das Ferritin viel zu niedrig um daraus jetzt etwas zu machen.

Wenn das Transferrin das Transportprotein im Eisenstoffwechsel ist und es auch als Transportprotein für andere Metalle gilt, dann bedeutet ein zu niedriges Transferrin dass die Person evtl. zu viel dieser Metalle im Körper hat. Das ist genauso wie im Kupferstoffwechsel, zu wenig Transportprotein vom Coeruloplasmin heißt, dass der Mensch zu viel Kupfer im Körper ablagern kann.

Doch ich würde bei dem Wert von 1,9 mir darüber noch keine so großen Gedanken machen, denn das kann bei der nächsten Blutuntersuchung schon wieder anders, also auch höher ausfallen.

Mit KPU im Detail kenne ich mich nicht aus, weil ich an KPU als eigenständige Krankheit nicht glaube (ich halte KPU -wie schon oft erwähnt- für ein Problem eines oder gar zweien Gendefekte/s für die Kupferspeicherkrankheit......).

Es kann sein, dass ein Patient sowohl einen Gendefekt auf die Eisen- als auch einen auf die Kupferspeicherkrankheit hat oder ein Patient hat gar beide Krankheiten zusammen. Ersteres ist sicher sehr sehr häufig der Fall, denn es gibt viele Genträger für die beiden Krankheiten.
Genträger können aber immer leichtere Symptome einer Krankheit bekommen, was leider von vielen Ärzten nicht in Betracht gezogen wird.

Gruß
margie
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“Das Fleisch, das wir essen, ist ein 2-5 Tage alter Leichnam.” - Volker E. Pilgrim, Schriftsteller

Eisenwerte, Interpretationshilfe

Sine ist offline
Beiträge: 3.368
Seit: 15.10.06
Hallo Shelley.
Kann es sein, dass deine Freundin mit 15 ihre Menstruation bekommen hat und somit der hohe Eisenwert seither in Schach gehalten wird?
Ich sehe das auch wie Margie, vielleicht besteht eine heterozygote Veranlagung ( nur ein Gen ist betroffen ).
Was für Beschwerden hat deine Freundin eigentlich?
Es gibt ja einen Grund, warum ihr über diese Sache nachgrübelt...
Liebe Grüsse, Sine

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Oregano ist offline
Beiträge: 62.176
Seit: 10.01.04
Am besten wäre es doch, diese Freundin gleich an den PC zu holen, damit sie hier selbst die Fragen stellt. Über einen Vermittler geht immer etwas verloren oder wird falsch verstanden.

Gruss,
Uta

Eisenwerte, Interpretationshilfe

Shelley ist offline
Themenstarter Beiträge: 10.455
Seit: 28.09.05
hallo ihr drei lieben,

vielen dank für eure antworten!
sehr viel weiter bringen uns diese werte also auch nicht.
ausgenommen davon, dass nun sicher ist, dass hämochromatose ausscheidet.

ob da ein gentest auf diesen gendefekt, von dem margie schreibt, noch sinnvoll ist?
ich denke nicht, aber ich gebe die sache mal weiter.

vielen, lieben dank nochmals!

ihre symptome?
na, ja.
das sind viele verschiedene.
müdigkeit, erschöpfung, schwäche, schmerzen oft in rücken und bauch, übelkeit, sie sprach mal von appetitlosigkeit, haarausfall, herzanfällen, manchmal nimmt sie homöopathische pankreasmittel, schwindel und solche sachen. also schon noch mehr sachen. einmal hat sie sogar eiseninfusionen bekommen. als sie klein war, hiess es anscheinend immer, sie müsse äpfel essen, in welchem zuvor nägel steckten. damit sie nicht mehr so bleich ist. sie hat das schon über jahre. früher hatte sie auch fieberschübe und solche sachen.
ihre leberwerte sind auch schlecht, doch man weiss nicht, warum.
quecksilber hat sie keines und der candida-test sei okay gewesen.

viele liebe grüsse von shelley
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margie ist offline
Beiträge: 4.553
Seit: 02.01.05
Hallo Shelley,

ich fürchte, dass man die Genuntersuchung in einem solchen Fall nicht machen wird. Sie wird meines Wissens nur bei starkem Verdacht auf eine Hämochromatose gemacht. Was anderes ist, wenn man sie privat bezahlt. Da bei der Hämochromatose es nur ca. 4 Genmutationen gibt, die geprüft werden müssen (im Gegensatz zum M. Wilson, wo es über 250 Genmutationen gibt), kann die Untersuchung nicht sooo teuer sein. Aber dies ist relativ, ich schätze mal aus dem hohlen Bauch, dass der Preis dafür nicht unter 80 Euro sein wird, vielleicht auch deutlich mehr...

Ich würde aber bei Deiner Freundin erst mal nachsehen lassen, wo ihre eigentlichen Probleme sind, denn mit zuviel Eisen hat sie, denke ich, kaum Probleme. Außerdem bei Frauen, die ihre Menstruation noch haben, wirkt sich eine Hämochromatose erst nach den Wechseljahren richtig aus. Dann könnte evtl. auch bei nur einem Gendefekt eher mit Auswirkungen zu rechnen sein, wobei auch der Gendefekt eine Rolle spielt. Es gibt da sehr heftige und weniger heftige Gendefekt.

Wenn Deine Freundin Pankreasmittel nimmt, Pankreasprobleme kann man auch beim M. Wilson haben. Vielleicht sollte der mal ausgeschlossen werden? Auch die übrigen von Dir genannten Symptome sind beim M. Wilson möglich.


Gruß
margie
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Shelley ist offline
Themenstarter Beiträge: 10.455
Seit: 28.09.05
hallo sine, pita und andere wisser,

meine freundin hat neue werte bekommen.
könnt ihr vielleicht etwas zu diesem „verlauf“ sagen?

hier habe ich sie:

* eisen: 51.2 mikromol/l (ref: 6.6 – 26.0)
transferrin: 2.5 g/l (ref: 2.0 – 3.6)
* transferrinsättigung: 82 % (ref: 15 – 45)
ferritin: 41.5 ng/ml (ref: 10.0 – 204.0)

könnten diese werte auch einen hinweis auf eine beginnende infektion oder etwas ähnlichem sein?

herzlichen dank für antwort!

viele liebe grüssse von shelley
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pita ist offline
Beiträge: 2.883
Seit: 08.04.07
Hallo Shelley

Eisen und Transferrinsättigung sind jetzt deutlich erhöht.

* Vermehrte Eisenzufuhr
Primäre Hämochromatose (erbliche Erkrankung mit ungeregelter, zu großer Eisenaufnahme aus dem Darm)

* Blutarmutsformen, die nicht durch Eisenmangel bedingt sind, können erhöhten Eisenspiegel aufweisen.
o Hämolytische Anämie [Auflösung der roten Blutkörperchen verschiedenster Ursache]
o Vitamin B12 / Folsäuremangelanämie
o Bleivergiftung
o Aplastische Anämie (Blutarmut durch Blutbildungsstörung unbekannter Ursache)
o Vitamin B6 [Pyridoxin] Mangel)

* Freisetzung von Eisen aus Leberzellen bei Leberschäden (Leberzirrhose, Lebernekrose/-absterben, Hepatitis/Leberentzündung)

* Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

* Porphyria cutanea tarda (seltener Enzymmangel mit Leberschaden, Pusteln und Blasen an lichtexponierten Körperstellen) und andere Porphyrien

* Chronisches Nierenversagen (Urämie; Eisenbefunde variabel)

* Morbus Bechterew (=Spondylitis ankylosans; rheumatische Erkrankung mit tiefliegenden, meist nächtlichen Kreuzschmerzen; bei den meisten anderen rheumatischen Erkrankungen ist Eisen erniedrigt)

Eisen - Übersicht
Eisenüberladung

Erbliche Hämochromatose (relativ häufige Erbkrankheit, bei der die Eisenaufnahme vom Darm ungeregelt und erhöht ist. Die Transferrinsättigung ist dabei früher erhöht als das Ferritin, hilft daher die Erkrankung früher zu erkennen)

Massive Bluttransfusionen

Blutarmut wegen gestörter Blutbildung, die nicht auf einen Eisenmangel zurückzuführen ist (Ursachen siehe Eisen)

Lebererkrankungen

Fehlen von Transferrin (Atransferrinämie; sehr selten)
Transferrin Sättigung - Übersicht
Das mögen Hinweise sein, die vielleicht weiterführen. Grundsätzlich müsste man jedoch Patientin/Beschwerden/übrige Laborwerte als Ganzes anschauen.

Liebe Grüsse
pita

Eisenwerte, Interpretationshilfe

Shelley ist offline
Themenstarter Beiträge: 10.455
Seit: 28.09.05
liebe pita,

herzlichen dank für deine antwort!
ich habe vergessen zu schreiben; vielleicht zuerst zu fragen:
wenn man zink nimmt: tut das auch eisen oder nur kupfer "binden"?

weil die freundin nimmt jetzt seit einer weile kein zink mehr. da wurden die werte wieder so wie damals, als sie noch kein zink nahm. die werte, welche in der norm sind, wurden alle unter medikamenten-einnahme gemacht. die freundin soll jetzt auch andere medikamente abgesetzt haben. ich muss aber nachfragen, was genau das war.
welche medis also können die obigen eisenwerte verändern?

wie sieht das mit den leberwerten aus?
wie verändern sich die bei einer hämochromatose?
werden die besser, wenn das eisen oder die transferrinsättigung erhöht ist, oder werden sie da schlechter?

viele liebe grüsse; deine shelley
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pita ist offline
Beiträge: 2.883
Seit: 08.04.07
Hallo Shelley

Zink ist eigentlich ein Gegenspieler von Eisen:
Da Zink ein Antagonist von Eisen und Kupfer ist, reduziert es deren Reaktivität im Prozess der Radikalenbildung [1, 13]. Des Weiteren hemmt Zink die Resorption von Blei und Kadmium und schützt so vor Intoxikationen mit diesen Schadstoffen aus der Umwelt [1].
Spurenelemente | Zink | www.vitalstoff-lexikon.de | Ihr Vitalstoff-Führer von A-Z | Funktionen, Interaktionen, Wechselwirkungen, Lebensmittel-Listen, Zufuhrempfehlungen, Mangelsymptome, Prävention, Therapie, Vitalstoffmehrbedarf
Bei der genetischen Disposition der Hämochromatose ist allerdings Vorsicht angebracht. In der Leber der Patienten wurde nebst zuviel Eisen auch zuviel Zink festgestellt:
Hepatic zinc in hemochromatosis. [Clin Invest Med. 1991] - PubMed Result

Eisen und Zink benutzen den selben Transporter: DMT1. Bei Hämochromatose scheinen sie sich allerdings nicht zu konkurrieren, sondern beide könnten vermehrt aufgenommen werden!

Aus diesem Grund ist die Überlegung "Zink gegen vermehrte Eisenaufnahme" (=Zink gegen freie Radikale) nicht für alle Menschen richtig.

Zu Deiner Frage betreffen den Leberwerten:
Diese werden erhöht, wenn das Ferritin (Speichereisen) zu hoch ist.

Liebe Grüsse
pita


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