Geistige Behinderung

11.08.10 00:27 #1
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bronzfeld ist offline
Beiträge: 55
Seit: 06.04.09
Hallo, meine lieben Mitstreiter!
Gerade sehe ich eine Sendung im Fernsehen über Contergangeschädigte.
Auch ich habe vor 50 Jahren, im Anfang einer Schwangerschaft zwei Tage hintereinander, je.einen Löffel Contergan genommen. Es war ein rosafarbener Saft. Mein Sohn kam zwar nicht mit körperlichen Behinderungen zur Welt, aber mit einer 80%tigen geistigen Behinderung. Wir, mein Mann und ich haben alles versucht, um heraus zu finden, wodurch diese Behinderung zu Stande gekommen ist. Wir sind von einem Arzt zum anderen und von einer Klinik zur anderen gegangen, aber ohne Diagnose wurde unser Sohn immer wieder entlassen. Keiner konnte uns sagen woran es lag, jeder zuckte nur mit den Schultern.
Kennt sich jemand aus und weiss ob es auch andere geistig behinderte Kinder gibt, wo es nachgewiesen ist, dass es durch Contergan kam?
Wir möchten es doch gerne wissen, denn seit 49 Jahren mache ich mir Gedanken und auch Vorwürfe, ob ich etwas falsch gemacht habe.
Über eure Berichte würde ich mich sehr freuen. DANKE, Bronzfeld.


geistige Behinderung:

nicht der papa ist offline
Beiträge: 4.533
Seit: 18.11.09
Es tut mehr leid, dass dir das passiert ist. Das ist ein wirklich schweres Schicksal.

Ich habe den TV-Film gesehen, gegen dessen Verbot die Firma umsonst klagte. Er hieß Eine einzige Tablette.

Die Antwort auf deine Frage kannst Du auch in Fachbüchern nachlesen und sie lautet ja. Thalidomid verursacht auch geistige Schäden. Pädiatrie - Google Bücher

Doch dich trifft wirklich keine Schuld daran. Ihr müsst leider auf diese schrecklich Weise ausbaden, was eine völlig verantwortungslose Pharmafirma verschuldet hat. Die, obwohl sie es frühzeitig wusste, das Mittel lange nicht vom Markt nahm und auch niemanden warnte.
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Jeder muß mit den Konsequenzen leben, die sich aus seinen Entscheidungen ergeben. gerold 2.1.11

Geistige Behinderung

Datura ist offline
in memoriam
Beiträge: 5.002
Seit: 09.01.10
sie lautet ja
Ja, so ist es, Bronzfeld. Es kam dann zu körperlichen Behinderungen, wenn das Contergan zu einer bestimmten Zeit eingenommen wurde, ich glaube im dritten Monat, wenn die Gliedmassen anfangen zu wachsen.

Seit 49 Jahren machst Du Dir Vorwürfe? Das ist wirklich schrecklich und ich kann mir vorstellen, wie es Dir gegangen ist.

Du bist nicht schuld, auf keinen Fall, schuld ist die Firma, die den Dreck hergestellt und in Umlauf gebracht hat und lange die Warnungen in den Wind geschrieben hat, (wenn das Thalidomid die Ursache für die Behinderung Deines Sohnes ist, was ja naheliegend ist), nicht du, bitte verzeihe dir, dass Du unwissend warst, lass die Schuldgefühle nicht Dein restliches Leben vergiften, bitte.

Alles gute von
Datura

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Juppy ist offline
in memoriam
Beiträge: 1.494
Seit: 07.11.09
Und das Schlimme dran ist,
dass das Contergan unter anderem Namen heute noch in den Entwicklungsländer
weiter verkauft wird.
Und keiner verhindert das.
Die Profitgier ist grenzenlos!!
LG
Juppy

Geändert von Juppy (11.08.10 um 21:21 Uhr)

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Shelley ist offline
Beiträge: 10.451
Seit: 28.09.05
unter welchem namen?

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IchDiskutierNichtMitIdioten.ErstZiehnSieMichAufIhrNiveauRab, DannSchlagen'sMichMitIhrerErfahrung.

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nicht der papa ist offline
Beiträge: 4.533
Seit: 18.11.09
Zitat von Juppy Beitrag anzeigen
Und das Schlimme dran ist,
dass das Contagan unter anderem Namen heute noch in den Entwicklungsländer
weiter verkauft wird.

LG
Juppy
Das ist so eine unzureichende Information, denn Thalidomidhaltige Medikamente haben meines Wissens vor ein paar Jahren erst für einige neue Anwendungen in den USA eine erneute Zulassung erhalten.
Ob sie das mittlerweile auch in D haben, müsste man recherchieren.
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nicht der papa ist offline
Beiträge: 4.533
Seit: 18.11.09
Seit 1998 ist Thalidomid in den USA zur Behandlung besonders schwerer Lepraformen und seit 2009 in Deutschland zur Behandlung des multiplen Myeloms unter Beachtung strenger Sicherheitsauflagen zugelassen und wird von der Firma Celgene als Generikum vertrieben.
Thalidomid

Aus dem USA Wiki
On May 26, 2006, the U.S. Food and Drug Administration granted accelerated approval for thalidomide (Thalomid, Celgene Corporation) in combination with dexamethasone for the treatment of newly diagnosed multiple myeloma (MM) patients
Am 26. Mai 2006 hat die FDA Thalidomid in Verbindung mit dexamethasone zur Behandlung des MM zugelassen.
Die Europäische Kommission hat aufgrund der Verordnung 726/2004/EG im April 2008 für das Arzneimittel mit dem Wirkstoff Thalidomid eine zentrale, EU-weite Zulassung erteilt. Das zu Thalidomid strukturverwandte Revlimid® (Lenalidomid) hat seit Juni 2007 eine EU-weite Zulassung.
Beide Arzneimittel sind zur kombinierten Behandlung des Multiplen Myeloms, einer Krebserkrankung des Knochenmarks, vorgesehen. Während das Präparat Thalidomide Pharmion® zur sogenannten "First-Line-Therapie" zugelassen ist, soll das Arzneimittel Revlimid® erst nach unbefriedigender Behandlung mit anderen Arzneimitteln zur sogenannten "Second-Line-Therapie" eingesetzt werden.

Angesichts der von dieser Wirkstoffgruppe seinerzeit ausgelösten Contergan-Katastrophe sollen wirksame Maßnahmen getroffen werden, um zu verhindern, dass auf Grund der fruchtschädigenden Wirkung dieser Wirkstoffe erneut Missbildungen bei Neugeborenen auftreten.

Die EU-Mitgliedsstaaten wurden mit den Zulassungsentscheidungen der Europäischen Kommission zu Revlimid® (Lenalidomid) und Thalidomide Pharmion® (Thalidomid) verpflichtet, die Einhaltung entsprechender Auflagen für ein Sicherheitskonzept jeweils in ihrem nationalen Zuständigkeitsbereich sicherzustellen.
Dies ist mit der Änderung der Arzneimittelverschreibungsverordnung (vgl. § 3a AMVV), die zum 8. Februar 2009 in Kraft tritt, umgesetzt worden.

Mit Datum vom 08.02.2009 sind die Anforderungen, wie sie in der Bekanntmachung zu lenalidomid- und thalidomidhaltigen Arzneimitteln beschrieben werden, umzusetzen.
www.bfarm.de/DE/Pharmakovigilanz/AMVV/amvv-node.html
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Juppy ist offline
in memoriam
Beiträge: 1.494
Seit: 07.11.09
Hallo,
ich weis das natürlich hier eine Quellenangabe angebracht ist.
Habe sie leider nicht mehr. Ist schon ein paar Jahre her, ich glaub es war Indien eins der Länder.
Aber das es ja noch verkauft wird ist doch Fakt.
Und darum geht es ja.
Was meine Vorgänger ja auch gefunden haben.
LG
Juppy

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nicht der papa ist offline
Beiträge: 4.533
Seit: 18.11.09
Zitat von Juppy Beitrag anzeigen
Hallo,
ich weis das natürlich hier eine Quellenangabe angebracht ist.
Habe sie leider nicht mehr. Ist schon ein paar Jahre her, ich glaub es war Indien eins der Länder.
Aber das es ja noch verkauft wird ist doch Fakt.
Und darum geht es ja.
Was meine Vorgänger ja auch gefunden haben.
LG
Juppy
Ja, es wird so ziemlich überall wieder verkauft. Heute unter strengeren Auflagen als früher.
Thalidomid: Lexikon mit 49.794 Stichwörtern aus Biotechnologie, Medizin & Life Sciences.
Aber ob das dann wirklich praktisch überall so ist, darf bezweifelt werden.

Nach dem Contergan-Skandal wurde es noch viele Jahre in Entwicklungsländern wie Brasilien an Leprakranke Analphabeten verkauft, die das aufgedruckte Symbol, dass eigentlich für Schwangere verboten hieß, so missdeuteten, dass sie dachten, das Mittel würde auch verhüten. Wird auch im Wikipediaartikel erwähnt.
Es wird meist so dargestellt, auch beim aktuellen wikipedia, als wäre das in den 60/70ern passiert. Aber das ist eine Täuschung.
1992: Die brasilianische Vereinigung der Contergangeschädigten (ABPST) wird offiziell gegründet, um die Opfer bei der Durchsetzung der ihnen zusehenden Rechte unterstützen zu können.
1994: Der Ministerialerlass Nr. 63 vom 4. Juli 1994 ist der erste Erlass, der die Einnahme von Thalidomid durch Frauen im gebärfähigen Alter verbietet.
Früher gab es dazu mal einen sehr umfangreichen Artikel bei wikipedia.

Es gab dann Anfang der 90er auch eine TV- Doku dazu, die ich gesehen habe. War sehr gruselig, wie viele Conterkinder da in Südamerika rumliefen, wo alle dachten das wäre Geschichte und dürfte nie mehr passieren.
Es soll in Brasilien derzeit 480 anerkannte Conterganfälle geben (1994 waren es noch ein paar wenige.) und wer weiß wie viele unbekannte.

Wer weiß also schon, wie viele recht junge Contergankinder es weltweit noch gibt und wie viele immer noch neu geboren werden, weil Ärzte es nicht für notwendig halten, ihre Patienten über Risiken ordentlich aufzuklären, was auch das Problem in Brasilien war.:mad
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Jeder muß mit den Konsequenzen leben, die sich aus seinen Entscheidungen ergeben. gerold 2.1.11

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Juppy ist offline
in memoriam
Beiträge: 1.494
Seit: 07.11.09
Hallo,
aber man sieht ja, dass es genau so weiter läuft und keiner macht was.
Das ist ja typisch für unsere Schulmedizin, sieht man ja in anderen Bereichen ja auch.
Wenn man nicht aufgeklärt ist und der SM glaubt , hat man die Ar....Karte gezogen und die Frage ist, ob man gesund seine Rente noch bekommt.
Wenn einer das Prinzip verstanden hat was so abläuft, bleibt länger Gesund.
Aber es muss ja jeder seine eigene Erfahrung in dem Bereich machen.
Wie heist es so schön: Der Schlaue lehrnt durch die Erfahrungen der anderen.
Der Dumme macht sie selber.
LG
Juppy


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