Neue Studie - Phthalate = Weichmacher: Diabetes

19.06.12 16:53 #1
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Clematis
Hallo,

hier ein Bericht, der nicht nur die Studie bespricht, sondern auch erwähnt wo Weichmacher überall enthalten sind (z.B. in Kosmetika, Lebensmittelverpackungen) und welche weiteren Chemikalien besonders schädlich und dennoch immer noch zugelassen sind.
Phthalate: Weichmacher lösen Diabetes aus ©
von Mag. Michael Strausz - 18.06.2012

Bestimmte Weichmacher in Verpackungen und vielen Kosmetikartikeln, sogenannte Phthalate (Phthalat-Diester), können Diabetes Typ 2 hervorrufen, geht aus einer aktuellen schwedischen Studie der Universität Uppsala hervor.

Mehr zu diesem Thema: PIVUS-Studie (pdf)Mex. Studie

Früheren Untersuchungen zufolge können Phthalate Männer unfruchtbar machen oder zu genitalen Fehlbildungen bei Kindern führen. Daher fordert die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) diese Weichmacher, welche auch in Medikamenten und Medizinprodukten wie Kathetern oder Blutbeuteln vorkommen, durch unschädliche Stoffe zu ersetzen.

Hohe Belastung durch Insulinhemmung
Die neue schwedische PIVUS-(Prospective Investigation of the Vaskulature in Uppsala Seniors)-Studie zeigt nun einen Zusammenhang zwischen Phthalaten und Diabetes mellitus Typ 2. „Zwar müssen unsere Ergebnisse noch in weiteren Studien erhärtet werden, stützen aber schon jetzt die Hypothese, dass bestimmte chemische Umweltstoffe zur Entstehung von Diabetes beitragen können“, betont Monica Lind von der Abteilung Arbeits- und Umweltmedizin an der Universität Uppsala. Die Forscher der Universität in Uppsala untersuchten insgesamt 1.016 Probanden (Männer und Frauen im Alter über 70 Jahren) auf Gefäßerkrankungen. Die Probanden wurden auf ihren Nüchternzucker und ihre Insulinwerte untersucht. Außerdem gaben die Studienteilnehmer Blutproben ab, mit denen anschließend Analysen hinsichtlich verschiedener Umweltgifte durchgeführt wurden – darunter auch solche, die entstehen, wenn der Körper Phthalate verarbeitet. Etwa jeder neunte Studienteilnehmer litt an Diabetes.

Am häufigsten litten diejenigen Probanden an Diabetes, die übergewichtig waren oder einen hohen Lipidspiegel im Blut aufwiesen. Allerdings stellten die Wissenschaftler auch einen Zusammenhang zwischen den Blutwerten für einige der Phthaltate und der Diabeteshäufigkeit fest – selbst unter Berücksichtigung der Risikofaktoren wie Fettleibigkeit, Lipidwerte, Rauchen und mangelnde Bewegung. Bei fast allen Patienten fanden die Forscher mindestens vier von zehn Abbauprodukten von Phthalaten. Drei dieser Metabolite gingen mit einem erhöhten Diabetesrisiko einher. Dabei zeigten Probanden mit erhöhten Phthalatwerten ein etwa doppelt so hohes Risiko für eine Diabeteserkrankung als jene mit geringeren Werten. Die Forscher fanden außerdem heraus, dass bestimmte Phthalate mit einer gestörten Insulinproduktion in der Bauspeicheldrüse in Zusammenhang standen. „Um aber herauszufinden, ob Phthalate tatsächlich Risikofaktoren für Diabetes darstellen, müssen weitere Studien durchgeführt werden, die ähnliche Zusammenhänge zeigen“, räute Lind ein. Sie verwies in diesem Zusammenhang auf eine kleinere mexikanische Untersuchungsreihe mit 120 schwangeren Frauen, die ebenfalls auf ein erhöhtes Diabetesrisiko durch Phthalate hinwies. „Weiters sind experimentelle Studien an Tieren und Zellen notwendig, um mehr darüber zu erfahren, welche biologischen Mechanismen diesen Zusammenhängen zugrunde liegen“, so die Forscherin.

Teilweise Kennzeichnungspflicht in der EU
Etliche Weichmacher stören als "endokrine Disruptoren" das menschliche Hormonsystem, indem sie zum Beispiel männliche Sexualhormone hemmen. Studien aus Deutschland und den USA fanden wiederholt hormonell aktive Phthalate im Urin der Bevölkerung. Teilweise überschritten die Konzentrationen sogar die empfohlenen Richtwerte. Zudem können sich unterschiedliche Phthalate in ihrer schädigenden Wirkung steigern. Bei Männern können sie Unfruchtbarkeit fördern und bei Neugeborenen Fehlbildungen der Geschlechtsorgane hervorrufen. „Anscheinend hemmen bestimmte Phthalate die Bildung von Insulin“, vermutet auch Prof. Dr. Dr. h.c. Helmut Schatz, Endokronologe aus Bochum und Mediensprecher der DGE. „Andere begünstigen dagegen vermutlich eine Resistenz gegen das Hormon.“ Diesen Zusammenhang gelte es nun möglichst rasch durch weiterführende Studien zu klären.

„Man weiß heute, dass diese Stoffe die Gesundheit des Menschen schädigen. Sie sind daher innerhalb der EU, beispielsweise in Kinderspielzeug verboten“, berichtet Schatz. Für Verpackungen von Lebensmitteln wurden die Richtwerte für Phthalatgehalte inzwischen gesenkt. Dennoch weisen noch viele Medizinprodukte wie Blut- und Infusionsbeutel, Schläuche oder Katheter Phthalate in höheren Konzentrationen auf. Diese Stoffe können sich leicht aus dem Kunststoff lösen und gelangen auf diese Weise in den menschlichen Körper. Die EU hat im März 2010 zumindestens eine Kennzeichnungspflicht für Medizinprodukte, welche Di(2ethylhexyl)-Phthalat enthalten, erlassen.

Sechs Gruppen von Chemikalien stehen im Verdacht
Eine Studie im Auftrag der Umweltorganisation BUND (Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland), für die rund 240 Einzelstudien der vergangenen Jahre zusammengefasst wurden, warnt besonders vor sechs Gruppen von Chemikalien: Weichmacher, die Produkte aus PVC biegsamer machen (Vinyltapeten, Duschvorhänge, Kinderspielzeug), Flammschutzmittel (in Fernsehern, Computern, Polstermöbeln), Bisphenol A (in Lebensmittel-Verpackungen und Kassenbons), Zinnorganische Verbindungenn (in aufblasbarem Wasserspielzeug, Schuhen), Organophosphat-Pestiziden (in Obst und Gemüse) und Altlasten wie die Gifte Dioxin oder PCB. „Die Belastung mit Chemikalien wie Bisphenol A im Mutterleib hat bei Versuchstieren zu einer späteren Gewichtszunahme und Insulinresistenz geführt“, warnt BUND-Chemieexpertin Sarah Häuser.

Vor allem gefährdetet Gruppen wie Schwangere und Kinder müssten daher besser geschützt werden. Zahlreiche Chemikalien hätten eine den menschlichen Geschlechtshormonen ähnliche Wirkung und können dadurch das Hormonsystem aus dem Gleichgewicht bringen. Bisphenol A etwa wirke als künstliches weibliches Sexualhormon, Phthalat-Weichmacher wirken hemmend auf männliche Geschlechtshormone. Andere Chemikalien beeinträchtigen den Stoffwechsel und stören womöglich die Appetitkontrolle. Viele hormonelle Schadstoffe seien gerade in niedrigen Konzentrationen hoch wirksam, während höhere Dosen manchmal gar keinen Effekt hätten. „Bei der Überarbeitung der europäischen Chemikalien-Richtlinie Mitte 2013 sollte sich die Deutsche Bundesregierung dafür einsetzen, dass Unternehmen verpflichtet werden, hormonelle Schadstoffe durch sichere Alternativen zu ersetzen“, fordert Häuser.

Was sind Phthalate?
Phthalate sind eine Gruppe von Chemikalien, die in sehr großen Mengen als Weichmacher in PVC eingesetzt werden. Hauptsächlich wird DEHP (Diethylhexylphthalat), und DINP (Diisononylphthalat) in Lebensmittelverpackungen und Lacken eingesetzt. Viele medizinische Produkte wie Blut- und Infusionsbeutel, Handschuhe und Kontaktlinsen sind aus Weich-PVC. Der Gehalt an Phthalat-Weichmachern in Weich PVC beträgt durchschnittlich 30 und kann bis zu 60 Prozent betragen. Da sie im PVC nicht fest gebunden sind, können sie aus dem Kunststoff verdampfen oder ausgewaschen werden. Phthalate können durch die Atmung, die Nahrung und die Haut aufgenommen werden.
Quelle: Phthalate: Weichmacher lösen Diabetes aus (18.06.2012) - DocCheck News

Gruß,
Clematis23


Neue Studie - Phthalate = Weichmacher: Diabetes

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Zitat von Clematis Beitrag anzeigen
Hallo,(...)
hier ein Bericht, der nicht nur die Studie bespricht, sondern auch erwähnt wo Weichmacher überall enthalten sind (z.B. in Kosmetika, Lebensmittelverpackungen) und welche weiteren Chemikalien besonders schädlich und dennoch immer noch zugelassen sind.
Gruß,
Clematis23
..ebenso in den Amaturenbrettern von Automobilen, der Innenauskleidung der Fahrgastzelle, der Sitzbespannung von (öffentlichen) Verkehrsmitteln, den Plastikflaschen und, und, und
...weswegen sie auch nicht verboten werden. Die mglw. teratogene Wirkung von Weichmachern, insbesondere die Auswirkungen auf die Spermien-Motilität ist seit einer Studie der Uni Erlangen zu Beginn dieses Jhdts bekannt.


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