Brauche psychologischen Rat

19.01.12 08:59 #1
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Lena
Es geht dabei gar nicht um mich, sondern um eine liebe Freundin.

Ich möchte sie Britta nennen:

Britta (30) ist ein lebenslustiges Ding gewesen, sehr kreativ-vor allem beim Kochen, sehr aktiv, immer gut drauf.
Habe sie vor einigen Jahren kennengelernt, zusammen mit unseren Männern haben wir uns in Abständen immer wieder mal getroffen.
Wir wohnen ca 45 km voneinander entfernt.

Mit Britta hatte ich am Anfang so meine Problemchen, weil ich das krasse Gegenteil darstelle:
Gehe kaum nach draußen, wurschtle eher so still vor mich hin - egal...

Jedenfalls hatte ich recht schnell das Gefühl dass sie dominant wirkte. Merkte aber dann, dass das gar nicht so ist, - es ist einfach das pure Leben.

Jetzt hat sich das aber ganz drastisch geändert.
Vor ungefähr 1 1/2 Jahren haben sie und ihr Mann Untermieter aus dem Freundeskreis genommen.
Zunächst ging alles gut, dann aber stellten sich Probleme im "Miteinander" ein.

Da die beiden einen SEHR großen Freundeskreis haben und Woche für Woche immer auch Gäste, haben jetzt die Untermieter die Problematik nach draußen weitergegeben.

Zunächst ist ihnen gar nicht aufgefallen, dass man sie plötzlich meidet. Vor lauter Einladungen haben sie gar nicht gemerkt, dass man sie nicht mehr einlädt.

Erst als Britta mal recht erschöpft war und eine längere Pause entstand, stellte sie fest: Da kommt ja gar nichts von den anderen.

Sie fing an, darauf zu achten und wurde Stück für Stück enttäuschter.

Parallel dazu entstanden Probleme in der eigenen Familie:
Die Stieftochter von Britta (18) entwickelte eine aufmüpfige Verhaltensweise.
Sie half keinen Handschlag mit, lies alles rumliegen-das Übliche Problem vieler Familien..

Dann versuchten sie mit den Untermietern klärende Gespräche zu führen - vergeblich.

Die Untermieter kündigten dann vor einem Jahr die Wohnung. Durch viel Hartnäckigkeit ist es dann aber eines Tages doch gelungen, sich mal so richtig auszusprechen.
Als man dann im Guten auseinander ging, kamen plötzlich alle Freunde und klopften Britta auf die Schulter und sagte:
"Schön, dass ihr Euch wieder vertragt"


Britta sackte in sich zusammen. Sie empfindet das so:

Da lädt man rund um die Uhr Menschen zu sich ein, die man als Freunde sieht.
Erwidert wird diese Freundschaft nicht, - noch nicht einmal durch hin und wieder mal eine Gegeneinladung.
Wir lieben Kino. Das wissen ALLE. Aber wenn man mal ins Kino geht, werden wir nicht gefragt, ob wir mitkommen.
Die Stieftochter liebe ich wie meine Eigene, warum tritt sie meine Liebe so mit Füßen?
Die Untermieter sind jetzt ausgezogen, habe aber immer noch bei Begnungen das Gefühl, dass da immer noch was zwischen uns steht.


Ja, Ihr lieben, jetzt bin ich mal gespannt, was von Euch kommt.
Ich hab Britta sehr sehr lieb, aber sie läßt sich schon lange von mir nicht mehr umarmen.
Gegenwärtig ist sie in einer psychosomatischen Klinik - inzwischen in der 10. Woche.
Sie darf am Wochenende nach hause.
Wird sie in irgendeiner Form mit bestimmten Dingen konfrontiert, dreht sie hohl.
Deshalb habe ich auch das Gefühl, dass ihr dieser Aufenthalt nicht wirklich weiter hilft. Ihr Mann ist auch dieser Meinung.

Ich persönlich kann damit leben, dass sie mich ablehnt, weil ich weiß, dass ich ihr nichts getan habe.
Weh tut es aber trotzdem, weil ich ihr gern helfen würde, nur wie?

Liebe Grüße
Mon Cherry

Brauche psychologischen Rat

Oregano ist offline
Beiträge: 63.685
Seit: 10.01.04
Hallo MonCherry,

ich finde es schwierig bis unmöglich, hier über Dritte etwas zu schreiben, die ich nicht kenne bzw. die nicht selbst schreiben.
Mir ist u.a. nicht wirklich klar, was nun diese ehemaligen Untermieter nach draußen getragen haben?

Ein Gedanke kam mir ziemlich schnell: vielleicht war Britta so aktiv,weil sie letztlich Alleinsein gar nicht ertragen kann/konnte oder weil sie vielleicht eine Depression hatte,die sie aber so übermalt hat?

Grüsse,
Oregano

Brauche psychologischen Rat

lemuriel ist offline
Beiträge: 9
Seit: 27.12.11
ich muss hier oregano,
recht geben in gewisser weisse.
ich arbeite selbst im Psychologischen bereich und kann nur sagen.
Je mehr andere, gerade freunde versuchen, freunde zu verändern oder etwas zu suchen ihn ihnen was der grund für vorhandenes verhalten ist.....
umso schwerer haben es diese menschen...das sie sich wirklich so zeigen und öffnen können wie sie wirklich sind.

es spielt somit nicht wirklich eine rolle was deiner "freundin" fehlt oder nicht....
es spielt nur eine rolle das die "freunde" die gebliben sind - also auch du und ihr mann.....mit der ganzen sache machen und wie ihr - ihr begegnet.


ja es kann sein das sie nicht alleine sein wollte.,
ja es kann sein das sie depressionen hat,
ja es kann sein das sie einfach nur menschlich entäuscht wurde und tief lief
ja es kann sein das sich dahinter eine noch viel tiefere erkrankung versteckt...
es kann viel sein.....

aber was ist den ihr schätzt - also nehmt sie auch jetzt einfach so an wie sie ist.
nur so kommt sie wieder auf die beine und fühlt sich trotz....."was auch immer der grund ist" wieder vom leben aufgenommen.

die erkenntnis das man nicht immer von allen menschen wirklich "gemocht" wird, sondern es nur oberflächlich ist, bei einigen, kann viele menschen tief treffen.
aber .....meist ist genau sojemand ebenfalls nicht mit allen in der tiefe sondern mehr an der oberfläche.

grüße

Brauche psychologischen Rat
Lena
Themenstarter
Hallo Oregano,

sorry, hier habe ich eine seeehr wichtige Info vergessen.
Britta und ihr Mann haben gemerkt, dass ihre Untermieter einen Bogen um sie machen. Direkt darauf angesprochen und gefragt, was denn los sei wurde alles verharmlost. Es sei nichts, was auch?
Immer wieder versuchten sie herauszufinden, was denn falsch lief. Keine Infos, keine Argumente. "Es ist nichts...."

Mir ist u.a. nicht wirklich klar, was nun diese ehemaligen Untermieter nach draußen getragen haben?
Was auch immer dann doch der Grund war, haben die Untermieter Stimmung im gemeinsamen Freundeskreis gemacht.

Als es dann in Verbindung mit dem Auszug zur "Versöhnung" kam, wußte Britta immer noch nicht, was denn eigentlich los war.


Sie fragte nochmal direkt danach. KEINE Antwort.
Und als dann wie gesagt, die anderen kamen und sich über die VERSÖHNUNG freuten, verstand sie die Welt nicht mehr.
Als sie noch zu lies, dass ich sie in den Arm nehme, schluchzte sie und hatte einen Weinkrampf: "ICH VERSTEHE NICHT: UM WAS GEHT ES DENN HIER? Warum sagt mir denn niemand direkt beim Namen, was ich/wir falsch gemacht habe/n?"

Ich stand wirklich ohnmächtig da. Konnte dazu wirklich nichts sagen, weil es mir ja selbst ein Rätsel war.


Lemiruel, Du schreibst:
es spielt somit nicht wirklich eine rolle was deiner "freundin" fehlt oder nicht....
es spielt nur eine rolle das die "freunde" die gebliben sind - also auch du und ihr mann.....mit der ganzen sache machen und wie ihr - ihr begegnet.

Genau darum geht es mir, wenn ich mich hier an dieses Forum wende.
Hier noch eine kleine ergänzende Geschichte:

Ich selbst hatte im Frühjahr/Sommer letztes Jahr eine sehr schwere Depression. Britta erfuhr davon, und schrieb mir einen wunderschönen Brief, der mir auch wirklich geholfen hat.
Zeitgleich rutschte sie mehr und mehr in ihrer Geschichte ab. Im August dann, hatte sie den Wunsch, einfach mal ein paar Tage für sich zu sein.
Ihr Mann unterstützte sie dahingehend, meinte aber, sie solle jemanden mitnehmen, den sie mag, so dass sie nicht ganz allein sei. - Er selbst konnte gerade keinen Urlaub bekommen.
Als sie MICH fragte, war das für mich ... wow... da will jemand MICH dabei haben!

Also brachten unsere Männer uns zum Ort ihrer Wahl und kamen dann am Wochenende nach.
In dieser 1. Nacht unterhielten Britta und ich uns bis in die Morgenstunden. Beide ließen wir alles mal raus. Wir waren gelöst, ja aufgelöst, jede auf ihre Art.
Ich hatte damals Schlafstörungen, konnte auch da wieder nicht schlafen. Hatte aber in meiner noch nicht ganz verarbeiteten Depression endlich wieder mal ein gutes Gefühl.

Vielleicht hatte ich ja endlich eine tiefe Freundschaft gefunden.

Am nächsten Morgen dann die kalte Dusche.
Britta versteckte sich hinter einem Buch und kam nicht mehr vor, bis unsere Männer dazu kamen.
Auf mein Fragen, ob ich irgendetwas falsches gesagt hätte, verneinte sie grundsätzlich.
Von da an war meinerseits kein Zugang zu ihr mehr möglich.

Was ich auch unternahm fühlte sie sich bedrängt. Sie wollte nur noch ihn Ruhe gelassen werden. Also zog auch ich mich von ihr zurück.

Ich kann einfach nicht verstehen, was da passiert ist?

Mit Ihrem Mann haben wir nahezu täglich Kontakt per Mail/Telefon. Er ist der einzige und eine gute Freundin im gleichen Ort. Mehr Kontakte hat sie im Moment nicht mehr.

Ihr Mann meinte, wir sollen das nicht persönlich nehmen. Er verglich das mit einer Schwangeren, die eine Zeit lang verrückt durcheinander essen würde. Diese Phase geht aber vorbei.

Mir ist bewußt, dass man eine Freundschaft nicht erzwingen kann, das will ich auch gar nicht.
Es macht mich nur so traurig, dass so etwas überhaupt passieren kann.
Es macht mich auch traurig, dass ICH nicht auch jemand sein darf, der IHR helfen kann.
Und es macht mich traurig, wie ein Mensch mehr und mehr den Kontakt zur Aussenwelt verliert, weil andere es nicht verstehen, offen miteinander zu sein, wenn man schon die Gelegenheit dazu gibt.

Vielleicht kommen hier noch einige Gedanken Eurerseits.
Neue Blickpunkte, Ansichtsweisen, die mir helfen zu verstehen?

Vielen Dank
Mon Cherry

Brauche psychologischen Rat

lemuriel ist offline
Beiträge: 9
Seit: 27.12.11
.....ja genau was hat sie damals mit dir gemacht,....sie hat aus dem herz einfach dir einen brief geschrieben...(war genau richtig für dich).ich weiss ja nicht was drinn stand,...und es ist auch unwichtig hier und jetzt,.....
suche nicht und sammle nicht soviele hinweisse und zeichen die um sie - euch herum geschehen sind.

zeige ihr einfach das du als freund jederzeit für sie da bist.
frage nicht was ist - und suche nicht nach gründen.

sei einfach nur offen und da.
und wie du schon erkannt hast - du kannst nix erzwingen - egal was der grund ist (mangelndes interesse an freundschaft oder eine seelisch erkrankung)
da weder wir hier noch du therapeut sein können.

kannst du nur das geben als freund was jede mutter - vater im schlimmstenfall geben kann einfach nur signalisieren "ich bin da für dich-egal was ist mit dir".

je mehr du suchst, ziehst, saugst, forderst, wie auch immer mans nennen will umso mehr kann es bei den einen oder anderen krankheitsbildern eher eine "flucht" "zurückziehen" auslösen.

viel erfolg im selbsterfahren im umgang mit menschen die so sind wie sie sind.

Brauche psychologischen Rat
Lena
Themenstarter
.....ja genau was hat sie damals mit dir gemacht,....sie hat aus dem herz einfach dir einen brief geschrieben...
Natürlich, das hab ich zur gegebenen Zeit dann auch getan. Wirklich von Herzen, ohne zu hinterfragen, ohne zu drücken.

suche nicht und sammle nicht soviele hinweisse und zeichen die um sie - euch herum geschehen sind.
DAS habe ich ja bereits aufgehört.
Es geht mir nur darum, wie ich mich für sie als Kraftquelle erweisen kann und nicht als Nervtöter.
Wir hatten jetzt keinen Kontakt mehr seit sie in der Klinik ist. Wir fragen ihren Mann, ob sie sich mal über einen Anruf oder einige Zeilen freuen würde.
Er meint, dass das noch keinen Sinn macht. Das müssen und können wir aktzeptieren.

zeige ihr einfach das du als freund jederzeit für sie da bist.
Wie denn, wenn sie alles ablehnt?

sei einfach nur offen und da.
"ich bin da für dich-egal was ist mit dir".

Das lassen wir an sie durch ihren Mann ausrichten.

viel erfolg im selbsterfahren im umgang mit menschen die so sind wie sie sind.
Ist ok. Danke.
MC


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