Verlust des Mitleids - über Ausgrenzung von Opfern

03.12.11 11:10 #1
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Verlust des Mitleids - über Ausgrenzung von Opfern
Weiblich dedizione
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Hallo danny,

Das Grunddenken der Gesellschaft in "in" und "out" zu klassifizieren, ist in meinem Denken nicht mehr existent. Gerade weil es Menschen einsam macht. Besonders, wenn es wegen Äußerlichkeiten erfolgt, wie Besitz, Reichtum, Auto, Arbeit, Image usw ... Für mich zählt der Mensch und nur das Mensch, ganz egal, wer er ist, was er hat und was nicht. Denn jeder Mensch ist ein fühlender Organismus und jeder Mensch möchte im Kern doch nur geliebt werden.
ja, richtig. Genau das geschieht aber nicht. Menschen werden ausgegrenzt, eben weil sie nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen. Der Mensch zählt nicht. Wo hast du denn diese Weisheit her?
Ich finde es lobenswert, dass du versuchst, bei dir anzufangen. Aber das ändert die Welt nicht. Auch das ist für mich ein Irrglaube.
Wenn dem nämlich so wäre, hätte sich die Welt ja längst zum Besseren geändert. Zeit genug gab es ja.
Im Gegenteil, in wirtschaftlich und auch allgemein unsicheren Zeiten gibt es Rückschritte, in dem, was ich jetzt mal "menschliche Werte" nennen will, Egoismen nehmen zu, die Zahl derjenigen Menschen, die nicht mehr schaffen, mitzuhalten, nehmen auch zu, die Zeit wird kälter. Also Änderung im positiven Sinne sehe ich da nicht, ganz im Gegenteil.

Zitat von dedizione Beitrag anzeigen
Ich würde gerne wissen, wieso die von mir genannten Bevölkerungsgruppen (Liste nicht vollständig, das behaupte ich nicht) Täter sein können. Wie stellen die das an? Es ist schlicht unmöglich.

Aus meiner Sicht hat jeder Mensch, sicher jede/r Erwachsene das Potienzial als Täter/in, Opfer, Retter/in. - Jede/r kann jede Rolle einnehmen, jede/r nimmt sie situationsbezogen auch ein, mehr oder weniger.
Das Potential hat jeder. Das war aber nicht meine Frage. Meine Frage war, wie möglich sein kann, dass Menschen bestimmter Bevölkerungsgruppen Täter sein können.
Beispiele? Wie können meinetwegen Arbeitslose in ihrer Rolle als Arbeitslose zum Täter werden?

hallo Juliette,

Für mich ist keiner nur Täter oder nur Opfer.
In verschiedenen Lebenssituationen vielleicht, aber nicht in allen Bereichen.
So meinte ich das auch: In verschiedenen Lebensbereichen. Allerdings können (nicht: müssen) bestimmte Lebensbereiche (zb. Langzeitarbeitslosigkeit) durchaus alle anderen Lebensbereich beeinflussen. Bei Langzeitarbeitslosigkeit, Altersarmut und Süchten bin ich mir dessen sogar sicher.

Ich arbeite selbst in einer Selbsthilfegruppe mit und es gibt Menschen die sehr weit unten waren und es mit, oder ohne Hilfe geschafft haben daraus zu kommen. Jeder Mensch hat einen Willen und die Macht über sich selbst, vielleicht nicht unbedingt im Außen aber im Innern. Aber ich verstehe, dass das was im Außen sich abspielt einen so erdrücken kann, dass im Innern kein Raum mehr ist für irgendetwas.
Das Außen, also die Gesellschaft, grenzt ja aktiv aus. Dieser Gedanke ist mir hier mit Hauptthema. Selbsthilfegruppen sind natürlich eine prima Möglichkeit, trotz der Ausgrenzung seitens der Gesellschaft, Gleichgesinnte zu finden, und das ist gut. Leider bleibt aber auch dann, wenn man aktiv an einer solchen Gruppe teilnimmt (ich hatte vorigen Sommer eine solche Gruppe gegründet), eine Art Rest-Gefühl, trotz der Hilfe und Unterstützung in der Selbsthilfegruppe, doch kein vollwertiges, anerkanntes Mitglied der Gesellschaft zu sein. Sondern eher so eine Art "Sonderling" (harmlos ausgedrückt) bis hin zum Aussenseiter, Outlaw.

Ich denke, dass unsere Gesellschaft nicht unschuldig ist an den psychischen Erkrankungen. Die Jugend ist ein Spiegel einer Generation, in der es zwar viele Möglichkeiten gibt, aber auch genauso viele Stolpersteine, oder schlechte Startmöglichkeiten.
Ich bin deshalb auch für ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle, für Schulen an denen Gewaltprävention unterrichtet wird, für Talentförderung, denn jeder hat ein Talent wo er sich einbringen kann.
finde ich gut! Ja, das wäre individuelle Förderung, wie sie leider eher selten ist.

Leider wird vielen durch die Marktwirtschaft, wie sie heute herrscht, die Suppe versalzen. Wenn ich sehe, dass Kinder und Jugendliche Gewalt und Drogen an Schulen ausgesetzt sind und deshalb kein normales Unterrichten mehr möglich ist, dass viele Menschen trotz harter Arbeit nicht genügend Geld haben, um vernünftig zu leben, dass die Mieten so hoch sind, dass ein normaler Bürger fast nicht mehr in einer Großstadt leben kann, dass Pflegebedürftige Menschen unwürdig gehalten werden, weil mehr Zeit für die Bürokratie aufgewendet wird als für den Menschen selbst, ganz zu Schweigen von den Einkommen, dass das Ego der Konzerne mehr zählt als die Gemeinschaft, sprich z. B. das verkaufen von Giftstoffen, ohne Nebenwirkungsangabe, schädliche Materialien in Großraumbüros ect., dann denke ich wäre es gut, wenn sich die Gesellschaft einmal Gedanken machen würde.
Auch hier: Vollste Zustimmung.
Nur glaube ich leider, dass es den meisten Menschen zu gut geht, um sich über Missstände aktiv Gedanken zu machen. Tja und die, die eben aussen vor bleiben, da macht man sich erst recht keine Gedanken drum. Es sei denn, sie taugen als Sündenbock, wie zum Beispiel Arbeitslose.

Verlust des Mitleids - über Ausgrenzung von Opfern

Therakk ist offline
Beiträge: 1.690
Seit: 07.08.10
Ich finde es lobenswert, dass du versuchst, bei dir anzufangen. Aber das ändert die Welt nicht. Auch das ist für mich ein Irrglaube.
Wenn dem nämlich so wäre, hätte sich die Welt ja längst zum Besseren geändert. Zeit genug gab es ja.
das ist genau das Problem in deinem Denken. Ändere Dich, dein Denken und Handeln und es ändert sich alles. Die Welt ist das was wir (jeder Einzele) draus machen. Wer unzufrieden ist mit seinem Leben soll es ändern. Jetzt. Sofort. Nicht morgen, jetzt. Wer fett ist und in seinem Selbstmitleid Cremeschitten reinstopf, wer sein schlechtes Gewissen das er vom saufen hatt in der Bar ersäuft, wem seine Familie davon läuft weil er nie zuhause ist, wer in seiner arbeit verbrennt weil er völlig überfordert ist...... ändern!
Die Welt ist nicht böse, aber sie fordert heraus..immer fester, immer mehr. Jede Kriese ist ein Chance, nutze sie. Wer jammert ändert nichts, wer in der Gruppe jammert ändert noch weniger. Gruppen sind gut, aber ohne jammern.

Ändere dein Denken und es ändert sich alles!

schöne Zeit noch
Therakk, der sein denken massig geändert hatt
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Wir leben in der Annahme, dass wir denken, wobei es genauso möglich ist, dass wir gedacht werden

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Juliette ist offline
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Seit: 23.04.06
Ich denke auch, dass man erst einmal bei sich anfangen kann.
Eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Ich kenne genügend Beispiele, wo Menschen, denen es gut geht, tatkräftig mit anpacken, die Missstände zu verändern. Zum Beispiel der Betriebsratsvorsitzende von Porsche, der gestrauchelten Jugendlichen hilft, einen guten Start zu bekommen. Er hilft mit Geld und ist tatkräftig selbst dabei. Er war selbst ganz unten und kennt beide Seiten. Und solche Menschen gibt es einige und man kann hoffen, dass es mehr werden. Und wenn man die Möglichkeit hat selbst etwas zu tun, dann los.

Eine Selbsthilfegruppe zu Gründen ist schonmal ein guter Anfang, Dedizione.

Die Welt ist nicht böse, aber sie fordert heraus..immer fester, immer mehr. Jede Kriese ist ein Chance, nutze sie. Wer jammert ändert nichts, wer in der Gruppe jammert ändert noch weniger. Gruppen sind gut, aber ohne jammern.
In Selbsthilfegruppen wird am besten nicht gejammert. Es sollte eine Hilfe zur Selbsthilfe sein. Es wird der letzte Stand der Dinge ausgetauscht, geschaut wo man sich gegenseitig unterstützen kann und es werden Tipps gegeben, wie man das Leben besser leben kann, auch in Sachen Denken.

Geändert von Juliette (04.01.12 um 22:34 Uhr)

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Weiblich dedizione
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Zitat von Therakk Beitrag anzeigen
das ist genau das Problem in deinem Denken. Ändere Dich, dein Denken und Handeln und es ändert sich alles. Die Welt ist das was wir (jeder Einzele) draus machen. Wer unzufrieden ist mit seinem Leben soll es ändern. Jetzt. Sofort
Nein, eben nicht.
Die Welt ändert sich nicht, wenn jeder das beste draus macht. Sonst hätte sie sich längst geändert.

Opfer-Sein heißt, eben NICHTS mehr verändern zu können. Du aber meinst per se und pauschal, jeder Mensch könne sein Leben ändern.

Geändert von Malve (04.01.12 um 22:50 Uhr) Grund: Netiquette

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Weiblich dedizione
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Hallo Juliette,

Ich kenne genügend Beispiele, wo Menschen, denen es gut geht, tatkräftig mit anpacken, die Missstände zu verändern. Zum Beispiel der Betriebsratsvorsitzende von Porsche, der gestrauchelten Jugendlichen hilft, einen guten Start zu bekommen. Er hilft mit Geld und ist tatkräftig selbst dabei. Er war selbst ganz unten und kennt beide Seiten. Und solche Menschen gibt es einige und man kann hoffen, dass es mehr werden.
Ich kenne solche Menschen nicht. Ich kenne nur die, die ausgrenzen. Sowas tut mir dann immer sehr weh.

Aber ich glaube, auch hier reden wir nicht dieselbe Sprache.

Natürlich kann "man" hoffen, dass es mehr Menschen werden. Aber es wird sich nichts ändern. Glaube ich nicht dran. Weil es zuviele von den anderen, den Tätern, gibt. Und zuwenig Mitgefühl und Mit-Leiden. Das wurde ja auch hier im thread sehr deutlich. Die Schuld oder das, von dem die Täter der Gesellschaft meinen, was Schuld sei, wird klar den Opfern zu geschrieben. Auch wird Opfer-Sein mit Faulheit oder Inkonsequenz gleich gesetzt, diejenigen seien ja faul, sie wollten es nicht anders, und so weiter. Das empfinde ich als anmaßend.
Eigentlich habe ich aber nichts anderes hier erwartet. Es wäre ja auch zu schön gewesen, etwas anderes zu lesen.

Geändert von dedizione (04.01.12 um 22:50 Uhr)

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Therakk ist offline
Beiträge: 1.690
Seit: 07.08.10
Zitat von dedizione Beitrag anzeigen
Du hast keine Ahnung, was Opfersein bedeutet. Opfer-Sein heißt, eben NICHTS mehr verändern zu können.
wenn du nichts mehr ändern kannst bist du tot! Blos ändert sich dan schon wieder alles....man wird wiedergeboren und bekommt erneut eine Chance

Ich weiss das du mit meinem Ton und meinen Ansichten grosse Mühe hast, versteh ich sogar, aber das was du hier schreibst klingt wie jemand der aufgegeben hatt. nicht gut.

Aber eben, ich klink mich hier aus....

Alles Liebe
Therakk
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Weiblich dedizione
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Zitat von Therakk Beitrag anzeigen
wenn du nichts mehr ändern kannst bist du tot!
also wenn man mit mir diskutieren will, sollte man genau lesen, und vor allen Dingen keine voreiligen Schlüsse ziehen:

Ich schrieb: "Opfer-Sein heißt, eben NICHTS mehr verändern zu können."

Man kann sehr wohl leben und nichts mehr verändern können. Was hat das mit Totsein zu tun? Nichts.

Es gibt jede Menge Leute, die nichts mehr verändern können und trotzdem leben. Wenn das über deine Vorstellungskraft geht, dass es viele dieser Menschen gibt, bestätigt das genau meine Meinung: Du hast keine Ahnung davon, wie es ist, Opfer zu sein.

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tropicalrain
bin genau derselben meinung wie dedizone. wir haben doch hier im forum genügend opfer, die durch fehlbehandlung jetzt schwer krank sind und jahrelang extrem gekämpft haben und keine hilfe bekammen. (z.b. amalgam, borreliose) wo sind die bitteschön täter? meine erfahrung ist auch das es nur wenige menschen gibt die mitgeühl empinden und helfen.

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Therakk ist offline
Beiträge: 1.690
Seit: 07.08.10
.....tot sein muss nicht tot im medizinischens Sinn sein....wer aufgegeben hatt ist ebenso tot...
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Weiblich dedizione
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Zitat von Therakk Beitrag anzeigen
.....tot sein muss nicht tot im medizinischens Sinn sein....wer aufgegeben hatt ist ebenso tot...
Ich würde, im Gegensatz zu dir, lebende Menschen nicht als "tot" bezeichnen... allein diese deine Aussage zeigt schon, wie wenig Empathie du für andere Menschen und wie wenig Ehrfurcht du vor dem Leben hast... du wertest permanent ab.

Wenn es deine Vorstellungskraft übersteigt, dass Millionen Menschen ohne Hoffnung,et was zu verändern, leben, dann muss ich annehmen, du weißt nicht, wovon wir hier reden. Und auch nicht, was ein Opfer ist. Und erst recht weißt du nichts über Ausgrenzung von Opfern. Im Gegenteil, du selbst grenzt solche Menschen aus, indem du ihnen latent Schuld an ihrer eigenen Lage vorwirfst, sie "könnten ja was ändern, und dann würde sich sofort ihr Umfeld ändern".

Das ist eine latente Schuldzuweisung.
Damit bist du für mich Täter.
Mit Tätern unterhalte ich mich aber nicht mehr. -

Danke für den Hinweis, tropicalrain. Ja, natürlich, auch Langzeitkranke sind Opfer.


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