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08.08.07 00:44 #1
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shayenne ist offline
Beiträge: 20
Seit: 07.08.07
hallo an alle!
die umstände meiner erzeugung waren wohl die glücklichsten, die es in meinem künftigen leben geben soll. denn schon vor der geburt lösten sich die "vatergefühle" auf. er betrog meine mutter, während sie im spital lag. ich wurde dann geboren - so wie ich mir zusammenreimen kann, war das keine einfache sache.

dann war ich also da, und meine mutter wurde verlassen (die andere frau war ihre beste freundin). und sie war alleine mit einem säugling.
sie war noch jung, und sie hatte bestimmt andere vorstellungen von ihrem leben, von ihrer zukunft und von ihrer familie. alles auf einmal zerstört. für mich bedeutete das vernachlässigung (wie man mir erzählte hatte ich viel hunger, der nicht gestillt wurde.) nicht viel später kam ein neuer mann dazu, ein paar jahre später ein zweites mädel. anfangs war alles ok und gut, bis sie zu arbeiten anfing (nicht jugendfreie arbeit). die vernachlässigung von uns mädels war vorprogrammiert.

mit neun jahren war ich total unterernährt, was sich nicht unbedingt durch "dünn-sein" zeigte, sondern durch viele andere dinge. wie dünne haut, feine haare, brüchige nägel, mangelnde kondition (die ein neunjähriges kind hat, das täglich draussen spielt).

dann wurde ich verschoben in die familie des vaters. für mich bedeutete das, das liebste in meinem leben zurück lassen, ich musste meine schwester sich selbst überlassen, und lebte wie gott in frankreich. ich bekam nahrung (die ich zum teil nicht kannte, wie zum beispiel pizza und pommes). es geschahen auch in der neuen familie viele, viele, unschöne dinge.

musste wohl auf meiner stirn ein spruchband abgelaufen sein: quält mich - ich bin ein gutes opfer!

irgendwann kam dann die pubertät. und irgendwie füllte sich mein körper ein bisschen, ich wurde runder (was aus meiner heutigen sicht gar nicht schlimm war). täglich hiess es von nun an: du bist zu dick. du kannst dies nicht weil du zu dick bist, du kannst das nicht du bist zu fett.... bis man mich soweit hatte, eine diät zu machen. die lief wirklich super. nach zwei wochen war ich begeistert davon, und machte noch weiter. der rest der familie hatte nach den zwei wochen genug.

meine lief also weiter, sie lief echt super, es waren 14kg in vier wochen. na ja, bei einem glas wasser, einem blatt salat (OHNE sauce) und täglich drei bis vier stunden sport, musste das ja super laufen. ich war damals 15 und definitiv zu dünn. mit 17 wollte ich mich umbringen, mit 18 habe ich allen menschen verziehen, die vergassen, dass ich ein kind war.

ich habe eine lehre angefangen (und auch abgeschlossen, aber nicht so, wie ich mir das eigentlich vorgestellt habe), habe viel sport getrieben (bin selber trainerin) und so weiter und so fort.

mit 19 lernte ich meinen mann kennen. nö, nicht die grosse liebe - sondern mein bester freund. wir haben geheiratet, haben zwei kinder.

für die menschen rund um mich bin ich eine glückliche mutter, eine glückliche frau (na ja), eine glückliche freundin, und sowieso und überhaupt habe ich ja keinen grund unglücklich zu sein.

ausser einen. und der macht mich fertig. ich bin dick. und ich kann nicht abnehmen. wann immer mir ein mann gefallen würde (könnte ja sein, dass... ) nehme ich von alleine drei, vier, fünf kilo zu... wann immer ich mich auf etwas freue (sei es auf einen tanzabend oder sonst was) nehme ich drei, vier, fünf kilo zu... wann immer ein anderer mann interesse für mich zeigt (ohne dass ich es in irgend einer form erwiedere) nehme ich drei, vier, fünf kilo zu. ach ja, und weg gehen die kilos dann auch nicht mehr wirklich. da bleibt immer was kleben...

ja, und irgendwie finde ich den weg nicht. ich finde den weg in mein unterbewusst sein nicht, welche formel es dafür braucht, abzunehmen statt zuzunehmen. was ist da einprogrammiert, dass mich so sehr ins abseits manövriert? (man bedenke: bewegungsfreiheit eingeschränkt, peinlich für die kids, wie sieht das aus neben einem solchen mann.... etc.)

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lg shayenne

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Wero ist offline
Beiträge: 1.093
Seit: 22.04.06
Hallo shayenne,

ich bin selbst einige Jahrzehnte mit 97 kg herumgeschwebt und plötzlich waren sie verschwunden. Was ich gemacht habe kannst Du hier nachlesen (die blauen Worte sind Links). Ich behaupte nicht, dass es Dir hilft, aber ich halte es für wahrscheinlich.

Viele Grüsse
Wero

Willkommen hinter den Symptomen!

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shayenne ist offline
Themenstarter Beiträge: 20
Seit: 07.08.07
hey wero
ja, das kenne ich... ich habe auch eine "therapie" zum säure-base-ausgleich gemacht, aber das fand dann mein körper nicht so super. er hat rebelliert. mir war ständig schlecht, und ich habe fast auf dem klo gewohnt... vielleicht wäre das normal, und es würde sich irgendwann wieder einkriegen?

danke jedenfalls für den tipp!
lg
shayenne

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Beat ist offline
Beiträge: 9.174
Seit: 14.01.04
Hallo shayenne

Denke es gibt einige gute Tips auf der körperlichen ebene. Die von Wero ist eine, meine wäre einen Basisdiät (im Forum hat es ein Kapitel) dazu Coenzym Q10 für den Stoffwechsel und kein fleischliches Fett, nur noch Oliven- oder Rapsöl.

Du suchts aber wahrscheinlich auch zu recht auf der psychischen Seite. Dein mit 18 habe ich allen menschen verziehen, die vergassen, dass ich ein Kind war. hat mich sehr beeindruckt. Es wirkt auch ehrlich, passt zur Art wie Du Deine Geschichte beschreibst. Kann Dir dazu nur gratulieren, bist ein Vorbild für viele und hat Dir sicherlich geholfen.

Meine Frage ist so nur noch: "Hast Du Dir auch selber vergeben?" Kannst du das?
Und als Zweites: Hast Du irgendwelche Schuldgefühle oder das Gegenteil eine unbewusste Abneigungen wenn Dir zb ein Mann gefällt?
__________________
Liebe Grüsse
Beat

Wenn die Seele krank ist, auch am Körper arbeiten, umgekehrt gilt ebenso

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Wero ist offline
Beiträge: 1.093
Seit: 22.04.06
Ich kalkuliere, shayenne, Du hast zu hoch "therapiert". Dann ist das so.

Viele Grüsse
Wero

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shayenne ist offline
Themenstarter Beiträge: 20
Seit: 07.08.07
hallo!
@wero: hmmm... dann wärs ein neuer versuch wert! werde ich ausprobieren...

@beat: ich habe lange über deine frage "hast du dir selber verziehen?" nachgedacht. als erstes dachte ich, was sollte ich mir verzeihen müssen, können, sollen, wollen? und als zweites dachte ich, dass ich mich mal näher mit dieser frage befassen werde. danke für den hinweis!
genau so wie die sache mit dem gewissen oder der ablehnung... auch darüber werde ich nachdenken...

vielen dank und liebe grüsse
shayenne

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Shelley ist offline
Beiträge: 10.451
Seit: 28.09.05
hallo liebe shayenne,

ich wollte dir nur rasch sagen, dass ich finde, du schreibst sehr interessant, spannend, flüssig und auch mitreissend.
ich lese viele biographien, doch wenige finde ich so gepeppt geschrieben, wie du geschrieben hast.
deswegen wollte ich mal fragen, ob du dir schon mal überlegt hast, deine biorgaphie zu schreiben.

viele liebe grüsse von shelley
__________________
IchDiskutierNichtMitIdioten.ErstZiehnSieMichAufIhrNiveauRab, DannSchlagen'sMichMitIhrerErfahrung.

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shayenne ist offline
Themenstarter Beiträge: 20
Seit: 07.08.07
liebe shelley!
ich habe mich gerade riesig gefreut, von dir zu lesen!
ja, ich habe es mir überlegt, ich habe sogar angefangen. aber weiter als ein paar seiten komme ich nicht. ist wohl noch nicht wirklich zeit dafür. vielleicht irgendwann mal.

ich finde übrigens deine art zu schreiben berührend. ich habe schon viel von dir gelesen...

danke für deine komplimente!
lg von shayenne

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Beat ist offline
Beiträge: 9.174
Seit: 14.01.04
Hallo Shayenne

Es kann auch nur im innern eine falcshe entscheidung, oder Hass gegenüber jemanden sein, das du Dir innerlich vorwirfst und das Du Dir auch noch vergeben solltest.

Bin gespannt, sollte die beiden Fragen nicht weiter bringen, bleibt meines Erachtens nur noch eine Möglichkeit.
Würde dann zu der kommen.
__________________
Liebe Grüsse
Beat

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shayenne ist offline
Themenstarter Beiträge: 20
Seit: 07.08.07
hallo beat!
ich habe nachgedacht. und bin tatsächlich auf etwas gestossen.
man hat mir jahrelang gesagt, ich sei wie meine mutter. und man weiss heute, was geschieht, wenn man jahrelang dieselbe info gefüttert bekommt. und wenn sie nichts positives an sich hat, diese info, ja, dann schreibt man dieselbe geschichte nochmal.
und ich renne gegen diese wand an, weil ich die geschichte neu schreiben will.

mir selber habe ich glaube ich nichts zu vergeben.

und was ist das noch für eine möglichkeit, die du da angesprochen hast?

lg shayenne


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