Emotionaler Missbrauch

10.01.10 17:52 #1
Neues Thema erstellen
Emotionaler Missbrauch

Sonora ist offline
Beiträge: 3.015
Seit: 10.09.08
Hallo, ihr Lieben!

Ich schreib euch mal auf, wie ich das sehe, denn ich kann vieles sehr gut verstehen, was ihr hier schreibt!

Als Kind ist man allen Dingen hilflos ausgeliefert und glaubt, dass das, was einem eingeimpft wurde, die Wahrheit ist. Nicht nur das, was Worte angerichtet haben, sondern auch die Dinge zwischen den Zeilen. Wir lernen, wann wir Angst haben müssen, wie wir sein müssen, damit uns möglichst nichts passiert, aber auch, dass wir nie wirklich sicher sein können, wir lernen auch evtl., dass wir nichts wert sind – oder aber das Gegenteil (ist auch nicht gut). Die Liste ist unendlich lang, was einem Kind, das ja in einer Prägephase ist, angetan werden kann.

Als Erwachsener nimmt man dieses "Wissen" mit. Unsere Aufgabe ist es nun, die Dinge zu erkennen, die sich in uns abspielen. Das ist nicht leicht, weil wir sie ja nicht identifizieren können. Wir zweifeln sie ja nicht an.

Daher ist es "der leichteste Weg" (bestimmt aber der schmerzhafteste), nicht wegzulaufen, sondern sich den Dingen zu stellen. Jeden Schmerz immer wieder aushalten – aber dieses Mal als Erwachsener. Als Erwachsener kann man sich nämlich fragen, WARUM ist jetzt dieser Schmerz in mir, diese Angst, diese Verzweiflung..., WARUM löst das Verhalten meiner Mutter, meines Vaters, eines beliebigen Menschen dies und das in mir aus. Wir können erkennen, dass das, was da abläuft, schlicht und einfach falsch ist und dass uns auch die Launen der anderen jetzt, da wir erwachsen sind, nichts mehr anhaben können. Dadurch "er-leben" wir, dass bestimmte Ängste unangebracht sind, vermeintliche Gefahren keine wirklichen Gefahren sind.

Mit dem erwachsenen "Kopf" können wir die Dinge hinterfragen, können sehen, dass der andere im Unrecht ist, können ihn damit konfrontieren. Und jedes Mal, wenn wir das tun, wird das, was in uns die Oberhand hat, etwas schwächer. Irgendwann hat man den "Aggressoren" die Macht genommen. Irgendwann ist auch diese hilflose Wut verschwunden, die man empfindet, wenn man an das Kind denkt, das diesem Terror ausgeliefert war. Man ist "erwachsen geworden", ist an all dem gewachsen.

An dem Punkt kann man dann auch hinschauen, WARUM waren die Eltern so, wie sie waren. Oftmals hatten auch sie keine Chance, weil sie auch ihr Päckchen mit sich trugen. Und irgendwann kann man dann verzeihen und eine neue Beziehung aufbauen.

Ich weiß, dass das nicht immer möglich ist. Es gibt immer Extremfälle, wo Weglaufen die einzige Möglichkeit ist. Aber das sind wirklich Extremfälle.

Die meisten Eltern sind ihr Leben lang der Meinung, dass das, was sie getan haben, richtig war. Sie haben ihr Bestes gegeben, auch wenn es noch so kläglich war.

Das schreibt euch eine, die diesen Sumpf überwunden hat. Auch heute kommen immer noch wieder Ängste durch. Aber dadurch, dass ich sie – durch die Konfrontation – identifizieren kann, kann ich Schritt für Schritt immer wieder eine Angst abhaken.

Darum mein Rat an euch: Lauft nicht weg, sondern haltet aus und wachst daran, auch wenn es immer wieder wehtut. Kriegt die Wut, setzt euch mit allem auseinander, verprügelt ein Kissen, wenn wieder etwas war, sagt der Mutter, dem Vater, dass das, was da gerade abging, nicht richtig war, streitet euch, aber in Maßen, dafür immer wieder! Setzt euch durch!

Dass man mit 50 sein Leben nicht noch mal neu leben kann, weiß ich aus eigener Anschauung. Aber man muss irgendwann die Wut überwinden und selber die Verantwortung übernehmen für das, was passiert. Es hilft nichts, die Vergangenheit muss man hinnehmen, wie sie ist, man kann sie nicht ändern. Aber man kann sie akzeptieren und von dem Punkt an, an dem man jetzt steht, die Dinge so verändern, wie es einem möglich ist.

Vielleicht sollten wir uns auch manchmal klarmachen, dass bei uns zwar einiges im Argen lag, dass aber auch viele, die eine bessere Kindheit hatten, im Leben sehr gebeutelt wurden, sodass es ihnen jetzt auch nicht besser geht als uns. Am Ende kommt es immer darauf an, wie wir mit den Dingen umgehen, die das Leben uns abfordert. Jeder, wirklich jeder hat sein Leben zu "be-streiten", ist mit Anforderungen und Schicksalsschlägen konfrontiert. Wie wir damit umgehen, zeigt, aus welchem Holz wir geschnitzt sind!

Liebe Grüße
Sonora

Emotionaler Missbrauch

MariaGabriella ist offline
Themenstarter Gesperrt
Beiträge: 231
Seit: 29.11.09
Hallo Sonora,

das ist im Prinzip richtig, hab Dank für deine Worte!
ABer es gilt für... sagen wir mal, höchstens 25jährige Menschen, die können noch was ändern, sie sind noch jung genug dazu.

Es hilft nichts, die Vergangenheit muss man hinnehmen, wie sie ist, man kann sie nicht ändern. Aber man kann sie akzeptieren und von dem Punkt an, an dem man jetzt steht, die Dinge so verändern, wie es einem möglich ist.
Es ist nicht mehr möglich, in meinem Leben grundlegende Dinge zu verändern, ich erreiche meine Ziele nicht mehr. Ich werde nicht mehr beruflich das schaffen, was jemand, der eine geradlinie Laufbahn hat verfolgen dürfen, weil er vom Elternhaus die nötige Unterstützung bekam, erreicht hat.
Ich habe nicht das lernen dürfen, was ich wollte. Jetzt ist es zu spät. Jetzt bin ich ungelernter Künstler/Quereinsteiger, und ich verkaufe fast nichts. Die Chance, das zu ändern, ist kleiner als ein Lottogewinn.
Ich habe mir mühselig alles selbst beigebracht, soweit es ging. Ich habe dafür gearbeitet, es war mir was wert, zu lernen, gut zu werden, aber: Es ist sinnlos. Ja, ich sag mir schon: immer weiter machen, aber: wozu?

Deshalb frage ich mich, wo der Sinn der ganzen Veränderung/Selbstfindung ist. Ich hätte ja auch einfach alles beim Alten belassen können, damals, vor fast 7 Jahren; wozu soll ich jetzt noch kämpfen, mich auszuleben, Erfolg zu haben, wenn ich es eh nicht mehr erreiche? Ich kämpfe 7 Jahre umsonst. Ich mache,werkele so lange umsonst rum. Ich suche seit 7 Jahren einen Partner. Sinnlos. Es nimmt mich keiner ernst. Männer nehmen Frauen generell nicht ernst.

Es ist sinnlos, mit über 40 noch neu anzufangen, absolut sinnlos, das ist mein Fazit. Ich hätte in meiner Ehe weiter dahinvegetieren sollen, da wäre wenigstens mein "sicheres Auskommen" geregelt gewesen, und ich wäre nicht permanent alleine gewesen - ist auch kein schönes Gefühl, vor lauter "Abgrenzen-Müssen" immer alleine zu sein.
Es will doch kein Mann was mit einer selbstbewussten Frau zu tun haben.
Je mehr ich ICH werde, desto weniger Menschen wollen was mit mir zu tun haben, weil ich nicht mehr manipulierbar bin, weil ich nein sage, mich abgrenze.
Damit können die wenigsten Menschen umgehen. Nein, anders ausgedrückt: Nur sehr sehr wenige Menschen können damit umgehen.

Ist der Preis, den ich für emotionale Selbstständigkeit zahlen muss, die Einsamkeit?
Das wollte ich nicht!

gruß MariaG

Emotionaler Missbrauch

RRichter ist offline
Beiträge: 1.312
Seit: 18.12.06
ich klinke mich hier nochmals kurz ein....


einige wortfindungen von dir (nur aus deinem letzten post):

Es ist nicht mehr möglich...

Jetzt ist es zu spät...

Es ist sinnlos...

immer weiter machen, aber: wozu?...

Es ist sinnlos, mit über 40 noch neu anzufangen...
viele sehr stark negativ geprägte aussagen.

ich kann deine motive nicht wirklich fassen.
einerseits schreibst du ja scheinbar deswegen, weil dich deine situation nicht
wirklich erfüllt.

auf der anderen seite ist nirgendswo auch nur ein ansatz von zuversicht deinerseits
zu erkennen.

ich für mich schließe daraus, das selbstmitleid mittlerweile bei dir eine
sehr bedeutende rolle in deiner selbsterkenntnis übernommen hat.


dies ist sehr kontraproduktiv.

selbstmitleid ist deswegen so gefährlich, weil man sich in einer permant
abwärst gerichteten spirale bewegt.


auch ist es ein ausdruck von gewissem selbstschutz um nicht die eigene
unzulänglichkeit preisgeben zu müssen.

denn es stimmt einfach nicht, mit 40 oder 50 sei jede veränderung sinnlos und
nicht möglich.


es geht beleibe nicht darum alles von heute auf morgen radikal zu verändern.
wenn ich dies aber so darstelle, ja dann ist es eine bequeme ausrede nichts verändern zu müssen, mehr aber nicht.


ziele, planung, das ist es was an erster stelle zu stehen hat. eine konkrete vorstellung die realisierbar ist und dann einen schritt nach dem anderen setzen.
dann erst wirst du sehen was möglich ist und was nicht.

deine erlebnisse und prägungen die du in deiner kindheit erfahren musstest sind
nicht zu leugnen.
und trotzdem hat man als nicht völlig traumatisierter mensch jederzeit die
möglichkeit für sich einen anderen zugang zu finden.

denn genau das ist es ja, was dich in dieser spirale gefangen hält.
immer der selbe zugang und versuch deine probleme zu bewältigen.

der aber bis dato nicht zum erfolg geführt hat, und auch nicht führen wird.



deine alles in allem negative sicht, dass es ohnehin keinen sinn hat, ist nur
noch ein weiterer schritt zum lebenslangen unglücklich sein.

diese richtung gibst du dir selbst vor!



richter

Emotionaler Missbrauch

Oregano ist offline
Beiträge: 63.714
Seit: 10.01.04
uma hat gerade ein Buch genannt, das gut zu diesem Thema passt:

http://www.symptome.ch/vbboard/buech...dheit-dir.html

Gruss,
Uta

Emotionaler Missbrauch

Sonora ist offline
Beiträge: 3.015
Seit: 10.09.08
Es ist nicht mehr möglich, in meinem Leben grundlegende Dinge zu verändern, ich erreiche meine Ziele nicht mehr.

Hallo, liebe MariaGabriella!

Nein, unsere ursprünglichen Ziele erreichen wir nicht mehr! Aber wir können uns neue Ziele suchen! Wir können danach suchen, was uns jetzt noch Erfüllung schenkt, jetzt, in dem Leben, das wir jetzt und hier haben! Wir können eine Standortbestimmung machen und losgehen, das suchen, das uns jetzt noch glücklich machen kann! Lass uns unser Leben und unsere Träume ganz neu erfinden!

Liebe Grüße
Sonora

Emotionaler Missbrauch

divingwoman ist offline
Beiträge: 158
Seit: 21.05.09
Hallo Maria Gabriella,

Du hast viel ertragen und erleiden müssen. Das zu verarbeiten und hinter sich zu lassen ist nicht einfach.
Du hast von den anderen hier sehr viele gute, differenzierte Erklärungen zu Deiner Problematik bekommen, die aber nur DU alleine ändern kannst , wenn Du es auch willst. Einiges hast Du ja auch schon geschafft . Und es ist nie zu spät, besser mit fast 50 als nie.
Du kannst die Vegangenheit nicht mehr ändern, aber Du kannst Dich ändern ! Das ist schwer , ich weiß . Vielleicht wäre ja eine Möglichkeit eine Psychotherapie zu machen, wo Du Dir mit professionellen Beistand Deine Veränderung erarbeiten und verinnerlichen
kannst.
( "Der Weg ist das Ziel", Konfuzius)

Liebe Grüße an Dich

divingwoman

Emotionaler Missbrauch

MariaGabriella ist offline
Themenstarter Gesperrt
Beiträge: 231
Seit: 29.11.09
ziele, planung, das ist es was an erster stelle zu stehen hat. eine konkrete vorstellung die realisierbar ist und dann einen schritt nach dem anderen setzen.
dann erst wirst du sehen was möglich ist und was nicht.
ich weiß, was noch möglich ist und was nicht. ich habe es seit 7 jahren probiert, du brauchst mir nicht zu erzählen, was noch möglich ist und was nicht.

Du kannst die Vegangenheit nicht mehr ändern, aber Du kannst Dich ändern ! ... wozu? wenn ich nichts erreiche, keine ziele mehr erreiche? es muss einen sinn machen, das ist doch der springende punkt!

ich hab auch coachingprogramme durch ... es ist einfach nicht mehr sehr viel möglich. mit über 40, nahe an 50 ist nichts mehr möglich. ich sollte lieber socken stricken für die enkel, die ich nicht hab.

ich komme auch einfach nicht mehr in die "ich-stärke", hat mir meine therapeutin gesagt, bzw. nicht gesagt, aber sie war verwundert, dass das nicht funktioniert. woher soll meine ich-stärke kommen, wenn ich nichts mehr erreiche.
man kann nicht ständig ohne erfolg was machen.
machen machen machen..... wozu? wenns nix bringt?

ach so, die frau ist echt gut, sie arbeitet mit kinesiologie, aber sie hat sich echt gewundert heute, dass ich immer noch so schlecht drauf bin, und jetzt hab ich noch angst die auch zu verlieren.

die redet mir auch immer ein, dass das ja alles noch passieren könne... tja.. wer dran glauben mag.
ich nicht mehr.

danke für das buch, Uta.

MariaG

Geändert von MariaGabriella (13.01.10 um 22:13 Uhr)

Emotionaler Missbrauch

MariaGabriella ist offline
Themenstarter Gesperrt
Beiträge: 231
Seit: 29.11.09
nein, ich suche mir auch keine neuen ziele, ich bin künstler, das war ich schon immer, was soll das. ich bin doch nicht austauschbar. meine ziele sind auch nicht austauschbar.
beziehung wäre mir erfülllung geworden, deshalb hab ich mich auch nach 16 jahren ehe getrennt, aber ich habe keine beziehung gefunden, ich habe noch nie eine erfüllende beziehung gehabt, ich bin 7 jahre alleine, ich bin zu alt, ich bin ein auslaufmodell, hab ich eben noch mit jemandem gescherzt, mich will keiner mehr.

also, egal.
socken stricken. resignieren. träumen tu ich nicht mehr hab ich aufgegeben.
zuviel geträumt. ich bin vor sehnsucht nach liebe und beziehung fast kaputt gegangen. das ist noch schlimmer. wenn man nie kriegt was man braucht.

MariaG

Emotionaler Missbrauch

MariaGabriella ist offline
Themenstarter Gesperrt
Beiträge: 231
Seit: 29.11.09
das leben selbst gestalten, aha, schreiben die.
solche bücher hab ich zuhauf gelesen. wischiwaschi. geht nicht. schreiben kann man gut über sowas. realitäten sehen anders aus.

danke trotzdem.

besser ist, das thema für mich zu beenden ich kann das nicht mehr hören, das "du kannst das" .. ich kann das nicht mehr, ich hab mich 7 jahre bemüht, ich bin ausgebrannt, es ist zu spät.

MariaG

Emotionaler Missbrauch

Oregano ist offline
Beiträge: 63.714
Seit: 10.01.04
Nur mal so dazwischen gefragt: hast Du schon eine Psychotherapie,e vtl. mit medikamentöser Begleitung für den Anfang, wegen einer Depression gemacht?

Grüsse,
Uta


Optionen Suchen


Themenübersicht