Emotionaler Missbrauch

10.01.10 17:52 #1
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Emotionaler Missbrauch

MariaGabriella ist offline
Themenstarter Gesperrt
Beiträge: 231
Seit: 29.11.09
Ich bin mein Leben lang von anderen manipuliert worden, ich kenne das gar nicht anders.
Es hörte erst auf, als ich zögerlich begann, "nein" zu sagen; zögerlich deshalb, weil dann mein schlechtes Gewissen erwachte, ich durfte doch als Kind nicht nein sagen.

Dann kommt die Angst. Ein "nein" grenzt mich ab vom anderen, von vielen anderen/einer Gruppe.
Verlustangst. Ausgestoßen-sein. Nicht konform sein. Angst vor Verlust des Zugehörigkeitsgefühls. Das geht ganz tief, das ist eine Urangst.

Nein sagen heißt, sich mit dieser Angst zu konfrontieren. Sehr schwer ist das. Angst, dass die anderen mich verlassen, weil ich nicht das mitmache, was sie wollen.
Gilt auch für Beziehungen zu Männern.
Ist immer wieder eine Feuerprobe für mich, ich bleibe allerdings lieber beim Nein, und deshalb alleine. Wird sich vielleicht ändern, wenn ich irgendwann bei Neinsagen kein schlechtes Gewissen mehr habe.

gruß MariaG

Emotionaler Missbrauch

zadorra125 ist offline
Beiträge: 149
Seit: 28.02.09
Zitat von MariaGabriella Beitrag anzeigen
Ich bin mein Leben lang von anderen manipuliert worden, ich kenne das gar nicht anders.
Es hörte erst auf, als ich zögerlich begann, "nein" zu sagen; zögerlich deshalb, weil dann mein schlechtes Gewissen erwachte, ich durfte doch als Kind nicht nein sagen.

Dann kommt die Angst. Ein "nein" grenzt mich ab vom anderen, von vielen anderen/einer Gruppe.
Verlustangst. Ausgestoßen-sein. Nicht konform sein. Angst vor Verlust des Zugehörigkeitsgefühls. Das geht ganz tief, das ist eine Urangst.

Nein sagen heißt, sich mit dieser Angst zu konfrontieren. Sehr schwer ist das. Angst, dass die anderen mich verlassen, weil ich nicht das mitmache, was sie wollen.
Gilt auch für Beziehungen zu Männern.
Ist immer wieder eine Feuerprobe für mich, ich bleibe allerdings lieber beim Nein, und deshalb alleine. Wird sich vielleicht ändern, wenn ich irgendwann bei Neinsagen kein schlechtes Gewissen mehr habe.

gruß MariaG
Schön geschrieben Maria, scheibst du von mir? Mir ging es auch so, und ich mache mich seit 4 Jahren frei.

Ein Buch dazu, vergiftete Kindheit!

Aber letzten Endes, ich habe mir verziehen käuflich zusein. Habe den anderen verziehen, denn sie kannten und wussten es nicht besser. #Meine Eltern waren selbst arme Menschenkinder, und gaben nur das wieder was sie kannten.

Ich durfte deshalb der Mensch sein der ich heute bin, und darauf bin ich mächtig stolz!

Man sagte mir immer, ich sei anders, gott Lob ich bin es wirklich!

Die Verantwortung für die Kindheit liegt bei ihnen. Die Verantwortung für mein Leben liegt bei mir. Ich suche keine Rache, ich suche keine Vergebung, denn ich bin nicht Gott.

Ich lerne mit diesen Wunden zuleben, sie sind ein Teil von mir. Machen mich stark für das gewaltfreie Leben!

Alles gute Pia

Emotionaler Missbrauch

Heather ist offline
Beiträge: 9.809
Seit: 25.09.07
Hallo MariaGabriella,

Wird sich vielleicht ändern, wenn ich irgendwann bei Neinsagen kein schlechtes Gewissen mehr habe.
vielleicht findest Du hier Tipps wie Du das trainieren kannst :
5 Tipps zum "Nein-sagen"
Selbstbewusst Nein sagen

Und hier eine Liste mit Büchern dieses Thema betreffend:
Amazon.de: nein sagen lernen - Bücher


Liebe Grüße .

Heather
__________________
Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit,
aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.

(Albert Einstein)

Emotionaler Missbrauch

MariaGabriella ist offline
Themenstarter Gesperrt
Beiträge: 231
Seit: 29.11.09
Danke für die Buchtipps, ich schau mir das mal an.

Ich bin ja auch erst seit einem Jahr dabei, das zu lernen. Ich hab Geduld mit mir.

Gruß, MariaG

Emotionaler Missbrauch

RRichter ist offline
Beiträge: 1.312
Seit: 18.12.06
ich denke, eine riesengroße, wenn nicht die allergrößte hürde dabei ist, die tatsache zu aktzeptieren, dass die eigenen eltern, oder einer davon, diesen mißbrauch begehen.

ob der nun körperlicher oder emotionaler natur ist, oder im schlimmsten fall beides (gut bei ersterem ist fast zwangsläufig nur beides möglich), kann man zur analyse ausser acht lassen.



tatsache ist, dass es scheinbar ein muster gibt, das sich fast immer gleicht.

als betroffenes kind, wenn die mißhandlungen beginnen, dann "erträgt" man dies.
findet meist nach aussen hin eine strategie um dies zu verbergen (jahre oder jahrzente später ist das engste umfeld bei bekanntwerden meistens sehr verblüfft und oft auch eher skeptisch, "da hätte ich ja was bemerken müssen", ist sehr oft das was man zu hören bekommt).

trotz aller eingesetzten verdrängungsmechanismen die man sich zulegt, es kommt immer deutlicher zum vorschein und rückt im laufe der jahre immer mehr ins bewußtsein, das die absolut wichtigsten bezugspersonen einem dies antun.

sehr oft berichten betroffene, das nicht der eigentliche mißbrauch, die schläge, die beleidigungen etc., ihnen die größten probleme bereiten, sondern die tatsache das es für sie emotional kaum verkraftbar ist, das es sich bei den "tätern" um die eigenen eltern handelt.

reiner emotionaler mißbrauch macht da keinerlei ausnahme, und ist oder kann für betroffene genau so schmerzhaft sein und ebensolche tiefen spuren hinterlassen.



ich glaube dies ist deshalb nur sehr schwer zu durchbrechen, weil gleichzeitig mehrer faktoren eine rolle spielen. viel mehr als wäre man opfer eines "normalen verbrechens oder mißhandlung", sprich von unbekannten personen.

während sich die eigenen gedanken hier wohl eher darum drehen werden, versuchen zu ergründen was einen menschen dazu bringen kann, was gewesen wäre hätte ich mich in der situation so oder so verhalten, uvm.

wenn eltern "täter" sind, werden die vordergründigsten gedanken sich in dieser richtung bewegen: "warum wurde mir das als eigenes kind angetan?", "wie konnte meine eigene mutter/vater mir/uns das antun".

es entsteht eine fast unüberwindliche irregularität.

auf der einen seite stehen gefühle.
gefühle wie liebe, vertrautheit, bindungsgefühle, abhängigkeitsempfindungen....

dem gegenüber steht das real geschehene.
mißbrauch, gewalt, beleidigungen, ungerechtigkeiten.....


wir lernen aber schon von klein auf, wie im idealfall eine familie auszusehen hat. sehr oft auch wird es gerade von den später handelnden personen uns nahegebracht, aber auch vom gesamten umfeld.

später dann, muß man aber feststellen, das genau die erlernte vorgabe gerade in der eigenen familie nicht gelebt wurde.

schon früh beginnen betroffene deswegen sehr oft dann die schuld bei sich selbst zu suchen. oft lebenslänglich, ohne natürlich jemals zu einem ergebnis zu kommen, wie auch?


die große schwierigkeit ist, man ist in zweifacher hinsicht involviert.


sich von dem einem zu lösen, nämlich der sensitiven gefühlsebene in der man
sich als tochter/sohn gegenüber den eltern befindet, ist kaum möglich.
wäre aber zur bewältigung und zum wirklichen überwinden der psychischen
"wunden" unabdingbar.


aber: die große mehrheit von mörder(innen), gewalttäter, vergewaltiger, soziopathen......, sind oder werden irgendwann mal elternteil.

die begangenen taten sind in keinster weise minderer wenn die opfer nicht angehörige sind. so können sie auch nicht verwerflicher sein wenn es sich um angehörige handelt.

wir empfinden dies aber so und betrachten es als besonders schwerwiegend.

erstens macht es keinen unterschied an der tat an sich und zweitens tut man allen anderen opfer damit unrecht.


unser problem ist es aber, wenn wir auch unmittelbarer angehöriger sind, uns den täter
als menschen vorzustellen und ihn zu beurteilen.
so zu urteilen als wenn wir ihn nicht kennen würden und von seinen taten in der zeitung lesen würden.

diese losgelöste betrachtung, nämlich die fakten der begangenen taten abzuhandeln und danach ein urteil zu fällen und sich auf basis dieser erkenntnisse den eigenen emotionalen problemen zuzuwenden, dies wäre ein direkter weg um möglicherweise
die erlittenen wunden zumindest vernarben zu lassen.

mehr zu erwarten wird wohl kaum realistisch sein.


auch wenn ich kein "betroffener" bin, so weiß ich eines mit sicherheit:

nicht die tat ist das wahre verbrechen was begangen wird, sondern das übermächtige,
tonnenschwere paket dass man in dem moment der tatbegehung einem kind an den
hals hängt. und es dazu verdammt, diesen fast unerträglich schweren müllsack
ein leben lang mit sich rumzuschleppen.



richter

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MariaGabriella ist offline
Themenstarter Gesperrt
Beiträge: 231
Seit: 29.11.09
diese losgelöste betrachtung, nämlich die fakten der begangenen taten abzuhandeln und danach ein urteil zu fällen und sich auf basis dieser erkenntnisse den eigenen emotionalen problemen zuzuwenden, dies wäre ein direkter weg um möglicherweise
die erlittenen wunden zumindest vernarben zu lassen.

mehr zu erwarten wird wohl kaum realistisch sein.
Hm.
Das ganze Leben läuft aber dann falsch, hat ne Schieflage, zumindest bei mir war das so, bis ich radiikal alles geändert habe - zumindest die äusseren Umstände, Scheidung, Auszug, Aufgabe aller gewohnten sozialen kontakte, in Kauf nehmen von Armut, sozialer Isoliertheit die damit zusammenhängt usw. -

Wenn man so eine kindheit hat,"wird man nichts" im Sinne von: "Man hat nicht die Zukunft, die man gehabt hätte, wäre in der kindheit alles gut gelaufen."

Man stellt dann irgendwann mal in der Lebensmitte oder sogar noch später fest, dass man völlig falsch lebt, völlig unter seinen emotionalen, geistigen, intellektuellen Möglichkeiten lebt...was dann auch oft heißt: Armut, Einsamkeit, wenn man beginnt, nein zu dem "alten, falschen" zu sagen...
die Menschen verlassen einen, wenn man nicht mehr brav ist, wenn man Persönlichkeit, Wille entwickelt... berufliche Chancen sind mit der Lebensmitte oder sogar noch später auch nicht mehr da, es lässt sich dann nichts mehr nachholen, geschweige denn, erfolgreich sein ... sprich: Das Leben ist halb falsch gelebt und kaum noch korrigierbar.

Das ist also alles gar nicht so einfach.

Deshalb bleiben die Wunden immer frisch. Weil ich weiß, was ich hätte erreichen können, wenn es nicht so gewesen wäre, wie es nun mal war. ich kann die "Taten" meiner Eltern abhandeln und ich kann ein Urteil fällen, aber das alleine bringt mich nicht weiter.

gruß MariaG

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RRichter ist offline
Beiträge: 1.312
Seit: 18.12.06
mir ist schon klar das "nicht betroffene" bei heiklen themen sehr oft nicht die
selbe akzeptanz erreichen wie schicksalsgesinnte.

deswegen, und um auch nicht gefahr zu laufen, mißverstanden zu werden oder jemanden nahe zu treten, werde ich keine antwort posten.


nur einen kleinen hinweis vielleicht.

jeder der beiden betrachtungswinkel wird richtiges enthalten.
und wenn du und andere betroffene sich immer das jeweils richtige
heraussuchen, so ist dies bestimmt eine optimierung zur bewältigung
der vielen hürden die für euch errichtet wurden, VON ANDEREN!


richter

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Oregano ist offline
Beiträge: 63.714
Seit: 10.01.04
Wenn man so eine kindheit hat,"wird man nichts" im Sinne von: "Man hat nicht die Zukunft, die man gehabt hätte, wäre in der kindheit alles gut gelaufen."
Das ist eine Hypothese. Insofern höchstens eine Arbeitshypothese, aber keine reale Grundlage. Es gibt ja auch Menschen mit einer ganz normalen Kindheit, die später auch nicht das Leben leben, was man von ihnen angenommen hätte...

Gruss,
Uta

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MariaGabriella ist offline
Themenstarter Gesperrt
Beiträge: 231
Seit: 29.11.09
für viele dinge ist es dann einfach zu spät im leben.
davon spreche ich, schreibe ich.
das ist unumkehrbar.

ich weiß was ich hätte erreichen können, ich war ein ehrgeiziges mädchen. sie haben mir alles ausgetrieben. mit 16 war ich fix und foxi, nicht mehr fähig, mich zu wehren. mit 18 konnte ich nur noch flüchten, aus dem elternhaus, versteht sich.

aber egal. ist halt vorbei. nur die folgen, die bleiben. und mit fast 50 sind die dinge nicht mehr zu ändern.

MariaG

Geändert von MariaGabriella (11.01.10 um 19:59 Uhr)

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Oregano ist offline
Beiträge: 63.714
Seit: 10.01.04
Das ist sicher richtig. Und ich schließe mich Rudi an: als Nichtbetroffener ist es schwierig, hier überhaupt mitzureden.

Gruss,
Uta


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