Verhältnis zur Mutter

06.11.09 21:01 #1
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Verhältnis zur Mutter

brigitte1948 ist offline
Beiträge: 37
Seit: 06.09.09
Zitat von Kerstin9 Beitrag anzeigen
Oh mann, Mütter...

Manchmal frag ich mich, wieso immer alles gleich verläuft...
Eigentlich weiß ich immer schon vorher, wie irgendeine Situation verläuft, aber ich versuche es trotzdem..
Irgendwie habe ich so eine Wut im Bauch auf meine Mutter..wieso kann sie nicht mal über ihren Schatten springen???? Sich anders verhalten..ihren Horizont erweitern???
Es kann echt nicht wahr sein.
Hallo Kerstin!

Der Mensch, der Dein Leben beeinflussen kann, bist Du selber.
Hätte ich nur früher gewußt, dass man in erster Linie sich selber wenigstens mögen aber besser noch, lieben sollte, mir und meinen Kindern wäre viel Leid erspart geblieben.
Ich bin 62 und im vergangenen Jahr gings mit mir aufwärts und jetzt bin ich in einer Lebenssituation, die es mir möglich macht, Dinge, Worte oder Sonstiges hinzunehmen, ohne zutieftst gekränkt zu sein. Ich konnte Dinge und Menschen los lassen - nicht fallen lassen - und ihnen somit erlauben und ermöglichen, ihren eigenen Weg zu finden und ihre eigenen Lehren für ihr Leben zu ziehen.
Bücher von Matt Galan Abend, in denen ich mich 2008 noch angegriffen fühlte, verstehe ich nun und ich kann sagen, mein Leben hat eine Qualität, die ist einfach phantastisch.
Allerdings hätte ich das alles ohne die Menschen, die mir über den Weg geführt wurden, nie erreicht. Mein Therapeut, der darauf verzichtete, mich nach dem Lehrbuch zu 'behandeln', ist auch ziemlich glücklich über diesen Verlauf und anerkennt schon mein eigenes Zutun.
Sehr gerne wünsche ich jeden Menschen, dies für sich zu erleben, lieber früher als später, aber ich bin froh, mit 61 die Kurve gekriegt zu haben.

Alles, alles Gute und viel Kraft und die richtigen Menschen, die Deinen Weg kreuzen oder Dich auch ein Stück Deines Weges begleiten, wünsche ich Dir.

Liebe Grüße Brigitte
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Wer weiß, dass er nichts weiß, weiß mehr als der, der nicht weiß, dass er nichts weiß

Verhältnis zur Mutter

Kerstin9 ist offline
Themenstarter Beiträge: 2.455
Seit: 25.10.04
Danke, liebe Brigitte,
deine Worte machen mir Mut!
Ich versuche wirklich loszulassen, aber manchmal klappt es noch nicht und ich werde wieder verletzt.
Ich bin dann immer so vor den Kopf gestoßen und frage mich, was ich wieder falsch gemacht habe.
Irgendwie wünsche ich mir "nur" Liebe, die sie mir aber nicht geben kann.

Hätte ich nur früher gewußt, dass man in erster Linie sich selber wenigstens mögen aber besser noch, lieben sollte, mir und meinen Kindern wäre viel Leid erspart geblieben.
Hiermit hast du vollkommen recht und ich denke, da liegt auch mein Problem... es freut mich wirklich, dass du das für dich so gut hinbekommen hast . Diese Bücher von denen du sprichst.. würdest du sie mir empfehlen?

Liebe Grüße an Dich ,
Kerstin
__________________
Wer keine Zeit für Gesundheit hat, benötigt später viel Zeit für seine Krankheit (Kneipp)

Verhältnis zur Mutter

brigitte1948 ist offline
Beiträge: 37
Seit: 06.09.09
Zitat von Kerstin9 Beitrag anzeigen
Danke, liebe Brigitte,
deine Worte machen mir Mut!
Ich versuche wirklich loszulassen, aber manchmal klappt es noch nicht und ich werde wieder verletzt.
Ich bin dann immer so vor den Kopf gestoßen und frage mich, was ich wieder falsch gemacht habe.
Irgendwie wünsche ich mir "nur" Liebe, die sie mir aber nicht geben kann.



Hiermit hast du vollkommen recht und ich denke, da liegt auch mein Problem... es freut mich wirklich, dass du das für dich so gut hinbekommen hast . Diese Bücher von denen du sprichst.. würdest du sie mir empfehlen?

Liebe Grüße an Dich ,
Kerstin
Für mich hilfreich sind nach wie vor Louise Hays Bücher, CDs von Arnd Stein, die billiger geworden sind, das Buch zum täglich lesen "Carpe diem".
Wenn du beginnst, Dich selber zu lieben, ändert sich Dein Umfeld. Hätte ich es nicht erlebt - vor zwei Jahren hab ich das als 'unmöglich' abgetan und hätte jeden, der mir eine günstige Prognose gestellt hätte, für verrückt erklärt.
All das, auch das wirklich Schlimme, das ich erlebt habe, hat mich schlussendlich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.
Versuche Dich zu schützen, z.B. stell Dich unter eine Pyramide aus Licht, das alles von Dir abhält. Je öfter Du die Sachen, die Dir gut tun, praktizierst, umso stärker wirst Du. Du kannst vor dem Einschlafen und beim Aufwachen Dir selber vorsagen
"es geht mir mit jedem Tag und in jeder Hinsicht immer besser und besser". Erwarte nicht, dass das gleich funktioniert aber! steter Tropfen höhlt den Stein.
Ich wünsche Dir alles Gute und die richtige Begegnung mit Menschen, die Dich weiterbringen.

Liebe Grüße
Brigitte
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Verhältnis zur Mutter

Oregano ist offline
Beiträge: 63.711
Seit: 10.01.04
Eine Überlegung:
Solange man versucht, die Mutter zu ändern und von ihr verstanden zu werden, könnte das ein Zeichen dafür sein,d aß man selbst noch nicht wirklich erwachsen ist und die Verantwortung wie ein Kind bei der Mutter sieht...

Grüsse,
Oregano

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Susimoto ist offline
Beiträge: 44
Seit: 10.05.10
Hallo Oregano

was aber ist, wenn man,- so traurig es ist-, nie von der Mutter verstanden und angenommen worden ist? Wie soll man es schaffen sein inneren Frieden zu finden?
Es ist als müsse man sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen

lg Suse

Verhältnis zur Mutter

Oregano ist offline
Beiträge: 63.711
Seit: 10.01.04
Ja, Susimoto, ich verstehe, was Du meinst.
Aber wie soll eine Mutter oder auch ein Vater denn ein Kind aus dem Sumpf ziehen, wenn sie/er selbst keine Kraft haben und selbst in einem Sumpf feststecken, aus dem sie auch nie jemand gezogen hat oder noch nicht einmal den Weg aus dem Dreck gezeigt hat?
Das ist dann einfach die falsche Adresse - denke ich.

Aber es gibt ja zum Glück außer Mutter und Vater noch andere Menschen, die Hilfen sein können.

Gruss,
Oregano

Verhältnis zur Mutter

Bergeversetzer ist offline
Beiträge: 1.143
Seit: 12.04.10
Hallo Kerstin,


meine Frau hat jahrelang versucht irgendeine Form von würdigem Umgang mit ihren Eltern zu finden. Hat hierzu einige Therapien gemacht, kam zu keinem tauglichen Ergebnis.
Wichtig ist die eigene Herangehensweise. Im Fall meiner Frau war es dann so das sie den Kontakt vollkommen gecancelt hat. Und sie merkt das es für sie richtig so ist.
Das muß bei dir nun nicht genauso sein. Aber vielleicht hilft dir ein äußerer Abstand, inneren Abstand zu gewinnen?

Du wirst nun deine Mutter nicht ändern können, nur deinen persönlichen Umgang mit ihrer Art. Das ist natürlich sehr schwierig, weil du ja vollkommen involviert bist, emotional.
Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Kraft und das Glück einen geeigneten Weg zu finden.

LGB
__________________
Nette Grüße
Bergeversetzer

Verhältnis zur Mutter

inchiostra ist offline
Beiträge: 2.078
Seit: 16.07.09
was aber ist, wenn man,- so traurig es ist-, nie von der Mutter verstanden und angenommen worden ist? Wie soll man es schaffen sein inneren Frieden zu finden?
Es ist als müsse man sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen


Genau wie du es sagst Suse. Ich empfinde es auch so.

Brigitte, ich hatte deinen Bericht vor längerer Zeit mal gelesen. Da fand ich mich genauso wieder. Arbeite auch genauso daran, wie du es beschreibst.

Ich habe mich selber aus dem Sumpf gezogen, d.h., ich bin noch dabei.

Ich kann bzw. ich konnte mich nie mit meiner Mutter aussprechen. Weiß nicht, ob sie noch lebt oder wie es ihr geht. Ich hatte keine Möglichkeit. Bei meinem Vater das Gleiche. Ich war auch nicht auf seiner Beerdigung. Mache wie gesagt alles alleine aus.
Bis zu dem Punkt, wo ich sehr spät gemerkt habe, das ich nicht das bekomme was ich erwarte.
Dann habe ich eben nichts mehr erwartet. Dann ging es mir besser.

Ich bin sicher, das meinen Kindern auch einiges erspart worden wäre. Aber ich habe die Gelegenheit, weil ich was verändern will, es nicht genau so zu machen. Ich versuche so oft es geht Kontakt mit meinen Kindern aufzunehmen.
Meine Mutter hat sich immer mehr entfernt, weil sie mit den Problemen, die wir gemeinsam hatten lieber mit anderen gesprochen hat. Hinter meinem Rücken. Nie mit mir. Das entfernt eben und baut keine Nähe auf.
Meine Mutter sagte wenn mal ein Gespräche kam, sie hätte keine schöne Kindheit gehabt. Ich auch nicht. Das änderte sich aber, als meine Kinder kamen. Die konnte ich in den Arm nehmen. Annehmen und sagen, das ich froh bin, das sie da sind. Muttergefühle sind da oder nicht da.

Vor zwei Wochen habe ich zum erstenmal mit meiner Tochter (sie ist 26)richtig über meine Mutter gesprochen. Mußte sehr weinen,als ich ihr ein Bild von ihr zeigte. Es war aber glaube ich auch Erleichterung mit ihr darüber zu reden und sie auch zuhörte. Sie leidet auch darunter und ist sogar glaube ich wütender auf ihre Oma als ich es wohl je war.
Das fiel mir zum Thema Verhältnis zur Mutter ein.

Lg
inchiostra

Verhältnis zur Mutter

Kerstin9 ist offline
Themenstarter Beiträge: 2.455
Seit: 25.10.04
Hallo,
danke, für eure Antworten.

@ Oregano
Das kann schon gut sein... zumindest "nicht erwachsen" in dem Sinne, dass man noch emotional zu sehr abhängig ist...

@ Brigitte
Danke für deine Tipps, die werde ich mir zu Herzen nehmen .

@ Bergeversetzer
Ja, genau daran versuche ich zu arbeiten. Ich versuche, mehr die Dinge anzusprechen, die mich stören und auch mal nach einem Streit hart zu bleiben und nicht direkt wieder "angekrochen" zu kommen.
Das habe ich nämlich früher immer direkt getan, weil ich es nicht aushalten konnte, aus Angst sie zu verlieren. Was natürlich "alte" und übertriebene Ängste sind.
Seit ich das besser kann, scheint sie auch mal über sich nachzudenken und auch mal etwas einzusehen. Aber wir sind da noch ziemlich am Anfang .
Den Kontakt abzubrechen, käme für mich im moment nicht in Frage. Allerdings tut es mir gut, Abstand zu halten.

@inchiostra

Danke für deinen Bericht.
Ich finde es schön, dass du (anders als deine Mutter) dich deinen Kindern öffnen kannst und Muttergefühle hast. Das zeigt, dass man nicht zwangsläufig so wird, wie die eigene Mutter. Wovor ich zugegebenermaßen aber immer noch Angst habe , dass mir das trotz Gegenarbeiten passiert...

Darf ich fragen, warum du nicht weißt, ob deine Mutter noch lebt? Hast du den Kontakt ganz abgebrochen?

Aber schön, dass du mit deiner Tochter darüber reden kannst.
Ich fürchte, man muß sich wirklich selber aus dem Sumpf ziehen.



Ich sag mir immer, dass meine Mutter sich ja nicht extra so verhält, sie hat auch ihre Erfahrungen gemacht, usw.
Das ist ja auch alles im Grunde okay. Was ich nicht okay finde ist, dass sie nicht auch versucht daran etwas zu ändern und ihr Verhalten mal hinterfragt. Auch sie wäre glücklicher, wenn sie sich mehr öffnen könnte, Liebe geben und empfangen könnte...

Liebe Grüße,
Kerstin
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Verhältnis zur Mutter

brigitte1948 ist offline
Beiträge: 37
Seit: 06.09.09
Zitat von inchiostra Beitrag anzeigen
was aber ist, wenn man,- so traurig es ist-, nie von der Mutter verstanden und angenommen worden ist? Wie soll man es schaffen sein inneren Frieden zu finden?
Es ist als müsse man sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen


Genau wie du es sagst Suse. Ich empfinde es auch so.

Brigitte, ich hatte deinen Bericht vor längerer Zeit mal gelesen. Da fand ich mich genauso wieder. Arbeite auch genauso daran, wie du es beschreibst.

Ich habe mich selber aus dem Sumpf gezogen, d.h., ich bin noch dabei.

Ich kann bzw. ich konnte mich nie mit meiner Mutter aussprechen. Weiß nicht, ob sie noch lebt oder wie es ihr geht. Ich hatte keine Möglichkeit. Bei meinem Vater das Gleiche. Ich war auch nicht auf seiner Beerdigung. Mache wie gesagt alles alleine aus.
Bis zu dem Punkt, wo ich sehr spät gemerkt habe, das ich nicht das bekomme was ich erwarte.
Dann habe ich eben nichts mehr erwartet. Dann ging es mir besser.

Ich bin sicher, das meinen Kindern auch einiges erspart worden wäre. Aber ich habe die Gelegenheit, weil ich was verändern will, es nicht genau so zu machen. Ich versuche so oft es geht Kontakt mit meinen Kindern aufzunehmen.
Meine Mutter hat sich immer mehr entfernt, weil sie mit den Problemen, die wir gemeinsam hatten lieber mit anderen gesprochen hat. Hinter meinem Rücken. Nie mit mir. Das entfernt eben und baut keine Nähe auf.
Meine Mutter sagte wenn mal ein Gespräche kam, sie hätte keine schöne Kindheit gehabt. Ich auch nicht. Das änderte sich aber, als meine Kinder kamen. Die konnte ich in den Arm nehmen. Annehmen und sagen, das ich froh bin, das sie da sind. Muttergefühle sind da oder nicht da.

Vor zwei Wochen habe ich zum erstenmal mit meiner Tochter (sie ist 26)richtig über meine Mutter gesprochen. Mußte sehr weinen,als ich ihr ein Bild von ihr zeigte. Es war aber glaube ich auch Erleichterung mit ihr darüber zu reden und sie auch zuhörte. Sie leidet auch darunter und ist sogar glaube ich wütender auf ihre Oma als ich es wohl je war.
Das fiel mir zum Thema Verhältnis zur Mutter ein.

Lg
inchiostra
Leider vergingen 60 Jahre in Stagnation, Wut, Selbstmitleid, Verzweiflung. Struktur kann ich bis dato keine schaffen aber dann gings ruck zuck.
Meine Mutter ist seit 1987 tot und ich mußte aus Linz weg - gescheiterte Ehe und Verlust meiner ehelichen Kinder - um den Drang nicht nachzugeben, sie am Friedhof auszugraben und auf ihren Resten herumzuspringen. Dass ich diesen Hass überwunden habe, ist die größte Errungenschaft in diesem Wandel. Vielleicht half mir auch mein weltbester Hund, sie war 12 Jahre das Licht in meinem Leben und ich mußte sie am 18.10.09 gehen lassen (sie hatte Knochenkrebs). In diesen Jahren brauchte ich kein Netzwerk Menschen betreffend, ausser meinen Therapeuten und ganz wenigen Menschen, die mich so annahmen, wie ich war. meine jüngste Tochter (geb.1981) sagte einmal zu mir 'Mama, du gehst durch die Stadt wie ein Menschenfresser'.
Nach Ginis Tod vermied ich alle Wege, die ich vorher mit ihr gegangen bin und im Dezember brach ob der Bewegungslosigkeit mein Immunsystem zusammen.
Am 5.1.10 wurde ich dann mit dem richtigen Medikament behandelt und dann begann der Wandel. Im Feber räumte ich den Keller, Ende März gab ich jahrelang Gesammeltes zum Sperrmüll, im September entsorgte ich 775 Videokassetten und habe den Messiestatus verloren
Wie glücklich und dankbar ich bin, das Leben noch so leben und erleben zu dürfen, kann ich in Worte kaum fassen. Es ist einfach nur schön.

Liebe Grüße und alles Gute Brigitte
__________________
Wer weiß, dass er nichts weiß, weiß mehr als der, der nicht weiß, dass er nichts weiß


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