Bin ich erwachsen?

26.02.17 18:39 #1
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Bin ich erwachsen?

Gleerndil ist offline
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Seit: 26.07.09
Zitat von Oregano Beitrag anzeigen
Wieder einmal habe ich mit Interesse und Nachdenklichkeit die Überlegungen von R. Kopp-Wichmann zum Thema "Bin ich erwachsen /Wie erwachsen bin ich" gelesen.
In dem Link von Oregano wird gegen Ende ein "Experiment" beschrieben....
Setzen Sie sich an einen ruhigen Platz, an dem Sie ein paar Minuten ungestört sind. Schließen Sie Ihre Augen und richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihren Körper, Ihre Gefühle und Ihre Gedanken.
Anders gesagt: werden Sie innerlich achtsam.
Dann stellen Sie sich mit geschlossenen Augen Ihre beiden Eltern vor, wie diese in einem für Sie passenden Abstand vor Ihnen stehen.

Beobachten Sie, was sich Ihnen verändert, wenn Sie Ihre Eltern innerlich vor sich sehen oder spüren.
Spannt sich etwas an? Atmen Sie schneller? Bekommen Sie ein komisches Gefühl? Haben Sie einen bestimmten Gedanken?

Jetzt kommt das Experiment.

Sagen Sie laut zu Ihren Eltern den Satz: „Ihr seid meine Eltern – und ich achte Euch.“

Beobachten Sie genau, was vielleicht schon jetzt beim Lesen dieses Experiments in Ihnen abläuft. Und was, wenn Sie das Experiment machen, alles in Ihnen passiert.

Auf diese Weise können Sie erleben, auf welche Weise Sie mit Ihren Eltern derzeit verbunden sind.
Ängstlich, vorwurfsvoll, ablehnend, skeptisch? Oder wohlwollend und im Frieden.
Vielleicht eine interessante Übung, Tascha......?
Werde ich später auch mal ausprobieren.
Meine Eltern leben schon seit einigen Jahren nicht mehr, und ich habe mich ja schon einige Zeit mit der Familiengeschichte auseinander gesetzt.
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Tascha82 ist offline
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danke, für deine mühe.

weiß nicht genau weshalb, aber in mir kam direkt ein widerstand, es zu versuchen.

dabei meinst du und andere es ja nur gut.

irgendwie taucht da ein gedanke bei mir auf, der direkt ablehnend denkt.

sammelte auch an anderer stelle ähnliche erfahrungen.

da suche ich hilfe und wenn mir dann jemand etwas anbietet, was ich mal austesten kann, schreibe ich meistens: neee, das klappt eh nicht. bzw. neee, das will ich nicht, hehe.

vielleicht wäre es gut, wenn ich mal nachdenke, was sich denn überhaupt will.

sehne mich nach jamanden, der mich in den arm nimmt und wenn jemand einen schritt auf mich zu macht, mache ich schritte zurück.

hmmm, schwierig.

diese zerissenheit, die macht es nicht einfach.

naja, mal schauen.

was mir hilft ist musik, vielleicht geht es dir da ähnlich?

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Gleerndil ist offline
Beiträge: 4.200
Seit: 26.07.09
Nun, dem Herrn Kopp-Wichmann ist das, was Du sagst, wohl nicht fremd, denn da steht ja auch.....
Beobachten Sie genau, was vielleicht schon jetzt beim Lesen dieses Experiments in Ihnen abläuft.
Also ist das eigentlich schon der erste Teil des Experiments - und ich würde sagen, was dann da für Dich drinsteckt, wäre ja ein mögliches Thema für die Therapie-Stunden, im Zusammenhang mit Selbständigkeit, Eltern, eigene Wohnung usw.

Warum nicht mal so ein Bild/Experiment mitbringen in die Therapie-Sitzung....wenns weiter bringt? Dass es von einem Psychologen/Coach stammt, könntest Du erzählen oder auch nicht oder hinterher - das ist ja eigentlich gar nicht wichtig. - Wenn es für Dich irgendwie passt. - Also nur mal als Idee.

Ich hab schon Bücher, Bilder, Fotos, 1 Zwiebel(!), alte Aufzeichnungen, bunte Samentütchen(!), ich weiß nicht was noch alles mitgenommen, was mich gerade beschäftigte - ob ich es nur "gezeigt" habe, oder auch darüber gesprochen habe - einmal brauchte ich eine kleine Reisetasche für ein 4-kg-Buch, ein Bildband "Die Geschichte der Eisenbahn"(?), den ich mal für viel Geld gekauft hatte. Die Therapeutin meinte dazu, das hätte sie sich sonst wohl nicht vorstellen können, wie schwer so ein Ding wirklich ist, nur vom Erzählen - und ich wollte damit zeigen, dass mich das Thema als Jugendlicher wirklich begeistert(!) hatte
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Tascha82 ist offline
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finde das eigentlich ein schöne idee, bestimmte sachen mit in die stunde mitzunehmen, aber das geht bei mir nicht. traue mich das nicht. weiß nicht weshalb, aber das würde sich für mich seltsam anfühlen.

auch wenn ich seit drei jahren meinen therapeuten kenne, gehe ich da hin, als wäre es meine erste stunden.

bin weiterhin sehr unsicher in meinem auftreten, aber vielleicht auch deshalb, weil themen anstehen, die alles andere als leicht zu bearbeiten sind.

kann meinen therapeuten auch nie lange und regelmäßig beim sprechen ansehen, schaue andauernd nach unten.

ich denke, es hat mit meinen gesamten erfahrungen zu tun, die ich mit anderen menschen sammelte.

wurde in einer familie erwachsen, in der es erhebliche ambilvalenzen gegeben hat.

aber die themen, die du erwähnt hast, sind für mich sehr wichtige, die ich auf jedenfall auch ansprechen will.

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Tascha82 ist offline
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Seit: 10.12.12
vermutlich werde ich in meinem leben kaum einen menschen wirklich vertrauen, weshalb auch, wenn ich andauernd die erfahrung machte, enttäuscht zu werden.

aber es liegt aber auch daran, dass ich jetzt als erwachsene ein zu dünnes fell habe und an meiner erwartungshaltung.

gerade halte ich es beispielsweise nicht aus, wenn ich zuhause etwas mache und in meiner familie jemand mit neid und eifersucht auf mich reagiert.

das macht einmal angst. angst, dass es jemand zerstört.

daneben macht es mich aber auch wütend, dass jemand neidisch auf mich ist, weil ich mir dann denke, weshalb habe ich es nicht verdient.

dabei hat der neid beispielsweise ja erstmal nichts mit mir zu tun.

jemand kann neidisch auf mich sein, weil ich etwas habe, was der andere nicht hat. seltsam, dass ich damit nicht leben kann.

vielleicht werde ich das auch mal als nächstes ansprechen, in meiner therapie.

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Gleerndil ist offline
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Seit: 26.07.09
Zitat von Tascha82 Beitrag anzeigen
finde das eigentlich ein schöne idee, bestimmte sachen mit in die stunde mitzunehmen, aber das geht bei mir nicht. traue mich das nicht. weiß nicht weshalb, aber das würde sich für mich seltsam anfühlen.
Ich hatte jetzt mal überlegt, wie ich eigentlich dazu gekommen bin.....es war wohl nach der stationären Behandlung vor mehr als 3 Jahren, mit Gruppentherapie, Einzelgesprächen und Musiktherapie. In der Gruppentherapie wurde zum Teil auch mit Bildern, Fotos, Symbolen gearbeitet, für mich war da mehrere Wochen ein Bild wichtig, das mich immer wieder beschäftigte, und das ich eben auch nach dieser Klinikzeit dem damaligen Therapeuten "mitbrachte" - denn natürlich habe ich davon erzählt, aus der Klinikzeit, und was lag näher, dieses Bild auch zu zeigen.....ich hatte es mir in der Klinik kopiert, zusammen mit ein paar anderen Bildern aus dieser Gruppentherapie.

Und ich merkte sehr deutlich, dass es mir gefiel, nicht immer nur zu reden, sondern von dem, worüber wir gerade sprechen, auch einfach etwas zu zeigen bzw auch weiter damit zu arbeiten. Zum Teil war es dann für mich auch ein "Aufarbeiten" von alten Dingen, wie gesagt, ob nun Bilder aus dem Schul-Kunstunterricht, oder Bücher, die mir mal wichtig waren - eins hat die Therapeutin sich mal ausgeliehen, das hat sie sich etwas genauer angesehen, weil sie es nicht kannte.
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Tascha82 ist offline
Beiträge: 316
Seit: 10.12.12
ich finde, dass klingt irgendwie total schön, wenn ich mir das bildlich vorstelle.

weshalb eigentlich auch nicht, stelle mir vor, dass es auch ein wenig abwechslung hineinbringt.

vielleicht schaffe ich das ja auch eines tages.

gedanklich kann ich das, aber nicht in der realität.

aber vielleicht werde ich es mal ansprechen, was mich genau hemmt.

ich wüßte üeberhaupt nicht, wie ich dann mit dem gegenstand da sitzen würde, weil ich ja wie ein scheues reh (hehe) in die praxis gehe.

am liebsten hinter den sessel versteckend.

hmm.

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Gleerndil ist offline
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Seit: 26.07.09
Zitat von Tascha82 Beitrag anzeigen
vermutlich werde ich in meinem leben kaum einen menschen wirklich vertrauen, weshalb auch, wenn ich andauernd die erfahrung machte, enttäuscht zu werden.

aber es liegt aber auch daran, dass ich jetzt als erwachsene ein zu dünnes fell habe und an meiner erwartungshaltung.

gerade halte ich es beispielsweise nicht aus, wenn ich zuhause etwas mache und in meiner familie jemand mit neid und eifersucht auf mich reagiert.

das macht einmal angst. angst, dass es jemand zerstört.

daneben macht es mich aber auch wütend, dass jemand neidisch auf mich ist, weil ich mir dann denke, weshalb habe ich es nicht verdient.

dabei hat der neid beispielsweise ja erstmal nichts mit mir zu tun.

jemand kann neidisch auf mich sein, weil ich etwas habe, was der andere nicht hat. seltsam, dass ich damit nicht leben kann.
Das sind ja alles sehr grundlegende Sachen und Gefühle, würde ich sagen, Vertrauen, Neid oder Ärger und Wut, Angst.....über all das müsstet(?) ihr in 300 Therapiesitzungen ja schon irgendwie mal gesprochen haben, oder?

Je nachdem was das ist, das Du zu Hause machst, und andere sind neidisch darauf, was sagen sie denn dann, oder siehst Du vielleicht nur ihre Blicke, oder hörst Du es von anderen? Und wenn Du dabei etwas "herstellst", als Hobby oder ich weiß nicht was, könntest Du soetwas mal mitnehmen - vielleicht nur ein Foto davon? - die "passenden" Gefühle dazu kommen dann vielleicht um so schneller, auch für Dich, wenn Du irgendwas in der Stunde "vor Augen" hast.....oder Du fragst ihn mal, was er generell von so einer Idee hält, vielleicht gefällt ihm (auch) so eine Idee?
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Piratin ist offline
Beiträge: 892
Seit: 29.09.13
Leider hat der Artikel mMn einen Fehler, der wohl noch mehreren Leuten aufgestoßen ist und auch vom Autor eingestanden wird, wenn man sich mal die Kommentare durchliest:
Warum sollte es unerwachsen sein, wenn jemand, der vielleicht als Kind misshandelt oder missbraucht wurde und die Eltern immer noch diese Muster leben (emotionaler Missbrauch hört nicht automatisch auf, wenn man erwachsen ist), den Kontakt abbricht? Dass ich mein eigenes Kind solchen Menschen nicht aussetze, ist für mich nur natürlich. Ich finde das sogar viel erwachsener, als mein Mensch, der sich zeitlebens von seinen Eltern negativ beeinflussen lässt.

Was die Frage betrifft: So ganz 100% erwachsen fühle ich mich mit 34 noch nicht. Der größte Schritt ins Erwachsenenleben war bei mir mit ca. 30. Mit 18 erwachsen? Da kann ich nur lachen! Mittlerweile glaube ich zumindest auf dem Weg ins Erwachsenenleben zu sein und sehe, dass es sich auch gut anfühlt, erwachsen zu sein und sich so zu verhalten.
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Alles von mir Geschriebene entspricht einzig und allein meiner Meinung ohne Allgemeingültigkeit.

Geändert von Piratin (07.04.17 um 16:44 Uhr)

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Oregano ist offline
Themenstarter Beiträge: 63.711
Seit: 10.01.04
mh - ich bin in einem Alter, in dem man wirklich als erwachsen gilt. Da nähert sich ja eher schon die Demenz, die dann alle Errungenschaften der jüngeren Jahre wieder zunichte macht .

Wenn ich so zurück blicke, denke ich heute, daß ich in dem Zeitraum erwachsen geworden bin, wo ich nicht mehr versucht habe, schwierige Zustände/Situationen/Problemzeiten anderen als Schuld zuzuschieben und zu hoffen, daß die etwas (in ihrem Verhalten) ändern. Oder auch: ich habe nicht mehr darüber gesprochen, was ich schwierig fand sondern habe nach eigener Überlegung dann gehandelt und beschlossen, was ich ändern oder auch nicht ändern konnte oder wollte.

Grüsse,
Oregano
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They tried to bury us. They didn't know we were seeds.


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