Motivationslosigkeit

01.04.14 19:31 #1
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Motivationslosigkeit

Geri1 ist offline
Themenstarter Beiträge: 39
Seit: 18.03.14
Liebe Lealee

Du hast es geschafft! Ich bin sprachlos, weil mir schlicht nichts mehr einfällt zu Deinen Ausführungen, ich hätte nicht so ausführlich und mit derart vielen Erfahrungen untermauert die von Dir angesprochenen Aspekte beschreiben können. Ich hatte bei Deinem vorletzten Beitrag plötzlich gezögert, aber jetzt muss ich sagen, wir denken irgendwie völlig gleich! Hätte nicht gedacht, dass es das gibt.

Wie Du richtig erkannt hast, bin ich nicht blindlings technikgläubig, überhaupt nicht, es lässt sich auf "technischer" Basis lediglich emotionsloser diskutieren. Es ist genau, wie Du sagst, die Wissenschaft weiss auch nicht, was vor dem Urknall kam, ausserdem gibt es hierzu bereits Ansätze, dass es vielleicht auch irgendwie anders begonnen haben könnte. Und so lange wir glauben müssen, so lange sind für mich alle Thesen dieser Welt gleichwertig.

Sehr schön auch, wie und was Du über Glauben erzählt hast, gibt's nichts hinzuzufügen.

Apropos Schweinebraten: Also, wenn Du so kochst, wie Du redest, musst Du eine wahnsinns gut Köchin sein .

That's all, ich werde mir das mit dem Vertrauen vielleicht doch noch mal überlegen, denn ich befürchte, dass Du wieder mal recht hast und ich mir in meiner Sinneskrise Grenzen setze, die es zu durchbrechen gilt. Die Frage ist, wo und welche Grenzen das sind.

Liebe Lealee, ich danke Dir für Deine ausführliche Threads und hoffe, ich habe Dich nicht allzu sehr vom Radeln und den wichtigen Dingen in Deinem Leben abgehalten. Es würde mich sehr freuen, wieder von Dir zu hören, Du hast mir jedenfalls weiter geholfen, auch wenn ich nicht in Worten beschreiben kann wie und das ist wohl genau das wovon Du sprachst. Natürlich gilt dieser Dank auch allen andern hier im Forum, die sich hier aktiv eingebracht haben, wie Dir liebe Wildaster, Gerd und allen anderen.

Herzliche Grüsse
Geri

Motivationslosigkeit

mondvogel ist offline
Beiträge: 5.133
Seit: 07.04.10
Hallo,

ich möchte noch anmerken, dass ich es schön finde, wie sehr der thread sich von der "Motivationslosigkeit" entfernte...Das war keine Kritik; ich fand es allerdings bemerkenswert.

In meinen Augen darf der thread ruhig weitergehen....,

Liben Gruß, mondvogel
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"There is a crack in everything. That's how the light comes in." Leonard Cohen (RIP)

Motivationslosigkeit

lealee ist offline
Rubrikenbegleiterin Entsaften / Mixen
Beiträge: 799
Seit: 05.02.10
Hallo lieber Geri,

na dann wäre es ja endlich geschafft und endlich ist wieder Zeit für andere Dinge. Das habe ich jetzt gleich ausgenutzt und bin tagelang von früh bis spät herum geradelt.

Nein, so ist es ganz und gar nicht; das war natürlich nur ein Scherz

Dir ist es gelungen, mich ebenfalls vorübergehend sprachlos zu machen mit deinen offenen und positiven Worten. Ich freue mich riesig darüber was du in deinem letzten Beitrag schreibst. Gleichwohl wusste ich erst gar nicht, was ich dazu noch sagen könnte, außer ebenfalls Danke: für inspirierende Denkanstöße und die unerwartete Gelegenheit zu einer umfassenden Reflexion der eigenen Anschauungen und des Status Quo in meinem Leben.

Oder besser gesagt zu einer "finalen" Zusammenfassung, die insbesondere die schwierigen Aspekte komplett in einem anderen Licht erscheinen lässt - und deren positiven Auswirkungen auf mein Leben und mein Lebensgefühl nochmals veranschaulicht. Dieser Prozess war schon lange im Gange, doch nun hat er seinen verdienten Abschluss gefunden.

Eine beeindruckende Ergänzung.

Du hast mich wirklich nie von wichtigeren Dingen abgehalten. Für mich ist dieser Austausch ebenso erfreulich wie für dich, und er ist bedeutsam. Alles andere wichtige habe ich nebenher auch noch geschafft, und sogar mehr als sonst. Und warum das, fragst du dich jetzt vielleicht. Ganz ehrlich: hauptsächlich weil ich motivierter bin.

Ausgerechnet...
Kein Scherz.

Nicht, dass ich vorher unmotiviert gewesen wäre. Aber mir wurde in unserem gemeinsamen Dialog in diesem Thread klar wieviel Gutes in meinem Leben ist, das genau mir entspricht und wo ich mich authentisch ausleben kann, obwohl ich eigentlich kaum etwas besitze, noch nicht einmal eine "sichere" Existenz. Und wie gut es mir geht. Mir ist auch bewusst geworden wie sehr mich die Schwierigkeiten erst in dieses gute Leben gebracht haben, und dafür empfinde ich tiefe Dankbarkeit. Man könnte sagen: mir gehört (fast) nichts - und doch habe ich (fast) alles.

Das basiert nicht auf der Vermutung, dass man aufgrund vieler Probleme, Mängel oder gesundheitlichen Einschränkung die Erwartungshaltung tiefer ansetzt und deswegen mit weniger zufrieden ist. Vielmehr erkennt man den Unterschied zwischen der Vorstellung von einem guten Leben und von dem wie sich das Leben für einen jeden Tag tatsächlich anfühlt. Man fragt sich nicht was man erreichen möchte sondern was man braucht und was einem JETZT gut tut. Und damit kommt man auch irgendwann darauf was einem überhaupt gut tut. Man wird darauf trainiert, seine echten Bedürfnisse zu erkennen und nicht die Bedürfnisse eines Lebenskonzepts. Lebensgefühl lässt sich nicht bevorraten und auch nicht auf später verschieben, "wenn die Bedingungen gut dafür sind". Man erkennt dies nicht nur, man beherzigt es auch und nutzt jede sich bietende Gelegenheit, um sich damit einen Ausgleich zu schaffen.

Auch sorgt man sich irgendwann weniger. Man ist genug damit beschäftigt, sich mit dem zu beschäftigen was ist und vergisst darüber die Sorge darum, was noch kommen oder sein könnte. Ein Großteil der Sorgen die wir uns machen ist ja eher virtuell. Wir befürchten dies und jenes, wovon das meiste gar nie eintritt. Trotzdem hatten wir ein sch... Gefühl deswegen. Und weniger Lebensfreude.

Man lernt die Qualität eines authentischen Lebensgefühls zu schätzen und kommt auf die Idee, dass wir vermutlich deswegen hier sind und nicht um die Welt mit unserer bloßen Anwesenheit zu beglücken.

Und das mit dem Vertrauen. Ja, das ist schon wirklich das Allergrößte.

Vertrauen ist in diesem Fall m. E. anders zu verstehen als es oft definiert und missbräuchlich verwendet wird zum, häufig zum Zwecke der Menschenführung und Manipulation. Man kann es nicht aufbauen oder schöpfen, weil es nicht materiell und nicht ideell ist. Es ist eine eigene Art Vertrauen - nicht gebunden an Erwartungen oder Aufgabenstellungen.

Es ist bereits da als Teil unseres Urzustandes. Da sind vielleicht gar keine Grenzen zum einreißen sondern es braucht nur die Bereitschaft zum gelegentlichen loslassen von den vermeintlichen Sicherheiten an die wir uns klammern, und die uns das Vertrauen ersetzen. Die Crux ist, dass wir uns nicht sicherer fühlen je mehr Sicherheiten wir haben, sondern je besser wir zurecht kommen ohne Sicherheiten.

Da dennoch das Vertrauen nicht aus dem Nichts kommt, könnte man es vielleicht besser beschreiben mit der Erweiterung AN-vertrauen. Deswegen kann ich gut verstehen, dass es dir schwerfällt, zu vertrauen, denn du müsstest dich ja etwas Undefinierbarem anvertrauen, quasi dem Nichts oder dem Zufall. Wer möchte das schon?

So gesehen geht es letztendlich möglicherweise doch wieder um eine Form des Glaubens oder Nichtglaubens.

Ich habe auch nicht auf irgend etwas vertraut. Weil ich selbst christlich erzogen wurde hat mir das Konzept mit der Nächsten- und Selbstliebe schon sehr früh gut gefallen - und zwar umso besser je weniger es in meinem Umfeld angewendet wurde. Mir erschien die Vorstellung von der Gleichwertigkeit aller Menschen und der Annahme, dass Gott uns so gemacht hat wie wir sind, und wir demnach auch grundsätzlich gewollt und "ok" sind völlig natürlich. Daran habe ich mich später erinnert, und ich vertraute mich entsprechend nicht irgendetwas an sondern dieser göttlichen Führung; wo ich mich immer gut aufgehoben, geführt und notfalls auch getragen fand.

Lieber Geri, die besten Wünsche für dich, und auch ich würde mich freuen weiter von dir zu hören.

Ach ja: Kochen gehört nicht zu meinen großen Leidenschaften. Aber auch das Problem hat sich von selbst gelöst. Meine Familie hat sich meiner erbarmt und mir einen Thermomix geschenkt, obwohl ich sowas für überflüssig hielt. Heute weiß ich: dieses Gerät wurde eigens für mich erfunden.

Liebe Grüße
Lealee

Motivationslosigkeit

lealee ist offline
Rubrikenbegleiterin Entsaften / Mixen
Beiträge: 799
Seit: 05.02.10
Hallo liebe Mondvogel,

Du hast natürlich Recht. Doch beim Thema Motivationslosigkeit, da ist es doch eigentlich umso besser je weiter man sich davon entfernt, oder?

Ganz liebe Grüße
Lealee

Motivationslosigkeit

mondvogel ist offline
Beiträge: 5.133
Seit: 07.04.10
Zitat von lealee Beitrag anzeigen
Doch beim Thema Motivationslosigkeit, da ist es doch eigentlich umso besser je weiter man sich davon entfernt, oder?
Ja, so ist es.... - genau das fand ich bemerkenswert; ich fand sogar, die Entfernung geschah ziemlich schnell....

mondvogel
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Motivationslosigkeit

Geri1 ist offline
Themenstarter Beiträge: 39
Seit: 18.03.14
Liebe Lealee

Nach einem so langen Beitrag und so schönen Worten muss ich mich doch nochmal melden.

Ich gestehe es, ich habe gegoogelt, denn ich wusste nicht was ein Thermomix ist. Das hört sich ganz gesund an, ich habe manchmal selber so Anflüge, ob ich nicht auf eine Art Mischdiät aus Veganer und Steak umsteigen soll. Nicht dass ich ein grosser Fleischesser wäre, aber ein zweimal die Woche ein kleines Stück mag ich schon und als Veganer hat man schon mal alle Milchprodukte ausgeschlossen und eigentlich mag ich Früchte und Gemüse extrem gerne.

Lebensgefühl lässt sich nicht bevorraten und auch nicht auf später verschieben
Gut beobachtet, muss ich mir merken!

Ein Großteil der Sorgen die wir uns machen ist ja eher virtuell. Wir befürchten dies und jenes, wovon das meiste gar nie eintritt.
Es ist furchtbar, aber Du bringst es exakt auf den Punkt. Ich sorge mich, dass wenn ich jetzt die Stelle verlieren würde, wie ich mit einem CH Minimallohn bis 80 überleben könnte, ist doch eigentlich idiotisch dieses Sicherheitsbedürfnis! Ich stelle mir vor, wo im Ausland ich damit noch sehr gut leben könnte und wo es warm ist.

Da sind vielleicht gar keine Grenzen zum einreißen sondern es braucht nur die Bereitschaft zum gelegentlichen loslassen von den vermeintlichen Sicherheiten an die wir uns klammern, und die uns das Vertrauen ersetzen. Die Crux ist, dass wir uns nicht sicherer fühlen je mehr Sicherheiten wir haben, sondern je besser wir zurecht kommen ohne Sicherheiten.
Ich bin hin und wieder Enduro auf Schotterpisten oder Überland gefahren. Das Interessante ist, dass es eigentlich zwei sicher Zustände gibt, da wo die Räder Haftung haben und da, wo das Hinterrad durchdreht oder blockiert, slided also keine Haftung mehr hat. Der unsichere Punkt ist eher der, wo man die Haftung für einen Moment verliert. Oder im Wüstensand, wo man einen Mindestspeed braucht, damit das Motorrad halbwegs stabil wird und die Spur hält, mit durchdrehendem Hinterrad. Bis man sich aber einmal getraut, auf 50-60 Mindestgeschwindigkeit zu beschleunigen, braucht es ziemlich Mut und bis dahin ist man so in einem leichten Panikzustand. Man ist zu langsam um stbil zu sein und wird zunehmend zu schnell, als dass man sich noch gefahrlos in den Sand legen kann. Aber Sand war nie wirklich mein Element, wo ich mich wohl fühlte auf dem Töff.

Mir ist auch bewusst geworden wie sehr mich die Schwierigkeiten erst in dieses gute Leben gebracht haben
Bemerkungen in diesem Sinne hattest Du mehrmals gemacht. Ich meine verschiedentlich Kreise in unserem Leben zu beobachten, die sich irgendwann wieder schliessen. Ich weiss nicht ob ich richtig liege, aber ich denke manchmal über die Entstehung der Menschen nach. Gehen wir einmal davon aus, dass die Menschen irgendwo im Urwald um den Äquator entstanden. Individuen vermehren sich in gutem Klima bis sie an Grenzen stossen wo das Land nicht mehr genug Futter hergibt. Dann gibt es zwei Möglichkeiten, entweder man schlägt sich die Köpfe ein, bis die Population konstant bleibt, oder es beginnt ein Vertreibungskampf wobei die Schwachen in die unfruchtbareren Gegenden vertrieben werden, z.B. die Steppe. In der Regel der Tod, aber es gibt immer welche, die irgendwann eine Srategie finden zu überleben, sogar in der Wüste. Um den Äquator herum gibt es kaum Jahreszeiten, es regnet vielleicht mal etwas mehr, aber es gibt immer was zu Pflücken, gibt immer was zum Jagen. Die Gruppe hilft, man kommt aber notfalls auch alleine klar in dieser Gegend. Herausfordender wird es in Breitengraden, wo mal eine zeitlang Schnee liegt und nichts mehr wächst, die Jagd schwieriger wird. Da muss man Strategien entwickeln, alleine kann man da dauerhaft nicht überleben, die Gruppe wird wesentlich wichtiger und ... man muss voraus denken! Denn wer in unserer Gegend früher im Frühling nichts in den Boden gesteckt hat, konnte im Herbst nichts ernten und hat den WInter nicht überlebt. Dieses "Modul" des Vorausdenkens im Gehirn, liess sich mit der Zeit auch noch für andere Dinge verwenden. Man konnte den Kindern ein Handwerk beibringen, damit sie Jahre später spezielle Fähigkeiten hatten z.B. Wagnern, Schmieden, Sattlern, Bauern, Waffenmacher etc. Noch später hatte man den Kindern Lesen und Schreiben beigebracht in den Wintermonaten wobei ein Volk heran wuchs mit sehr vielen Fähigkeiten. Fähigkeiten, die sie niemals entwickelt hätten, wenn sie nicht tausende Jahre zuvor aus Afrika vertrieben worden wären. Später, in den vergangenen Jahrhunderten, schloss sich dann der Kreis, als die Weissen in Afrika eindrangen und dort Kolonien gründeten. Die Flüchtlinge aus Afrika stehen jetzt wieder bei uns an der Tür. Jeder kann jetzt auf den anderen zeigen und sagen "Ich stehe nur hier, weil Ihr mich vertrieben habt." Wer hat jetzt wen vertrieben? Eine Frage des Zeithorizonts. Hoffe, das kam jetzt nicht irgendwie rassistisch rüber, ich bin definitiv kein Rassist. Es ist wie Du sagst, auch in grossen Zeithorizonten, anfängliche Nachteile können sich zu Vorteilen entwickeln, aber manchmal hat so ein "Modul" halt auch Nebenwirkungen und damit schlagen wir uns jetzt rum.

Herzliche Grüsse
Geri

Motivationslosigkeit

Gleerndil ist offline
Beiträge: 4.200
Seit: 26.07.09
. . . geht's denn noch um "motivationslos", oder bist Du jetzt schon motivationslos-los . . . ?

Hallo Geri, ich hatte eigentlich bisher noch gar nicht so ganz verstanden, was Deine Motivationslosigkeit ausmacht(e), oder zu was Du vielleicht gerne motiviert wärest.

Hat sich das tatsächlich schon verändert - was ja nur positiv wäre - und was macht jetzt (vielleicht) Deine Motivation aus?

Einen schönen Abend, Gerd
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Die Sinnesorgane der Engel sind unsere Edelsteine. Rudolf Steiner

Motivationslosigkeit

Geri1 ist offline
Themenstarter Beiträge: 39
Seit: 18.03.14
Hmm... gute Fragen! Wie ich zu Beginn geschrieben hatte, wenn man vieles gehabt hat, dann haut einem nicht mehr so richtig was vom Hocker und man beginnt durch den Alltag zu vegetieren, morivationslos. Lealee hat so eine Art, die mir gefällt, vielleicht ist es einfach das, was mir Freude bereitet und mich motiviert, hier ellenlange Beiträge zu verfassen und die Neugierde, welche Antworten kommen.

Liebe Grüsse
Geri

Motivationslosigkeit

lealee ist offline
Rubrikenbegleiterin Entsaften / Mixen
Beiträge: 799
Seit: 05.02.10
Hallo lieber Geri,

endlich ist mein Hochbeet fertig und ich kann mich wieder den anderen wichtigen Dingen widmen .

Vielleicht kann ich dich ein bisschen beruhigen: solange du noch Appetit auf ein Steak hast, bist du kein hoffnungsloser Fall. Dein Ernährungsvorschlag könnte mir auch gefallen. Für Gemüse ist ja nun gesorgt.

Kreise schließen sich, das stimmt, und gelegentlich kann man das gut beobachten. Wenn sich ein Kreis im sprichwörtlichen Sinne schließt bedeutet das ja ungefähr, dass eine Sache nun rund ist und alle Faktoren zusammen gesehen ein sinnvolles Ganzes ergeben, unabhängig davon ob uns dieses Ganze gefällt oder nicht. Oder eine Beweiskette schließt sich mit dem letzten Indiz. Warum nur muss ich dabei an diesen Thread denken, und nicht nur an deinen letzten Beitrag?

Bei genauerem Hinsehen hatte ich kurzzeitig den Eindruck, für dich hätte sich an einem bestimmten Punkt bereits ein Kreis geschlossen. All unsere Betrachtungen und Philosophien scheinen zu bestätigen, dass ein gewisses, bekanntes Problem besteht für das es eben keine Lösung gibt. So wie es scheint, wurde die ursprüngliche Problemstellung hinreichend durchleuchtet und es ergab sich ein geschlossener Kreis, eine runde Sache. Weil, wenn man vieles gehabt hat....

....dann ist das eben so.

Als ob sich die Beweiskette für diese These hiermit geschlossen hätte - und damit der Kreis. Oder ist es eher ein sich im Kreis drehen in einem bereits abgeschlossenen Überlegungsprozess. Möglicherweise eine letze Überprüfung der Beweiskette, fast schon zur Bestätigung dessen, was man für unvermeidbar hält?

Etwas fällt mit auf an dieser These, falls es denn eine wäre. Sie ist irgendwie nicht rund. Mir stellen sich drei Fragen:

Ist tatsächlich die logische Folge davon, vieles gehabt zu haben die Motivationslosigkeit und das reizlose Dahinvegetieren?

Wäre dann nicht der Verlust eines Teils des Erreichten sogar die Lösung des Problems, weil es dann ja wieder etwas zu erreichen gäbe?

Warum dann die Angst vor dem Verlust?

Viele Menschen haben und hatten vieles und sind trotzdem noch motiviert. Meine Motivation beziehe ich nicht aus der Tatsache, dass es für mich noch viel zu erreichen gibt sondern gerade aus dem was ich erreicht habe und was mir zur Verfügung steht. Aus meinem Potential und meinen Möglichkeiten. Manchmal aus dem Wunsch heraus, etwas zu verändern, manchmal aus Notwendigkeiten, manchmal aus der reinen Freude am Tun, manchmal aus einem spontanen Impuls heraus, manchmal weil mich jemand oder etwas mitreißt und mich vielleicht sogar aus vorübergehender Motivationslosigkeit heraus reißt.

Einzig wenn die physiologischen Voraussetzungen nicht gegeben sind hilft nichts gegen Motivationslosigkeit, außer zuerst die Störungen zu beseitigen. Selbst die glücklichsten Umstände können nichts ausrichten, z.B. gegen die Macht eines Serotonin- oder Vitamin-D-Mangels, die einen Menschen zu einem freudlosen Wrack machen können und die weit verbreitet sind. Diesen Zustand kenne ich auch, und er entspricht ziemlich genau deiner Beschreibung des Dahinvegetierens. Deswegen erwähne ich es noch einmal.

Man könnte also die These auf den Prüfstand stellen und sich über die Art und Schwere der Motivationslosigkeit Gedanken machen und sich konkret fragen, ob es nicht doch etwas motivierendes gäbe, würde man sich kurzzeitig der vernunftgesteuerten "Ja, Abers" entledigen und wäre frei von Beschränkungen? Geht da noch was; gibts da noch was? Was freut mich, oder bin ich auch freudlos? Worauf oder worüber kann oder könnte ich mich freuen? Bin ich noch manchmal glücklich, und unter welchen Umständen? Leide ich unter der Motivationslosigkeit, lähmt sie mich, macht sie mir gar den Alltag zur Qual oder langweile ich mich "nur"? Möchte ich es ändern oder suche ich einen Weg, mich damit zu arrangieren? Beides wäre legitim. Aber vermutlich erst, wenn man sich diesbezüglich entschieden hat kann man wirklich zufrieden werden.

Warum ich das alles noch einmal aufrolle hat einen Grund: ich finde, deine von dir geschilderten äußeren Lebensumstände und deine Optionen passen nicht so recht als alleiniger Auslöser für dein Problem und seine Ausprägung.

Aus Erfahrung bin ich kein Anhänger der Theorie, vieles wäre immer psychisch begründet. So anfällig sind wir nicht konstruiert, und außerdem müssten dann viele Generationen dieser Anfälligkeit zum Opfer gefallen sein. Sehr oft ist es genau umgekehrt, und genau die unerkannten physiologischen Mankos lösen psychische oder mentale Probleme erst aus. Aber das, glaube ich, habe ich schon mal erwähnt. Dieser Aspekt wird nur zu gerne unterschätzt oder gar übersehen, zumal sich die Psychosomatiktheorien in den Köpfen der Mediziner und Patienten über Jahrzehnte in den Köpfen festgesetzt haben, und zwar ohne je den geringsten Beweis geliefert zu haben; während es heute mit den modernen Verfahren der Biochemie problemlos möglich ist, die Dysbalancen mit ihren Auswirkungen zu belegen.

Deswegen würde ich vermutlich an diesem Punkt hier ansetzen und dann sehen, ob sich der Rest anschließend nicht ergibt. Bei mir war es jedenfalls so, und ich wünsche allen diesbezüglich geplagten, dass sie sich auch wieder gut fühlen können. Was nicht heißt, dass der Thread deswegen nicht weiter geführt werden kann.

Liebe Grüße
Lealee

Motivationslosigkeit

Gleerndil ist offline
Beiträge: 4.200
Seit: 26.07.09
Zitat von lealee Beitrag anzeigen
Aus Erfahrung bin ich kein Anhänger der Theorie, vieles wäre immer psychisch begründet. So anfällig sind wir nicht konstruiert, und außerdem müssten dann viele Generationen dieser Anfälligkeit zum Opfer gefallen sein. Sehr oft ist es genau umgekehrt, und genau die unerkannten physiologischen Mankos lösen psychische oder mentale Probleme erst aus. Aber das, glaube ich, habe ich schon mal erwähnt. Dieser Aspekt wird nur zu gerne unterschätzt oder gar übersehen, zumal sich die Psychosomatiktheorien in den Köpfen der Mediziner und Patienten über Jahrzehnte in den Köpfen festgesetzt haben, und zwar ohne je den geringsten Beweis geliefert zu haben; während es heute mit den modernen Verfahren der Biochemie problemlos möglich ist, die Dysbalancen mit ihren Auswirkungen zu belegen.
Dazu kurz den Link zu einem Beitrag von mir http://www.symptome.ch/vbboard/nachd...tml#post969999 .
Wenn man solche (Aus-) Wirkungen von psychischen, emotionalen Momenten auf physische, physiologisch-biochemische Werte sieht, ist das ja doch sehr moderne Psycho-Somatik. In dem Beispiel für nur ein einziges Gefühl, die Scham, das Schämen untersucht.
Solche (Aus-) Wirkungen dann zusammen mit (unnatürlich) veränderter Ernährung, Lebensweise, Umweltbedingungen . . . ?!

Einen schönen Sonntag

Gerd
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