Lüge, Täuschung, Selbsttäuschung, Enttäuschung

10.09.12 08:03 #1
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LieberTee
Lüge, Täuschung, Selbsttäuschung, Enttäuschung - wie geht Ihr damit um?

Jeder hat so sein Einbrüche im Leben, Verluste, Schicksalsschläge, Fehlentscheidungen, Enttäuschungen - auch ich. Manchmal denke ich, ich kann sie deshalb einigermaßen wegstecken, weil ich mich permanent selbst täusche.

Ich weigere mich offenbar, meine kindliche Naivität und einen Glauben an das grundsätzlich Gute aufzugeben. Das ist nicht mal die schlechteste Überlebensstrategie meine ich, denn so verliere ich nie ganz und gar meine Zuversicht.

Nur manchmal schlägt es mich entsetzlich nieder: wenn ich bewusst belogen und getäuscht werde. Ja, ich weiß, Lüge und Täuschung ist allgegenwärtig, ich brauche nur täglich den Fernseher oder das Radio anzustellen oder die Tageszeitung aufschlagan, da gehen mir die Augen über und die Ohren dröhnen vor lauter Lügen.

Es stört mich komischerweise nicht mehr sonderlich. Damit habe ich mich abgefunden und sage mir täglich, dass es gesünder ist, mit offenen Augen und Ohren da hin zu schauen und mich eher zu amüsieren über dieses Narrentheater, als mich zu ärgern. Nicht, dass ich nicht gerne etwas daran ändern würde - aber wie?

Das ist es nicht, was mich niederschlägt, sondern Lügen und Täuschungen von Menschen, denen ich nahe stehe, denen ich vertraue, die ich liebe.

Da traf es mich immer so sehr, dass es mir geradezu den Boden unter den Füßen wegriss. Immer wenn ich das in unterschiedlichen Ausprägungen erlebte (und ich meine damit nicht kleine Notlügen...), konnte ich es einfach nicht glauben. Ich wollte es nicht wahrhaben, dass ein Mensch, dem ich meinte blind vertrauen zu dürfen, mich willentlich und wissentlich täuschte und verletzte.

Die Strategie, die ich (unbewusst) wählte, um diese Verletzungen zu vermeiden, war Abstand und Vermeiden von Nähe und Bindung. Es durfte mir niemand zu nahe kommen, ich hielt und halte alle auf einem gleichmäßigen und gleich-gültigem Abstand. Es schien mir bisher die einzige Möglichkeit, die ich allerdings nicht bewusst wählte, nicht Verletzungen zu vermeiden. Nach einer sehr großen Verletzung, die ich erlitt, als ich nach langer Zeit, mal wieder versuchte, zu vertrauen, brauchte ich sehr lange Zeit, um mich wieder auf mein Level zurückzuziehen.

Aber es gelingt nicht mehr wirklich. In dieser Höllenzeit fiel mir dieses Vermeidungsmuster auf und so wirkt es nicht mehr recht. Eine neue Strategie des psychischen Überlebens habe ich noch nicht wirklich entwickelt, bzw. noch nicht etabliert.

Wie kann ich ohne schützende Mauern offen und damit verletzlich sein und schaffe es trotzdem, Lügen und Täuschungen zu verkraften?

Bin ich die einzige, die so naiv und gutgläubig durchs Leben rennt und blind auf den einen oder anderen Abgrund zu steuert?

Ich würde mich sehr über Antworten freuen.

Lieber Gruß
LieberTee

Lüge, Täuschung, Selbsttäuschung, Enttäuschung
Esther2
Hallo LieberTee,

kennst du EFT / MFT und Psychokinesiologie, die Arbeit mit Glaubenssätzen etc.? Mich hat das alles sehr weitergebracht.

LG, Esther.

Lüge, Täuschung, Selbsttäuschung, Enttäuschung
LieberTee
Themenstarter
Liebe Esther2,

vielen Dank für Deine Antwort. Ich verbinde mit diesen Ansätzen die Verarbeitung traumatischer Ereignisse oder Erfahrungen. Ich habe auch schon davon gehört, dass es sehr hilfreich bei traumatisierten Menschen sein soll.

In meinem Fall ist es eher so, dass ich die Verletzung als meine Verletzung und als Wiederholung bestehender Muster erkannt habe. Ich denke auch, dass ich es geschafft habe, sie zu verarbeiten, es ist ja keineswegs die erste Ent-Täuschung, die ich verkraften musste. Ich bin ziemlich gut im Überleben und ich will immer gerne dazulernen und etwas ändern, denn schließlich habe ich wie wir alle nur ein Ziel: Wohlbefinden.

Im Grunde bin ich sogar dankbar für diese Erfahrung, denn dadurch lernte ich das Muster kennen, die Glaubenssätze, die dem zugrunde liegen und die Uneffektivität meiner bisherigen Schutzmaßnahmen.

Distanz und Gleich-Gültigkeit machen mich offenbar weder glücklich, noch dienen sie dazu, mich vor Verletzungen zu schützen.

Irrtum also erkannt und der Willen, dieses Muster zu verlassen, ist unbedingt da.

Schwer ist nur, eine Alternative zu kreieren. Vertrauen, einlassen, zulassen - ja! Aber wie umsetzen?

Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin nur einen Schritt entfernt, endlich glücklich zu leben und ich kriege ihn dann doch nicht so hin...So als ob da eine dicht gewebte undurchdringliche Membran dazwischen ist, oder ein Gummiband, dass mich immer wieder zurückzieht, oder als trete ich gleichzeitig aufs Gaspedal und auf die Bremse.

Besser kann ich es nicht erklären.

Meditation hilft mir sehr gut, ich befürchte nur, dass ich wieder langsam, ganz unbewusst in dieses Distanzschema schlidder. Nicht so sehr aus (bewusster) Angst vor neuer Täuschung, sondern eher aus Müdigkeit.

Es kann aber auch sein, dass es sowas ist, wie die Angst vor der Angst.

Nochmal danke für den Hinweis.

Lieben Gruß
LieberTee

Lüge, Täuschung, Selbsttäuschung, Enttäuschung

flower4O ist offline
Beiträge: 3.930
Seit: 18.09.07
Lieb lieberTee
leider hab ich heut keine Zeit mehr.
Der Alltag, er ruft....
Und ich war heut schon recht lang im Thread
"Farben meiner Seele".
Schau einfach mal vorbei.
Hab noch einiges dazu geschrieben, was sich Deinem
Thread anschließt.

Vielen Dank für die Eröffnung dieses Threads.

Wünsch Dir alles Liebe für Dein Leben.

Gerade hab ich unseren Dorfbewohner Bodo kurz im Chat getroffen.
DA hab ich mich sehr gefreut.
Und es wäre ja auch eine Möglichkeit, sich dort über das eine
oder andere Thema auszutauschen.
Ist nur so eine Idee von mir.

ganz liebe Grüße
flower4O

Lüge, Täuschung, Selbsttäuschung, Enttäuschung
Esther2
LieberTee,

die genannten Methoden helfen nicht nur schwer traumatisierten Menschen, sondern auch bei den von dir genannten "Problemen". Denn es geht einfach darum, bewusste oder unbewusste Erinnerungen und Prägungen aufzuarbeiten, in einen Rahmen zu setzen, in dem sich der Betroffene damit wohl fühlt in dem Sinne, dass es als Erinnerung zwar nicht weg ist, aber dass der damit verbundene Stress weg ist.

Oft sind Erlebnisse aus der Kindheit, die aus Sicht eines Erwachsenen ganz harmlos scheinend, prägend für das spätere Leben, weil das Kind nicht die Möglichkeit hat, Erlebtes rational zu verarbeiten. Dadurch entstehen Glaubenssätze, die das ganze Leben bestimmen können, niemals bewusst werden und aus Warte des Erwachsenen weder sinnvoll noch hilfreich sind.

LG, Esther.

Lüge, Täuschung, Selbsttäuschung, Enttäuschung

flower4O ist offline
Beiträge: 3.930
Seit: 18.09.07


Find, die Beiden sind ein wunderbares Team.

Das Leben besteht aus vielfältigen Sichtweisen.
Und je nachdem, wie ich in der Lage bin, sie zu betrachten, ergeben sie
ihr Gesamtbild.

Da fällt mir der Mann mit dem Hammer ein. Vor kurzem hab ich die Kurz-
geschichte hier in der Internetquelle gelesen. Hab sie leider nirgendwo abgespeichert. Dieser Mann will sich von seinem Nachbarn einen Hammer borgen und ihm gegen die verschiedensten Gedanken durch den Kopf. Und schließlich sagt er dem Nachbar, daß dieser seinen Hammer behalten könne. Und dieser Nachbar wußte von gar nichts.
Evtl. kennst Du die Geschichte.


liebe Grüße
flower4O

Lüge, Täuschung, Selbsttäuschung, Enttäuschung

Oregano ist offline
Beiträge: 63.731
Seit: 10.01.04
Hier ist die Geschichte vom Mann mit dem Hammer:

http://www.symptome.ch/vbboard/staer...tml#post275162

Was ich mir dazu noch denke:
Der Mann ist wahrscheinlich eher unsicher und ängstlich im Umgang mit seinen Mitmenschen. Deshalb spielt er innerlich alle möglichen und unmöglichen Situationen durch statt einfach seine Frage zu stellen und zu schauen, was sich ergibt.
Sein Nachbar wird ihn aber als mindestens "seltsamen Kauz" oder auch aggressives A." erleben und nichts mehr mit ihm zu tun haben wollen. Was die Ängstlichkeit und Unsicherheit tief innen im Mann, der einen Hammer bräuchte, verstärkt.

Grüsse,
Oregano
__________________
They tried to bury us. They didn't know we were seeds.

Lüge, Täuschung, Selbsttäuschung, Enttäuschung
kopf
ich kenne ne wahre geschichte mit einem hammer ! alte bekannte , 80 jahre ,braucht hammer und fragt nachbarn . er hat keinen ,scheinbar . dame erwähnt ihre münzsammlung , der herr sammelt . plötzlich hammer da !

man sollte immer nett und freundlich sein und gut ,jawohl ! aber schmarotzern und kreaturen ala Darwinsche Lehre sollte man einfach ein brett vor den kopf hauen .das ist meine k(l)opfmethode ! denn !!! der stärkere überlebt !

LG

Lüge, Täuschung, Selbsttäuschung, Enttäuschung
LieberTee
Themenstarter
Zitat von Esther2 Beitrag anzeigen
LieberTee,

die genannten Methoden helfen nicht nur schwer traumatisierten Menschen, sondern auch bei den von dir genannten "Problemen". Denn es geht einfach darum, bewusste oder unbewusste Erinnerungen und Prägungen aufzuarbeiten, in einen Rahmen zu setzen, in dem sich der Betroffene damit wohl fühlt in dem Sinne, dass es als Erinnerung zwar nicht weg ist, aber dass der damit verbundene Stress weg ist.

Oft sind Erlebnisse aus der Kindheit, die aus Sicht eines Erwachsenen ganz harmlos scheinend, prägend für das spätere Leben, weil das Kind nicht die Möglichkeit hat, Erlebtes rational zu verarbeiten. Dadurch entstehen Glaubenssätze, die das ganze Leben bestimmen können, niemals bewusst werden und aus Warte des Erwachsenen weder sinnvoll noch hilfreich sind.

LG, Esther.
Liebe Esther,

danke, dass Du die Methode noch ein wenig mehr erläutert hast. Ich halte sie für hilfreich.

Etwas schwieriger ist es, sich neue "Muster" zu erarbeiten. Aber ich weiß natürlich, dass es funktionieren kann. Jeder (mutige) Schritt heraus aus dem alten "Netzwerk" ist ein Bausteinchen eines neuen Musters, dass irgendwann funktioniert. Das ist mir jetzt noch mal klarer geworden, durch das Schreiben hier.

Ich muss wohl mit mir selber etwas mehr Geduld haben. Was viele Jahre und Erfahrungen brauchte, um sich "einzugravieren", kann vielleicht nicht von heute auf morgen sich einfach in Luft auflösen. Ich muss mir die Zeit selber geben, andere, positive Erfahrungen zu machen und sie auch zu erwarten.

Die Angst vor der Angst stellt sich ja eher auf das ein, was schon bekannt ist. Ich hoffe zwar, dass ich nicht so extrem bin wie der Mann mit dem Hammer (nein, bin ich nicht ), aber eine Tendenz zur Vorsicht ist da, wenn es um enge Bindungen geht. Ganz normaler freundschaftlicher, kollegialer oder nachbarschaftlicher Kontakt, das kriege ich ohne Probleme hin, aber tiefere Bindungen eingehen, das geht nicht besonders gut. Und das kann man auch schlecht üben

Meinen Dank jedenfalls für Eure netten Tips, auch an Oregano und Kopf (wie gut, dass ich keine Münzsammlung habe). Flower40 (Es hat mich aufgemuntert, mal wieder eine Kinderstunde zu schauen Ein gutes Team, ja das sind die beiden)

Lieber Gruß
LieberTee

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flower4O ist offline
Beiträge: 3.930
Seit: 18.09.07
Hallo LieberTee

Über die eingeblendeten Zusammenhänge werd ich noch nachdenken.
Sind Gedanken und Gefühle oder
Gefühle und Gedanken
kontrollierbar?


Khalil Gibran:
... die untrennbaren Teile von Licht und Schatten .....

liebe Grüße
flower4O

Geändert von flower4O (10.09.12 um 23:59 Uhr)


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