Untersuchungspflicht hilft nicht gegen Kindesmisshandlung

26.04.07 14:07 #1
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chris ist offline
Beiträge: 624
Seit: 13.07.06
"Eine Untersuchungspflicht hilft nicht gegen Kindesmisshandlung"
Die Bundesregierung sieht die Jugendhilfe und die Gesundheitsämter in der Pflicht
BERLIN (HL). Die Bundesregierung lehnt weiterhin Forderungen des Bundesrates ab, Eltern gesetzlich zu verpflichten, dass ihre Kinder an Früherkennungsuntersuchungen teilnehmen. Eine solche Pflicht sei unverhältnismäßig und auch nicht wirksam.

Hintergrund der Debatte ist die schwere Vernachlässigung von Kindern, teilweise mit Todesfolge. Bundesrat und Bundesregierung seien sich einig, dass gefährdete Kinder und ihre Eltern möglichst frühzeitig identifiziert werden müssen. Dann könnten die Kinder- und Jugendhilfe und der öffentliche Gesundheitsdienst einschreiten.
...
Heftige Vorwürfe macht die Bundesregierung den zuständigen kommunalen Behörden: Denn die meisten Kinder, die in den letzten Monaten "auf tragische Weise schlimmsten Formen der Kindesvernachlässigung und -misshandlung ausgesetzt wurden", seien diesen Behörden "seit längerem bekannt" gewesen.
...
www.aerztezeitung.de/docs/2007/04/24/075a0601.asp?cat=
LG
Christian

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aude sapere!

Untersuchungspflicht hilft nicht gegen Kindesmisshandlung

Leòn ist offline
Beiträge: 10.064
Seit: 19.03.06
Hallo chris:

Heftige Vorwürfe macht die Bundesregierung den zuständigen kommunalen Behörden: Denn die meisten Kinder, die in den letzten Monaten "auf tragische Weise schlimmsten Formen der Kindesvernachlässigung und -misshandlung ausgesetzt wurden", seien diesen Behörden "seit längerem bekannt" gewesen.
Und genau deshalb wären andere gesetzliche Vorgaben notwendig. Wann immer ein Jugendamt (ASD - Allgemeiner Sozialer Dienst), dem Gericht eine Kindeswohlgefährdung meldet, entscheidet dies, so die Familie sich bereit erklärt, Sozialpädagogische Familienhilfe (oder ähnliches) anzunehmen, für einen Verbleib des Kindes in der Familie und oft genug auch für den Verbleib des Aufenthaltsbestimmungsrechtes bei den Elten.

Eine gesetzliche Untersuchungspflicht und eine entsprechende Meldepflicht der Ärzte, wäre aus meiner Sicht eine dringend notwendige Ergänzung.

Herzliche Grüße von
Leòn

Untersuchungspflicht hilft nicht gegen Kindesmisshandlung

Oregano ist offline
Beiträge: 63.714
Seit: 10.01.04
Selbst wenn durch entsprechend ausgerichtete Pflichtuntersuchungen nicht alle Fälle von Kindesmißhandlungen aufgedeckt würden - es würden bestimmt früher Kinder entdeckt, die mißhandelt werden.
Ich finde es bedenklich, daß hierüber überhaupt diskutiert wird und nicht die direkten Konsequenzen u.a. durch eine Pflichtuntersuchung gezogen werden.

Jedes Kind, das auf diese brutale und schreckliche Art stirbt, hätte so vielleicht geschützt werden können. Den Versuch wäre es auf jeden Fall wert!

Gruss,
Uta

Untersuchungspflicht hilft nicht gegen Kindesmisshandlung

Holon ist offline
Beiträge: 241
Seit: 04.04.07
das hauptproblem, ist aus meiner sicht, die unaufrichtigkeit der politiker die genau wissen müßten das die "fallmanager" z.t. hunderte familien betreuen sollen.

was seriös schier unmöglich ist.

dazu kommt noch das eine lämende dokumentationspflicht sie von ihrer eigtl. arbeit mit den menschen abgehält.

nicht falsch verstehen, klar muß es auch dokumentationen geben. aber wenn die arbeit zu 85% schon in schreibkram (der verlangt wird) besteht und dieses zahlenmäßig horrende mißverhältnisse zwischen betreuten und zubetreuenden besteht muß dieser bereich mit vielmehr geld ausgestattet werden!

oder man anerkennt die bereitschaft solche zustände hinzunemen.

dann ist es aber nichts weiter als der klassische "haltet den dieb" ruf wenn man dann auf die "fallmanager" einschlägt.
mir klingt übrigens diese neue berufsbezeichnug nicht schick (was sie wohl soll).
mir klingt sie nach dem was er heute real darstellt: nach elendsverwalter.
ich weiß das viele von denen hunderte von überstunden vor sich herschieben weil sie versuchen ihrem auftrag gerecht zu werden.
es mangelt in aller regel nicht an dem ernsten bemühen dieser leute.

gruß
andreas

Untersuchungspflicht hilft nicht gegen Kindesmisshandlung

phil ist offline
Beiträge: 1.702
Seit: 25.01.05
Ich denke, dass auch hier Gesetze längst an ihre Grenzen gestossen sind und ihre Untauglichkeit unter Beweis gestellt haben.
Allerdings ist ein Ende der Gesetzesflut nicht erkennbar und man glaubt offensichtlich immer noch daran, damit irgendwas regeln zu können.

Es geht nicht um Kindsmisshandlung im Speziellen - das Malaise ist ganz allgemein.

Wie oft hätte man einschreiten können, mal jemanden zur Ordnung rufen, zu ermahnen, zu anderem zu ermuntern und hat es nicht gemacht?
Das Attentat aufs Zuger Parlament vor einigen Jahren hatte seine Vorgeschichte: einem zugegebenermassen unangenehmen Zeitgenossen wurde nicht die Beachtung gegeben die er brauchte und man schob lieber Gesetze vor, hinter die man sich verstecken konnte. Und ein jeder gab die "heisse Kartoffel" weiter. Das Ende der Geschichte ist bekannt: der Mann stürmte schwer bewaffnet das Parlament - 11 Menschen starben.

Was ich meine, es fehlt an allen Ecken und Enden an Zivilcourage mal einzuschreiten. Es fehlt auch hier ganz einfach an gesundem Menschenverstand. Denn nicht nur die Behörden, auch Verwandte, Bekannte, Nachbarn usw. wussten oder hatten zumindest eine Ahnung davon was los war. Wenn's dann knallt, dann will keiner davon gewusst haben...

Na ja, ich denke das Ende der zivilen Gesellschaft nähert sich schneller als wir es uns vorstellen können. Und dann bleibt uns tatsächlich nur noch Zustände zu akzeptieren die uns höchst zuwider sind, denn wir haben's bis dahin nicht mehr geschafft uns zu wehren und für bessere Zustände einzutreten. So schaumer einfach mal weg, bzw. lesen wir ganz interessiert in der Zeitung.

Phil
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herzlichst aus Trollhalden!

Geändert von phil (30.04.07 um 01:33 Uhr)

Untersuchungspflicht hilft nicht gegen Kindesmisshandlung

Holon ist offline
Beiträge: 241
Seit: 04.04.07
alles richtig mit der untersuchungspflicht.
jedoch kann nur gemeldet werden was man weiß. das scheitert aber an der überlastung der sogenanten fallmanager.
um zu einer richtigen einschätzung zu kommen braucht es ja zeit und die zeit die ich dem einen fall zuwende fehlt heute automatisch an 5 anderen stellen.
man kann nicht ständig durch neue pflichten mehr aus einem system herraus pressen, das ohnehin schon von der selbstausbeutung seiner mitarbeiter lebt.

der weitere punkt ist das die behörden druck machen auf ihre mitarbeiter weil plätze fehlen an denen sie diese kinder unterbringen können. sie sollen schauen das es so "irgendwie" klappt.
mit einer untersuchungspflicht kommt man nur weiter wenn es auch möglich wäre sie duchzuführen und dann auch noch möglich wäre im gegebenen fall die maßnamen zu ergreiefen.
da aber auch hier geiz geil scheint wollen die behören vom elend lieber nichts wissen.
und wie gesagt, um das zu ändern muß geld in die handgenommen werden.

wir haben es , glaube ich, mit einer tendenziellen zersetzung in teilen der gesellschaft zu tun.
die hat sicher einige gründe. (beide eltern müßen arbeiten, tv für kinder rund um die uhr, arbeitslosigkeit z.t. in der 3. generation, vereinsamung, güter orientiertheit, emotionale verdummung usw)
um wirklich nachhaltig eine verbesserung zu haben braucht es auch einen wandel in der gesellschaft.

lieber gruß
andreas

Untersuchungspflicht hilft nicht gegen Kindesmisshandlung

Beat ist offline
Beiträge: 9.174
Seit: 14.01.04
Andreas in allen Punkten zustimme! Finde er hat es gut analysiert und auf den Punkt gebracht.
Kurzfristig bräuchte es Ressourcen/Geld und damit es nachhaltig wirkt braucht es auch einen wandel in der gesellschaft.
__________________
Liebe Grüsse
Beat

Wenn die Seele krank ist, auch am Körper arbeiten, umgekehrt gilt ebenso

Untersuchungspflicht hilft nicht gegen Kindesmisshandlung

Oregano ist offline
Beiträge: 63.714
Seit: 10.01.04
Also bleibt alles wie es ist und es geschieht gar nichts? Oder was schlagt Ihr denn an effektiven Maßnahmen vor?

Gruss,
Uta

Untersuchungspflicht hilft nicht gegen Kindesmisshandlung

RRichter ist offline
Beiträge: 1.312
Seit: 18.12.06
hallo!

wenn es üblich und auch bekannt wäre, daß die polizei nach einer schweren kindesmißhandlung (nicht nur mit todesfolge) untersuchungen in dem umfeld des kindes, bezüglich unterlasserner hilfeleistung eines schutzbedürftigen anstellen würde, und dann auch die demenstprechende personen (nachbarn, lehrer, hausmeister und selbstverständlich auch die noch enger mit dem kind in kontakt stehen) zur verantwortung gezogen werden , dann sehe es auch mit der zivilcourage etwas anders aus.

meiner meinung wäre es enorm wichtig in solchen fällen (gilt ebenso bei unfällen und sonstiger unterlassener hilfeleistung) viel umfangreicher zu ermitteln, alleine deshalb schon, da die bereitschaft einem in not geratenen menschen zu helfen (auch erste hilfe) in den letzten 20 jahren unglaublich gesunken ist.

ich hab vor kurzem ein experiment vom ADAC gesehen, wo ein extremer verkehrsunfall auf einer landstrasse simuliert wurde. zwei schauspieler lagen blutüberströmt und regungslos neben einem rauchenden unfallwagen . deutlich und für jeden autofahrer weithin sichtbar.
das ergebniss war schlichtweg erschreckend. nur jeder 8 autolenker hielt an, erste hilfe leistete von den anhaltetenden keiner, lediglich bestand die hilfe darin die einsatzkräfte zu informieren.
viele ähnliche experimente gab es ja bereits mit ohnmächtigen menschen die auf einer belebten strasse hilflos liegen genung. mit ähnlichem resultat.

wegschauen und nichts zu bemerken ist zu einem massenphänomen geworden, daß weder die politik noch die gesellschaft so hinnehmen sollte.

gesetze die dies unterbinden sollen gibt es ja schon lange, offensichtlich auch aus gutem grund. nur wenn sie nicht angewendet werden, es quasi als kavaliersdelikt gesehen wird und auch nicht von den behörden verfolgt wird, darf man sich nicht wundern, wenn in einer gesellschaft die sich am ego-tripp befindet, solche ergebnisse zum vorschein kommen.

in zeiten der kolektiven not (krieg, katastrophen und dergleichen) ist die hilfsbereitschaft ohnehin da, aber in langen friedenszeiten und im wohlstand nimmt diese rapide ab. hier muß der hebel angesetzt werden.
der gesellschaft muß dies in´s bewußtsein gerückt werden, und das kann nur mit geeigneten maßnahmen geschehen.

es muß wieder hingeschaut werden, und die täter müßen auch wissen das hingeschaut wird, das ist die beste prävention.

solange die "das was geht mich das an?" einstellung vorherrscht werden leider die schwächsten in unserer gesellschaft immer größeren mißhandlungen ausgesetzt sein.


traurig aber wahr!



grüße
richter

Untersuchungspflicht hilft nicht gegen Kindesmisshandlung

Beat ist offline
Beiträge: 9.174
Seit: 14.01.04
Hallo zusammen speziell Uta

Eine sehr praktische und herausfordernde Frage von Uta.
Abgeleitet heisst dies auch, was tun wir, konkret ich für einen wandel in der gesellschaft.?

Denke dabei ist folgendes von Richter zutreffend: wegschauen und nichts zu bemerken ist zu einem massenphänomen geworden,, anders gesagt, die Liebe erkaltet immer mehr, das auf sich selbstbezogene nimmt immer mehr zu. (Richter schrieb es treffend: wenn in einer gesellschaft die sich am ego-tripp befindet und "das was geht mich das an?" einstellung vorherrscht Dazu passt auch, dass viele ehrenamtliche Stellen immer weniger Menschen finden, die eine solche Arbeit übernehmen.

Aber wie "bringt" man Menschen dazu, dass die Liebe nicht erkaltet? Fürchte man kann sie kaum dazu "bringen", weil man die Menschen mit Informationen etc auch kaum dazu bringen kann, Ihr Weltbild/Philosophie/Religion zu ändern. (Betreffend Amalgan kennt man dies ja auch, die Infos dazu sind gross, geschehen deswegen tut kaum was.)
Einfach gesagt, Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst, wäre die Lösung, aber es muss einen emotionalen und logischen Grund geben dies zu tun (innerliche Einstellung, siehe auch Glaubensätze), dh es muss eine Basis dazu geben, aufgrund dessen dies getan werden kann.
Bsp: Mutter Theresa, die konnte in einem fremden Land wegen ihrer Basis dies tun, was Andere im gleichen Land wegen der fehlenden inneren Basis (Glaube und Beziehung) )nicht tun konnten oder sogar nicht tun wollten.

Jetzt war ich aber selber noch nicht so konkret. Also zu mir:
1. Versuche es zu leben, auch wenn es oft nur ein Versuch ist, aber manchmal doch auch kleine Früchte zeigt.
2. Kann mich immer auf meine Basis beziehen, die das Lieben Deinen Nächsten wie Dich selbst eigentlich ermöglichen sollte und zwar immer mehr.
3. Aktive Mitarbeit mit finanziellen unmd zeitlichen Opfern, damit es immer mehr Grundschulen gibt, welche diese Liebe etc fördern und weitergeben, damit immer mehr Kindern in so was ale erwachsene hineinwachsen können und so Licht und Salz in der Gesellschaft werden und auch dadurch eine entsprechende Transformation bei Menschen und in allen Bereichen stattfinden kann.

Was macht Ihr konkret dagegen?
__________________
Liebe Grüsse
Beat

Wenn die Seele krank ist, auch am Körper arbeiten, umgekehrt gilt ebenso


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