Untersuchungspflicht hilft nicht gegen Kindesmisshandlung

26.04.07 14:07 #1
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Untersuchungspflicht hilft nicht gegen Kindesmisshandlung

RRichter ist offline
Beiträge: 1.312
Seit: 18.12.06
nicht wegschauen!

und kommissar zufall kommt noch dazu.
gerade vor einer halben stunde, am nachhauseweg vom einkaufen, stand an einer sehr engen stelle vor einer stadtautobahnauffahrt ein pkw mit eingeschaltener warnbeleuchtung und offener motorhaube.

zwei autos vor mir umkurfte elegant eine POLIZEISTREIFE !!!! den liegengebliebenen wagen und der ihm nachfolgende ebenfalls. beide fuhren weiter. ich dachte ich sehe nicht richtig. die polizei blieb nicht stehen.

ich selbstverständlich, (wäre auch ohne diesen thread geschehen, bleibe immer stehen wenn ich zeit habe und frage ob ich helfen kann, war schon immer so und ist meiner meinung nach auch selbstverständlich und völlig normal) halte an, nach einer minute hing das fahrzeug am haken, und nach kurzem anschleppen lief er auch schon wieder.

dies hat mit dem eigentlichen thema hier nichts zu tun, verdeutlicht es aber wieder auf´s neue, das nicht mal einfachste hilfe selbstverständlich zu seien scheint.
hätte ich voraussehen können das die polizeistreife nicht anhält hätte ich mir die nummer gemerkt und sicherlich (aufgrund meines heutigen beitrages) in der zentrale angerufen und gefragt wie das möglich ist. damit habe ich aber nun überhaupt nicht gerechnet. im einsatz (blaulicht) haben sie sich nicht befunden.

ein zweites konkretes beispiel wie ich versuche nicht wegzusehen betreffen die bettlerbanden aus südosteuropa, die bei uns hier in der stadt an fast jeder ecke anzutreffen sind.
die häufigste masche ist die, daß sich frauen mit sehr kleinen kindern stundenlang auf die strasse setzen und betteln. in der kälteren jahreszeit kann das für ein ein- zweijähriges kind nicht ungefährlich sein.
als ich vor längerem dezidiert einen polizisten auf der strasse (hatte weit unter 0 grad) aufforderte sofort dagegen einzuschreiten, bekam ich als antwort: die gesetze lassen das nicht zu! er kann nichts dagegen tun.

seither versuche ich die menschen, wenn ich sehe jemand gibt geld, sie darüber aufzuklären, daß es sich hierbei um organisierte bettlerbanden handelt, und er mit seiner geldspende eigentlich das quälen dieser kinder fördert!

nach kurzer überraschung verstehen die allermeisten was ich meine und ich denke es hilft auch, denn die wenigsten werden nochmals geld geben. am meisten erstaunt sind sie darüber, daß es sich in den allermeisten fällen um sogenannte "mietkinder" handelt, die gegen ein kleines taschengeld einfach aus der näheren umgebung der heimatstadt dieser bettlerbanden für ein zwei wochen "gemietet" werden. diese kinder werden dann in wien als eigene ausgegeben um mit ihnen hier geld zu verdienen.



das ich bei unfällen und dergleichen hilfe leiste, ist für mich eine selbstverständlichkeit.
in der situation das ich direkten kindesmißbrauch bemerkt hätte war ich noch nie, aber ich würde keine sekunde zögern die geeigneten hilfsmaßnahmen zu ergreifen.


grüße
richter

p.S.: was auch sehr wirkungsvoll ist: wenn frauen mit den kleinkindern durch lokale ziehen um dort zu betteln, sage ich dem besitzer, das ich sein lokal nie wieder besuchen werde wenn er dies auch zukünftig zuläßt, das wirkt immer.

Untersuchungspflicht hilft nicht gegen Kindesmisshandlung

Oregano ist offline
Beiträge: 63.714
Seit: 10.01.04
Gestern lag auf einem Platz mit etlichen Geschäften ein Mann auf dem Boden. Um ihn herum lauter wohlmeinende Leute, die ihm im Lokal daneben Kissen holten, ihn fragten, ob er getrunken habe (er roch überhaupt nicht nach Alkohol). Einer rief die Sanis. Die kamen dann auch sehr schnell und nahmen den Mann mit.
Da haben wirklich viele aufgepasst (nicht gegafft).

Gruss,
Uta

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Leòn ist offline
Beiträge: 10.064
Seit: 19.03.06
Hallo Euch Allen,

dass die Durchführung von pflichtgemäßen Vorsorgeuntersuchungen noch nicht gesetzlich geregelt ist, ist zwar einerseits von der Sache her unbegreiflich, andererseits hat es nur einen einzigen Grund, dass sich die derzeitige Bundesregierung da ziert: die Kosten, insbesondere die eines effektiven Systems um die Durchführung nachzuhalten, dass heißt zu kontrollieren und gegebenenfalls auch zu sanktionieren.

Auf Zivilcourage hinzuweisen ist gut.

Andererseits hat insbesondere Holon auf ein gravierendes Problem hingedeutet: die gnadenlose Überforderung und an die Grenzen der Belast- und Verantwortbarkeit gehende Überanspruchung der sogenannten FallmanagerInnen. Und - Leute, ich weiß wovon ich da rede!

Das KJHG, das Anfang der neunziger Jahre in Kraft trat, hat meines Erachtens eine Reihe wesentlicher Entwicklungen bewirkt: die Weiterentwicklung der Jugendhilfe zu einem System von vielfachen Hilfemöglichkeiten (Stärkung der Familie hat Vorrang vor Fremdunterbringung) und multiprofessionellem Herangehen, sowie einer Neubetonung und Aufwertung der Freien Träger und eine Umverteilung der Aufgaben. Es erfolgte unter anderem auch eine Veränderung des Profils des Bezirkssozialarbeiters vom Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) hin zum bloßen Fallmanager.

Was fehlt, um diese alles in allem durchaus positiven Entwicklungen zu unterfüttern, ist ein vernünftiges Instrumentarium, ein gesellschaftlich verankertes und untereinander vernetztes System der Hilfen. Dazu gehört die gesetzlich verpflichtete Vorsorgeuntersuchung (siehe oben), ebenso wie eine umfassende medizinische Kontrolle über die Kindergärten und Schulen (kennt einer noch den Schulzahnarzt, die Augenkontrolle in der zweiten Klasse?). Eine sozialpolitische Stärkung der Sozialräume fehlt trotz vieler Bundes- und Landesprojekte immer noch. Es fehlt an umfassender sozialer Bildung. Dann müsste wieder viel mehr Geld in Aufklärung und Prävention fließen. An der Stelle wird dann auch wieder das Thema Selbst - Verantwortung und Zivilcourage relevant.

Es reicht, meiner Meinung nach nicht mehr aus, nur die (Selbst)Verantwortung des Einzelnen einzufordern.

Herzliche Grüße von

Leòn

Geändert von Leòn (30.04.07 um 22:11 Uhr)

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Holon ist offline
Beiträge: 241
Seit: 04.04.07
konkret ist natürlich die forderung nach besserer personeller und finanzieller ausstatung sowie der untersuchungspflicht.
konkret wäre auch ein sehrviel weiteres fortbildungsangebot für eltern und erzieher. (meine frau arbeitet in diesem bereich). und konkret ist sicher auch der versuch es in der eigenen familie so zu machen das soziale kompetenz gelebt und erlernt wird.
lieber gruß
andreas

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Beat ist offline
Beiträge: 9.174
Seit: 14.01.04
Hallo Andreas

Das war für mich nicht sehr konkret. Was Richter und andere schreiben war konkret.
Konkret wäre es zB wenn du eine Initiative für die bessere Aussatattung starten würdest, oder konkret aufzeigen wie Du soziale Kompetenz in Familie lebst bzw lernst.
__________________
Liebe Grüsse
Beat

Wenn die Seele krank ist, auch am Körper arbeiten, umgekehrt gilt ebenso

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phil ist offline
Beiträge: 1.702
Seit: 25.01.05
Natürlich kann einiges verbessert werden, am besten gleich im eigenen kleinen Kreis, in dem man es tut. Da nutzen Forderungen und Gesetze gar wenig, wenn die Einsicht und die daraus folgende Handlung fehlt. Denn die Frage nach der Ursache wird hiermit weder gestellt, noch werden die Ursachen benannt. Und sind diese bekannt, wer wäre denn schon wirklich bereit seine eigenes Leben so umzugestalten? Denn mit absoluter Sicherheit fiele manches davon weg, was uns inzwischen lieb und teuer ist, z.B. günstige T-Shirts bei H&M, die unter fragwürdigen Umständen in 3. Weltländern produziert werden (um nur ein Beispiel zu nennen).

Ist es aber nicht auch in diesem Fall leider so, dass wenn man keine Autounfälle mehr will, schlicht und einfach keine Autos mehr fahren dürfen?

Im Klartext: Keine Menschen = keine misshandelten Menschen, Tiere, Pflanzen, Planeten. Wenn wir also an die Wurzel des Übels gelangen wollen... tja! Am einfachsten ist es, wir sterben einfach mal aus.

Herzlichst - Phil
__________________
herzlichst aus Trollhalden!

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Oregano ist offline
Beiträge: 63.714
Seit: 10.01.04
Es läuft also weiter darauf hinaus, daß jeder vor seiner eigenen Tür kehren soll und der Staat gar nichts tut?
Die Möglichkeit, vor der eigenen Tür (und erst recht dahinter) zu kehren, ist immer schon gegeben, nur scheint sie nicht jeder zu nutzen. Im Gegenteil: hinter verschlossenen Türen werden Kinder zu Tode geprügelt, an die Wand geworfen, in Tiefkühltruhen gelagert. Kinder verhungern, werden einfach allein gelassen usw.
Also funktioniert die individuelle ebenso wie die nachbarliche Fürsorge nicht. Wer soll denn dann etwas für die betroffenen Kinder tun, wenn nicht letzten Endes der Staat mit Regeln bzw. Gesetzen?
Selbst wenn diese nicht 100%ig durchgeführt bzw. kontrolliert werden können mangels Geld und Kräften, ist das doch immerhin ein Weg in die richtige Richtung.
Wenn solche Gesetze eingeführt werden, heisst das ja nicht, daß nun keiner mehr hinschauen muss, was der Nachbar tut. Es ist eher andersherum: vielleicht schaut der Nachbar dann besser hin, weil er weiß, daß er eine Anlaufstelle hat, wo er sich mit seinen Beobachtungen hinwenden kann und wo er gehört wird?

Gruss,
Uta

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Holon ist offline
Beiträge: 241
Seit: 04.04.07
hi beat,
warum zeit mit kritik aneinander verschwenden.
hier ist doch nicht die olympiade der besseren besserwisser.
nebenbei, ich arbeite manchmal bis zu 88 wochenstd. im sozialen bereich. (suchtkranke) und im ernst da ist für mich meine familie eine wichtige stelle für die ich meine "restzeit" brauche und sie mich wohl auch.

allgemein:
die genannten maßnamen zur verbesserung der situation der kinder zu erweitern ist natürlich immer gut.
augen auf in bezug auf die nachbarschft gehört dazu. logo.
in meiner hab ich aber nix "vorzuweisen" . zum glück
und das geld (staatliches) u.a. auch gebraucht wird ist doch etwas das uns alle fordert.


lieber gruß
andreas

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Beat ist offline
Beiträge: 9.174
Seit: 14.01.04
Hallo

Es läuft also weiter darauf hinaus, daß jeder vor seiner eigenen Tür kehren soll und der Staat gar nichts tut?
Konkret und aktiv etwas zu tun kann auch heissen, eine Bewegung zu gründen, politische Vorstösse zu machen etc nicht "nur" vor und hinter der eigenen Türe kehren, dh auch aber nicht nur Auffälligkeiten melden (jeder Polizeiposten nimmt Kindsmisshandlunmgen entgegen9, Kontakt zu Opfern und potenziellen Tätern suchen etc etc.
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Liebe Grüsse
Beat

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Beat ist offline
Beiträge: 9.174
Seit: 14.01.04
Hallo Andreas

Mit der Auffoderung konkret zu werden ging es nicht um Wettbewerb, Kritik oder was auch immer. Es ging darum einerseits das Bewusstsein zu wecken, ob man selber nicht nur redet sondern auch handelt und andererseits das man gute Ideen und Verhalten Anderer sich selber aneignen könnte.

Du könntest vieleicht zB konkret berichten, wie Du mit Suchtkranken die ihre Kinder im Rausch misshandlen umgehst bzw was Du präventiv eventuell machst, oder wie Du Deine Restzeit konkret für das fördern oder leben der sozialen Kompetenz innerhalb Deiner Familie einsetzt.
Vieleicht kann ja hier jemand etwas lernen/aufnehmen von dem.
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Liebe Grüsse
Beat

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