Grenzen setzen, ohne zu verletzen

06.03.07 19:46 #1
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Grenzen setzen, ohne zu verletzen

Beat ist offline
Beiträge: 9.174
Seit: 14.01.04
Hallo Uta

In der Schweiz gibt es eigentlich den Lernplan. Aber in der Praxis ist es manchmal auch so wie Du es von D schreibst. Speziell das Problem bei grossem Anteil an Ausländerkinder kennt die Schweiz in gewissen bezirken in gewissen Städten auch. Und dies ist ein immer drängerndes Problem. In solchen Klassen wagt sich die Lehrerein oft nicht einmal mehr, zB Weihnachten zu feiern, weil man damit Probleme mit Eltern von enigen dieser Kinder bekommen könnte. Da sind wir wieder bei unserem westlichen immer weniger christlchen immer mehr wischiwaschi, alles darf nichts muss bzw falsche Toleranzkultur. Das hängt alles zusammen. "Hurra, wir kapitulieren" ist übrigens ein Buch, welches dies sehr gut beschreibt. Und es wird immer schlimmer, wenn wir nicht endlich unsere Naivität ablegen und einsichtig werden. Aber hast recht, wäre ein anderes Thema
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Liebe Grüsse
Beat

Wenn die Seele krank ist, auch am Körper arbeiten, umgekehrt gilt ebenso

Grenzen setzen, ohne zu verletzen

chiara ist offline
Beiträge: 259
Seit: 22.02.07
„Unser Sohn beschäftigt sich kaum alleine, ständig ‚hockt er uns auf der Pelle‘, unterbricht unsere Gespräche,“ erzählt ein Elternpaar, „Oder er macht irgendwelchen Unfug und macht etwas kaputt. Das nervt! Wir fühlen uns dann hilflos und werden auch manchmal wütend!“
Hallo León,

tatsächlich empfand ich diese Zeilen oben als sehr deprimieren, zeigt es mir doch, wie wenig manche Eltern ihre Kinder verstehen. Ich denke, es ist so, dass dieses Kind quasi nach Aufmerksamkeit schreit. Wir hatten mit unserer Tochter auch solch eine Phase - es war nach einer Phase als ich mal wieder im Kh war und ich mit manchen Dingen einfach überfordert war. Unsere Tochter war auch überfordert, denn sie mußte in der Zeit meines Krankenhausaufenthaltes mit mehreren Problemen fertig werden. 1. die Verlustangst, dass der Mama was passieren könnte (sie hat nämlich mitbekommen, dass ich mit dem Notarzt abgeholt wurde), 2. der andere Betreuungsstil von Menschen, die ihr nicht so nahe standen 3. viel weniger Aufmerksamkeit. So war es danach auch so, dass sie vor allem mir, ständig "auf der Pelle hockte", ich war sowohl körperlich, als auch geistig noch total geschwächt, sah die Problematik, war jedoch zunächst nicht im Stande was zu ändern. Eine Freundin mit der ich mich darüber unterhielt, machte mir den Vorschlag folgendes zu versuchen: Ich sollte am Tag nur 1 Stunde meine ganze Aufmerksamkeit unserer Tochter widmen und zwar ausschließlich, ohne Telefon, ohne Klingeln - ganz ohne Unterbrechung. Den Vorschlag fand ich gut und ich war zunächst überrascht, wie schwierig es manches Mal ist, nicht gestört zu werden ;-), was mich jedoch auch sehr überrascht hat war, dass unsere Tochter schon nach kürzester Zeit wieder das ausgeglichene Kind war, was sie vorher gewesen ist.

Ich habe mir danach auch recht viele Gedanken darüber gemacht, weil dies irgendwie ein Schlüsselerlebnis für mich war. So habe ich festgestellt, dass viele Eltern wohl viel Zeit mit ihren Kindern verbringen, jedoch oftmals keine halbe Stunde ihren Kindern die ungeteilte Aufmerksamkeit entgegenbringen können. Da klingelt dann das Handy, da kommt dann eine andere Mutter, ein anderes Kind, an der Tür wird geklingelt oder man muß noch dies und das erledigen. Seit dieser Zeit versuche ich unserer Tochter täglich ihre Stunde ungeteilte Aufmerksamkeit entgegen zu bringen und obwohl ich die Problematik kenne, gelingt es mir nicht immer. Eigentlich schade, aber manchmal wirklich nicht zu ändern. Umso wichtiger finde ich es, wenn in Kiga und Schule die Kinder die verhaltensauffällig sind, eine Extraportion Aufmerksamkeit bekommen würden. Leider werden dann jedoch solche Maßnahmen ergriffen, die die Kinder noch mehr ausgrenzen. Ein aktueller Fall: das Kind wurde ganz allein in die Mitte des Klassenzimmers gesetzt. Das Ende vom Lied - der Junge wurde noch auffälliger, hat noch mehr gestört.

Da ich mit verhaltensauffälligen Kindern arbeite und mit ihnen Yoga, Entspannung u. Meditation mache, konnte ich mir auch darüber ein paar Gedanken machen. Ich denke, dass diese Kinder noch mehr Aufmerksamkeit brauchen als die Mehrzahl der Kinder. Dies liegt jedoch daran, dass die Kinder sich selbst nicht richtig wahrnehmen können. Sie haben oftmals eine Blockade, die wie eine Mauer zwischen ihnen und der Umwelt steht. Das ist ein großes Problem und hier kann meiner Meinung nach, nur die Alternativangebote und eine Extraportion Aufmerksamkeit helfen. Ich kenne viele Kinder die mit Osteopathie u. Cranio Sacral Therapie sehr erfolgreich therapiert wurden. Auch Entspannungstechniken, Massagen, Meditation etc. können diesen Kindern weiterhelfen. Fakt ist allerdings, dass es immer mehr verhaltensauffällige Kinder gibt und dies sehe ich als Problem unserer Gesellschaft an. Die Gesellschaft ist immer schnelllebiger, man hat viel weniger Zeit füreinander, also auch für die Kinder, dank Handy ist man überall und allzeit erreichbar und viele Eltern haben nicht die Konfliktbereitschaft um sich mit ihren Kindern auseinander zu setzen und halt die für sie wichtigen Grenzen zu setzen.
Ich persönlich weiß auch nicht wie das alles weitergehen soll und ich mache mir schon heute Gedanken auf welche Schule unsere Tochter gehen soll. Die hiesige Grundschule hat zwar was das lerntechnische anbelangt einen sehr guten Ruf, jedoch habe ich zuvor noch niemals erlebt, dass in der Grundschule schon derart vielfältige Mobbingattacken von Kindern gestartet wurden, wie auf dieser Schule. Und wir leben ländlich und hier ist die Welt noch relativ in Ordnung. Da frage ich mich, wie es dann wohl in den Grundschulen der Städten aussieht...

LG Chiara

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Beat ist offline
Beiträge: 9.174
Seit: 14.01.04
Hallo zusammen

Chiara hat sichtiges geschrieben finde ich und einiges vorherige noch ergänzt. Möchte folgende Sachen festhalten:

1. Kinder werden oft verhaltensauffällig, um Aufmerksamkeit zu bekommen
Gründe.
- gemäss Chiara: weil sie wirklich zuwenig bekommen. Denke dies ist ein häufiger Grund. Ob dies jetzt täglich eine Stunde ganz alleine sein soll (bei 5 Kindern wird dies zB sehr schwierig) oder ob ein Teil auch zusammen mit anderen Kindern möglich ist, zB auch mit zusammen arbeiten etc bleibt mal vorbehalten
- gemäss Uta, weil das Kind meint es bekommen zuwenig Aufmerksamkeit, das Gefühl hat, alles muss sich um sich drehen, womit ein Verziehen des Kindes eintreten könnte, wenn man ihm nachgibt. Denke auch dies trifft auf einige Kinder zu. Denke, dass der erste Aspekt in unserer schnellen Zeit vieleixcht sogar der häufigere ist.

2. Chiara: Diese kinder können sich selber nicht richtig wahrnehmen.
enke das trifft auf viele zu (ADS bzw ADS-Zühe, oder andere Wahrnehmungsstörungen) aber nicht auf alle.
- Chiara: Brauchen eine Extraportion aufmerkssamkeit: Denke trifft zu wenn es wirklich Wahrnehmungsgestörte Kinder sind, ansonsten nicht.
- Chiara: Alternativangebote im psychologischen Bereich wie auch Cranio-Sacral können helfen. Denke das trifft zu, auch weil sie dadurch eben wieder mehr Aufmerksamkeit bekommen. Denke aber auch das gerade hier metabolische (Immunsystem, Stoffwechsel) Störngen dahinterstecken und diese biomedizinisch (SM-Ausleitung, Ernährung/Diäten, Vitalstoffe und Darmsanierungen) meist gut behandklet werden können. Diese Behandlung wäre erst noch ursächlicher und unterstützt psychologische Therapien alternative oder klassische sehr gut.
Dies meine Ergänzungen zu Utas und Chiaras und anderen Aussagen.

Noch was zu: jedoch habe ich zuvor noch niemals erlebt, dass in der Grundschule schon derart vielfältige Mobbingattacken von Kindern gestartet wurden, wie auf dieser Schule.
Und es wird immer schlimmer. Aber die wirklichen Gründe will man ja nicht angehen. Die Kinder bekommen keine Werte zuhause mehr mit und es wird ihnen auch kaum etwas davon vorgelebt. Den Kindern wird zu Hause keine Grenzen mehr gesetzt (wie auch Chiara das angetönt hat), oder noch schlechter, sie werden zwar gesetzt aber nicht durchgesetzt. Konsequenzen bleiben aus. Mit dem Verbot der Klapse wurde das Konsequenzensetzen noch erschwert und kaum jemand (Chiara ausgenommen) beschäftigt sich damit, wie und welche Konsequenzen man bei Überschreitung ergreift.
Den Lehrer wird die Autorität abgegraben, so dass die Eltern sich bei Schwierigkeiten sofort auf die Seite des kindes stellen. Die Lehrer gehen deswegen den Schwierigkeiten aus dem Weg, weshalb auch gegen Mobbing kaum was gemacht wird, weil sonst irgend ein Elternteil "schützend" vor das doch so gute und fehlerfreie Kind steht, "das es nicht so gemeint hat und nur die anderen ahben es dazu gebracht so zu sein" und so ähnlich.
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Liebe Grüsse
Beat

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Anne B.
Habe mal kurz in einer Abteilung für Jugendstrafsachen gearbeitet. Es waren teilweise richtig schlimme Wiederholungs-Straftaten, für die ein Erwachsener eine saftige Strafe kassiert hätte. Es werden von diesen Jugendlichen sogar Wetten abgeschlossen, wer was aufgebrummt bekommt und nach den Verhandlungen wird gefeiert und sich über uns Erwachsene schlapp gelacht. Die Jugendlichen kamen nicht immer aus schwierigen Verhältnissen, oft hatten sie sogar gutsituierte Eltern. Die saßen im Gerichtsaal oft im Hintergrund und haben ihre "lieben" Kinder natürlich immer wieder rausgeboxt, genauso wie die Jugendgerichtshilfe. Ein fataler Fehler. Oft habe ich gedacht, denen gehört mal so richtig eins "übergebraten". Ja, denen auch mal was auf die Nase zu geben, wäre nicht verkehrt, so wie sie es mit anderen hilflosen Menschen machen. Dann wissen sie, wie sich das anfühlt. Das ist das einzige, was da m. E. hilft. Angst vor Gewalt oder harter Konsequenz unterdrückt Gewalt. Sorry, sowas darf man eigentlich nicht laut sagen, aber das ist so.

Es gibt auch den sogenannten Opfertyp unter Kindern. Dem wurde oft moralapostolisch eingetrichtert: "Man haut nicht zurück!" Das macht es jedoch gewalttätigen Kindern leicht - und die gibt es nunmal! - Mitschüler, die sich aus Anstand nie wehren, auf das Schlimmste zu mobben.

Meine Kinder wurden nicht mit Gewalt und auch nicht zur Gewalt erzogen, aber sie wissen sich zu wehren. Allein die Haltung, bei einem Angriff genauso zurückkzuschlagen, schützt vor Angriffen. Das ist Fakt!

Ein Kind, das zum Beispiel seine Eltern oder Geschwister ständig haut, mal einen Klaps auf die Finger zu geben, führt m. E. nicht zu einem seelischen Schaden. Kenne etliche Kinder, die so erzogen wurden und sich trotzdem ganz normal zu selbstbewußten und friedlichen Menschen entwickelt haben.

Anne

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Leòn ist offline
Themenstarter Beiträge: 10.064
Seit: 19.03.06
Hallo ,

ich danke Euch allen für eure rege Teilnahme an diesem Thema!



Nun, es ist wohl klar, dass man mit Schlägen und Androhung von Strafen in gewisser Weise "Grenzen setzen" kann. Andererseit ist auch bekannt, dass Strafen immer nur temporäre Wirkungen auf das Verhalten haben. Fällt die Strafe - bzw. die Androhung weg, entfällt auch die Wirkung. Als Beispiel denke man an den Straßenverkehr.

aber genau das ist ja nicht das Thema hier, sonder die Frage, wie man auf andere Weise Grenzen setzen kann!

Hier ein Beispiel:

Aus dem Machtkampf aussteigen


Jemand berichtet:
„Ich sage zu meiner Tochter: Du musst sofort nach der Schule Deine Hausaufgaben machen! – Sie schreit mich an und sagt, sie mache ihre Hausaufgaben, wann sie es wolle! – So ein unmögliches Verhalten, was erlaubt sie sich? – Ich schreie zurück und bestehe darauf, dass sie die Aufgaben sofort macht. Trotzig geht sie in ihr Zimmer und knallt die Tür zu. Die Aufgaben macht sie jetzt nicht!“

So wie in diesem Beispiel ergeht es Eltern häufiger, aber auch ErzieherInnen und LehrerInnen, sowie anderen, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben: Es wird eine Forderung gestellt, die wird nicht erfüllt und … schon befindet man sich in einem Machtkampf. Dies kann bereits bei jüngeren Kindern geschehen (Beispiel: „Nein, ich räume mein Zimmer nicht auf!“), häufiger noch besteht die Möglichkeit für Erwachsene, in einen Machtkampf hineinzugeraten, wenn es um das Verhalten von Jugendlichen geht.

Wenn Kinder oder Jugendliche die Eltern in einen Machtkampf verwickeln wollen, sind sie darum bemüht, Überlegenheit zu beweisen. Kinder wie
Jugendliche wollen hier zeigen, dass sie „stärker“ sind.
Sie versuchen zu beweisen, dass sie nicht gezwungen werden können, etwas zu tun oder zu unterlassen. Oft gelingt es ihnen, dies zu erreichen, indem sie „ungehorsam“ sind, sich „widerspenstig“ zeigten Wutausbrüche bekommen oder trödeln. Oder das Kind provoziert durch unliebsame Verhaltensweisen, verhält sich rechthaberisch, legt Unordnung oder trotziges Verhalten an den Tag.
Es erweckt den Anschein, als glaube das Kind: „Ich habe nur dann eine Bedeutung, wenn ich das tue, was ich will!“
Der Erwachsene fühlt sich oft in seiner „Autorität“ bedroht und steigt in vielen Fällen in dieses „Angebot zum Machtkampf“ ein. Selten haben sie das Gefühl, dass sie den Machtkampf gewinnen. In den meisten Fällen bleibt das Kind „Sieger“ und erreicht, was es wollte: „Ich tue/ bekomme, was ich will!“.

Was ist zu tun?
Wichtig ist es,
• nicht in den Machtkampf einzusteigen, etwa mit Streitereien, Drohungen oder Strafen
und
• nicht von der Forderung zurückzugehen!
• Wenn Eltern merken, dass sie „überkochen“, können sie sich zurückziehen und Wege suchen, sich „abzukühlen“.
So kann man zum Beispiel die Forderung aufrecht erhalten, in dem man sie nochmals ruhig formuliert und dann – bis auf weiteres – etwas anderes tut..
• Kinder/ Jugendliche dürfen überlegen sein.
Es ist gut, wenn man ihnen die Gelegenheit bietet, ihre Überlegenheit konstruktiv einzusetzen: Beispiel: „Du sprichst besser Englisch als ich, übersetzt Du mir diesen Text bitte?“
• .In angespannten Situationen dem Kind/ Jugendlichen zuhören und - wenn es gelingt ruhig zu bleiben
• und in ruhigen Situationen nach gemeinsamen Kompromissen suchen
In der Machtkampfsituation geht es weniger um sachliche Inhalte. Aber Eltern können mit ihren Kindern in entspannteren Momenten nach praktischen Lösungen suchen und z.B. Regeln verändern, wie zum Beispiel:
„Die Hausaufgaben werden erst nach einer ausreichenden Erholungsphase gemacht!“, o. ä. .

Herzliche Grüße von

Leòn

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Oregano ist offline
Beiträge: 63.712
Seit: 10.01.04
Das erinnert mich doch wieder einmal an "Spiele der Erwachsenen" - ein Buch, das ich immer sehr geschätzt habe, wie die Transaktionsanalyse überhaupt.
Bücher von Amazon
ISBN: 3499613506


Auf der amazon-Seite dieses Buches werden noch andere Bücher aus der TA genannt, die durchaus lesenswert sind.

Gruss,
Uta

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chiara ist offline
Beiträge: 259
Seit: 22.02.07
Hallo Uta,

ich verstehe im Moment nicht so genau, was du mit deiner Buchempfehlung zu o. g. Thema sagen möchtest.

Du erkennst Dich selbst, wenn Du weißt was Du spielst. Das geistreiche Meisterwerk des Beziehungsanalytikers Eric Berne. Auf wissenschaftlich kompetente und amüsante Weise macht Eric Berne deutlich, wie das Erkennen der eigenen Ehe -, Party-, Sex-, Räuber-, Doktor- und Lebensspiele den Weg zu bewusster und konstruktiver Lebensführung ebnet.
Vielleicht hast du ja Lust es etwas genauer zu erläutern.

Gruß Chiara

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Leòn ist offline
Themenstarter Beiträge: 10.064
Seit: 19.03.06
Hallo Uta, hallo Chiara,

ja - der Verweis auf die Transaktionsanalyse hat etwas. Ich denke dabei auch an eher einfachere, handlungs- und kommunikationsorientierte Modelle a`la Watzlawick oder Schoenaker, es gibt auch ein Modell von Flanders usw. .

Entscheidend ist aber, so denke ich, dass man die ablaufenden Prozesse betrachtet, sie "analysiert" und gegebenenfalls in entsprechenden Schritten verändert.

Herzliche Grüße von

Leòn

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Beat ist offline
Beiträge: 9.174
Seit: 14.01.04
Hallo Zusammen

Möchte noch auf die Erfahrungen von Anne eingehen

Die Jugendlichen kamen nicht immer aus schwierigen Verhältnissen, oft hatten sie sogar gutsituierte Eltern. Die saßen im Gerichtsaal oft im Hintergrund und haben ihre "lieben" Kinder natürlich immer wieder rausgeboxt, genauso wie die Jugendgerichtshilfe. Ein fataler Fehler.
Das entscheidende ist doch das "immer wieder rausgeboxt". Die Kinder haben scheinbar auch früher nie oder zumindest nie harte Konsequenzen erfahren müssen. Dies ist der fatale Fehler. Als Kleinkind hätte ein Klaps genügt, wenn Kinder etwas grösser sind andere Konsequenzen. Jetzt ist ein Schlag zweifelhaft, von einem Elternteil sogar schlecht, es bringt es so nicht.
Wichtig wäre jetzt, das die Eltern diese Kinder voll reinlaufen lassen, damit sie einmal die Konsequenzen Ihres tun spüren. Gefängnis und Reinigung der öffentlichenn Tioiletten zB. Da sie so etwas nie als Kleinkind erfahren haben, wird es eben jetzt für die armen Kerle sehr schwierig. Anders gesagt, durch früher nicht austeilen von Konsequenzen/Klapse aus falschverstandener Liebe, hat man die Kerle in Ihr Unglück gehen lassen. Zugespitzt gesagt, der Nichtklaps war also ein Missbrauch, der sich jetzt zeigt.
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Liebe Grüsse
Beat

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Oregano ist offline
Beiträge: 63.712
Seit: 10.01.04
Nicht nur Kinder, auch Erwachsene spielen ihre Spiele miteinander. Und zwar täglich. In seinem 1962 erschienenen Klassiker zur Transaktionsanalyse "Spiele der Erwachsenen" analysiert der amerikanische Psychiater Eric Berne 36 dieser Spiele.

"Ein Spiel besteht aus einer fortlaufenden Folge von komplementär-Transaktionen, die zu einem ganz bestimmten, voraussagbaren Ergebnis führen. Es lässt sich auch beschreiben als eine periodisch wiederkehrende Folge sich häufig wiederholender Transaktionen, äußerlich scheinbar plausibel, dabei aber von verborgenen Motiven beherrscht" (67).

Die Spielanalyse versucht dem Spieler aufzuzeigen, welches Spiel er spielt und welche verdeckten Motive er damit verfolgt. Ein Beispiel ist das "Wenn du nicht wärst..."-Spiel, was häufig zwischen Eheleuten gespielt wird. Dieses besteht aus einen dominanten Mann und einer untergeordneten Frau. Der Mann verlangt, dass seine Frau abends zu Hause bleibt, um das Essen für ihn vorzubereiten. Die Frau beklagt sich zwar nach dem Motto "Wenn du nicht wärst, könnte ich jetzt ausgehen/mich ausruhen/telefonieren...", fügt sich aber dem Willen des Mannes. Zur Analyse dieses Spieles geht Berne davon aus, dass jeder Mensch aus drei Persönlichkeiten besteht: dem rationalen Erwachsenen-Ich, dem verspielten Kindheits-Ich sowie dem Eltern-Ich, welches für Routinehandlungen zuständig ist. Das gerade zitierte Gespräch findet auf der Ebene des Erwachsenen-Ich statt. Berne behauptet nun, dass der wahre Sinn dieser Transaktion auf de Ebene des Kindheits-Ich zu finden sei. Dort sagt der Ehemann nämlich: "Bleib zu Hause, weil ich Angst vor dem Alleinsein habe" und die Frau antwortet: "Natürlich bleibe ich! So muss ich mich nicht meinen Ängsten vor der Außenwelt stellen".

Es ist verblüffend, wie viele der von Berne dargestellten Spiele man in seinem Alltag beobachten kann. Zwar wirkt seine Unterteilung der menschlichen Persönlichkeitsstruktur in drei Ich-Sphären arg konstruiert und dogmatisch, was aber nichts daran ändert, dass vieles einfach zu stimmen scheint. Das menschliche Kommunikation von unbewussten, meist negativen oder gar bösartigen Motiven geleitet wird, mag auf den ersten Blick deprimierende wirken. Doch Berne weiß auch einen Ausweg aus diesem Teufelskreis: "Für einige glückliche Menschen gibt es nämlich etwas, das sie über alle systematischen Verhaltensweisen erhebt, und das ist die Bewusstheit" (297). Um die Spiel nicht zu spielen, muss man erst mal wissen, dass es diese Spiele überhaupt gibt. Ein erster Schritt dazu ist die Lektüre dieses Buches.
Amazon.de: Spiele der Erwachsenen. Psychologie der menschlichen Beziehungen.: Bücher: Eric Berne

Das ist die Buchbesprechung beim amazon, und ich finde, sie trifft es gut.

Kurz mit meinen Worten:
wenn mir klar wird, daß die "Kommunikation" zwischen Menschen, die miteinander umgehen, immer nach dem gleichen Muster ablaufen und deshalb völlig festgefahren sind, kann ich mir überlegen, warum das so ist, ob ich etwas daran ändern kann, wo die Veränderungen anfangen könnte.

In seinem Buch beschreibt Berne die verschiedenen Arten von Spielen und den möglichen Ausstieg aus ihnen.

Gruss,
Uta


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