Wie umgehen mit provokantem Verhalten von (Klein)Kindern?

24.06.09 19:36 #1
Neues Thema erstellen
Wie umgehen mit provokantem Verhalten von (Klein)Kindern?

Rudi Ratlos ist offline
Beiträge: 2.071
Seit: 01.02.08
Zitat von Beat Beitrag anzeigen
Die Stärke der Strafe, der kontext und am wichtigsten die Beziehung (und Absicht) zwischen dem Strafenden und Bestraften sind entscheidend, ob etwas eine Strafe ist, oder eben Folter.
Hallo Beat,
ich verstehe deine Aussage in etwa so: Würdest du also deine Kinder kalt duschen, wäre es eine gerechte Strafe, wenn es die Polizei macht, dann wäre es Folter? Denn du würdest deine Kinder ja nur duschen, bis ihr Widerstand gebrochen ist und ihnen danach sagen, dass du sie ja eigentlich ganz lieb hast. Die Polizei aber würde so lange duschen, bis der Widerstand gebrochen ist, danach aber nicht von Liebe reden. Na dann...

__________________
Gruß
Rudi

Medizinisches Dummi ich, gebe keinen Rat, schreibe allein von eigenem Elend.

Wie umgehen mit provokantem Verhalten von (Klein)Kindern?

Beat ist offline
Beiträge: 9.174
Seit: 14.01.04
Hallo Rudi

ich verstehe deine Aussage in etwa so: Würdest du also deine Kinder kalt duschen, wäre es eine gerechte Strafe, wenn es die Polizei macht, dann wäre es Folter?Denke gerecht ist ein grosses Wort, angemessen finde ich besser. Die Polizei hat so was sicher nicht zu tun. Wenn ich (habe eine gute beziehung zu meinen kindern) es tun würde, käme es erstrens auf das wie an und zweitens auf den Kontext, ob es angemessen ist oder nicht.

Denn du würdest deine Kinder ja nur duschen, bis ihr Widerstand gebrochen ist und ihnen danach sagen, dass du sie ja eigentlich ganz lieb hast
Nein nie. Erstens wissen sie das ich sie lieb habe und zweitens wäre die Strafe gegen eine sehr schlechte Tat die wenn möglic mitb dem Duschen einen Zusammenhang hat, gerichtet. Nicht gegen das Kind, weshalb es auch nicht ein Brechen ist.

Jede Strafe ist unangenehm bis hart, das ist ja auch deren Ziel. Eien Nichtbeachtung, ein böser Blick, ein weegschicken kann je nach Kind sehr hart bis negativ prägend sein. Eine Strafe die klar nicht gegen das Kind sondern gegen eine oder mehrere bewusst schlechte Taten gerichtet ist, hat kaum eine negative Prägung sofern deren Stärke natürlich eine gewisse Grenze nicht überschreitet.
__________________
Liebe Grüsse
Beat

Wenn die Seele krank ist, auch am Körper arbeiten, umgekehrt gilt ebenso

Wie umgehen mit provokantem Verhalten von (Klein)Kindern?

Maus7 ist offline
Beiträge: 318
Seit: 24.04.09
Wer sagt denn , dass Du den Kindern den Spass verdirbst, wenn Du ihnen etwas verbietest?

Wie umgehen mit provokantem Verhalten von (Klein)Kindern?

Laurina ist offline
Themenstarter Beiträge: 32
Seit: 24.06.09
Das waren gleich mehrere Fragen:
Ich lebe in Bayern, die beiden Freundinnen, die die kalte Dusche benutzen, kommen aber aus Hamburg bzw. dem Ruhrgebiet.
Die Beziehung zu den beiden Jungs (5 und 7) ist insgesamt schon liebevoll, aber eben eher streng. Die beiden schielen immer vorsichtig zu ihrer Mutter, wenn sie Unsinn gemacht haben und gehorchen immer sofort, wenn sie aufs Zimmer geschickt werden. Meine Freundin hat aber auch Tage, wo sie sagt, sie tanzen ihr auf der Nase herum. Wir sind Nachbarn, und sie scheuen sich auch nicht, bei uns zu klingeln und um Ruhe zu bitten, wenn unsere beiden mal mit Papa toben (20 Minuten, um 17.00 Uhr ...) und es dabei eben mal rumpelt. Bei ihnen gibt es so etwas scheinbar nicht. Ich bin dann immer unsicher, ob wir wirklich zu laut waren, oder ob sie zu empfindlich sind. (Rein rechtlich gilt ja Kinderlärm zu normalen Tageszeiten niemals als Ruhestörung, aber ich möchte mich natürlich trotzdem mit niemandem anlegen.) Der Große von den beiden hat schon so seine Probleme. Er ist sehr weinerlich und mag überhaupt nicht kuscheln, wurde auch ein Jahr mit der Einschulung zurückgestellt, weil er sozial noch nicht so weit war. Der Kleine war ein Schreikind und sehr anstrengend, hat Nahrungsmittelunverträglichkeiten ... Alles nicht so einfach, aber insgesamt habe ich schon das Gefühl, dass meine Freundin das Muttersein ernst nimmt und auch versucht, liebevoll zu sein. Aber beiden Eltern ist sehr wichtig, dass die Kinder gehorchen und sich immer anständig benehmen. Mir ist das auch wichtig, aber ich bin eben teilweise unsicher, mit welchen "Methoden" man das erreicht, ohne den Kindern das Kindsein zu nehmen ...

Wie umgehen mit provokantem Verhalten von (Klein)Kindern?

Laurina ist offline
Themenstarter Beiträge: 32
Seit: 24.06.09
Hallo Maus7,
ich denke, die Kinder empfinden das so, oder? Wenn sie auf der Couch hüpfen und ich das verbiete, verderbe ich ihnen doch den Spaß? Ebenso, wenn sie im Bad wie die Wilden spritzen oder draußen in fremden Gärten Blumen pflücken, oder Kucheteig roh essen oder mit Knete im Wohnzimmer herumwerfen :-) Das macht ihnen alles Spaß, und ich verstehe das ja auch (war ja selbst auch mal ein Kind!), aber ich muss es eben meist verbieten.

Wie umgehen mit provokantem Verhalten von (Klein)Kindern?

Beat ist offline
Beiträge: 9.174
Seit: 14.01.04
Hallo Laurina

Denke jetzt gibt sich ein einigermassen umfassenderes bild.

Denke die Probleme liegen bei diesen beiden Punkten:
- und es dabei eben mal rumpelt. Bei ihnen gibt es so etwas scheinbar nicht.
Kinder brauchen das, speziell Knaben und Kinder wie die beschriebenen noch mehr!! Da staut sich was an, dass da irgendwie raus muss

- Der Große von den beiden hat schon so seine Probleme. Er ist sehr weinerlich und mag überhaupt nicht kuscheln, wurde auch ein Jahr mit der Einschulung zurückgestellt, weil er sozial noch nicht so weit war. Der Kleine war ein Schreikind und sehr anstrengend, hat Nahrungsmittelunverträglichkeiten ...
Der erste könnte sogar autistische Züge haben. Es wäre gut wenn die Mutter das wissen würde und gleich auch, dass an etwas dagegen machen kann. Der Kleine kann Richtung ADS gehen.
Denke die Mutter hat es sehr schwierig mit solchen kindern und macht es meines Erachtens recht gut. Über Einzelfälle kann man immer streiten, aber finde es nicht angebracht, diese hoch zu stilisieren. Die Strukturen inkl den Regeln sind bei solchen Kindern wichtig, ohne dies wäre es meines Erachtens viel schlimmer.

Wenn ich den Eltern Tips geben würde dann Folgende:
1. Dem Herumtollen mehr Raum geben, speziell dem kind mit sozailen Störungen. Das tollen zB mit vater ist eine der wenigen Möglichkeiten damit dieses Kind Körperkontakt bekommt, welches das Kind nicht stört.
2. Die Kinder biomedizinisch Abklären und behandlen lassen!!! Dies gilt unabhängig der "Diagnosen".
3. Den Eltern sagen, dass Ihre Kinder mehr Mühe haben richtig zu reagieren etc. Deshalb sollen sie sich nicht hinterfragen, wenn es manchmal Mühsam ist. Aber sie sollten Wissen das man eben was dagegen machen kann, siehe Punkt 2.

Laurina, zu Deinen Kindern:
Du musst die grenzen für Deine Kinder dort setzen wo Du es für richtig hälst. Dabei natürlich achten was Deines Erachtens auch im fremden Umfeld tolerierbar wäre, denn wenn sie es zu hause nicht geübt haben, werden sie es sonst kaum können.
So oder so diese grenzen können weniger eng sein, oder auch anders.
Wichtig ist aber, das Du da konsequent bist und dem Kind herüberbringst, dass Du nichts gegen ihn hast sondern ihn liebst, aber gegen das was es getan etc hat, also Trennung der Tat von der Person und es Konsequenzen wegen der bewussten Tat tragen muss. Dabei nicht vergessen, dass Lob und Ermutigung immer mehr gegeben werden soll, als Kritik und Konsequenzen.

Noch was: wenn etwas verboten werden muss,, dann gib den Kindern wenn möglich eine Alternative, oder ermuntere sie dazu.
Ausserdem erläutere Dein Verbot (wieso etc)
__________________
Liebe Grüsse
Beat

Wenn die Seele krank ist, auch am Körper arbeiten, umgekehrt gilt ebenso

Geändert von Beat (30.06.09 um 11:08 Uhr)

Wie umgehen mit provokantem Verhalten von (Klein)Kindern?

Laurina ist offline
Themenstarter Beiträge: 32
Seit: 24.06.09
Danke für deine Ratschläge, Beat! Das mit den Alternativen ist eine gute Idee, das hatte ich fast aus den Augen verloren. Werde mal darüber nachdenken, wie ich das am besten umsetzen kann.

Wie umgehen mit provokantem Verhalten von (Klein)Kindern?

Marie ist offline
Beiträge: 462
Seit: 18.05.09
Zitat von Laurina Beitrag anzeigen
Aber beiden Eltern ist sehr wichtig, dass die Kinder gehorchen und sich immer anständig benehmen.
.....sich immer anständig benehmen.......Was ist das???
Kinder darauf zu drillen, ist krankhaft. Irgendwie wundert es mich nicht, dass der Junge soziale Schwierigkeiten hat, muss er (und seine Schwester) wohl immer befürchten, dass die knallharte Strafe auf dem Fuße folgt.
Da geht mir echt das Messer in der Tasche auf.

Laurina, hast du in den Link von Uma reingeschaut?
Trotz: Wenn kleine Kinder ihre Eltern schlagen - Erziehung - Eltern.de
Den finde ich gut und erklärend. Und ein Frage noch: Würdest du dich als schüchtern bezeichnen?

Liebe Grüße

Marie

Wie umgehen mit provokantem Verhalten von (Klein)Kindern?

Yazz ist offline
Beiträge: 307
Seit: 01.10.06
Zitat von Laurina Beitrag anzeigen
Hallo Yazz,
die Kinder hauen oder boxen nur dann auf mich ein, wenn ich gerade etwas nicht erlaubt habe. Ich kann dann richtig spüren, wie sich in ihnen das Gefühl von Ohnmacht ("Mama verdirbt mir den Spaß und ich kann nichts dagegen tun") in Aggression umwandelt. Gerade die Kleine sagt dann auch oft "Blöde Mama!" Ich denke, all das ist nachvollziehbar ... aber Aggressionen muss man eben kontrollieren lernen. (Das gilt auch dann, wenn sie sich gegenseitig schlagen. Heute hat die Kleine aus Versehen die Autos des Großen durcheinandergebracht, und sofort hat er wieder zugeschlagen und gebrüllt ...)
Hi Laurina,

da scheinst Du ja mindestens einen "Energiebolzen" daheim zu haben, der relativ deutlich seine Grenzen definiert und durchsetzt.

Wenn mich ein Kind schlägt, was in meiner Arbeit häufiger vorkommt, dann verläuft dies immer auf gleiche Art und Weise. Eine Grenzsetzung, Aufforderung zur Verhaltensänderung, Frustration usw. führt zum Ausbrauch und zT. auch zum körperlichen Übergriff. Beim ersten Mal kann es sein, dass ich nur sehr laut werde und zB. kurzzeitig das Kind ins Zimmer schicke, deutlich mache, dass ich solch ein Verhalten nicht dulde, mich so etwas auch verletzt.

Wiederholt sich dies, reagiere ich allerdings schon deutlich heftiger. Dann packe ich ein Kind auch schon mal und bringe es zB ins Zimmer, um es dort festzuhalten. Und dies tue ich solange wie ich das Gefühl habe, dass das Kind sich nicht beruhigt hat. Auch mache ich klar, dass "hier" nicht geschlagen wird, dass ich als Erwachsener sehr wohl meine Kraft auszunutzen vermag aber niemals auf die Idee käme ihn oder sie zu schlagen. Einfach halten. Das bewirkt in den allermeisten Fällen schon relativ viel.

Manchmal kann es auch angebracht sein, dass Kind einfach mal einige Tage zB. in sovielen Situationen wie möglich an die Hand zu nehmen. Das mache ich manchmal um zu zeigen, dass ein bestimmtes Verhalten eher zu viel jüngeren Kindern passt und ich den- oder diejenige dann eben auch wie ein viel jüngeres Kind behandle. Inkl. früher ins Bett gehen, Mittagsschlaf usw.

Mir ist bewusst, dass der Umgang mit eigenen Kindern ein anderer sein mag, als mit jenen die ich betreue und begleite. Und dennoch glaube ich , dass einige wenige Reaktionen bei allen Kindern und Altersstufen durchaus angebracht sind.

Und ganz persönlich würde ich sagen, dass Du Dir tatsächlich keinerlei "Übergriff" gefallen lassen solltest. Ausser, Du fühlst Dich dabei tatsächlich nicht schlecht, bzw. verletzt, verunsichert usw. Dann gibt es auch keinen Grund zu handeln. Aber falls doch - zuhause anfangen und absolut 100%ig konsequent sein. Wenn die Kinder wissen, dass ein entsprechende Reaktion folgen wird, überlegen sie sich ein bestimmtes Verhalten später mind. 3x.

Was glaube ich wirklich hilfreich sein könnte - mit den Kindern Regeln besprechen, festlegen und eigene - die du ganz allein festlegst, nieder schreiben, illustrieren (Bilder), aufhängen, regelmässig überprüfen. Vlt. in einer kleinen Familiensitzung. Welche Regeln wollen wir, was wollen wir das andere gar nicht tun, welche Regeln sind nicht sinnvoll, welche dagegen sind es, welche Regeln werden von wem und warum fest- gelegt...

Mit vielen Grüssen

Wie umgehen mit provokantem Verhalten von (Klein)Kindern?

Beat ist offline
Beiträge: 9.174
Seit: 14.01.04
Hallo mariekristin

Drillen ist Deine Interpretation aufgrund eines einfachen Satzes.
Die sozialen Schwierigkeiten des EINEN Jungen den Eltern anzulasten ist allerhand. Finde so eine Verurteilung der Eltern aufgrund sehr ebschränkten Daten schlicht daneben.
Errinnert mich an die sogenannten Kühlschrankmüttern, Frazuen die man so bezeichnete, weil Ihre kinder austistisch waren. Diese unfaire Herabsetzung hat viel Leid provoziert und das muss sich bitte nicht nochmals wiederholen.

Da geht mir echt das Messer in der Tasche auf.
Ja mir auch, bei einer solchen Vorverurteilung aufgrund äusserst beschränkter Kenntnis.
Ich bitte Dich solche Vorverurteilungen zu unterlassen.
__________________
Liebe Grüsse
Beat

Wenn die Seele krank ist, auch am Körper arbeiten, umgekehrt gilt ebenso


Optionen Suchen


Themenübersicht