Wie kann Kommunikation "gelingen"?

28.03.09 09:48 #1
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Leòn ist offline
Beiträge: 10.064
Seit: 19.03.06
Hallo, einen Gruß an Alle;

Kommunikation - auch, aber nicht nur in Familien - ist oft ein Thema, das, wie ich finde, gar nicht so leicht ist und einige "Fallen" beinhalten kann. Dies war in diesem Forum schon öfter mal Thema; zum Beispiel auch hier http://www.symptome.ch/vbboard/humor...ikatzjohn.html

Hier geht es mir darum, mal zu sammeln, was hilfreich sein kann bei der gegenseitigen Verständigung und was weniger. Vielleicht auch darum, wie man "Problembereiche umschiffen" kann.

Herzliche Grüße von
Leòn
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Wie kann Kommunikation "gelingen"?

Leòn ist offline
Themenstarter Beiträge: 10.064
Seit: 19.03.06
So, dann fange ich mal an;

ich persönlich finde es zum Beispiel schwierig, mit "dunklen" Andeutungen umzugehen, wenn dann nicht klar zur Sprache gebracht wird, was eigentlich gemeint ist. Redensartlich sagt man auch "Erst gackern und dann nicht legen!"
Also, vor allem wenn die Vermutung nahe liegt, dass ich "gemeint" bin und von mir eine Veränderung von Verhaltensweisen gewünscht wird. - Ich finde in solchen Fällen eine klare Aussage, wie "Ich habe Probleme mit .... und würde mich freuen, wenn Du das so und so machst!" für mich hilfreicher.

Herzliche Grüße von
Leòn
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Wie kann Kommunikation "gelingen"?

Hexe ist offline
Beiträge: 3.844
Seit: 13.07.07
Hallo Leòn,

ich meine auch dass bei einer guten Verständigung Offenheit und Ehrlichkeit ganz wichtige Punkte sind.
Nur wenn man mit offenen Karten spielt und nichts zurückhält, wenn man genau das auch ausspricht was man meint, dann ist es möglich dass der andere uns auch versteht.

Mindestens ebenso wichtig ist für mich aber auch wie man etwas äussert.
Verletzt man beim Reden die Gefühle des anderen, ist es schwierig bis unmöglich offene Ohren bei demjenigen zu finden. Er macht dicht, hört nicht mehr richtig zu.
Unbeabsichtigt geschieht das sowieso immer wieder. Darum ist es meiner Meinung nach sinnvoll wenigstens so aufmerksam wie möglich zu sein, was die Wortwahl betrifft. Dann geht nicht ganz soviel daneben.

liebe Grüße von hexe

Wie kann Kommunikation "gelingen"?

Juliette ist offline
Beiträge: 4.666
Seit: 23.04.06
Hallo Leòn,

ich kann mir schon vorstellen was du meinst. Wenn jemand etwas sagt, ohne klare Ansage, wen oder was er meint, dann kann das auch eine gewisse Absicht beinhalten.

1. Entweder er traut sich nicht
2. Er möchte nicht direkt verletzen, sondern nur zum Nachdenken anregen
3. Oder er möchte eine ganze Horde Menschen dazu bringen, das sie sich Gedanken machen
4. Man hat sich über das was man da nur angedeutet hat, keine klaren Gedanken gemacht und auch überhaupt nicht über die Wirkung nachgedacht.

Wenn es eine nahestehende Person ist, möchte man natürlich Klarheit haben.
Dann geht man auf die Person zu und macht ihr den eigenen Standpunkt klar.

Ist es aber jemand Fremdes, dann kann man auch einfach in Frieden (Liebe) loslassen.
Vieles klärt sich dann von selbst. Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn ich im inneren etwas geklärt habe, dann hat sich das auch im Außen manifestiert.

Grüsse von Juliette

Wie kann Kommunikation "gelingen"?

Oregano ist offline
Beiträge: 63.707
Seit: 10.01.04
Ich finde, daß Kommunikation vor allem dann gelingen kann, wenn die Gesprächspartner dafür bereit sind, dem/den anderen zuzuhören, sich in ihre Argumente einzudenken und nicht von vornherein in Abwehrstellung gehen.
Wenn diese Haltung nicht da ist, handelt es sich meiner Meinung nach nicht um den Versuch von Kommunikation sondern um ein "Sich-Produzieren" von einem Podest aus, um das man von vornherein eine Art Stacheldraht gemacht hat, damit die anderen gleich gar nicht auf die Idee kommen, dorthin zu kommen.

Dann sollte man dem "Sich-Produzierer" sein Podest lassen; möge er sich da wohl fühlen. Irgendwer wird schon kommen ,um ihn dort zu verehren...

Auch das erinnert mich wieder an die Geschichte von Michael Ende "Norbert Nackendick".

Grüsse,
Uta

Wie kann Kommunikation "gelingen"?

Leòn ist offline
Themenstarter Beiträge: 10.064
Seit: 19.03.06
Hallo Hexe,

ich danke Dir sehr für Deine Antwort!

Zitat von Hexe Beitrag anzeigen
......
Mindestens ebenso wichtig ist für mich aber auch wie man etwas äussert.
Verletzt man beim Reden die Gefühle des anderen, ist es schwierig bis unmöglich offene Ohren bei demjenigen zu finden. Er macht dicht, hört nicht mehr richtig zu.
Unbeabsichtigt geschieht das sowieso immer wieder. Darum ist es meiner Meinung nach sinnvoll wenigstens so aufmerksam wie möglich zu sein, was die Wortwahl betrifft. Dann geht nicht ganz soviel daneben.

liebe Grüße von hexe
ich sehe das genauso. Was hältst Du in diesem Zusammenhang von "Ich-Botschaften"?

Eine I-Bo setzt sich aus drei bzw. vier Teilen zusammen:
– Ich
– Gefühl oder Gedanken des Sprechers
– Beschreibung des Verhaltens der angesprochenen Person
(–) Konsequenzen aus dem Verhalten auf den Sprecher
z.B.: Ich bin wütend, wenn du deine Kleider im Wohnzimmer verstreust,
(1) (2) (3)
weil ich sie dann aufräumen muß.
(4)
oder: Ich freue mich, daß du heute pünktlich nach Hause kommst,
(1) (2) (3)
weil ich mir dann keine Sorgen zu machen brauche.
(4)


(Mehr zum Thema befindet sich im Anhang).

Einen schönen Sonntag wünscht
Leòn
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Leòn ist offline
Themenstarter Beiträge: 10.064
Seit: 19.03.06
Hallo Juliette,

habe vielen Dank für Deine Antwort!
ich kann mir schon vorstellen was du meinst. Wenn jemand etwas sagt, ohne klare Ansage, wen oder was er meint, dann kann das auch eine gewisse Absicht beinhalten.

1. Entweder er traut sich nicht
2. Er möchte nicht direkt verletzen, sondern nur zum Nachdenken anregen
3. Oder er möchte eine ganze Horde Menschen dazu bringen, das sie sich Gedanken machen
4. Man hat sich über das was man da nur angedeutet hat, keine klaren Gedanken gemacht und auch überhaupt nicht über die Wirkung nachgedacht.

Wenn es eine nahestehende Person ist, möchte man natürlich Klarheit haben.
Dann geht man auf die Person zu und macht ihr den eigenen Standpunkt klar.
könnte da gegebenenfalls das "aktive Zuhören" hilfreich sein?

Ich nehme dazu mal das Beispiel aus dem Artikel, im ersten Posting:

Hilfreich kann es sein, mit eigenen Worten zu formulieren, was gehört – oder genauer gesagt, was verstanden wurde.
Dazu gehört, daß man versucht, zu entschlüsseln, was der andere meint. Man fühlt sich in die andere Person, z.B. sein Kind, ein. Mit eigenen Worten wird zurückgegeben, was man wahrgenommen hat. Dies wird auch als „Aktives Zuhören“ bezeichnet.
Ein Beispiel: Der oben erwähnte Vierzehnjährige kommt aus der Schule zurück. Er sieht angespannt aus und spricht beim Essen kein Wort. Nachdem der Vater von seinem Vormittag erzählt hat, sagt der Junge: „Ich habe eine fünf in der Mathematik – Arbeit bekommen“. Der Vater stellt sich auf seinen Sohn ein und sagt: „Du ärgerst Dich über Deinen Lehrer!“. Sein Sohn antwortet: „Nein!“.
Der Vater: „Du hast Angst, daß Du die Versetzung nicht schaffst!“
Der Sohn antwortet: “Ja!“.
Wenn es um ein Thema auf der Sachebene geht, kann ich mir ein ähnliches Verhalten vorstellen, vielleicht kombiniert mit einer Ich - Botschaft: "Icvh habe Dich ...soundso verstanden..., meintest Du das so?"

Ist es aber jemand Fremdes, dann kann man auch einfach in Frieden (Liebe) loslassen.
Vieles klärt sich dann von selbst. Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn ich im inneren etwas geklärt habe, dann hat sich das auch im Außen manifestiert.
Ah, ich denke, ich verstehe: es kommt also auf die Beziehung an. Meinst Du mit "fremd" jemanden, mit dem man nicht dauernd zu tun hat? Was würde das zum Beispiel im Zusammenhang mit KollegInnen, am Arbeitsplatz bedeuten?

Nochmals vielen Dank für die Antwort,
herzliche Grüße und einen schönen sonnigen Sonntag wünscht
Leòn
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Leòn ist offline
Themenstarter Beiträge: 10.064
Seit: 19.03.06
Hallo Uta,

auch Dir ganz vielen Dank für Deine Antwort.

Zitat von Uta Beitrag anzeigen
Ich finde, daß Kommunikation vor allem dann gelingen kann, wenn die Gesprächspartner dafür bereit sind, dem/den anderen zuzuhören, sich in ihre Argumente einzudenken und nicht von vornherein in Abwehrstellung gehen.
Wenn diese Haltung nicht da ist, handelt es sich meiner Meinung nach nicht um den Versuch von Kommunikation sondern um ein "Sich-Produzieren" von einem Podest aus, um das man von vornherein eine Art Stacheldraht gemacht hat, damit die anderen gleich gar nicht auf die Idee kommen, dorthin zu kommen.

Dann sollte man dem "Sich-Produzierer" sein Podest lassen; möge er sich da wohl fühlen. Irgendwer wird schon kommen ,um ihn dort zu verehren...

Auch das erinnert mich wieder an die Geschichte von Michael Ende "Norbert Nackendick".

Grüsse,
Uta
demnach ist es auch eine Frage der Absicht der Kommunikation. Zum Beispiel, ob ich mich wirklich auseinander setzen, oder nur meine Meinung verkünden will.
Ich denke, dann spielt zusätzlich noch die Beziehung eine deutliche Rolle. Findet die Kommunikation auf "Augenhöhe" statt oder ist da ein "Gefälle".

Ich denke, dass man auch in solchen Situationen durch "Metakommunikation" (Wie reden wir miteinander? - Was willst Du damit sagen?) weiterkommen kann.

Herzliche Grüße und einen schönen Sonntag wünscht
Leòn
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Dateityp: doc Wahrnehmungsfilter in der Übersicht.doc (35,0 KB, 0x aufgerufen)
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Geändert von Leòn (29.03.09 um 10:40 Uhr)

Wie kann Kommunikation "gelingen"?

Oregano ist offline
Beiträge: 63.707
Seit: 10.01.04
Kommunikation beinhaltet u.a., daß die Menschen die gleiche Sprache sprechen: erst einmal die Sprache, in der gesprochen wird. Aber genauso wichtig ist, daß die Sprache des einen für den anderen verständlich ist.
Gelingt das nicht - z.B. durch Rückfragen, durch Klarstellen ohne Ungeduld und Wertung usw. - , ist die Kommunikation nicht gelungen.

Es gibt solche "Stammtischtypen", die immer schlagwortartige Konversationen führen: alle Politiker der anderen Partei sind schlecht, die Menschheit an sich ist schlecht, die Gesellschaft ...... Wenn die anderen dann nicken und einstimmen, haben sie zwar alle die gleiche Sprache, aber trotzdem findet keine wirkliche Kommunikation statt, weil das kein Austausch von Meinungen ist sondern nur eine jeweilige Bestätigung der eigenen Meinung.

Gruss,
Uta

Wie kann Kommunikation "gelingen"?

Hexe ist offline
Beiträge: 3.844
Seit: 13.07.07
Hallo Leòn,

Zu "Ich-Botschaften" habe ich ein zwiespältiges Verhältnis.

Klug und richtig angewandt sind sie schon hilfreich. Es ist immer besser zu sagen: es macht mich traurig wenn.....
als zu sagen: immer bist du so......

Es gibt aber Menschen die mögen diese Art der Kommunikation nicht. Vor ein paar Jahren fragt mich mal jemand ob ich denn immerzu nur an mich denken würde, als ich "ich-Botschaften" benutzte. Möglicherweise war ich aber auch noch nicht geübt darin und habe sie ein wenig falsch angewendet.

Immer gut dagegen finde ich das aktive Zuhören. Allerdings auch nur dann wenn es nicht zur bloßen Technik wird, denn das ist vom anderen zu spüren. Richtig zuhören kann man nur wenn man sich wirklich dafür interessiert was der andere denkt und fühlt, was er zu sagen hat. Und wenn man seine eigenen Ideen, Entwürfe, Tips, Meinungen usw solange beiseite legt.

Eigentlich ist es aber doch gar nicht so schwer oder kompliziert. Sobald man sich auf den anderen einstellt, ihn in den Focus nimmt anstatt sich, ihn und seine Meinung genauso ernst nimmt als sich selbst und die eigene Meinung, dürfte es keine Probleme bei der Kommunikation geben.

liebe Grüße von hexe


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