Der Held, das schwarze Schaf, das verlorene Kind und das Maskottchen

22.03.09 14:46 #1
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Sine ist offline
Beiträge: 3.371
Seit: 15.10.06
Hallo miteinander.

Durch ein Mitglied unseres Forums bin ich auf das Rollenmodell nach Sharon Wegscheider, einer Familientherapeutin, aufmerksam geworden.
Sie sagt, dass Kinder aus suchtbelasteten Familien verschiedene Rollen einnehmen, um mit der Situation umgehen zu können.
Ich denke, dass auffälliges Verhalten von Kindern oft mit dieser Theorie erklärt werden könnte.
Ausserdem glaube ich, dass die Thematik nicht nur für suchtbelastete Familien Gültigkeit hat, sondern allgemein bei schwierigen Familienverhältnissen.


Ganz kurz umrissen handelt es sich um die folgenden vier Typen:

Der Held / die Heldin:
Das kind versucht, der Familie durch gute Leistungen Stolz und Hoffnung zu vermitteln.

Das schwarze Schaf:
Dieses Kind versucht, mit schlechtem Verhalten Aufmerksamkeit zu erlangen, die ihm sonst nicht zuteil wird.

Das verlorene Kind:
Diese Tagträumer und Einzelgänger entlasten die Familie, indem sie so ruhig und unauffällig sind, dass sich niemand genötigt fühlt, sich um sie kümmern zu müssen.

Das Maskottchen:
Diese Clowns versuchen, mit ihren Spässen Aufmerksamkeit zu erlangen und die Eltern von ihren Sorgen abzulenken.

Natürlich sind das nur ganz grobe Beschreibungen und jede Verhaltensweise kann zu Problemen im Umgang mit Mitmenschen führen. Diese Probleme können sich unter Umständen durch ein ganzes Erwachsenenleben weiterziehen.
Ich hoffe, dieses Rollenmodell findet beim einen oder anderen Leser Interesse.

Liebe Grüsse, Sine


Der Held, das schwarze Schaf, das verlorene Kind und das Maskottchen

Leòn ist offline
Beiträge: 10.064
Seit: 19.03.06
Hallo Sine,

ich danke Dir sehr für Deinen, wie ich finde, sehr spannenden Beitrag!

Ich denke, dass auffälliges Verhalten von Kindern oft mit dieser Theorie erklärt werden könnte.
Ausserdem glaube ich, dass die Thematik nicht nur für suchtbelastete Familien Gültigkeit hat, sondern allgemein bei schwierigen Familienverhältnissen.
Das denke ich auch und es entspricht meiner täglichen Erfahrung: sehr oft versuchen Kinder, zum Beispiel um die Beziehung der Eltern "zu retten", eine bestimmte Rolle einzunehmen, mit der sie die Aufmerksamkeit ablenken. Oder sie sind so betont unauffällig und lieb, dass man Angst bekommen kann ... .
In der systemischen Psychologie nennt man das wohl Triangulation.

Herzliche Grüße von
Leòn
__________________
Wer sich auf mein Niveau begibt, kommt darin um! ;)

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Sine ist offline
Themenstarter Beiträge: 3.371
Seit: 15.10.06
Triangulation..... wieder ein neues Wort gelernt!
Worauf ich hinausmöchte mit meinem Beitrag:
Könnte es sein, dass Kinder, bei denen vorschnell AD(H)S diagnostiziert wird zum Beispiel, in Wirklichkeit aus familieninternen Gründen ein spezielles Verhalten angenommen haben?
Ausserdem finde ich das Wissen um solche Zusammenhänge auch wichtig für Erwachsene, um eigenes Verhalten oder das der Geschwister besser deuten zu können.
Ich habe diese Beschreibung einem Mann gezeigt, der in " geregelten " Verhältnissen aufgewachsen ist. Er konnte gar nichts damit anfangen und meinte, er sei ganz einfach " Kind " gewesen und hätte keine Rolle angenommen.
Vielleicht kann sich sonst jemand in den beschriebenen Typen ( natürlich gibt es oft Mischformen ) wiedererkennen?
Liebe Grüsse, Sine

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Beat ist offline
Beiträge: 9.174
Seit: 14.01.04
Hallo Sine

Bin auch durchschnittlich aufgewachsen und finde mich in keiner Rolle wieder. Aber das rollenmodell soll ja für suchtbelastete Familien gelten und da kann ich mir vorstellen, dass es so grob stimmt oder zumindest stimmen kann.

Könnte es sein, dass Kinder, bei denen vorschnell AD(H)S diagnostiziert wird zum Beispiel, in Wirklichkeit aus familieninternen Gründen ein spezielles Verhalten angenommen haben?
Ja natürlich. Eine gewisse (hyper)aktivität wird relattiv oft mit ADHS vorschnell Diagnostiziert, obwohl das Kind wenig Aufmerksamkeitspropleme hat, die bei ADS ja das Grundproblem ist.
__________________
Liebe Grüsse
Beat

Wenn die Seele krank ist, auch am Körper arbeiten, umgekehrt gilt ebenso

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Leòn ist offline
Beiträge: 10.064
Seit: 19.03.06
Hallo Sine,

ich danke Dir für diese gedankliche Anregung. Das ist nach meiner beruflichen Erfahrung ganz oft so! Und gerade Kinder, die ihre familiären Probleme durch bestimmte "Auffälligkeiten" verarbeiten, müssen ihre Aufmerksamkeit oft auf ganz andere Dinge richten, als auf das, was von ihnen erwartet wird. Meist erlernen sie die Rolle "sehr gründlich" und fallen dann auch in Kindergarten und Schule damit auf. Und dann heißt es: "ADS"!http://www.symptome.ch/vbboard/famil...-familien.html

Herzliche Grüße von
Leòn
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Wer sich auf mein Niveau begibt, kommt darin um! ;)

Geändert von Leòn (24.03.09 um 19:46 Uhr)


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