Wenn die eigenen Eltern alt werden

27.02.09 07:48 #1
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Wenn die eigenen Eltern alt werden

Sonora ist offline
Beiträge: 3.013
Seit: 10.09.08
Hallo Gine!

Meinem Vater wurde auch jahrelang nachgesagt, dass er sich in alles reinsteigert, er wurde belächelt und hinter ihm wurde hergeredet. Auch wir, seine eigene Familie, haben irgendwann geglaubt, dass er irgendwie ein Hypochonder ist. Wenn alle Ärzte sagen, dass alles ok ist, dann hat man zu der Zeit noch geglaubt, dass das stimmt.

Aber dann ist er wegen irgendwas zu einem sehr fähigen Lungenarzt gekommen, der festgestellt hat, dass mein Vater ein Lungenemphysem hat. Das war der Grund, warum er nur ein paar Schritte gehen konnte, ohne außer Atem zu kommen, warum er sich immer schwach fühlte etc.

Ich habe mich damals sehr geschämt, weil ich mich von den Ärzten so beeinflussen ließ.

Mein Vater hat einfach gefühlt, dass etwas nicht stimmt. Es muss sehr schlimm für ihn gewesen sein, dass ihn niemand ernst genommen hat.

Im weiteren Verlauf der Krankheit, die ja nun alles andere als harmlos ist, hat sich gezeigt, dass mein Vater kein Jammerlappen ist, sondern dass er unglaublich stark ist. Die Ärzte haben sich bis zum Schluss gewundert, wie souverän und positiv er mit der Krankheit umgeht.

Als es dann zum Ende kam, ging wieder der Ärzte-Terror los. Ein Arzt sagte meiner Mutter, dass mein Vater sich das alles selber zuzuschreiben hätte, weil er geraucht hat. Meine Mutter ging – nach allen Erfahrungen – völlig an die Decke und fragte ihn, wie er darauf käme. Es seien immerhin gut 30 Jahre her, dass er geraucht hätte. Aber der Arzt meinte, mein Vater hätte ganz gelbe Finger, das sei ja wohl deutlich. Nur, die gelben Finger kamen von einer der vielen Folgekrankheiten.

Und wenn dein Vater wirklich nichts haben sollte, dann ist es der Job der Ärzte, rauszukriegen, ob evtl. Vitamin D-Mangel, Vitamin B12-Mangel, Schilddrüsenprobleme etc. Schuld an seinem Zustand sind. Keiner kriegt einfach so Depressionen. Einfach Anti-Depressiva zu geben ist ja sooo bequem.

Als meine Tante mit über 90 im Sterben lag, da hatte sie Herzprobleme und sehr, sehr hohen Diabetes. Wegen des Herzens durfte sie nicht trinken (nur sehr wenig), wegen der Diabetes hatte sie quälenden Durst. Die Ärzte bestanden darauf, dass sie nicht mehr als erlaubt zu trinken bekommt. Um den Zucker kümmerten sie sich nicht, weil es sich ja nicht lohnte, da sie im Sterben lag. Ich habe ein solches Theater gemacht!!! Sie bekam dann Spritzen, der Durst wurde etwas erträglicher.

Allerdings hatte sie auch Schmerzen, aber sie war ja so alt und lag im Sterben. Das haben sie auch zu ihr gesagt. Bis eine befreundete Ärztin intervenierte, damit sie Morphium bekam. Und meine Tante war PRIVAT-Patientin!!!

Das sind nur zwei von vielen Beispielen, wie alte Leute in unserem Gesundheitssystem angesehen werden. Selbst ich mit 52 Jahren muss mir schon anhören, alles wäre normaler Verschleiß – bei Dingen, die ich schon mit 20 hatte!

Daher halte ich es für sehr wichtig, nicht aufzugeben oder deinen Vater als Hypochonder anzusehen, sondern dafür zu sorgen, dass alles, wirklich alles getan wird, um die Sache abzuklären. Zur Not auch Tests selber zu bezahlen. Wenn dann wirklich alles nur seelisch ist, dann muss er eben eine Therapie bezahlt bekommen oder mal zur Kur geschickt werden, wo sie auf das alles eingehen können.

Ich glaube keinem Arzt mehr, wenn er nach irgendwelchen Standard-Untersuchungen behauptet, alles sei ok!!!

Liebe Grüße
Sonora

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Gine ist offline
Beiträge: 162
Seit: 23.07.08
Hallo Sonora,

ganz ehrlich, dein Worte haben mich richtig aufgebaut und ich denke auch nicht das mein Vater sich alles einbildet. Selbst die Ärztin gibt sich große Mühe, so sehe ich es auf jeden Fall. Ich kann mit meinem Vater nicht telefonieren, ohne das er weint.
Klar denkt er schon selbst daran, dass er sich alles einbildet. Er wacht mit höllischen Kopfschmerzen auf, kann sich nicht bücken oder körperlich in irgendeiner Weise tätig werden. Er nimmt Blutverdünner und Paracetamol, aber NICHTS hilft ihm zur Zeit. Er war zum CT und auch seine Blutwerte sind okay. Leider hat er die Befunde wieder nicht mit nachhause genommen, obwohl ich ihn darum gebeten hatte. Für einen Hypochonder halte ich ihn auf keinen Fall. Er hat einfach Angst !
LG Gine

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Sonora ist offline
Beiträge: 3.013
Seit: 10.09.08
Hallo Gine!

Ich bin die ganze Zeit am Überlegen, wie du die Sache angehen könntest. Auf jeden Fall sollte sich ein Radiologe seine Schilddrüse ansehen. Bei älteren Leuten soll dort ganz oft das Problem sein, obwohl es nicht erkannt wird. Außerdem lies dich mal durch die Vitamin D-Mangelsymptome und durch die Probleme bei Vitamin B12-Mangel bei älteren Personen. Google dich einfach mal durch. Falls du nicht fündig werden solltest, müsste ich meine alten Unterlagen mal durchschauen, ob ich dir Links weitergeben kann. Ich habe damals nur immer den Fehler gemacht, dass ich einfach alles Interessante rauskopiert habe und ein großes Dokument mit allem Sammelsurium hatte.

Gerade Vit. D-Mangel kann heftige Probleme machen, ohne dass die Hausärzte davon etwas ahnen. Sie kennen sich einfach nicht damit aus.

Was auch wichtig wäre, das sind in der Tat die Befunde. Ich hatte es schon oft, dass es immer wieder hieß, es sei alles ok, aber bei genauerer Betrachtung die Sache nur "in der Norm" war, aber für die bestimmte Person schon ganz und gar nicht gut war.

Leider werden auch im großen Blutbild viele Sachen gar nicht getestet. Gibt es bei euch vielleicht irgendwo einen Orthomolekularmediziner oder einen Umweltarzt? Die haben oft Angebote, wo man für ca. 100 - 150 Euro eine umfangreiche Untersuchung machen kann mit Dingen, die sonst nicht getestet werden. Und oft können die dadurch festgestellten Mängel schon Schuld sein.

Ich würde an deiner Stelle einfach erstmal recherchieren. Deinen Vater kannst du dadurch vielleicht etwas beruhigen. Wenn er hört, dass du ihn ernst nimmst und dich in die Sache reinknien willst, dann tut ihm das bestimmt gut. Und danach schmiedet ihr einen "Schlachtplan", auch das wird ihm sicher guttun.

Hoffentlich findest du eine Lösung, die euch allen hilft!

Viele liebe Grüße
Sonora

Wenn die eigenen Eltern alt werden

Gine ist offline
Beiträge: 162
Seit: 23.07.08
Danke Sonora,

so nun bleibe ich am Ball. Werde das We nutzen um mit meinen Schwestern ein ernstes Gespräch zu führen. So wie es jetzt ist, geht es auf keinen Fall weiter. Meine Mutter ist nervlich am Ende und das sieht man an ihren hohen Zuckerwerten.
LG Gine

Wenn die eigenen Eltern alt werden

Gine ist offline
Beiträge: 162
Seit: 23.07.08
Hallo,

habe gerade erstaunt auf das Datum gesehen. Es ist 1 Jahr her und kein Arzt konnte bisher auch nur irgend etwas feststellen. Der Zustand meines Vaters wird immer schlimmer. Meine Ma hat heute wieder geweint. Ihr Blutdruck ist sehr hoch und unsere Angst, dass meine Mutter nicht mehr viel Zeit bleibt steigt. Sie hat schon eine Herz-Op hinter sich gebracht und eine 2 OP geht nicht. Der Blutdruck, muss daher immer ganz niedrig sein. Mein Vater entwickelt sich immer mehr zurück. Er kann die Uhrzeit nicht mehr lesen, nicht mehr schreiben und vergisst alles, wirklich alles. Eine Untersuchung und Tests beim Physologen haben eine normale Alterserscheinung ergeben. Ich kann es gar nicht Glauben. Wir wissen einfach nicht mehr weiter. Wir würden meine Ma gern zur Kur schicken, aber dann rastet mein Vater aus. Meinen Vater zur Kur schicken geht auch nicht, dann rastet er aus und denkt wir wollen ihn abschieben. Hilfe ich weis nicht weiter und habe Angst jetzt zu versagen.
LG gine

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Sonora ist offline
Beiträge: 3.013
Seit: 10.09.08
Hallo Gine!

Und wenn ihr alle beide zur Kur schickt? Wär das nicht ein Kompromiss? Zwar nicht optimal, aber vielleicht das einzig Mögliche...

Was für Untersuchungen wurden denn bisher gemacht? Magst du uns das nicht mal schreiben? Hast du die Laborbefunde und die Befundschreiben der Ärzte? Wenn nicht, dann besorg sie dir unbedingt. Es wäre gut, wenn du dir alles anschauen würdest und uns dann vielleicht die Sachen hier auflistest, die dir komisch vorkommen.

Bei jedem Laborbefund steht ja der Normwert. Da kannst du leicht erkennen, ob etwas aus der Reihe tanzt. Zusammen haben wir dann vielleicht die Möglichkeit, festzustellen, wo der Hase im Pfeffer liegt.

Ich weiß, es ist hochnotpeinlich, sich die Sachen in den einzelnen Praxen zusammenzusammeln, aber du hast einen Anspruch darauf, auch wenn du vielleicht ein paar Cent für die Kopien zahlen musst!

Liebe Grüße
Sonora

Wenn die eigenen Eltern alt werden

Gine ist offline
Beiträge: 162
Seit: 23.07.08
Hallo Sonora,

die Befunde versuche ich zu besorgen.
Ja welche Untersuchungen ? Alle Blutwerte und Schilddrüse. Ich hatte meiner Ma einen Zettel mitgegeben. Muss mich jetzt wieder intensiv reinhängen. Einen Termin bei der Hausärztin wird eventuell zur Zeit etwas problematisch " Urlaubszeit".
Gemeinsam geht mit meinen Eltern zur Zeit nichts, da meine Mutter einfach keine Nerven für ein Kleinkind hat. Mit Kleinkind meinte ich meinen Vater. Es ist einfach nur traurig, wie meine Eltern sich ständig streiten. Meine Ma will sich mit 70 Jahren noch scheiden lassen und ausziehen. Mein Vater weiss leider oft nicht mehr, wenn er was falsch gemacht hat. Ach ich finde einfach nicht die richtigen Worte.
Melde mich, wenn ich die Befunde habe.
LG Gine

Wenn die eigenen Eltern alt werden

Sonora ist offline
Beiträge: 3.013
Seit: 10.09.08
Hallo, liebe Gine!

Das ist gut, dass du das alles besorgst! Irgendwie muss erst mal Grund in die verfahrene Kiste gebracht werden. Man muss erst einmal durchblicken, was eigentlich passiert ist und was noch nicht.

Lass uns einfach versuchen, alles von klein auf zu erarbeiten!

Liebe Grüße
Sonora

Wenn die eigenen Eltern alt werden

Gine ist offline
Beiträge: 162
Seit: 23.07.08
Hallo,

in den letzten Wochen habe ich jede freie Minute bei meinen Eltern verbracht. Endlich habe ich alle wichtigen Unterlagen sortiert, neue Hefter für die wichtigsten Unterlagen angelegt und nur alte Arztbefunde von 2003 gefunden. Meine Ma hat mir versprochen die neuen Blutbefunde beim nächsten Arztbesuch mitzubringen. Ein heimliches Gespräch mit ihrer Hausärztin hat ergeben, dass sie auch der Meinung ist, dass meiner Vater im Anfangsstadium von Demenz ist. Warum handelt sie dann nicht ? Ich bin so sauer ! Es gibt Tage, an denen mein Vater gut drauf ist, aber auch Tage in denen er völlig durch den Wind ist. Spricht meine Ma das Thema Demenz an rastet er aus. Wir bleiben jetzt am Ball und ich werde, sobald ich was neues weis, berichten.

LG Gine

Wenn die eigenen Eltern alt werden

Oregano ist offline
Beiträge: 63.697
Seit: 10.01.04
Hallo Gine,

die Situation mit einem Elternteil, der langsam vergeßlich/dement wird, ist schwierig für alle Beteiligten. Die Erkenntnis, daß man nun evtl. auch davon getroffen ist, macht nicht froh und wird gerne weggeschoben. Ich denke, oft braucht es Zeit, bis ein alter Mensch sich das klar macht.

Ein heimliches Gespräch mit ihrer Hausärztin hat ergeben, dass sie auch der Meinung ist, dass meiner Vater im Anfangsstadium von Demenz ist. Warum handelt sie dann nicht ?
Was stellst Du dir als "Handlung" der Ärztin vor? Ich wüßte im Moment gar nichts, was man da tun kann?

Was aber wichtig sein kann, weil eine Demenz und Alzheimer sehr schnell fortschreiten können: sich selbst mit der Familie Gedanken machen, wie man damit umgeht und was man in dem Fall tun wird, wenn die Pflege und Aufsicht zu Hause zu schwierig wird. Für diese Situation sich jetzt schon Helfer zu suchen, finde ich wichtig.
Gruss,
Oregano


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