Wenn die eigenen Eltern alt werden

27.02.09 07:48 #1
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Wenn die eigenen Eltern alt werden

contesse ist offline
Beiträge: 5
Seit: 06.04.09
Ja, das Altern der eigenen Eltern ist ein wichtiges Thema, das im Leben der Söhne und Töchter, bewusst und unbewusst, ganz viel aufwühlt und verändert - ob diese es wollen und zulassen oder nicht! Dabei scheinen mir heute, ein paar Jahre nach dem Tod meiner Eltern, folgende Punkte bedeutsam:
Das Aussöhnen mit dem älter/alt gewordenen Menschen. Liebevoll hinschauen, wahrnehmen, seine Veränderung annehmen. Ihn so akzeptieren, wie er j e t z t ist. Das Vergangene vergangen sein lassen. (Meine Mutter pflegte zu sagen:“Was vorbei ist, ist vorbei!“) Würde und Freiheit wahren und Wünsche zugestehen.

Ganz klar forder das Altwerden der eigenen Eltern alle beteiligten Parteien existenziell heraus:
Wenn Vater und Mutter sich nicht mehr an die jüngste und jüngere Vergangenheit erinnern; wenn sie sich an Details vor zig Jahren klammern; wenn ihre eigene Kindheit so präsent ist, als wär es gestern gewesen; wenn sie sich nach ihren eigenen Eltern sehnen; wenn sie dort ihre Unterstützung suchen, weil sie ihrer eigenen immer stärker werdende Bedürftigkeit gewahr werden, diese aber ignorieren, da sie sonst damit nicht umgehen können ... wenn sie um ungelebtes Leben trauern, wenn sie eigene und fremde Fehler und Schuldigkeiten oder auch ihnen angetanes Unrecht nicht loslassen wollen, können oder dürfen ... wenn Furcht und Angst überhand nimmt ... dann sind wir Kinder gefordert.
Nehmen wir diese Entwicklung nicht ernst, verpassen wir eine grosse Gelegenheit zu erfahren, zu wachsen, zu reifen und letztendlich zu verstehen: das Leben, die Menschen, das Sterben, das Auferstehen, das Göttliche.

Ab und an schlage ich mich mit meinen Erinnerungen rum und frage mich:
Ob in diesem Prozess Angst das vorherrschende Gefühl ist? Die Angst vor dem Sterben allgemein, unsere eigenen Ängste im Besonderen? Unsere Ohnmacht und Hilflosigkeit? Wie gross ist der Anteil der „alten“, verdrängten oder verarbeitet und verarbeitet geglaubten Verletzungen, Kränkungen, Enttäuschungen? Aus welchen Gründen sind wir für sie da/nicht da? Respekt, Schuld, Pietät, …? Wie/wie stark können/dürfen wir uns abgrenzen? ...

Wenn die eigenen Eltern alt werden

Leòn ist offline
Beiträge: 10.064
Seit: 19.03.06
Hallo contesse,

ich möchte Dich an an dieser Stelle des Forums herzlich Wiullkommen heißen und Dir für Deinen sehr inspirierenden Beitrag danken!

ja, ich habe auch erfahren, dass das, was man sich als Jugendlicher, junger Erwachsener, "mühsam" erarbeitet hat, die Abgrenzung und Unabhängigkeit von den Eltern, sich wieder wandelt und eine ganz neue Nähe entstehen kann.

herzliche Grüße von
Leòn
__________________
Wer sich auf mein Niveau begibt, kommt darin um! ;)

Wenn die eigenen Eltern alt werden

Manuela ist offline
Beiträge: 1.510
Seit: 31.03.08
Hallo zusammen,

in letzter Zeit kommen mir auch immer wieder Gedanken wie:"Was ist wenn Mama oder Papa mal nicht mehr da ist." Besonders Gedanken, wie es dem anderen Elternteil gehen wird. Ich darf gar nicht daran denken, denn meine Eltern sind seit über 40 Jahren verheiratet, waren noch nie (außer als Vater im Krankenhaus lag) eine Nacht voneinander getrennt. Aber auch Gedanken wie es sein wird, wenn dann dieser eine Elternteil plötzlich ein Pflegefall wird. Meine Mutter hat ihren Vater 10 Jahre gepflegt. Welche Erwartungen haben die eigenen Eltern an sein Kind? Ist man ein schlechtes Kind, wenn man sich nicht 24.Std. kümmern kann, weil man selbst ja auch noch Familie hat? Meine mom schüttelt immer den Kopf wenn jemand einen Familienangehörigen ins Altenheim bringt, weil sie selbst ihren Vater gepflegt hat bis zum Tod. Aber ich denke halt auch daran, dass ich ja selbst auch Kinder habe, für die ich, bis sie eigene Wege gehen, da sein möchte. Für die Rente muss ich auch noch was tun usw.

Ein komisches Gefühl darüber nachzudenken

Liebe Grüße Manuela

Wenn die eigenen Eltern alt werden

Oregano ist offline
Beiträge: 63.697
Seit: 10.01.04
Ich glaube, es ist gut, wenn man über das Thema "Heim" oder nicht rechtzeitig spricht. Es ist meiner Meinung nach auch wichtig,daß man den eigenen Standpunkt klarlegt, und sich die Wohn- bzw. die Situation genau ansieht.
Denn meistens ist es doch heute kaum möglich, noch eine zusätzliche Person in der Wohnung unterzubringen.
Schwierig kann werden, daß man durch eine Pflege ganz aus dem Beruf herausfällt und auch nie wieder reinkommt.
Es kann auch gut sein, daß der eigene PartnerIn gar nicht mit Vater/Mutter/Schwiegervater/Schwiegermutter/Tante im eigenen Heim einverstanden ist.
Man sollte sich der eigenen und familiären Möglichkeiten in Bezug auf Zuwendung, Kraft, eigene Bedürfnisse usw. sehr klar sein.
Auch die finanzielle Seite kann wichtig werden.
Diese Gespräche sollten stattfinden, solange die älteren Verwandten geistig noch beweglich sind.

Ich habe es gerade wieder bei Bekannten erlebt: Der Vater wollte in seiner Umgebung bleiben, nachdem die Frau vor ein paar Jahren gestorben ist und er nicht mehr alleine im Haus leben konnte. Die einzige Tochter lebte ca. 700 km weit weg mit ihrer Familie. Nach vielen Gesprächen haben sie die beiden bzw. die Familie und der Vater geeinigt, daß er in die Nähe der Tochter ziehen würde.
Es war nur eine kurze Zeit der Umgewöhnung, und dann zeigte sich, daß diese Entscheidung goldrichtig war: er bekam oft Besuch, er konnte am Wochenende immer mal mit nach Hause, er fühlte sich wohl...

Gruss,
Uta

Geändert von Oregano (15.04.09 um 07:31 Uhr)

Wenn die eigenen Eltern alt werden

contesse ist offline
Beiträge: 5
Seit: 06.04.09
Habe kürzlich in der Bibliothek folgendes Buch gefunden:
Gertrud Teusen: Höchste Zeit, darüber zu sprechen!
30 heikle Fragen, die Sie Ihren alten Eltern schon lange mal stellen wollten.
Kreuz Verlag, 2008; ISBN 978-3-7831-3168-0
Über folgende Themen wird gesprochen:
1 Nachlassende Sinneskräfte
2 Hygiene und Sauberkeit
3 Liebe, Sexualität und Einsamkeit
4 Veränderter Charakter
5 Krankheit und Pflege
6 Sterben, Erbe und Tod
Denjenigen, die noch das Glück haben, mit den Eltern die Themen zu besprechen, die besprochen werden müssen, wünsche ich Mut, Kraft, Geduld und Feingefühl, sowie Glück, den richtigen Zeitpunkt zu finden.

Wenn die eigenen Eltern alt werden

Gine ist offline
Beiträge: 162
Seit: 23.07.08
Hallo,

genau dieses Thema steht seit kurzem im Mittelpunkt meiner Schwestern und mir. Wir mussten vor ein paar Wochen erkennen, dass mein Vater geistig sehr abgebaut hat. Gerade er, der uns bei unseren Hausaufgaben geholfen hat, gerade er der immer geistig fit war, alles im Haus erledigt hat. Meine Mama war einfach nur fürs Kochen und die Kinder da.
Wir sind gerade dabei einen Plan für uns zu entwickeln, meinen Eltern unter die Arme zu greifen. Es ist schwierig, denn sie begreifen nicht, dass wir jetzt am Zug sind. Wir sind alle 3 berufstätig, haben wirklich einen sehr langen Arbeitstag, aber mit Planung wird es gehen. Sie nehmen nur ungern Hilfe an und besonders mein Vater will sich nicht eingestehen, dass er das alles nicht mehr schafft. Er vergisst Buchstaben, Wege und verläuft sich schnell. Wir haben große Angst das es sehr schnell geht. Eine Patientenverfügung haben sie schon lange mit ihren Hausarzt und uns besprochen. Dieses Schreiben haben wir schriftlich erhalten. Diesen Umschlag habe ich noch nie geöffnet. Meine Mama ist ein ganz leichter Fall, den sie selbst hat ihre Mutter viele Jahre gepflegt und möchte in ein Heim. Bei meinem Vater wird es sehr schwierig. Ganz ehrlich " Ich habe große Angst ".
LG Gine

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Manuela ist offline
Beiträge: 1.510
Seit: 31.03.08
Hallo Gine,

ich hoffe ihr werdet eine gute Lösung für alle Beteiligten finden. Ich denke, dass ist ein großer Einschnitt im Leben, den kann man nicht so einfach wie einen Spaziergang erledigen. Deine Angst kann ich verstehen.

Ich wünsche Dir alles Gute und viel Kraft

Liebe Grüße Manuela

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Oregano ist offline
Beiträge: 63.697
Seit: 10.01.04
Es ist auch eine schwierige Umbruchphase, wenn die früher so starken Eltern auf einmal schwach werden.

Ich habe die Erfahrung gemacht, daß man im Zweifelsfall auf bestimmten Entscheidungen bestehen muß, auch wenn der Vater oder die Mutter sich dagegen wehren. Neues macht oft Angst, und im Alter ist das wohl noch viel stärker. Trotzdem: wenn man davon überzeugt ist, daß es zu ihrem Besten ist, sollte man es durchziehen. Meistens lohnt es dann, daß man stur geblieben ist.
Früher haben Eltern gewußt, was gut für die Kinder ist (hoffentlich), und dann ist es eben so, daß Kinder wissen, was für Eltern gut ist, wenn diese selbst das nicht mehr sehen können.

Gruss,
Uta

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Gine ist offline
Beiträge: 162
Seit: 23.07.08
Hallo,

ich habe mal eine Frage: Bei meinem Vater geht es mir einfach zu schnell, kann es sein das er Allzheimer bekommt ? Habe schon eine Menge gelesen, bin mir wirklich ganz unschlüssig. Klar gehören viele Dinge mit zum Alt werden, aber bei meinem Vater geht es mir einfach zu schnell. Ein Beispiel; er kauft eine Karte und schreibt aber den Vers nicht in die Karte, sondern auf den Briefumschlag oder er sucht nachts die Toilette und weis nicht mehr genau wo er ist. Könnt ihr mir helfen das zu deuten ?

LG Gine

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Oregano ist offline
Beiträge: 63.697
Seit: 10.01.04
Das Verhalten Deines Vaters zeigt auf jeden Fall, daß sein Gehirn nicht mehr so funktioniert wie früher.
Ich weiß gar nicht so recht, ob ich es sinnvoll finde, nun zum Neurologen zu gehen, um untersuchen zu lassen - soweit möglich - ob das nun Alzheimer, "normale" Demenz oder sonst etwas ist. Die Folgen sind im Prinzip ähnlich.

Allerdings finde ich, daß ein Blutbild nicht schaden kann, denn oft entwickeln sich auch im Alter Mängel, die man beheben könnte, die aber mit der Begründung "das ist eben das Alter" nicht behandelt werden. Oft ist ein Mangel schlicht und einfach Wasser.

Was ich wichtig finde: wenn klar ist, daß eine Demenz da ist, die rasch fortschreitet, sollte man sich überlegen, was man tut, wenn es schlimm wird. Vorsichtshalber sollte man den Vater/die Mutter/Tante - finde ich - in einem Seniorenheim/Pflegeheim anmelden. Verschieben kann man eigentlich immer noch; aber auf die Schnell einen Platz zu finden, ist schwierig.

Grüsse,
Uta


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