Die Suche nach Aufmerksamkeit

18.02.09 07:15 #1
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Leòn ist offline
Beiträge: 10.065
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Einen Gruß an Alle;

ich wage die These, dass der Wunsch nach Aufmerksamkeit, ähnlich wie das Bedürfnis "dazu zu gehören", also ein Teil von "Gemeinschaft" zu sein, zu den menschlichen Grundbedürfnissen gehört. Keine Aufmerksamkeit zu erlangen, bzw. das Gefühl zu bekommen, nicht "dazu zu gehören", wirkt entmutigend.

Und dann erscheint es so, als entwickelten Kinder seltsame Strategien, um diese Aufmerksamkeit zu erlangen.

Natürlich streben Menschen zunächst nach positiver Aufmerksamkeit. Erfahren sie, dass dies erfolglos ist, suchen sie nach anderen Formen, denn alles erscheint besser als ignoriert zu werden.

Dadurch kommt es manchmal zu Verhaltensweisen von Kindern, die unerwünscht sind, als störend, "auffällig", dyssozial etc., erlebt werden.
Es herrscht ein regelrechter "Kampf um Aufmerksamkeit".
Im Anhang befindet sich dazu ein kleiner Artikel, mit einem Beispiel.

Herzliche Grüße von
Leòn
Angehängte Dateien
Dateityp: doc E - Ausstieg aus dem Kampf um Aufmerksamkeit2.doc (28,0 KB, 50x aufgerufen)

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Geändert von Leòn (18.02.09 um 07:16 Uhr) Grund: Ergänzung notwendig

Die Suche nach Aufmerksamkeit

Leòn ist offline
Themenstarter Beiträge: 10.065
Seit: 19.03.06
Hallo,

noch mal zu diesem Thema,

von Eltern höre ich oft, wenn sie ein unerwünschtes Verhalten ihres Kindes beschreiben: "Warum macht sie/er das nur?".

Auf die Frage, "Was ist gut an dem Verhalten?" oder "Was hat Ihr Kind davon?" kommt meist erst die Antwort "Nichts!". - Das wird so aber nicht stimmen. Meiner Ansicht nach wird ein Verhalten, das zu keinem Erfolg führt, sofort aufgegeben. Es sei denn, es wird gelernt. Und dann muss es zumindest einmal erfolgreich gewesen sein. -

Meist wird dann irgendwann der "Gewinn" des Verhaltens als "Aufmerksamkeit" definiert. Das Kind bekommt also Aufmerksamkeit, auch für das als negativ deklarierte Verhalten. Auch wenn die Aufmerksamkeit in Gestalt einer Sanktion, einer negativen Konsequenz, daherkommt: es ist Aufmerksamkeit!

Oft sagen Eltern dann "Na, das könnte sie/er auch anders haben!"
Und dennoch wird festgestellt, dass gerade das unerwünschte Verhalten, mit hoher Verlässlichkeit, mit Aufmerksamkeit "belohnt" wird.

[Manche Kinder, so erlebe ich das, haben manchmal gar keine andere Chance, als sich durch "negatives" Verhalten Aufmerksamkeit zu "erkämpfen", aber das ist ein anderes Thema.]

Es kann hilfreich sein, dann das Erziehungsverhalten ein wenig anzupassen und die Aufmerksamkeit mehr auf das gewünschte Verhalten zu richten und dem negativen Verhalten nicht mehr Beachtung zukommen zu lassen, als unbedingt notwendig ist, um Schaden zu vermeiden.
Also: das was gut läuft, was das Kind "gut macht", Verhalten, das ich wünsche, wird mit deutlich wahrnehmbarer Beachtung bedacht, nicht mehr das unerwünschte.
Lernt das Kind, dass es mit dem anderen Verhalten das erreicht, was es möchte - eine viel angenehmere Form der Aufmerksamkeit nämlich,
wird das "negative" Verhalten in der Mehrzahl der Fälle aufhören.

Dies funktioniert, nach meiner Erfahrung, am leichtesten noch gut im Kindesalter.

Aber natürlich sind auch Jugendliche und Erwachsene für positive Beachtung eher zu haben als für negative !

Noch eine Anmerkung: es gibt auch Kinder und Jugendliche, die einen besonders hohen Bedarf an Aufmerksamkeit zu haben scheinen (ADS/ ADHS). Gerade hier ist ein Wechsel des elterlichen Fokus, meiner Meinung nach, besonders hilfreich!

Herzliche Grüße von
Leòn
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Geändert von Leòn (27.02.09 um 07:58 Uhr)

Die Suche nach Aufmerksamkeit

Beat ist offline
Beiträge: 9.174
Seit: 14.01.04
Hallo Leon

Der Wunsch nach Aufmerksamkeit ist m. E. kein grundbedürfnis sondern ein Ersatzbedürfnis. Das Grundbedürfnis ist der Wunsch geliebt zu werden. Wenn man genug geliebt wird, bekommt man nebenbei auch genug Aufmerksamkeit.
Da man Liebe nicht einfordern kann, kann man als Ersatz recht schnell Aufmerkasmkeit einfordern. Dazu gehört nebenbei auch Anerkennung bis Ruhm etc.
Die verbissene Suche nach Anerkennung durch hohen Einsatzn und sehr guten Leistungen wie auch Aufmerksamkeit durch provokative Kleider, verhalten ist demnach nur ein Zeichen von zuwenig erhaltener Liebe.
Denke es ist ein Grundproblem heute, die leute dürsten unbewusst nach Liebe, auch weil das Umfeld trocken ist.
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Liebe Grüsse
Beat

Wenn die Seele krank ist, auch am Körper arbeiten, umgekehrt gilt ebenso

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Oregano ist offline
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Seit: 10.01.04
Ich denke, wenn sich ein Mensch geliebt fühlt, bekommt er auch Aufmerksamkeit.
Wenn ein Mensch (nicht nur ein Kind) mit seinem ungeliebten Verhalten die Aufmerksamkeit auf sich zieht, dann eben, weil es sich nicht genügend geliebt und beachtet fühlt.

Manchmal fürchte ich, daß so ein Defizit nie mehr ganz ausgeglichen werden kann, einfach weil das Mißtrauen = das fehlende Vertrauen in die Menschen und das Leben ständig im Hinterkopf lauert. Solche Menschen fühlen sich selbst in Situationen nicht genügend beachtet, in denen andere, die Vertrauen haben, sich total gut fühlen.
Ein Teufelskreis.

Gruss,
Uta

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Beat ist offline
Beiträge: 9.174
Seit: 14.01.04
Uta zustimme.
Aber es gibt eine Hoffnung das so ein Defizit egal wie gross, ausgefühlt werden kann.
Im Buch des sogenannten Esoterikpfarrers Daniel Hari, Lieben wie Jesus, sind einige sehr heilsame Beispiele dazu enthalten.
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Liebe Grüsse
Beat

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Leòn ist offline
Themenstarter Beiträge: 10.065
Seit: 19.03.06
Hallo Beat und Uta,

ich denke, Uta hat Recht: Liebe äußert sich durch Aufmerksamkeit.

Eltern lieben ihre Kinder und schenken ihnen deshalb Aufmerksamkeit. Nur manchmal für ein Verhalten, dem man weniger Beachtung zukommen lassen sollte !

Herzliche Grüße von
Leòn
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Oregano ist offline
Beiträge: 60.875
Seit: 10.01.04
Eltern lieben ihre Kinder und schenken ihnen deshalb Aufmerksamkeit. Nur manchmal für ein Verhalten, dem man weniger Beachtung zukommen lassen sollte
Das ist aber dann nicht mehr so sehr das Problem der Kinder sondern das der Eltern.
Das ist ja immer beim Miteinander von Menschen ein schwieriger und wichtiger Punkt: was projeziere ich an meinen eigenen Vorstellungen auf meine Umwelt?

Ich fand zum Thema Projektion dieses Buch hier sehr gut:
Bücher von Amazon
ISBN: 3426078899

(Das gibt es ganz billig gebraucht bei amazon)

Gruss,
Uta

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Leòn ist offline
Themenstarter Beiträge: 10.065
Seit: 19.03.06
Hallo Uta,

danke für den Tipp!

Herzliche Grüße von
Leòn
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Leòn ist offline
Themenstarter Beiträge: 10.065
Seit: 19.03.06
Hallo Uta,

Das ist aber dann nicht mehr so sehr das Problem der Kinder sondern das der Eltern.
Das ist ja immer beim Miteinander von Menschen ein schwieriger und wichtiger Punkt: was projeziere ich an meinen eigenen Vorstellungen auf meine Umwelt?
ja, das sehe ich auch so. Es wird dann (später) das "Problem des Kindes", wenn es - auch in Folge von Projektionen - zur, systemisch gesprochen: Identifizierten Person (IP) und somit für Probleme in der Familie verantwortlich gemacht wird.

Herzliche Grüße von
Leòn
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Oregano ist offline
Beiträge: 60.875
Seit: 10.01.04
Ja, oder mit Hellinger gesprochen: die Reihe der Ahnen steht immer hinter Dir, ob Du es willst oder nicht. Und das kann problematisch sein, wenn man sich dessen nicht bewußt wird und nicht schaut, daß man in den Punkten, die problematisch sind, aus der Reihe ausschert.

Gruss,
Uta

Geändert von Oregano (27.02.09 um 10:33 Uhr)


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