Die Suche nach Aufmerksamkeit

18.02.09 07:15 #1
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Die Suche nach Aufmerksamkeit

Beat ist offline
Beiträge: 9.174
Seit: 14.01.04
Sehe es auch so.
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Liebe Grüsse
Beat

Wenn die Seele krank ist, auch am Körper arbeiten, umgekehrt gilt ebenso

Die Suche nach Aufmerksamkeit

Leòn ist offline
Themenstarter Beiträge: 10.064
Seit: 19.03.06
Hai, einen Gruß an Alle;

je mehr ich darüber nachdenke, um so mehr glaube ich, dass "Aufmerksamkeit", bzw. das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, ein ganz wesentlicher Schlüsser im familiären aber auch im sozialen Miteinander ist.

Hinsichtlich des vielzitierten und- wie ich finde - kritisch zu betrachtenden ADS/ADHS - Begriffsehe ich hier mehrere Aspekte:

Zum Einen heißt es, fehle den so benannten Kindern die Fähigkeit, Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten. Das mag sein.

Zum Anderen ist aber auch zu sehen, dass es sich um Menschen handelt, die einen erhöhten Bedarf an Aufmerksamkeit mit sich bringen. Denen Aufmerksamkeit fehlt, ja manchmal sogar von Anfang an fehlte.

Ein Lösungsansatz würde, meines Erachtens, dann hier bei der erhöhten Aufmerksamkeit - des jeweiligen Lebensumfeldes - liegen. http://www.symptome.ch/vbboard/famil...instellen.html

Herzliche Grüße von
Leòn
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Wer sich auf mein Niveau begibt, kommt darin um! ;)

Geändert von Leòn (08.04.09 um 09:03 Uhr)

Die Suche nach Aufmerksamkeit
Anne B.
Hallo Leòn,

in der Tat bedarf es mehr Aufmerksamkeit, bei einem hyperaktivem Kind. Meine ältere Tochter hatte im Kindesalter einen unglaublichen Bewegungsdrang. Mit 10 Monaten konnte sie bereits laufen. Und sie lief extrem schnell . Ab dem Alter von ungefähr 1 1/2 Jahren konnte sie keinen Mittagsschlaf mehr machen. Grundsätzlich war sie in der Kindertagesstätte im sogenannten "Isolierzimmer", weil sie nich still liegen konnte und dann weinte, so dass die anderen Kinder nicht schlafen konnten.
Sie ist viel gestürzt, aus dem Stand heraus, mit zwei Jahren schlug sich dabei einen Zahn aus. Mit 4 Jahren brach sie sich das Schlüsselbein, als sie sich ein Kuscheltier vom Bett nehmen wollte, dass in normaler Höhe war...Wir waren ständig auf der Hut.
Wenn sie stillsitzen musste, war das eine Qual für sie und der Schweiß lief ihr das Gesicht runter.
Auch als größeres Kind war sie immer in Action und ja, Aufmerksamkeit bekam sie viel, und die braucht sie auch heute noch. Doch diese "Schwäche" ist eine Stärke, nicht umsonst steht sie nun auf der Bühne.

Uns wurde auch oft gesagt, wir würden etwas falsch machen...Sicher haben wir auch Erziehungsfehler gemacht, aber diese unbeschreibliche Power und die Willensstärke von Geburt an, hat uns als junge Eltern ganz schön geschlaucht und manchmal fast zur Verzweiflung gebracht .

Ich habe ja den Vergleich zu einem zweiten Kind, das von Geburt an wesentlich ruhiger ist.

Von einem Mangel an Liebe würde ich bei Hyperaktivität oder der Suche nach Aufmerksamkeit nicht in jedem Fall sprechen. Eher von Überforderung.

Liebe Grüße, Anne

Geändert von Anne B. (09.04.09 um 23:43 Uhr)

Die Suche nach Aufmerksamkeit
Anne B.
Kleiner Nachtrag:

Was für ein Verhalten meinst du damit, Leòn:

Eltern lieben ihre Kinder und schenken ihnen deshalb Aufmerksamkeit. Nur manchmal für ein Verhalten, dem man weniger Beachtung zukommen lassen sollte !
Grüße, Anne

Die Suche nach Aufmerksamkeit

Oregano ist offline
Beiträge: 63.697
Seit: 10.01.04
Zum Anderen ist aber auch zu sehen, dass es sich um Menschen handelt, die einen erhöhten Bedarf an Aufmerksamkeit mit sich bringen. Denen Aufmerksamkeit fehlt, ja manchmal sogar von Anfang an fehlte.

Ein Lösungsansatz würde, meines Erachtens, dann hier bei der erhöhten Aufmerksamkeit - des jeweiligen Lebensumfeldes - liegen
Da bin ich mir nicht so sicher, Leon.
Wenn ich mich daran erinnere, wie aufmerksamkeitsheischend mein Sohn war und wie schwierig das oft war - bis zur Erschöpfung auf beiden Seiten , dann glaube ich heute rückblickend, daß es ihm nicht um Aufmerksamkeit ging sondern daß er schlicht und einfach allergisch reagierte.
Als er dann nämlich keine Süssigkeiten mehr bekam, vor allem seine geliebten Smarties nicht mehr, waren die schlimmsten Anfälle vorbei und er wurde wesentlich ruhiger.

Was ich damit sagen möchte?: nicht immer geht es um das Heischen um Aufmerksamkeit.

Gruss,
Uta

Die Suche nach Aufmerksamkeit

Leòn ist offline
Themenstarter Beiträge: 10.064
Seit: 19.03.06
Hallo Anne B.,

Von einem Mangel an Liebe würde ich bei Hyperaktivität oder der Suche nach Aufmerksamkeit nicht in jedem Fall sprechen.
das sehe ich genau so. Ich würde niemals Eltern absprechen, ihre Kinder zu lieben.

Zitat von Anne B. Beitrag anzeigen
Kleiner Nachtrag:

Was für ein Verhalten meinst du damit, Leòn:



Grüße, Anne
Kein spezielles, Anne! - Ich meinte lediglich damit, dass es hilfreicher sein kann, das Augenmerk - das heißt: die Aufmerksamkeit - auf gewünschtes und nicht auf unerwünschtes Verhalten zu legen.


Danke für Deine Nachfragen!

Herzliche Grüße von
Leòn
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Leòn ist offline
Themenstarter Beiträge: 10.064
Seit: 19.03.06
Zitat von Uta Beitrag anzeigen
Da bin ich mir nicht so sicher, Leon.
Wenn ich mich daran erinnere, wie aufmerksamkeitsheischend mein Sohn war und wie schwierig das oft war - bis zur Erschöpfung auf beiden Seiten , dann glaube ich heute rückblickend, daß es ihm nicht um Aufmerksamkeit ging sondern daß er schlicht und einfach allergisch reagierte.
Als er dann nämlich keine Süssigkeiten mehr bekam, vor allem seine geliebten Smarties nicht mehr, waren die schlimmsten Anfälle vorbei und er wurde wesentlich ruhiger.

Was ich damit sagen möchte?: nicht immer geht es um das Heischen um Aufmerksamkeit.

Gruss,
Uta
Hallo Uta,

auch in diesem Fall ist ja erst Mal Aufmerksamkeit notwendig, um das überhaupt mitzukriegen !

Aber ich will hier gar nicht sophistisch sein.

Es gibt eine Reihe von Fällen, die dem AD(H)S - Spektrum zugerechnet werden, bei denen Unverträglichkeiten, hormonelle Probleme, Vergiftungen und so weiter vorliegen können. Es gibt aber eine ganze Reihe von Kindern, bei denen das nicht zutrifft, sondern bei deren Symptomatik es sich um Auffälligkeiten handelt, mit denen sie emotionale oder soziale Mangelsituationen reflektieren oder eine "hilfreiche" Rolle im familiären oder sonstigen sozialen System übernehmen.

Herzliche Grüße von
Leòn
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Die Suche nach Aufmerksamkeit
Anne B.
Hallo Leòn,

du schreibst:

Ich meinte lediglich damit, dass es hilfreicher sein kann, das Augenmerk - das heißt: die Aufmerksamkeit - auf gewünschtes und nicht auf unerwünschtes Verhalten zu legen.
Hierzu ist mir eine witzige Geschichte eingefallen, die mir mal eine Mutter erzählte:

Es war mal eine Frau, die hatte einen Jungen, der noch im Vorschulalter war. Irgendwann hatte er mitbekommen, dass man mit dem Wort "Ar***loch" eine Menge Aufmerksamkeit erregen konnte. Seine Mutter, wie auch die Menschen, die so von ihm angesprochen wurden, reagierten verständlicherweise pikiert und mit Unverständnis.
Da kam die Mutter auf eine geniale Idee. Sie sprach zu ihrem Sohn:

"Du darfst alles sagen, mein Junge. Aber sag niemals "Hühnervogel"!"

Fortan benutzte er nun dieses Wort, was jedoch stets lachend und als "sehr kreativ" aufgenommen wurde .

Man kann also sein Augenmerk also nicht nur auf das Verhalten richten, sondern auch auf Inhalte.

Liebe Grüße, Anne

Die Suche nach Aufmerksamkeit

EDW90 ist offline
Beiträge: 95
Seit: 30.12.08
Also ich suche auch nach aufmerksamkeit. Macht jemand noch mit bei der Geschichte?
http://www.symptome.ch/vbboard/famil...eschichte.html

Die Suche nach Aufmerksamkeit

Oregano ist offline
Beiträge: 63.697
Seit: 10.01.04
Ein Thread aus den Tiefen des Forums. Grüsse an Léon, wo immer er auch steckt .

Ich bin auf das Thema wieder einmal durch ein gemeinsames Essen mit Freunden gekommen, bei denen der eine Mann sich immer besonders dadurch hervor tut, daß er versucht, das Gespräch über den ganzen Tisch hinweg an sich zu reißen. Das ist lästig, manche Teilnehmer möchten schon gar nicht mehr kommen, wenn auch dieser Mann kommt, und sie suchen sich einen Platz, wo sie möglichst weit weg von ihm sitzen, um ihm zu entkommen.
Ich saß beim letzten Essen direkt neben ihm und habe mich geärgert, weil er einfach Gespräche mit meinem Gegenüber unterbrach, um mir irgendwelche Dinge mitzuteilen, die mich gar nicht interessierten. Als ich ihm dann sagte, daß ich im Augenblick lieber mit meinem Gespräch mit dem Gegenüber weiter machen wolle, war er beleidigt.

Ich denke, solche Situationen hat fast schon jeder erlebt, und ich frage mich, was ich da tun könnte. Die Situation anzusprechen nützt gar nichts.

In den "Sonntagsperlen" von Kopp-Wichmann spricht er das Thema "Aufmerksamkeit" auch an.
....
Was wir mit den Affen geminsam haben.
"Das Selbstwertgefühl, das wir uns leisten können, hängt nun einmal von unserem Einkommen an zustimmender Aufmerksamkeit ab. Diese Ökonomie des Selbstwerts ist sogar älter als der Homo sapiens. Soziale Tiere, wie die in einer Affenhorde, beschäftigten sich vor allem damit, sich gegenseitig zu beobachten. In diesem Tausch der Aufmerksamkeit wird die soziale Hierarchie verhandelt.
Wer keine Aufmerksamkeit bekommt und auf alle anderen achten muss, ist die Kreatur am unteren Ende der Hierarchie. Der Wunsch, im Bewusstsein der anderen eine wichtige Rolle zu spielen, ist eine anthropologische Konstante. Die Muster und psychischen Dispositionen sind sehr alt."
...
Das Sonntagsperlen-Forum › DER Persönlichkeits-Blog

à propos Perlen: ist es nicht so, daß wir u.a. Aufmerksamkeit wie Perlen sammeln und zu einer Kette aufreihen? Je länger die Kette, desto kostbarer der Schmuck der Aufmerksamkeit, die wir zeigen können ...

Ich denke, dieses Bild zeigt noch etwas:
Solange wir es brauchen, eine solche Kette zu tragen und zu zeigen, haben wir innerlich ein großes Bedürfnis-Loch, weil uns wahrscheinlich als Kind zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden ist. Bis wir aber merken können, daß diese fehlende Aufmerksamkeit längst ihre Spuren in uns hinterlassen hat, vergeht viel Zeit, oft zu viel Zeit. Und dann wird es mehr als schwierig sein, dieses Loch zu sehen und zu füllen.

In dem Blog wird ein Buch von Georg Franck hingewiesen: "Ökonomie der Aufmerksamkeit - ein Entwurf". HIer kann man es lesen:

http://philosophie.hfg-karlsruhe.de/...itdiagnose.pdf

Grüsse,
Oregano
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They tried to bury us. They didn't know we were seeds.


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