Untergang der Mutter durch meine Krankheit

04.11.17 21:43 #1
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Jasper888 ist offline
Beiträge: 410
Seit: 18.09.14
Hallo,

ich wende mich mit etwas persönlichem, was mich unendlich belastet an euch. Vielleicht fällt euch dazu etwas ein.

Ich bin jetzt 37 und kämpfe schon seit 20 Jahren mit meiner Gesundheit. Unverschuldet und es war einfach unglaublich schwer bis heute und es wird nicht besser. Oft habe ich das Gefühl das ist es jetzt gewesen, auch schon in der Vergangenheit.

Für meine Mutter war ich immer der Heilsbringer, sie hat unglaublich viel Hoffnung in mich gesetzt und nun bin ich Ihre größter Schmerz. Meine Mutter hat immer gekämpft wie eine Löwin, hat nie aufgegeben und war immer da, selbst als Sie schon am Ende war. Natürlich hat Sie nicht alles richtig gemacht, aber darum geht es ja nicht.

Und nun wird Sie alt/älter und ich habe Sie durch meine Krankheit nach all den Jahren gebrochen. Das bricht mir das Herz. Mein Leben hat Ihr das Herz gebrochen und bei jemandem der so tapfer wie Sie nach dem Tod meines Vaters und so vielen Steinen im Weg weiter gekämpft hat ist das kaum zu ertragen.

Wir haben eine enorm Enge Verbindung und ich bin Schuld daran und wollte dies nie. Meine Krankheit ist schon unerträglich und oben auf nun diese Schuld. Es ist wirklich hart zu verdauen. Sollte ich auch noch vor Ihr gehen, dann habe ich Sie komplett zerstört.

Es ist einfach ein Drama und nicht zu verarbeiten.

Danke fürs zuhören. Danke an alle Mütter die so kämpfen wie Ihr es tut.

Untergang der Mutter durch meine Krankheit

Wildaster ist offline
Beiträge: 5.511
Seit: 18.03.12
Lieber Jasper888,

als Mutter berühren mich deine Zeilen sehr, denn keine Mutter wünschst sich Schuldgefühle bei ihrem Kind.
Eine Mutti zu sein ist ein wunderschönes und erfüllendes Gefühl und ja, man entwickelt sich zu einer Löwin und das für immer, was du ja bei deiner Mutti erlebst.

Wie kommst du denn auf den Gedanken, dass deine Mutti an deiner Krankheit zerbricht, lieber Jasper? Ihr seid zusammen stark, das zeigt euer inniges Verhältnis und das ist gut und richtig so.

Es tut mir sehr leid, dass es dir gesundheitlich nicht so gut geht und ich kann mir die Sorgen deiner Mutti um dich gut vorstellen. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass daran ein Mutterherz zerbricht.

Hast du schon einmal mit deiner Mutti darüber reden können?
Ich persönlich würde mir wünschen, dass bei solchen Gefühlen meine Söhne sich mir öffneten und ich ihnen dann solche falschen Schuldgefühle von der Seele nehmen könnte.

Es ist schön, dass ihr euch habt und liebt, denn das ist das Wichtigste, lieber Jasper.

Ich wünsche dir von ganzem herzen alles Gute.

Liebe Grüße von Wildaster
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Wir haben Fröhlichkeit nötig und Glück,Hoffnung und Liebe.( Vincent van Gogh)

Untergang der Mutter durch meine Krankheit

Jasper888 ist offline
Themenstarter Beiträge: 410
Seit: 18.09.14
Hallo,

Danke für deine Zeilen. Aber auch die stärkste Mutter, bzw. Der stärkste Mensch zerbricht irgendwann daran wenn die Person, die er am meisten liebt unentwegt und aussichtslos leidet. Wenn man helfen möchte und kann nicht.

Wir haben oft darüber gesprochen, aber jetzt merke ich und sie sagt es auch, dass sie nicht mehr kann. Sie baut stark ab über den Druck den sie quasi von mir bekommt, bzw. Meiner Krankheit, die kein gutes Ende zu nehmen scheint.

Das ist einfach alles sch... Menschen die man liebt ungewollt soetwas anzutun ist schrecklich. Einfach schrecklich.

Lg

Untergang der Mutter durch meine Krankheit

Gleerndil ist offline
Beiträge: 4.017
Seit: 27.07.09
Eine Frage, Jasper ....
Zitat von Jasper888 Beitrag anzeigen
Ich bin jetzt 37 und kämpfe schon seit 20 Jahren mit meiner Gesundheit.

Für meine Mutter war ich immer der Heilsbringer, sie hat unglaublich viel Hoffnung in mich gesetzt und nun bin ich Ihre größter Schmerz.
Wie meinst Du das mit "Heilsbringer"? Wurde und wird das in der Familie bzw von Deiner Mutter so gesagt? Auch schon als Kind?
Ich mein, es ist ein großes Wort, das ansonsten vielleicht im Zusammenhang mit Jesus Christus gebraucht wird!?

Es wär schon recht ungewöhnlich, meine ich - Gerd
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Die Sinnesorgane der Engel sind unsere Edelsteine. Rudolf Steiner

Untergang der Mutter durch meine Krankheit

Jasper888 ist offline
Themenstarter Beiträge: 410
Seit: 18.09.14
Hy Gerd,

nein nicht auf einer Religiösen Ebene. Sie hatte in schwieriges Leben und meinte nur, dass Ihr Leben mit ir erst begann und da wir uns sehr ähneln und quasi am besten verstehen und ergänzen, hat Sie eben viel Hoffnung in mich gesetzt. Auch dass ich das Unternehmen übernehme etc.pp.

Und jetzt geht quasi alles zeitgleich in die Binsen. Das Unternehmen, Ich, Sie, etc. und das ganz eben durch mich.

Untergang der Mutter durch meine Krankheit

Kayen ist offline
Beiträge: 4.807
Seit: 14.03.07
Hallo Jasper,

wenn Du aber schon seit 20 Jahren krank bist, wie kann eine Mutter alle Hoffnung daran setzen, dass Du mal das Unternehmen übernimmst; irgendwo kann da doch etwas nicht stimmen?
Vielleicht ist da von Anfang an auch zuviel Druck, welcher auf Deinen Schultern lastet . . . oder im Herzen möchtest Du garnicht das Unternehmen übernehmen; sondern etwas ganz anderes tun?

Sorry, lieber Jasper, aber es gibt ganz viele verschiedene Blickwinkel dazu und wir kennen "Euch" ja nicht.
Weiterhin kann es sein, dass Deine Mutter ein ähnliches Leiden hat wie Du, insgesamt aber doch ein wenig stabiler ist oder auch war und nun gibt es "im Alter" natürlich einknicke. Und manchmal sagt man Worte, die man nicht so meint, gerade wenn man fix und fertig ist.

Eine Lösung muss irgendwie her, vielleicht auch, wenn die Übernahme des Unternehmens irgendwie geregelt wird und dann zusammen schauen, wenn "beide krank" sind, wie man am Besten damit umgeht, OHne Schuldzuweisung, das ist ganz wichtig!

Liebe Grüße von Kayen
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Untergang der Mutter durch meine Krankheit

Jasper888 ist offline
Themenstarter Beiträge: 410
Seit: 18.09.14
Hy Kayen,

Du hast durchaus recht. Ich wollte nie und da ich solange schon krank bin, hätte ich auch nie können, selbst wenn ich gewollt hätte. Meine Mutter ist wirklich sehr aussergewöhnlich und stark, aber um Ihr Leben zu überleben, hat Sie ein bisschen Pippi Langstrumpf gespielt und auch in Beziehungen oder anderen Dingen die Hoffnung nie aufgegeben und weiter gemacht. Selbst wenn es mehr als offensichtlich nicht gut gehen kann.

So geht es mir aber auch mit meiner Krankheit. Sie wollte es nie wahrhaben und daher war der Druck auf mich enorm und ich habe obwohl es mir sehr schlecht ging alle Energie investiert die ich nicht hatte um zu funktionieren. Das hat mich am Ende quasi ums Leben gebracht.

Meine Mutter hat bestimmt ähnliche Probleme, aber durch meinen frühen Autounfall und die HWS/Wirbelsäulen Probleme, die nie entdeckt wurden, ist es bei mir eben sehr schlimm geworden.

Ich hatte leider nie die Chance Ich zu werden. Ich würde gerne irgendwie meinen Frieden damit machen. Die meisten Dinge sind einfach nun zu spät, so kommt es nun mal manchmal im Leben. Ich befürchte ich werde damit keinen Frieden machen können. Das ist einfach schwer, auch wenn ich logisch weiss, dass es nicht meine Schuld ist.

Aber zu der extremen Belastung der Krankheit ohne Ausweg nun noch der Mist.

Aber wie Buddha sagt, dass Leben ist auch leiden.

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Gleerndil ist offline
Beiträge: 4.017
Seit: 27.07.09
Zitat von Jasper888 Beitrag anzeigen
Sie hatte ein schwieriges Leben und meinte nur, dass Ihr Leben mit mir erst begann und da wir uns sehr ähneln und quasi am besten verstehen und ergänzen, hat Sie eben viel Hoffnung in mich gesetzt. Auch dass ich das Unternehmen übernehme etc.pp.
Danke für die Antwort, Jasper.
Ich würde auch sagen, ein recht schweres "Erbe", und zwar nicht nur auf das Unternehmen bezogen, sondern auch darauf, dass mit Dir das Leben Deiner Mutter erst angefangen hätte! Da steckt meiner Meinung nach jede Menge Familiengeschichte drin.

Und ist es wirklich so, dass sich Deine Mutter mit Dir besser versteht als mit ihrem Mann, Deinem Vater?
... da wir uns sehr ähneln und quasi am besten verstehen und ergänzen ...
Das wäre auch noch ein Punkt, den man genauer ansehen könnte, zwischen Eltern und Kind, oder Kindern....gibt es auch Geschwister?

Grüße - Gerd
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Jasper888 ist offline
Themenstarter Beiträge: 410
Seit: 18.09.14
Ja sehr schwierige Familiengeschichte. Mein Vater hat sich 95 das Leben genommen und dann hat Sie uns durchgeboxt. Ihr neuer Partner (seit 20 Jahren) ist Intellektuell nicht kompatibel, hat Ihr aber gut getan und er ist ein guter Mensch.

Meine Schwester ist ganz anders als ich.

Aber alles in allem war das zum Scheitern verurteilt. Vielleicht hätte es funktioniert wenn ich den Unfall nicht gehabt hätte. Wer weiß. So war der Druck nicht aushaltbar, zumal niemand die Ursache meiner Krankheit gefunden hatte (Kuklinksi war da noch nicht so verbreitet) und es daher immer auf die Psyche geschoben wurde. Also enormer Druck ohne Ausweg.

Aber dazu muss ich auch sagen, dass Sie eben mitbekommen hat, nicht glücklich sein zu dürfen und nicht gut zu sein, also fehlerhaft und hat dann alles in die Leistung gesteckt. Das ist Ihr zwar gelungen, aber eben für den Preis der Gesundheit und des nicht wirklich Glücklich seins. Ich glaube Sie hatte sich gewünscht ich könnte Sie davon befreien und ich habe Sie nur noch mehr hineingezogen.

Untergang der Mutter durch meine Krankheit

Gleerndil ist offline
Beiträge: 4.017
Seit: 27.07.09
Oh je, Jasper,
wie solltest Du Deine Mutter, oder irgendeinen anderen Menschen, von (s)einer Krankheit befreien?
Wieso "durfte" Deine Mutter nicht glücklich sein? Nach dem Tod Deines Vaters, oder auch vorher schon?
Das war vor 20 bzw 22 Jahren, Du bist seit 20 Jahren krank!?
Seit 20 Jahren gibt es einen neuen, anderen Partner Deiner Mutter.

"Intellektuell nicht kompatibel" - pardon, aber sprecht ihr in der Familie so über diesen Mann?
Ich mein, wenn sie verliebt war, und er ein "guter Mensch" ist, wär es doch eigentlich auch gut. Aber Bildung, Wissen und Position (im Leben) können dem natürlich auch mächtig "im Wege stehen". Wie auch immer.

Und Du wolltest NIE die Firma übernehmen, Deine Mutter wollte aber wohl IMMER, dass es so wird.
Mehr Gegensatz geht ja nicht. Und das über ganz viele Jahre!
Wie lief das ab, mit welchen Worten wurden das kommentiert? Vielleicht an Bedingungen geknüpft?

Nein, das geschieht nicht alles "durch Dich", Jasper, und es kann nicht Deine Schuld sein!
Das Leben Deiner Mutter ist erst einmal IHR Leben. Und ihren Eltern wiederum. Du, bzw ihr Kinder, seid als letzte in diese Familie gekommen, und ihr seid nicht verantwortlich, wie eure Eltern ihr Leben gelebt haben. Oder auch die Generation(en) vorher.

Gerd
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