Wir erfahren Liebe früh durch unsere Eltern, was ist wenn nicht?

15.11.13 21:21 #1
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floeckchen62 ist offline
Beiträge: 186
Seit: 01.11.13
was ist wenn die Eltern diese Liebe nicht weitergeben , wenn man als Kind versucht den Erwartungen zu entsprechen , es vielleicht durch ein Elternteil auch schafft , , aber wie gehen Kinder oder dann Erwachsene mit den Erfahrungen um , macht es sie verletzlicher oder stärker ..


Wir erfahren Liebe früh durch unsere Eltern , was ist wenn es ni
Clematis
Hallo Flöckchen,

meist geben Eltern unbewußt das Verhalten ihrer eigenen Eltern weiter, es sei denn sie waren sich des Problems bewußt und haben sich vorgenommen, nicht so zu handeln wie ihre Eltern. Doch selbst dann gelingt es ihnen nicht immer, das vollständig umzusetzen. Das ist kein böser Wille und bedeutet auch nicht, daß sie ihre Kinder nicht lieben, sie können es aber nicht so ausdrücken, daß ihr Kind diese Liebe auch spürt.

Wenn ein Kind diese Liebe nicht spürt oder sogar meint es werde nicht geliebt, kann es zu Entwicklungsstörungen kommen. Da ihm die nötige Geborgenheit, Sicherheit fehlt, kann es je nach eigener Veranlagung unterschiedliche Folgen haben und unterschiedlich damit umgehen. Hat das Kind eine starke Psyche mitbekommen, kann es sicher leichter damit umgehen, doch so ganz ohne Folgen wird das nicht bleiben, nur abgeschwächter. Ist das Kind aber psychisch nicht so stark kann es kein Selbstbewußtsein entwickeln, fühlt sich verunsichert, kann Ängste in Situationen entwickeln, die eigentlich gar keinen Anlaß dazu geben, kann anderen Menschen gegenüber ständig mißtrauisch sein oder sie immer aus dem Blickwinkel betrachten: mag der mich?

Teilweise können sich diese Probleme "auswachsen", d.h. neue und bessere Erfahrungen beim Aufwachsen, können die alten Einsichten überlagern und die Situation verbessern. Das kann durch das Verhalten der Eltern geschehen, deren Verhalten nun dem des älter gewordenen Kindes besser entspricht, durch Lehrer, Familienmitglieder, Freunde, die das Kind annehmen und betreuen, die es auf ihre Art lieben.

Dabei ist auch zu berücksichtigen, daß die ersten drei Lebensjahre in dieser Hinsicht die wichtigsten sind. Hier entsteht die enge Bindung zwischen Mutter und Kind, das Gefühl der Geborgenheit, das Kind verläßt sich ganz auf die Mutter und fühlt sich bei ihr immer in Sicherheit und die Mutter bindet sich ebenfalls in dieser Zeit an das Kind. Das Fremdeln, das auch in dieses Alter fällt, zeigt, daß das Kind zunächst mal vor Fremden Angst hat, es vertraut ihnen nicht. Im Schutz der Mutter wird es das allmählich überwinden, weil es auch Selbstvertrauen entwickeln kann. Fehlt das, kann das in einem lebenslangen Problem münden - jedem wird mißtrauisch begegnet.

Es kann vorkommen, daß die Mutter sofort nach der Geburt langfristig krank wird und das Kind in die Obhut der Großmutter kommt, während das erste Kind gleich zwei Jahre lang bei der Mutter aufwuchs und erst später zur Oma kam. Ist die Mutter nach zwei Jahren wieder gesund und holt beide Kinder wieder zu sich, hat das Ältere eine starke Bindung an die Mutter, das Jüngere jedoch keine. In dem mir bekannten Fall fühlte sich das Jüngere lebenslang ungeliebt, glaubte die ältere Schwester würde stets bevorzugt und geliebt, sie selbst aber nicht. Auch die Mutter hatte kein so enges Verhältnis zum zweiten Kind, obwohl sie es ebenfalls liebte. Aber die Chance auch hier diese enge Bindung einzugehen, war durch die mit Trennung verbundene Krankheit zunichte gemacht worden und konnte nur teilweise später noch aufgebaut werden. Die Schwestern hatten bis ins höhere Alter immer nur Streit. Das endete erst nachdem die Jüngere eine Therapie gemacht hatte, sie durch Aufdecken der Ursachen verstand, was da vorgefallen war und daß es die Umstände waren, die das Problem verursachten, aber nicht ein Mangel an Liebe. Danach verbesserte sich ihr Verhältnis zu Mutter und Schwester erheblich.

Zu Deiner Frage könnte man noch Stundenlang weitere Ausführungen machen - hier habe ich nur einen winzigen Teil davon angesprochen, den man zudem noch vertiefen müsste. Doch da werden sicherlich noch andere hier im Forum viel dazu beitragen.

Liebe Grüße,
Clematis

Geändert von Malve (25.11.13 um 01:56 Uhr) Grund: Vollzitat entfernt

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mondvogel ist offline
Beiträge: 5.076
Seit: 07.04.10
Zitat von floeckchen62 Beitrag anzeigen
....aber wie gehen Kinder oder dann Erwachsene mit den Erfahrungen um , macht es sie verletzlicher oder stärker ..
Hallo Floeckchen,

ich denke, das hängt von vielen Faktoren ab....manche Kinder (im Glücksfall) werden sich durchbeißen und durch die negative Erfahrung den Wunsch haben "es anders machen zu wollen"...

Andere werden dies nicht schaffen; und ihre Erfahrung so weitergeben.

Ich denke aber auch, dass im Falle eines negativen Bindungsverhaltens es schwer möglich ist, tatsächlich positive Bindungen aufzubauen.

Ein gutes Bindungsverhalten muss allerdings nicht unbedingt durch ein Elternteil /Mutter aufgebaut werden. Auch z.B. die Großmutter/ Adoptiveltern/ Tagesmutter können durchaus einem Kind Vertrauen in die Welt vermitteln....dann am besten so früh wie möglich....

Schau mal hier:http://tannenhof.de/fileadmin/user_u...ahren-kurz.pdf

ciao mondvogel
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Wildaster ist offline
Beiträge: 5.255
Seit: 18.03.12
Hallo flöckchen,
leider gibt es noch sehr viele Kinder,die ohne Elternliebe aufwachsen müssen,was ich täglich erlebe.
Clematisund Movohaben schon das Wichtigste darüber geschrieben,denn so sehe ich es auch.
Nur durch Elternliebe können Kinder ein Urvertrauen entwickeln und erhalten dadurch ein gesundes Selbstbewusstsein.
.Spüren sie die Liebe nicht,hat das schwerwiegende Folgen,denn das Kind gibt sich häufig selbst die Schuld und läuft der Liebe lange hinterher.

Im Erwachsenenalter übertragen sie den Wunsch oft auf den Partner,oder man wird sich der Tatsache bewusst,nie geliebt worden zu sein und wird depressiv,wenn man nicht die Kraft hat,sich von diesem Druck zu befreien.
Ich habe sehr oft beobachtet,dass diese Kinder auf der Suche nach Liebe,Zuneigung und Aufmerksamkeit ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse unterdrücken und es jedem recht machen wollen.
Damit will man zeigen,dass sie wert sind,geliebt zu werden.
Schaffen sie es nicht im Laufe ihres Lebens,ihre Probleme zu verarbeiten und mit den Schmerzen und Verletzungen in ihrer Vergangenheit umzugehen und auch schöne Dinge aus der Vergangenheit zuzulassen(Großeltern,Geschwister,Freunde usw.) besteht zwangsläufig die Gefahr,bestimmte Verhaltensweisen auf ihre Kinder zu übertragen.

Ein interessantes und wichtiges Thema.
Liebe Grüße von Wildaster
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Wir haben Fröhlichkeit nötig und Glück,Hoffnung und Liebe.( Vincent van Gogh)

Geändert von Wildaster (16.11.13 um 12:01 Uhr) Grund: Ergänzung

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Clematis
Zitat von mondvogel Beitrag anzeigen
Hallo Mondvogel,

eine sehr schöne Zusammenfassung vieler Aspekte. Darunter fiel mir dieser Abschnitt auf:
Anthropologen gehen davon aus, dass der Mensch zu den „Kollektivbrütern“gehört; das bedeutet, dass es für das Überleben sowie die kognitive Entwicklung von Kindern schon immer wichtig war, dass andere Personen der Mutter bei der Betreuung und Aufzucht der Kinder halfen - was aber auch zur Folge hatte, dass die Kinder zeitweise von ihrer Mutter getrennt waren.
Bei indigenen Völkern fernab jeder Zivilisation in Afrika ist bzw. war es üblich, daß die Kinder während der ersten zwei bis drei Jahre vom Stamm, aber nicht von der Mutter betreut werden. Der Hintergrund ist, daß sich erst herausstellen sollte, ob dieses Kind physisch stark genug ist, um zu überleben - d.h. den zahlreichen Infektionskrankheiten, die dort vorkommen zu widerstehen. Die Wahrscheinlichkeit, daß es stirbt ist dort recht groß. Die Mutter soll daher zunächst keine starke Bindung zum Kind entwickeln, damit sie den Tod des Kindes besser verkraften kann, sollte er eintreten.

Ein weiterer Aspekt ist dort, daß selbst wenn der Stamm Zugang zu westlichen Medikamenten hat, mittels einer Reise von mehreren Tagen, dies nicht wahrgenommen wird, weil dieses Kind dennoch schwächlich bleiben und später häufig Medikamente brauchen wird, was für den Stamm eine zu hohe Belastung darstellt. Ein Kind, das ohne Medikamente überlebt, so die Begründung, wird später gesundheitlich stark sein, seinen Beitrag zum Stamm leisten können und bei der Fortpflanzung auch physisch starke Kinder zeugen bzw. zur Welt bringen.

Uns wird diese Denkweise archaisch wenn nicht gar grausam vorkommen, doch für das Überleben des Stammes als gesunder, starker Einheit, erscheint diesen Stämmen diese Vorgehensweise als die einzig Sinnvolle. Beobachtungen zeigen, daß Männer und Frauen bei diesen Stämmen besonders gesund und kräftig sind.

Diese Beobachtungen wurden in den 1970er Jahren bei Stämmen im weitverzweigten Volta-Delta in Ghana gemacht. Dies schildere ich nur, um andere Denkweisen aufzuzeigen, die den dortigen Verhältnissen angepaßt waren bzw. sind. Daß ich Derartiges nicht befürworte, betone ich hier ausdrücklich, um zu vermeiden, daß das jemand mißversteht. Jedes Kind, ob schwach oder stark, hat ein Anrecht auf beste Betreuung und ein menschenwürdiges Überleben.

Liebe Grüße,
Clematis

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Wildaster ist offline
Beiträge: 5.255
Seit: 18.03.12
Hallo,
ich meine aber Kinder,die mitten unter uns leben und oft in ihren Familien keine Liebe erfahren.
Es ist etwas ganz anderes ,wenn noch andere Bezugspersonen vorhanden sind oder die Kinder aus den Familien genommen werden,damit sie behütet an einem anderen Ort aufwachsen können.

Guten Abend wünscht Wildaster
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Geändert von Wildaster (16.11.13 um 18:23 Uhr) Grund: Kürzung

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MeerSalz
Hallo Clematis,

in der traditionell chinesischen Medizin gibt es so eine ähnliche Sichtweise, wie diese hier von dir beschriebene:

Bei indigenen Völkern fernab jeder Zivilisation in Afrika ist bzw. war es üblich, daß die Kinder während der ersten zwei bis drei Jahre vom Stamm, aber nicht von der Mutter betreut werden. Der Hintergrund ist, daß sich erst herausstellen sollte, ob dieses Kind physisch stark genug ist, um zu überleben - d.h. den zahlreichen Infektionskrankheiten, die dort vorkommen zu widerstehen. Die Wahrscheinlichkeit, daß es stirbt ist dort recht groß. Die Mutter soll daher zunächst keine starke Bindung zum Kind entwickeln, damit sie den Tod des Kindes besser verkraften kann, sollte er eintreten.
Es wird dort vorgeburtliches Nieren-Qi genannt, also die "Stärke" die es durch beide Elternteile vererbt bekommen hat.

Die Niere wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin [TCM] oft als die Wurzel des Lebens bezeichnet.

Funktionen der Niere:

Sie speichert die Essenz, eine wertvolle Substanz, die von den Eltern ererbt wird und auch teilweise durch das aus der Nahrung gewonnene Qi ergänzt wird

Bemerkenswert Ist hierbei, dass die Qualität der Essenz entscheidend zum Zeitpunkt der Empfängnis festgelegt wird. Sind die Eltern zum Zeitpunkt der Zeugung ausgeruht und deren Essenz in guter Kondition, so wird sich der gezeugte Mensch ebenso hochwertiger Nierenessenz erfreuen können. Sich dieser Tatsache bewusst, bereiten sich beispielsweise wohlhabende Chinesen auf die Zeugung jahrelang körperlich vor. Umgekehrt sind Nierenschwächen häufig bei Menschen kinderreicher Familien festzustellen.
(Quelle:Warum ist die Niere in der TCM so bedeutsam)


In unserer westlichen Medizin spricht man auch von Resilienz:

Ein anschauliches Beispiel für Resilienz im engeren Sinn ist die Fähigkeit eines Stehaufmännchens: Es kann sich aus jeder beliebigen Lage wieder aufrichten. Schematisch kann man sich diese Art von Resilienz auch als Teilmenge des Zustandsraumes vorstellen, innerhalb dessen ein System nach einer Störung immer wieder zum „Grundzustand“ zurückkehrt. Ein eng verwandter Begriff ist Selbstregulation.
(Quelle: Resilienz)

Und hier mal ein Test auf Resilienz:
Test: wie steht es um Ihre innere Widerstandskraft?

Im Übrigen - das ist meine ganz persönliche Meinung - finde ich es falsch, Säuglingen ihren Müttern zu entziehen, mit der Begründung, Ihre Belastbarkeit und Stärke zu testen. Man weiß aus Untersuchungen, dass sich bei kleinen Kinder Stresshormone im Speichel auffinden lassen, die in Kitas und ähnlichen Einrichtung untergebracht sind. Ein Kind braucht eine feste Bezugsperson, auf die sie sich verlassen kann! Arachaisch (also entwicklungsgeschichtlich älteren Schichten der Persönlichkeit angehörend) finde ich dieses Vorgehen auch nicht. Eher widernatürlich und abartig - so wie auch die Beschneidungen, die dort immer noch gang und gäbe sind). "Natürlich aufwachsen" heißt bei einem Säugetier (wie es der Mensch eben auch ist - es soll ja an der Mutterbrust genährt werden, deswegen hat der liebe Gott und ja mit Brüsten ausgestattet) das Kind gehört zur Mutter sonst hat es in der Natur keine Chance!

Grüßle
MeerSalz

Geändert von MeerSalz (17.11.13 um 10:14 Uhr)

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Clematis
Zitat von MeerSalz Beitrag anzeigen
Es wird dort vorgeburtliches Nieren-Qi genannt, also die "Stärke" die es durch beide Elternteile vererbt bekommen hat.

Und hier mal ein Test auf Resilienz:
Test: wie steht es um Ihre innere Widerstandskraft?
Hallo MeerSalz,

interessante Ausführungen und Deinem letzten Absatz kann ich nur voll zustimmen, so sehe ich persönlich das auch.
Der Test ist auch interessant, leider wird bei der Auswertung kein von-bis Bereich angegeben, damit man genauer abschätzen kann, wo man liegt...
Die Fragen sind aber gut zum in sich gehen

Liebe Grüße,
Clematis

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mondvogel ist offline
Beiträge: 5.076
Seit: 07.04.10
Hallo Floeckchen,

Die Diskussion ist hier vorangeschritten (und so wie ich finde wurden viele interessante Aspekte aufgezeigt); Du hast Dich aber nicht mehr beteiligt....

Wurde Deine Frage nicht beantwortet?

Lieben Gruß mondvogel
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Geändert von mondvogel (17.11.13 um 12:19 Uhr)

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ullika ist offline
Beiträge: 1.468
Seit: 27.08.13
Wenn man als Kind sich nicht geliebt fühlt, bzw. Geschwister bevorzugt werden, hat man zwei Möglichkeiten: Man leidet darunter, wird zum Opfer oder man lernt, sich zu freuen, wenn es den anderen gut geht, daraus kann man viel Kraft schöpfen.

Als Opfer weiterzuleben, bringt vielleicht Mitleid und Trost, aber das macht einen nicht stärker und selbstbewusster, sondern zeigt einem, wie schlecht es einem geht.

Viele Menschen spielen diese Opferrolle, vor allem Frauen, weil sie meistens als Kind schon benachteiligt wurden und sie geben das dann an ihre Töchter weiter oder sie machen es besser, lieben ihre Tochter, machen sie zu selbstbewussten Frauen mit einem Urvertrauen, das sie selber nicht haben.

Dann bekommen sie die Liebe von ihrer Tochter, die sie von der Mutter vermissten.

Das ist eine Möglichkeit.

Dazu braucht man aber den richtigen Partner, einen, der einen liebt, nicht einen, der einen nicht liebt und dem man nachlaufen muss.
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Der Weg zur Gesundheit führt durch die Küche, nicht durch die Apotheke (Sebastian Kneipp)


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