Sexualunterricht in der Schule

02.09.13 12:16 #1
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Sexualunterricht in der Schule

mondvogel ist offline
Beiträge: 5.131
Seit: 07.04.10
Hallo Phil,

ich glaube, dass der Fragenkatalog nicht in die Rubrik Effekthascherei gehört, sondern überkommene und festgefahrene Meinungen durch "Umkehrung" deutlich machen soll...mMn

(genau die gleichen Fragen müssen sich Homosexuelle nämlich oft normalerweise gefallen lassen....)

Gruß mondvogel
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"There is a crack in everything. That's how the light comes in." Leonard Cohen (RIP)

Sexualunterricht in der Schule

Gleerndil ist gerade online
Beiträge: 4.200
Seit: 26.07.09
Zitat von Nischka Beitrag anzeigen
Hier der Fragebogen für Kinder von der Gewerkschaft (Anmerkung: das ist wirklich ernstgemeint)
Wer das, aus irgendeinem Blog übernommen, und in 20-Punkt-Großschrift weiter verbreitet, nur als verschwörerische Ausbeutung deuten kann, der sollte vielleicht noch einmal ein paar Jahre eine Schule besuchen. Wahlweise mit oder ohne Sexualkunde.

Gerd
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Die Sinnesorgane der Engel sind unsere Edelsteine. Rudolf Steiner

Sexualunterricht in der Schule
Clematis
Hallo,

Dieser Passus steht auf Seite 20-21 unten:
11. Es scheint sehr wenige glückliche Heterosexuelle zu geben; aber es wurden Verfahren entwickelt, die es dir möglich machen könnten, dich zu ändern, falls du es wirklich willst. Hast du schon einmal in Betracht gezogen, eine Elektroschocktherapie zu machen?
Und nicht etwa nur im Blog, sondern als Vorschlag für Unterrichtsmaterial in dem Heft der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft mit dem Titel: Lesbische und schwule Lebensweisen - ein Thema für die Schule, Unterricht, Info-Wissen-Service, gerichtet an die Lehrerschaft: Eine Publikation für LehrerInnen, veröffentlicht im Februar 2013.
Verfasst und bearbeitet von:
Soraya Baßler, Marie-Christine Beisel, Andrea Duffner-Hauf, Udo Fleige, Elke Gärtner, Elisabeth Grünwald, Annette Härtel, Anne Huschens, Renate Kupke, Dr. Kirsten Matthies, Annedore Pflomm, Annemarie Renftle, Ruth Schwabe, Ulrike Schwager, Daniela Weber, auf Seiten 4-5.

Hier kann die gesamte Broschüre als PDF heruntergeladen werden:
https://www.gew-bw.de/Binaries/Binary20121/L-S-Lebenswesen_2013_web.pdf
Der Link dazu findet sich auf der Seite des Blogs - weil die Betreiberin desselben, selber nicht glauben konnte, daß derartiges vorgeschlagen werden könnte. Hier: Lehrergewerkschaft: Elektroschocktherapie gegen heterosexuelles Verhalten | Maria Lourdes Blog

Wer Elektroschocktherapie - eine der grausamsten Behandlungsmethoden, die es überhaupt gibt - Jungendlichen und Kindern auch nur nahelegt, gehört m.E. in den finstersten Kerker weggesperrt!

Auch diese Punkte sind m.E. äußerst bedenklich:
10 In Anbetracht der Übervölkerung stellt sich folgende Frage: Wie könnte die Menschheit überleben, wenn alle heterosexuell wären?
Sollen sich heterosexuelle Jugendliche nun schuldig fühlen, weil sie später mal Kinder haben wollen?
12 Möchtest du, dass dein Kind heterosexuell ist, obwohl du die Probleme kennst, mit denen es konfrontiert würde?
Und wenn sie Kinder bekommen, sollen sie diese dann zu Lesben und Homosexuellen erziehen, damit sie die Probleme der Heterosexuellen nicht bekommen? Unterton: das Leben der Lesben und Schwulen ist problemlos! ?

Allein an diesen Beispielen ist erkennbar wie tendenziös diese Schrift ist! Doch auch die anderen haben es in sich - Heterosexualität wird tendenziell durchweg als negativ dargestellt. Der Fragebogen kommt offenbar aus dem englischen Sprachraum wie darunter angegeben wird: (Gekürzt nach: P. Baker, ”The Language of Sex: The Hetero-sexual Questionaire”) - die genaue Quelle fehlt und er ist im Netz nicht zu finden. Die Verfasser der GEW-Broschüre müßten eigentlich wissen, daß die Quelle angegeben werden muss, auch dann, wenn sie ihn gekürzt haben.

Ja, man sollte auf dem Teppich bleiben - aber das was sich die GEW hier leistet geht auf keine Kuhhaut mehr! Die Unterrichtsbeispiele gelten für Schüler ab der 4. Klasse, Grundschule, also ab 10 Jahren. Das sind noch Kinder!

Übrigens ist es schon öfter vorgekommen, daß heterosexuelle Frauen sich nach einer Vergewaltigung völlig vom männlichen Geschlecht distanzierten und in der Folge dauerhafte, lesbische Beziehungen eingegangen sind. Traumata und psychologische Beeinflussung können also durchaus zu einer anderen Verhaltensweise führen als der Urspünglichen. Die Beeinflußbarkeit des kleinen und jungen Menschen sollte man also nicht unterschätzen.

Zitat von Gleerndil: Wer das, aus irgendeinem Blog übernommen, und in 20-Punkt-Großschrift weiter verbreitet, nur als verschwörerische Ausbeutung deuten kann, der sollte vielleicht noch einmal ein paar Jahre eine Schule besuchen. Wahlweise mit oder ohne Sexualkunde.
Und bevor man derartig kommentiert, andere mangelhafter Schulbildung beschuldigt, sollte man sich wenigstens erst mal die Mühe machen und die Texte der Links auch lesen sowie die Quellen überprüfen.

Gruß,
Clematis

PS: Hier noch eine kritische Betrachtung, die m.E. recht ausgewogen ist:
https://www.openpetition.de/petition...es-regenbogens

Geändert von Clematis (21.02.14 um 07:06 Uhr)

Sexualunterricht in der Schule

alibiorangerl ist offline
Beiträge: 8.948
Seit: 09.09.08
Wuhu Clematis,
es ist wie ich meinte, denn...

Die meisten "Kinder" mit 10 (und teilweise bereits darunter!) sind keine mehr; Es sind bereits Jugendliche, gehen bereits in die nächst höhere Schule. Wir müssen uns mal klar machen, dass die Zeiten lange vorbei sind, wo man sich als Kind ohne moderne Medien (Internet ) nur auf das eine oder andere waage Gerücht eines Mitschülers bzw Freudes hin selbst ausmalen musste, was das eine oder andere wäre bzw zu bedeuten hätte usw usf und man seine Eltern natürlich nie fragen konnte (weil man wusste, wie verklemmt die selbst sind).

Traumatische Erlebnisse (durch zB Mißbrauch) gibt es natürlich. Allerdings steht da unumstößlich im Raum, dass so eine (sexuell) mißbrauchte Frau immers schon lesbisch war. Gegenbeispiel siehe weiter unten...

Und G. Stängle mit seiner persönlichen Petition unterstelle ich eine arge Homophobie (falls er nicht selbst ein sich selbst Verdränger ist (Sorry, dieses Klischee musste nun auch mal sein)).

1. Woher, glaubst du, kommt deine Heterosexualität?
Noch immer wird in (erz-) konservativen bzw (fundamental-) kirchlichen Gegendenden von ebensolchen Leuten anderen an den Kopf geworfen, sie (die Homosexuellen) wären entweder selbst schuld so zu sein - oder krank.

2. Wann und warum hast du dich entschlossen, heterosexuell zu sein?
Wie schon öfters verlautbart: NIEMAND sucht sich aus, homosexuell (oder heterosexuell oder bisexuell oder...) zu sein respektive zu werden. Man ist es (von Geburt an).

3. Ist es möglich, dass deine Heterosexualität nur eine Phase ist und dass du diese Phase überwinden wirst?
Genau so hörten und hören es noch immer - geoutete - junge homosexuelle Leute.

4. Ist es möglich, dass deine Heterosexualität von einer neurotischen Angst vor Menschen des gleichen Geschlechtes kommt?
Dito - als hätte man als homosexuelle Frau Angst vor einem "normalen" (heterosexuellen) Mann und vice versa als homosexueller Mann Angst vor einer "normalen" (heterosexuellen) Frau. Homosexuelle wären - den konservativ/kirchlichen Meinungen nach - also Angst-Neurotiker.

5. Wissen deine Eltern, dass du heterosexuell bist? Wissen es Deine Freundinnen und Freunde? Wie haben sie reagiert?
Den jungen homosexuellen Leuten wurde und wird von diesen konservativen Kreisen Angst gemacht, die Familie und Freunde würden sich von ihnen abwenden, wüssten sie über ihre "Einbildung" bzw "Krankheit" bescheid. Sind diese Eltern auch noch so "vorsintflutlich" im Geiste, dann ist das ja gradezu eine sich selbsterfüllende Prophezeihung. DAS nenne ich krank.

6. Eine ungleich starke Mehrheit der Kinderbelästiger ist heterosexuell. Kannst Du es verantworten, deine Kinder heterosexuellen Lehrer/innen auszusetzen?
Noch so ein Märchen - die meisten "Kinderbelästiger" wären homosexuell. Sind sie nicht, in der Regel sind sie nämlich päderastisch veranlagt, egal ob sie nun sonst hetero-, homo- oder bi-sexuell sind.

7. Was machen Männer und Frauen denn eigentlich im Bett zusammen? Wie können sie wirklich wissen, wie sie sich gegenseitig befriedigen können, wo sie doch anatomisch so unterschiedlich sind?
Das nächste Schauermärchen, mit dem man jungen Leuten ein schlechtes Gewissen einreden mag, wenn sie denn tatsächlich homo- (oder bi-) sexuell sind - "Frau mit Frau bzw Mann mit Mann - das ist ja Pfui-Gack!".

8. Obwohl die Gesellschaft die Ehe so stark unterstützt, steigt die Scheidungsraten immer mehr. Warum gibt es so wenige langjährige, stabile Beziehungen unter Heterosexuellen?
Noch so ein Klischee-Abzug konservativer von homosexuellen Beziehungen - permanenter Wechsel, so gut wie keine festen Partnerschafte. Es ist jedoch bei diesen nicht anders als bei Heteros.

9. Laut Statistik kommen Geschlechtskrankheiten bei Lesben am wenigsten vor. Ist es daher für Frauen wirklich sinnvoll, eine heterosexuelle Lebensweise zu führen und so das Risiko vonGeschlechtskrankheiten und Schwangerschaft einzugehen?
Die Keule mit den überdurchschnittlich frequenten Geschlechtskrankheiten bei Homosexuellen wird ja auch noch immer geschwungen.

10. In Anbetracht der Übervölkerung stellt sich folgende Frage: Wie könnte die Menschheit überleben, wenn alle heterosexuell wären?
Ach, ja, ein Klassiker: Wenn Du homosexuell bist, dann stirbt die Menschheit aus - wer soll denn bitte sonst Kinder zeugen.

11. Es scheint sehr wenige glückliche Heterosexuelle zu geben; aber es wurden Verfahren entwickelt, die es dir möglich machen könnten, dich zu ändern, falls du es wirklich willst. Hast du schon einmal in Betracht gezogen, eine Elektroschocktherapie zu machen?
Das sind jene "Therapien", wie sie bereits vor sehr vielen Jahrzehnten von gewissen (Über-) Menschen ersonnen wurden, um Homosexuelle zu "therapieren". Das ist jedoch nicht möglich - ein heterosexueller Mensch wird nicht homosexuell und umgekehrt genausowenig. Das sind Fakten - die man erfährt, wenn man mit "Betroffenen" redet.

Gibt es Menschen, die so einen "Wechsel" von zB hetero auf homo-sexuell tatsächlich durchleben müssen (also zB Freundin/Frau und Kind/er hatten), dann waren sie bereits vorher homosexuell - allerdings verleugneten sie sich bis dahin immer selbst, grade wegen dieser hirnrissigen konservativen Denkweise von (leider noch immer weiten) Teilen der Gesellschaft (die schließlich bisher in diese Richtung hin "erzogen" wurde).

12. Möchtest du, dass dein Kind heterosexuell ist, obwohl du die Probleme kennst, mit denen es konfrontiert würde?
Der nächste Klassiker unter den geistigen Brandschatzern: Eltern wollen IMMER gesunde Kinder und vor allem dahingehend, "fit für die Gesellschaft" zu sein.

Wie man sieht gibt es noch immer derartig arge Vor-Behalte sowie -Urteile, das noch immer viele Mamas und Papas sich für ihr Kind "wünschen" sie wären jedenfalls nicht homosexuell - sie hätten ja nur Nachteile in dieser Gesellschaft. Hier beissts sich in den Schwanz - das ist doch hoffentlich erkennbar?!

Wenn "diese Gesellschaft" es bisher nicht (ausreichend) verstand bzw schaffte, die jungen Menschen so zu erziehen, dass homosexuelle (und ähnliche) Menschen gleichberechtigt leben "dürfen", dann muss das entsprechend angegeangen werden. Bildung auf emotionaler Basis a la "schau, wie mit Homosexuellen bisher umgesprungen wurde - würdest Du das für Dich (bzw Deine Kinder) so wollen? - Eben, dann respektiere andere Lebensweisen genauso wie die Deine..." usw usf.

Das Leben von Homosexuellen IST problemlos bzw WÄRE es tatsächlich, wenn endlich mal alle bisher verängstigten Menschen eine ehrliche Aufklärung bekämen. Zum Beispiel in der Schule.
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» Optimismus ist nur ein Mangel an Information. « – Heiner Müller

Geändert von alibiorangerl (21.02.14 um 09:05 Uhr)

Sexualunterricht in der Schule

Datura ist offline
in memoriam
Beiträge: 5.002
Seit: 09.01.10
Danke, Mondvogel, Apfelsinchen und Gleerndil,

ich hab keinen Nev, hier tiefer einzusteigen, aber, was Du, Clematis, hier verbreitest, ist.... (würde die Boardregeln verletzen, wenn ich's aufschriebe).

Wie kann man aus diesem Fragenkatalog rauslesen, die Lehrergewerkschaft würde Elektroschocks fordern? Das ist unfassbar, und das dann auch noch hier verbreiten.

Solche provokanten Fragebögen kann man dazu benutzen, einen Zugang dazu zu schaffen, Verständnis und Einfühlung für Homosexuelle zu entwickeln.

Unfassbar, das sollte alles gelöscht werden, wer ist eigentlich zuständig?

Datura

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alibiorangerl ist offline
Beiträge: 8.948
Seit: 09.09.08
Wuhu Datura,
ich denke, das
Zitat von Datura Beitrag anzeigen
...das sollte alles gelöscht werden, ...
sollte es nicht. Gerade WEIL es noch so viel an UNwissen in unserer Gesellschaft gibt; Und einige von uns klären doch diese (von gewissen Kreisen bewusst forcierten) Mißverständisse bzw gar Desinformationen...
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Felis ist offline
Beiträge: 5.377
Seit: 14.08.10
Hallo,
da solche Ängste geschürt werden bzw. bestehen hier mal ein Link zu
Netzwerk Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle, Transgender, Intersexuelle und Queere Menschen
Start - Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg

Mitglieder :
Mitglieder - Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg

Und die Stellungnahme zu der von Clematis verlinkten Petition.

17.12.2013: Stellungnahme zur Petition "Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens" - Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg

Liebe Grüße von Felis
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Was man liebt, das möchte man bewahren.

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Datura ist offline
in memoriam
Beiträge: 5.002
Seit: 09.01.10
Na gut, apfelsinchen, seh ich ein.

D.

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alibiorangerl ist offline
Beiträge: 8.948
Seit: 09.09.08
Wuhu,
Danke Felis für die Links...
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» Optimismus ist nur ein Mangel an Information. « – Heiner Müller

Sexualunterricht in der Schule

Nischka ist offline
Beiträge: 1.532
Seit: 02.01.11
Hallo!
Ich finde es schade, daß hier zum Teil ein harscher Ton angeschlagen wurde (löschen, nochmal Schulbank drücken), ich finde das wirklich unnötig.

Meiner Ansicht nach geht es nicht um Rechthaberei und Frontenbildung, sondern um sachlichen Informationsaustausch/Aufklärung: WIE ist das ganze nun tatsächlich gemeint, und wie soll es in der Praxis eigentlich dann umgesetzt werden? Ist der Umgang der Lehrkraft damit sensibel genug, damit so ein Fragebogen auf die Kinder (auch wenn er umdrehend gemeint ist) nicht angstauslösend wirkt?
(Und ganz sicher ging es nicht um schwarz - oder weiß, d. h. bei Ablehnung eines solchen Fragebogens nicht um eine Feindlichkeit anderen Menschen gegenüber, die sexuell anders orientiert sind. Dies wäre ein Mißverständnis, z. B. so: Wenn Du nicht damit einverstanden bist, bist Du automatisch gegen den ganzen Personenkreis)

Ich versuche mir vorzustellen, daß meine Kinder in der Schule mit 10 Jahren mit solchen Fragebögen konfrontiert würden (inkl. Thema Elektroschocks), ich würde es sicher nicht wollen. Oder ich selber wäre davon mit 10 Jahren betroffen gewesen... ich würde meinen, allerfrühesens mit 13/14 Jahren hätte ich ein bißchen davon verstanden.

Eine Toleranz anders orientierten Menschen gegenüber kann man auch auf ganz andere Weise fördern, z. B. einfach durch selbstverständliches Umgehen damit (siehe auch Kinder, die von Anfang an mit Menschen dunklerer Hautfarbe Kontakt haben, da entsteht gar nicht erst eine Abgrenzung).

Hoffe, ich konnte meine Gedanken einigermaßen verständlich in Worte fassen (ohne daß hier gleich Haue erwogen wird).

Viele Grüße
**Nischka**
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Stell Dir vor, es gibt Funk, und keiner nutzt ihn :-D


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