Erfolgsbericht von Depersonalisation/Derealisation von Cannabis

14.07.15 12:25 #1
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Itsrainingmen1 ist offline
Beiträge: 183
Seit: 13.02.15
Hallo Leute.

Ich habe meine Depersonalisation und Derealisation, verbunden mit anderen Symptomen wie starke innere Unruhe und Herzrasen überwunden. Ich hatte DP und DR seit einem Jahr chronisch, ausgelöst durch Cannabis.
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Aber im Prinzip ist es ein ganz einfacher Mechanismus. Depersonalisation und Derealisation im herkömmlichen Sinne, bleibt immer nur durch Angst erhalten. Doch Vorsicht: Ich rede jetzt von der Depersonalisation und Derealisation, welche durch Cannabis oder andere Drogen oder durch eine Panikattacke hervorgerufen wurde. Für die Depersonalisation von Traumatas oder anderen Ursachen kann ich NICHT sprechen.

Bei mir war es so, dass ich mal durch Cannabis phasenweise Depersonalisationserlebnisse hatte. Mal für kurze Zeiten paar mal am Tag, mal 3 Monate am Stück. Nach Absetzen des Cannabis verschwanden die Symptome von selbst mit der Zeit.

Doch, da ich in der letzten Zeit immer mehr gekifft hatte, trotz Depersonalisationssymptomen, bekam ich irgendwann Angst davor. Denn sie verschwanden nicht mehr. und genau HIER müssen wir eine wichtige Erkenntnis machen.
Ich machte mir Sorgen. Ich dachte, mit mir stimmt etwas nicht. Ich dachte, ich bräuchte therapeutische Hilfe. Doch in Wahrheit ist das alles Schwachsinn, auch wenn es sehr schwer zu verstehen ist. Genau diese Angst ist der Grund dafür, dass die DP nicht wieder verschwindet. Die feste Überzeugung davon, dass man krank sei oder dass mit einem etwas nicht stimme.
Ich war bei 2 verschiedenen Hypnosetherapeuten, und hatte jeweils eine Sitzung. Ich war bei einer normalen Therapeutin, die mir bei der ersten Sitzung sagte, dass meine Symptome in die Richtung der Schizophrenie gehen würde. Sie wollte mir Medikamente verschreiben (Fluoxetin)... Dies habe ich abgelehnt und ich bin nie wieder zu ihr gegangen.
So verzweifelt wie ich war fand ich letztendlich die Klinik in Mainz, die angeblich auf Depersonalisation spezialisiert sei. Da ich mir so viele Sorgen um meine Zukunft machte, und meine Schule zu dem Zeitpunkt wegen meinen Symptomen abgebrochen hatte, meldete ich mich in der Klinik an und war für ca. 4 Wochen da.
Mir persönlich half diese Klinik für meine Depersonalisation gar nicht. Es gab manchmal bis zu 3 Therapien am Tag, von Tanztherapie über Gruppentherapie zu Kunsttherapie, Einzeltherapie gab es ebenfalls 1x die Woche. Doch meiner Meinung nach waren es ganz normale Therapien, wo es um die Gefühle ging. Um die Vergangenheit.
Da es aber verschiedene Auslöser einer DP gibt, sollte man auch verschieden behandeln.
Die Tanztherapie war z.B. dafür da, dass man lernt, wieder Kontakt mit dem Körper zu erlangen. Ich denke, diese Therapien sind besonders sinnvoll für Leute, die eine DP durch verschiedene Traumas oder kindliche Vergangenheit haben. Nicht aber für Menschen, welche eine DP durch Drogenkonsum oder Panikattacke haben. Für mich war dasd z.B. reiner Horror. Ich, männlich, zu dem Zeitpunkt 16 Jahre alt, sollte also nun in der Klinik verschiedene Tanzübungen machen? Wo Tanzen das letzte ist, was ich in meiner Freizeit, als ich noch keine DP hatte, gemacht hätte? Und sowas soll mir helfen? Meiner Meinung nach ist das pure Quälerei. Aber das ist ja Meinungssache.

Um auf das Wesentliche zurückzukommen:
Nach 4 Wochen verlies ich also wieder die Klinik, obwohl sie mich gerne noch 2 Wochen dabehalten hätte.
Nun war ich wieder am Anfang. Symptome sind noch da. Keine Besserung. Psychisch viel ausprobiert. Klinik, Hypnosetherapie usw.
Nun also wieder ins Internet und weiter gegoogelt. Bingo! Es gibt also auch organische Ursachen. Wie z.B. Histaminintoleranz, Lebensmittelunverträglichkeiten, Schwermetallvergiftung, Vitaminmangel oder Schilddrüsenfehlfunktion. Also habe ich meine Schilddrüse kontrollieren lassen. Werte, inklusive Antikörper waren alle okay. Ultraschall wurde noch nicht gemacht. Nun stehe ich kurz davor, am 28. habe ich einen Termin für den Ultraschall. Desweiteren werde ich zu einem Internisten geschickt, der meinen Körper komplett kontrollieren wird. Der wird aber natürlich auch nichts finden.

Ich hoffe, ihr habt den Kreislauf erkannt. Ich habe früher oft im Internet gelesen, dass Angst für die DP verantwortlich sei. Aber ich wollte dies nie einsehen. Ich war der Meinung, dass ich ja vor nichts bestimmten Angst hätte, oder es nicht so sei, wie bei den anderen. Ein Irrglaube. Meine Angst hat sich nur sehr sehr gut vor meinem eigenen Verstand versteckt, bzw. habe ich es schon als selbstverständlich angesehen und sie ist komplett in den Hintergrund gerückt. Gedanken erschaffen halt die Realität. Früher war ich fest davon überzeugt, meine DP komme von einem psychischen Grund. Danach dachte ich, meine DP habe einen organischen Grund. Jetzt denke ich, meine Angst, dass ich irgendetwas haben könnte, dass mit mir etwas nicht stimme, ist der Grund. Egal welchen Grund ihr habt, es hört sich für euch immer in dem Moment glaubhaft und sinnvoll an. Die Thesen werden immer vom Verstand unterstützt.
Angst ist der Grund für Depersonalisation/Derealisation. EGAL, auf welcher EBENE. Ob es sich darin äußert, dass man denkt man habe was, und sich dessen nicht bewusst ist, dass es die Angst vor der DP ist und sie einem nicht bewusst ist. Oder die Angst vor einer weiteren Panikattacke oder was anderem. Oder die Angst davor, dass einem etwas passiert.
Man sollte sich immer klar machen: DP und DR treten auf. Ja. DP will dir aber keine Angst machen. DP ist ein Symptom. Es kommt bei Stress usw. Es hat eine Ursache. Ist aber nicht schlimm. Es geht von selbst wieder. ABER: da wir den Zustand nicht kennen und er neu für uns ist, geraten wir in Panik. Wir denken, mit uns stimmt etwas nicht. Wir denken, wir haben Schäden. Wir sind krank. Unser Gehirn produziert immer neue Gründe. Genau DAS ist der Punkt. Wir denken, dass mit uns was nicht stimme. Ab heute denkt ihr bitte und macht euch klar: Ihr seid gesund. Ihr seid in Sicherheit. Die DP ist da, aber sie ist nur ein ganz normales Symptom. Ihr seid gesund. Höchstens habt ihr Stress, was die Ursache ist. Ganz wichtig ist, dass ihr euch klar macht, dass alles in Ordnung ist, ihr gesund seid und vor allem, dass ihr in Sicherheit seid.
Seit gestern bin ich auf diese Gedanken gekommen. Und zum ersten Mal habe ich von gestern auf heute entspannt schlafen können, ohne das Gefühl, dass ich vor etwas wegrennen muss oder etwas vermeiden muss. Ich konnte mich entspannen und so schlafen, wie ich will.
Als ich heute aufgestanden bin, habe ich alles wahrgenommen. Die weiche Decke, die Matratze, meinen Körper. Ich höre die Stille im Zimmer, die Vögel von draußen, die Tasten der Tastatur während ich gerade diesen Text verfasse. Derealisation habe ich immer noch. Ich sehe mir gerade im Spiegel immer noch fremd aus. Aber es stört mich nicht. Wisst ihr warum? Ich weiß nun, dass ich ja gesund bin und gar nichts habe Ich weiß nun, dass ich in Sicherheit bin. Ich weiß nun, dass auch diese Symptome noch komplett verschwinden werden. Sie stören mich nicht. Sie gehen mit der Zeit auch weg. Vielleicht noch ein paar Tage, vielleicht aber schon morgen. Oder aber erst in einem Monat. Es ist mir egal.
Ich werde mir von Tag zu Tag weiter klar machen, dass es KEINEN Grund zur Sorge gibt. ALLES ist in Ordnung.

Ich wünsche euch viel Kraft, und hoffe, euch hat dieser Bericht gefallen. Ihr könnt mir gerne eure Meinungen da lassen. Ich weiß wie schwer es war. Komisch, dass ich das Wort "war" schreibe, obwohl ich noch Symptome habe, ne? Ja, aber ich habe keine Angst und keine Sorge mehr. Und das macht den größten oder sogar den ganzen Teil aus! :-)

MFG


AW: Erfolgsbericht von Depersonalisation/Derealisation von Cannab

Tyron765 ist offline
Beiträge: 57
Seit: 28.01.16
Toller Beitrag - So sollte ein Beitrag dazu aussehen und kein jammer Gewäsch
Bist du übern Berg ?

Gruß Tyron

Erfolgsbericht von Depersonalisation/Derealisation von Cannabis

Flax ist offline
Beiträge: 1
Seit: 09.04.17
Wow danke für den Erfahrungsbericht Endlich mal jemand der einem nicht noch mehr Angst davor macht. Du hast mir sehr weitergeholfen wie wahrscheinlich vielen die diese oder ähnliche Symptome haben und die ganze Zeit googeln werden was es ist und wie es wieder weg geht . Wurde bei mir auch durch Cannabis Konsum ausgelöst (Erst durch die 10 tägige Abstinenz, hatte es dann 2 Wochen und ging danach von alleine wieder weg und dann direkt nach dem Konsum und seit dem mache ich mir dauerhaft gedanken und hatte Angst das es nie wieder weg gehen wird habe auch die Schule abgebrochen mich isoliert etc.). Ich habe immernoch Zweifel und Angst aber solche Artikel helfen ungemein dagegen anzukämpfen und sobald ich wieder ein normales Leben führe (die Schule abschließe und wieder Erfolg habe) wird es bei mir auch verschwinden. Viel Glück an alle die das Lesen .

Erfolgsbericht von Depersonalisation/Derealisation von Cannabis

Evgenij ist offline
Beiträge: 1.448
Seit: 08.02.15
Die Amygdala wird durch Gefühle und Emotionen gesteuert, bzw. sagt den Nebennieren, wann Hormone wie Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol usw., ausgeschüttet werden sollen. Negative Gedanken = Ängste/Furcht/Panik = Stress. So entsteht ein Teufelskreis, der uns langsam umbringt. Also nicht nur positiv denken, auch positiv handeln. Alles was zu Stress führt, führt auch zur Verschlechterung des Zustandes UND der DP. Meine DP ist nach fast 4 Jahren Drogenabstinenz leider immer noch vorhanden. Damit lebe ich tagtäglich und kann es kaum abwarten, bis es weg ist und wieder "Frieden" einkehrt. Bei mir ist noch alles mit Brainfog verbunden. Also kann nicht klar und selbstständig denken. Meditation und Bewegung (wenn ich mal in die Gänge komme) tut mir sehr gut. Nahrungsmittelunverträglichkeiten (NMU) oder wenig Schlaf, verschlechtert mein Zustand deutlich und entfremdet meine Wahrnehmung noch mehr, als es schon ist. In der Ernährung habe ich derzeit mit Histamine, Fruktose und höchstwahrscheinlich auch mit Salicylate Probleme. Deswegen ist es bei einer Nebennierenschwäche ganz wichtig auf die NMU zu achten. NMU = Stress!

Ich kann mich ganz gut daran erinnern, als das mit der DP vor 10 Jahren losging. Ich konnte mir nicht erklären, was das ist. Meinen Freunden habe ich den Zustand damals mit dem Wort - Realitätsverluste - beschrieben. Mein Konsum war allerdings um einiges mehr, als nur Cannabis. Cannabis war "nur" eine Zutat, wie Käse auf der Pizza. Das hat aber in Verbindung mit den anderen Drogen, den Zustand noch mal zusätzlich verschärft. Die Zutat und Kombination war nicht mehr wegzudenken. Jetzt nach eigener Erfahrung, wo ich mich mit dem Thema Gesundheit beschäftige, weiß ich, dass der ganze Konsum extrem in den Hormonhaushalt eingreift und alles, was man nur durcheinanderbringen kann, auch durcheinanderbringt. Jetzt heißt es: Aufräumen!

Ich war aber schon als Kind, vor meinem Konsum, angeschlagen. Vermutlich die Impfungen, Amalgam, Fluoride, Pestizide uvm... Auch denke ich, dass ich die HPU schon seit Kindesalter habe...

Beste Grüße,
Eugen

Erfolgsbericht von Depersonalisation/Derealisation von Cannabis

Skunkky ist offline
Beiträge: 32
Seit: 16.08.17
Danke dir vom Herzen für diesen Beitrag! Mir geht es momentan in etwa gleich. Dein Beitrag gibt mir mut!
Wie geht es dir Heute? Hast du mit Canabis komplett aufgehört?

Liebe grüsse


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