Selfish-Brain-Hypothese: Warum Übergewicht und Diabetes im Gehirn entstehen

29.05.08 21:15 #1
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Oregano ist offline
Beiträge: 62.667
Seit: 10.01.04
Selfish heißt selbstsüchtig. Diese These sagt also aus, daß das Gehirn so selbstsüchtig ist, daß es zuerst einmal dafür sorgen will, daß genügend Zucker für die Energieversorgung des Gehirns vorhanden ist.

... Die Selfish-Brain-Hypothese hat den Ansatz, dass der Blutzucker Glukose die wesentliche Energiequelle des Gehirns ist. Da es nur sehr wenig Energie speichern kann, muss es für eine konstante Zufuhr sorgen. Den Energieanforderungssignalen des Gehirns ordnen sich alle anderen Organe unter. Auch die Bauchspeicheldrüse, in deren Betazellen Insulin gebildet wird: Benötigt das Gehirn mehr Energie, kann es die Produktion des Hormons drosseln. Ohne Insulin nehmen die Muskelzellen keine Glukose aus dem Blut auf. Der Blutzuckerspiegel steigt und es steht mehr Energie für das Gehirn zur Verfügung. Gehen die Zuckervorräte des Körpers zur Neige, löst das Gehirn Hungersignale aus. Das Gehirn sendet jedoch nicht nur Befehle aus, um Energie zu beschaffen. Es kontrolliert auch, was angekommen ist: Ist in den Nervenzellen des Gehirns ausreichend Energie vorhanden, fordert es keine weitere an....
Das ist ein gut funktionierender Mechanismus, solange es keine Fehler im System gibt. Die können aber auftreten, u.a. durch Gehirntumoren oder Gehirnschäden/-defekte, Umweltgifte und Medikamente, Viren usw.
Wenn solche Schäden in der Übermittlung von Signalen und der Aufnahme bzw. Bewertung von Zucker im Gehirn vorhanden sind, gerät der Körper durcheinander, und es kann letzten Endes zunächst das Metabolische Syndrom entstehen, später dann ein Diabetes.

Noch ist das eine Hypothese; aber es scheint schon deutliche Hinweise darauf zu geben, daß sie stimmen könnte.

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Gruss,
Uta
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Oregano ist offline
Themenstarter Beiträge: 62.667
Seit: 10.01.04
Daß Diabetiker, aber auch Insulin-Resistente Probleme damit haben abzunehmen, ist bekannt.
Jetzt wurde festgestellt, daß das Gehirn direkt durch Insulin beeinflußt wird:

... Insulin zirkuliert nicht nur im menschlichen Blutkreislauf, es passiert auch die Grenze zum Gehirn und löst hier unterschiedliche Prozesse aus. Bei normalgewichtigen Menschen steigt der Insulinspiegel im Gehirn proportional zum Insulingehalt im Blut an und signalisiert, dass genügend Nahrung aufgenommen wurde. So wird das Essverhalten über Hunger- und Sättigungsgefühl gesteuert und der Mensch hält sein natürliches Körpergewicht. Bei übergewichtigen Männern ist dieses Gleichgewicht gestört. Im Gehirn hat sich eine Resistenz gegenüber dem Insulin entwickelt. Die Signale "Ich bin satt" und "Ich habe Hunger" sind nicht mehr an den Blutzuckergehalt gekoppelt - der Mensch isst mehr und auch dann, wenn er eigentlich keine Nahrung benötigt. Da Insulin so das Gewichtsmanagement steuert, gilt es neben anderen Stoffen als "Adipositas-Signal". "Damit haben wir einen entscheidenden Wirkmechanismus krankhaften Übergewichts entdeckt", erklärt Hallschmid die Bedeutung seiner Forschungsergebnisse.
...
Insulin steuert Essverhalten im Gehirn - IDE Förderpreis für Erforschung des Insulinstoffwechsels im Gehirn bei Übergewichtigen

Dieses Forschungsergebnis scheint aber nur für Männer zu gelten. Bei Frauen ist das Östrogen quasi Gegenspieler vom Insulin, so daß es per Nasenspray keine Wirkung zeigte.
(Ich frage mich, ob dann ein Insulin-Spray bei Frauen nach den Wechseljahren, bei denen ja das Östrogen keine wesentliche Rolle mehr spielt, evtl. doch wirken würde?).

Gruss,
Uta
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Joachim ist offline
Beiträge: 1.944
Seit: 14.04.08
Zitat von Uta Beitrag anzeigen
Noch ist das eine Hypothese; aber es scheint schon deutliche Hinweise darauf zu geben, daß sie stimmen könnte.
Schon 1929 wurde durch Banting in Panama nachgewiesen, welche Ursache Diabetes hat. Cleave, Campbell und Batchelor wiesen das zur gleichen Zeit ebenfalls in Natal, Südafrika nach.

Das will nur niemand sagen oder hören, denn zum einen bekommt man damit keine Forschungsgelder, zum anderen hat niemand wirklich ein Interesse daran, daß Diabetes verschwindet. Dazu ist die Krankheit eine viel zu gute Goldgrube.
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Liebe Grüße, Joachim. (Alles, was ich schreibe, ist meine persönliche Meinung.)

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Carrie ist offline
Beiträge: 3.747
Seit: 21.05.06
Zitat von Joachim Beitrag anzeigen
Schon 1929 wurde durch Banting in Panama nachgewiesen, welche Ursache Diabetes hat. Cleave, Campbell und Batchelor wiesen das zur gleichen Zeit ebenfalls in Natal, Südafrika nach.
Die da wäre?
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Liebe Grüße Carrie

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Oregano ist offline
Themenstarter Beiträge: 62.667
Seit: 10.01.04
Das ändert aber leider nichts an der Tatsache, daß es heute viele Diabetiker gibt. Natürlich wäre es am besten, wenn Diabetiker gar nicht erst entstehen würden.
Da das aber so ist, wird eben u.a. geforscht, auf welchem Weg da etwas getan werden kann.

Man weiß auch seit vielen Jahren, daß Alkohol evtl. zur Abhängigkeit führen kann. Trotzdem trinken weiter viele Leute Alkohol. Gleiches Beispiel ist die Zigarette...

Gruss,
Uta
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Joachim ist offline
Beiträge: 1.944
Seit: 14.04.08
Hallo Carrie,

Zitat von Carrie Beitrag anzeigen
Die da wäre?
Der langjährige Verzehr raffinierter Kohlenhydrate.
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Liebe Grüße, Joachim. (Alles, was ich schreibe, ist meine persönliche Meinung.)

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Joachim ist offline
Beiträge: 1.944
Seit: 14.04.08
Hallo Uta,

Zitat von Uta Beitrag anzeigen
Das ändert aber leider nichts an der Tatsache, daß es heute viele Diabetiker gibt. Natürlich wäre es am besten, wenn Diabetiker gar nicht erst entstehen würden.
Es gibt so viele Diabetiker, weil die Menschen nicht über die tatsächlichen Ursachen der Krankheit informiert werden. Würde man das machen - was über Politik und Medien ein leichtes wäre - dann würde die Krankheit relativ bald nicht mehr existieren und etliche andere Krankheiten auch nicht. Und genau das darf nicht passieren, denn dann brechen Wirtschaft und Medizinsystem zusammen.

Da das aber so ist, wird eben u.a. geforscht, auf welchem Weg da etwas getan werden kann.
Pharmaunternehmen sind keine Wohltätigkeitsunternehmen sondern börsennotierte Wirtschaftsunternehmen. Sie forschen nicht, um jemandem zu helfen, sondern um Geld zu verdienen. Sie machen ihre Gewinne nicht mit der Gesundheit, sondern mit der Krankheit der Menschen. Solange die Ursachen des Diabetes nicht bekannt werden - und dafür sorgt man - kann man sehr viel Geld für Forschungen bekommen und viel Geld mit immer neuen angeblichen Heilmitteln verdienen. Nur darum geht es, Uta.

Man weiß auch seit vielen Jahren, daß Alkohol evtl. zur Abhängigkeit führen kann. Trotzdem trinken weiter viele Leute Alkohol. Gleiches Beispiel ist die Zigarette...
Auch hier bestehen leider die gleichen Gründe. Frage mal nach dem cui bono. Wem nützt es, wenn die Leute rauchen und trinken? Richtig - dem Staat, der Wirtschaft, dem Medizinsystem. Wer informiert die Menschen über die Folgen? Richtig, genau die gleichen... Man will aus wirtschaftichen Gründen eigentlich gar nicht, daß die Menschen aufhören zu trinken und zu rauchen und deshalb läßt man auch nur die Informationen zu, die keinen wirtschaftlichen Schaden anrichten können. Vordergründig vertritt man natürlich die Meinung, daß das alles schadet - aber man vertritt das so, daß der Bürger auch weiterhin nicht wirklich vom Rauchen und Trinken abgehalten wird.
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Liebe Grüße, Joachim. (Alles, was ich schreibe, ist meine persönliche Meinung.)

Geändert von Joachim (12.06.08 um 23:37 Uhr)


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