Mikrobiom/Darmflora, Diabetes

24.01.17 18:56 #1
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Oregano ist offline
Beiträge: 62.532
Seit: 10.01.04
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Zwar beherbergen Jäger-Sammler-Kulturen in Südamerika und Afrika grundsätzlich andere und viel unterschiedlichere Darmbewohner als Menschen in Industrienationen, und gleichzeitig leiden sie tatsächlich seltener unter Zivilisationskrankheiten.
Aber: Auch gesunde Menschen in reichen Ländern haben eine reduzierte, mikrobielle Artenvielfalt. Manche tragen gar potenziell krank machende Keime wie Clostridium difficile im Darm, ohne krank zu werden. Und Schwangere im dritten Trimester haben ein ähnliches Mikrobiom wie Menschen mit metabolischem Syndrom. Trotzdem wird in Forscherkreisen häufig von Dysbiose gesprochen, also einer Störung der Darmflora.

Und hier kommt ein weiteres Problem ins Spiel. Wenn die Diversität verändert ist, ist dies Ursache oder Folge der Krankheit? Am Beispiel Diabetes hat das etwa Kristoffer Forslund, Forscher am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie in Heidelberg, 2015 in einer Studie mit 784 Probanden untersucht. Hier zeigte sich bei den untersuchten Diabetespatienten, dass ihre typischen Veränderungen der Darmflora komplett auf das Antidiabetikum Metformin zurückzuführen war und nicht auf ihre Erkrankung: Diabetiker, die kein Metformin erhielten, wiesen eine Darmflora auf wie gesunde Vergleichspersonen. Auch bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa ist belegt, dass die Darmflora empfindlich verändert ist. Jedoch ernähren sich diese Patienten auch typischerweise anders als Gesunde und nehmen zudem oft über lange Zeit Medikamente ein. Also "ist nicht klar, ob die veränderte Darmflora die Krankheit auslöst oder Folge von Diät oder Arzneien ist", sagt Elisabeth Bik.

"Was genau ein gesundes Mikrobiom ist, ist tatsächlich weitgehend unklar" (Elisabeth Bik)
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Mikrobiom: Was Darmbakterien wirklich können - Spektrum der Wissenschaft

Es ist ja inzwischen bekannt, daß die Darmflora des Neugeborenen direkt von der Mutter auf das Kind übertragen wird - bei einer normalen Geburt. Bei einem Kaiserschnitt geschieht das nicht, und die erste Darmflora wird auf nicht natürlichem Weg übertragen.
Angeblich verändert sich die Darmflora nicht mehr stark im Laufe eines Lebens bzw. die Grund"besetzung" bleibt bestehen.
Ich frage mich deshalb schon lange, ob dann die Veranlagung z.B. zum Diabetes also nicht nur schon in den Erbanlagen vorhanden ist sondern auch in der Darmflora - im MIkrobiom? Oder ist es eine Mischung aus allen möglichen Faktoren, die zur Entstehung von Diabetes und/oder anderen Krankheiten führen?

Grüsse,
Oregano

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They tried to bury us. They didn't know we were seeds.

Mikrobiom/Darmflora, Diabetes

Tarajal ist offline
Beiträge: 4.472
Seit: 12.05.13
Um keine Misverständnisse aufkommen zu lassen,

per Kaiserschnitt geborene Kinder kommen beim Geburtsvorgang zwar zuerst mit den Hautbakterien der im Raum anwesenen Personen in Kontakt, das ist für eine gesunde Darmflora gar nicht hilfreich.
Aber mittlerweile ist man in vielen Kliniken auch schon soweit, dass man dem Neugeborenen mit einem Abstrich aus der Scheidenflora der Mutter den Mund innen drin befeuchtet um so das Starterpaket an wichtigen Basisbakterien mitzugeben.

Bei Kindern die gestillt werden, ändert und wächst die Darmflora quasi mit jedem Stillvorgang weiter, was bei "Trockenfutterkindern" keinen empfehlenswerten Verlauf nimmt, weil davon alleine schon über 50% der Kinder später chronisch an Diabetes, Neurodermitis, Rheuma, Allergien und Asthma erkranken.

Wenn vorher nicht schon viel durch Antibiotika, sonstige Medikamente, Fehlernährung, Stress, Alkohol und anderes die Darmflora nicht ruiniert wurde, verändert sie sich mit zunehmendem Alter der Senioren wieder.

Ob in der Genetik angelegte Krankheitsbilder später auch wirklich zum Ausbruch kommen, hängt auch ganz entscheidend mit von der Epigenetik ab.
Das betrifft ganz besonders den Zeitraum der Schwangerschaft und die sogenannten "Epigenetischen Fenster" in denen die Waage jeweils mehr in die eine als auch die andere Richtung ausschlagen kann.

Diese Zeiten, in denen sich eine genetische Anlage besonders weit öffnet, sind die komplette Zeit der Schwangerschaft sowie die ersten drei Jahre nach der Geburt und anschließend ein mehrjähriger Zeitraum im Teenageralter.

Eine Veränderung seines Gesundheitszustandes kann man natürlich auch jederzeit außerhalb der epigenetischen Fenster durchführen, nur gehen die Prozesse etwas langsamer vor sich.

Eine Genetische Disposition alleine reicht also nicht aus, noch nicht einmal gepaart mit einem Kaiserschnitt.

Liebe Grüße Tarajal


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