Soviel Bewegung wie möglich - oder schonen?

01.11.10 01:32 #1
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Soviel Bewegung wie möglich - oder schonen?

DerSattler ist offline
Themenstarter Beiträge: 219
Seit: 20.09.09
@ castor

Das ist sehr interessant. Bei mir sind die NK anscheinend in Ordnung, möglicherweise habe ich dadurch weniger Probleme mit Sport.

Ich bin mir mittlerweilen auch sicher, dass das Problem im Immunsystem zu finden ist. Nur leider prüft die Schulmedizin da viel zu wenig Werte, als dass sie wirklich sagen könnten, was los ist.

Soviel Bewegung wie möglich - oder schonen?

tiga ist offline
Beiträge: 1.283
Seit: 16.03.10
Ich hab bei cfs-aktuell nochmal eine Erläuterung zum Diagramm gefunden:

Veränderte Genexpression nach körperlicher Belastung bei ME/CFS


Es gibt heutzutage aussagekräftige molekularbiologische Instrumentarien, mit denen man zur gleichen Zeit die Aktivität von Tausenden von Genen messen kann, indem man die Menge an Messenger RNA (mRNA) bestimmt. Die Genaktivität im Blut bei CFS-Patienten wurde bereits in mehr als zehn Studien untersucht, und man fand deutliche Unterschiede zwischen ME/CFS-Patienten und gesunden Kontrollpersonen, ein vielversprechender Ansatz, um einen objektiven Bluttest zur Diagnose des ME/CFS zu entwickeln.

Alan R. Light, PhD, und sein Team von der Universität Utah, USA, haben Gene identifizieren können, deren Aktivität infolge mäßiger körperlicher Belastung ansteigt. Dann haben sie einen Ganzkörperbelastungstest entwickelt, von dem sie wussten, dass Gesunde ihn problemlos verkraften, der aber bei ME/CFS-Patienten die krankheitstypische Zustandsverschlechterung nach Belastung auslöst. Diese Zustandsverschlechterung und Verstärkung aller Symptome nach Belastung, die „post-exertional malaise“, ist immer noch der Schlüssel zur Diagnose eines ME/CFS.

Man hat allen Studienteilnehmern vor der Belastung und 30 Minuten, acht, 24 und 48 Stunden nach der Ergometerbelastung Blut abgenommen und die mRNA und die entsprechende Genaktivität gemessen. Dazu gehörten die Gene, die die Stoffwechselprodukte aufspüren (ASIC3, P2X4, P2X5), adrenerge Gene (A2A, B-1, B-2, COMT) und Gene, die zum Immunsystem gehören (IL6, IL10, TNF alpha, TLR4 and CD14).

Vor der Belastung gab es zwischen den ME/CFS-Patienten und den gesunden Kontrollen keinen Unterschied, aber bereits 30 Minuten danach waren die Unterschiede mehr als deutlich. Es gab signifikante Anstiege in der Genaktivität für ASIC3, P2X4, P2X5, den Stoffwechselprodukte aufspürenden Genen, den adrenergen Genen B-1, B-2 und COMT sowie den Immunsystemgenen für IL10, TLR4 und CD14. Die Erhöhung der Genaktivität bei den ME/CFS-Patienten hielt noch 48 Stunden nach der Belastung an, bei den gesunden Kontrollpersonen hingegen gab es überhaupt keinen Anstieg der Genaktivität.

In der Untergruppe der ME/CFS-Patienten, die außerdem an Fibromyalgie litten, waren diese erhöhten Werte in hohem Maße korreliert mit den Symptomen der körperlichen und geistigen Erschöpfung sowie der Schmerzen.

Angesichts der Tatsache, dass etwa 90% der ME/CFS-Patienten mit Hilfe von vier der gemessenen Gene von den gesunden Kontrollpersonen unterschieden werden können (P2X4, ß-1, ß-2 und IL10), wäre es möglich, diese infolge der Belastung zu beobachtenden Veränderung der Genexpressi-on in den zirkulierenden weißen Blutzellen als objektiven Marker für die Krankheit des ME/CFS zu nutzen, auch wenn sicher noch weitere Studien durchgeführt werden müssen, um dieses Diagnoseverfahren wirklich sicher zu machen.


Alan R. Light, Andrea T. White, Ronald W. Hughen, and Kathleen C. Light: Moderate exercise increases expression for sensory, adrenergic and immune genes in chronic fatigue syndrome patients, but not in normal subjects. J Pain. 2009 October; 10(10): 1099-1112. doi: 10.1016/j.jpain.2009.06.003. Moderate exercise increases expression for sensory, a... [J Pain. 2009] - PubMed - NCBI
Sind denn da NK-Zellen dabei?
Welche sind das? NK steht doch für "natural killer", oder?

Fragen über Fragen...

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tiga ist offline
Beiträge: 1.283
Seit: 16.03.10
Zitat von castor Beitrag anzeigen
...
Andererseits gibt es atypische Fälle (das trifft z.B. auf mich zu), die haben zwar eine gestörte NK-Zellfunktion, aber ein innerhalb der Lymphozyten-Subpopulation überproportional erhöhtes NK-Zell Niveau. Hier wirkt sich körperliche Betätigung mutmaßlich weniger gravierend aus, als bei der typischen Mehrzahl mit NK-Zell-Mangel.
Dazu habe ich auch noch eine Frage:

Weißt Du denn, ob Du sozusagen ein naturgegebener atypischer Fall bist,castor und auch derSattler?

Oder anders gefragt, weißt Du, ob es möglich ist/wäre das NK-Zell-Niveau durch eine gezielte Behandlung positiv zu stimulieren?

Gruß - tiga

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castor ist offline
Beiträge: 1.247
Seit: 02.08.09
Zitat von tiga Beitrag anzeigen
Weißt Du denn, ob Du sozusagen ein naturgegebener atypischer Fall bist,castor und auch derSattler?
Genotyp oder Phänotyp? Kann ich leider nicht sagen.

Oder anders gefragt, weißt Du, ob es möglich ist/wäre das NK-Zell-Niveau durch eine gezielte Behandlung positiv zu stimulieren?
Ob das ganz isoliert möglich ist, weiß ich nicht. Allerdings steigt die Zahl der erniedrigten NK-Zellen im Rahmen immunmodulatorischer Massnahmen. Vielleicht meldet sich noch jemand, der davon aus eigener Erfahrung berichten kann.

Zur Aktivitätssteigerungen der NK-Zellen führt die Zufuhr von Interferon-alpha und Interleukin-2.

Grüsse!
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"Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren." (B.Brecht)

AW: Soviel Bewegung wie möglich - oder schonen?

karlschub29 ist offline
Beiträge: 121
Seit: 13.03.12
Eine neue, große Studie des King's College in London kommt offenbar zu dem Ergebnis: Angst vor Bewegung verschlimmert ME/CFS. Mehr dazu hier:

ME: fear of exercise exacerbates chronic fatigue syndrome, say researchers - Telegraph

Chronic fatigue syndrome patients’ fear of exercise can hinder treatment - study | Society | The Guardian

Soviel Bewegung wie möglich - oder schonen?

castor ist offline
Beiträge: 1.247
Seit: 02.08.09
Heute ist scheinbar der Tag der Provokationen; da darf einer natürlich nicht fehlen.

Jeder, der sich auch nur rudimentär mit ME/CFS befasst hat, weiß, was von den Psychiatern des London King´s College zu halten ist. Wessely, Sharpe, White - Prof. Malcom Hooper hat ihr verlogenes Treiben eindrücklich aufgedeckt: http://www.meactionuk.org.uk/magical-medicine.pdf
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Soviel Bewegung wie möglich - oder schonen?

Rauke ist offline
Beiträge: 787
Seit: 17.11.12
Zitat von karlschub29 Beitrag anzeigen
Eine neue, große Studie des King's College in London kommt offenbar zu dem Ergebnis: Angst vor Bewegung verschlimmert ME/CFS. Mehr dazu hier:
Kein normaler Mensch würde auf die Idee kommen, so eine Studie bei Patienten mit anderen schweren Erkrankungen durchzuführen.

ME/CFS-Patienten brauchen mehr Forschung, Behandlungsmöglichkeiten, Rücksichtnahme.

AW: Soviel Bewegung wie möglich - oder schonen?

boooooa ist offline
Beiträge: 166
Seit: 23.10.10
Und immer wenn in London kein Psychiater mehr weiter weiß.... wird CBT/GET wieder ausgegraben - und die nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht schrottreifen Oxford-Kriterien bemüht.

Wie formulierte es das United States National Institutes of Health (NIH)?

"Continuing to use the Oxford definition (of ME/CFS) may impair progress and cause harm."

US NIH Report Calls for UK Definition of ME/CFS to be Scrapped

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Rauke ist offline
Beiträge: 787
Seit: 17.11.12
Zitat von boooooa Beitrag anzeigen
Wie formulierte es das United States National Institutes of Health (NIH)?

"Continuing to use the Oxford definition (of ME/CFS) may impair progress and cause harm."
Genau so wie hier von der NIH beschrieben ist es; ein sehr guter Report!
Danke für die Verlinkung.
Ich hoffe auch, dass die Verwendung der Oxford Kriterien verboten wird und dass das Kanadische Konsensdokument Grundlage sein muss, wenn die Rede von ME/CFS-Patienten ist.

Geändert von Rauke (21.01.15 um 03:18 Uhr)

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Coltie ist offline
Beiträge: 57
Seit: 25.02.14
Hier ein Beitrag aus dem Deutschlandfunk - wahlweise zum Lesen oder zum Anhören.

Chronisches Erschöpfungssyndrom - Die Müdigkeit behandeln

Gruß
Coltie


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