Multiresistente Krankenhauskeim bei 60° Wäsche abgetötet?

23.10.11 13:18 #1
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Arosa ist offline
Beiträge: 170
Seit: 13.08.11
Hallo miteinander,
aus gegebenem Anlass die Frage:
Wenn man (als Angehörige) Schmutzwäsche von Patienten aus einer Klinik, die im Ruf steht, mit solchen Keimen zu kämpfen, bei 60° wäscht, sind die damit abgetötet? Oder hängen die anschießend in allen Wäschestücken? Muss man Desinfektionsmittel nehmen?
LG
Arosa

War ne zemlich dumme Frage, ich seh´s ein.
Anders gefragt: Wie am besten umgehen mit der Wäsche, die man aus so nem Krankenhaus mit nimmt?

Geändert von Arosa (23.10.11 um 17:18 Uhr)

multiresistente Krankenhauskeim bei 60° Wäsche abgetötet?

Oregano ist gerade online
Beiträge: 63.675
Seit: 10.01.04
Hallo Arosa,

keine dumme Frage, sondern eine wichtige, finde ich.
Ich würde diese Wäsche auf jeden Fall in Plastiksäcken mitnehmen und die dann entsorgen. Falls Du sie in einem Koffer nach Hause getragen hast, würde ich den Koffer desinfizieren, mich aber vorher erkundigen (am besten in der Klinik), wie man das am effektivsten macht.

Soviel ich weiß, werden Bakterien beim Waschen ab 70°C aufwärts abgetötet. Das wäre also die richtige Temperatur. Falls Kleidungsstücke dabei sind, die diese Temperatur nicht aushalten, würde ich die wegwerfen und stattdessen "kochbare" Sachen kaufen.

www.mrsa.bbraun.de/cps/rde/xchg/fw-mrsa-de/hs.xsl/7231.html

Ich wünsche Dir und Deinem Mann alles Gute,
Oregano

multiresistente Krankenhauskeim bei 60° Wäsche abgetötet?

Arosa ist offline
Themenstarter Beiträge: 170
Seit: 13.08.11
Danke, Oregano, für die Antwort.
Naja doch, wenn man hier so liest, muss man eigentlich einsehen, dass es fast hoffnungslos ist.
Mein Bruder (nicht mein Mann, aber egal) ist in einer Reha, wird es lange bleiben, Wir können doch Trainingskleidung nicht jede Woche wegwerfen und neu kaufen. Monatelang.
Und eigentlich dürfte ich mit Schuhen gar nicht mehr die Wohnung betreten, hätte es die ganzen letzten Jahre nicht dürfen - wenn ich überlege, wie oft ich da in Kliniken und anderen Einrichtungen schon war.

(Übrigens, es gibt ein Gedicht von Rilke, fällt mir dazu ein, über den Tod, dass er nicht von außen kommt, sondern in uns ist und wartet auf seinen Moment, da wir schwach sind, und dann zuschlägt. So ist es doch auch mit diesen Keimen, oder? Sie sind längst in unserem Körper, und wenn wir irgendwann geschwächt sind ...)

Aber zurück zum Praktischen: Bügeln - ist mir eingefallen. Vor Jahren erzählte mir ein Bekannter, der in Afrika arbeitete, dass alles bei ihnen gebügelt werden müsste, wegen der Bakterien, weiß nimmer, welche.
LG
A.

Geändert von Arosa (23.10.11 um 19:28 Uhr)

multiresistente Krankenhauskeim bei 60° Wäsche abgetötet?

derstreeck ist offline
Beiträge: 4.165
Seit: 08.11.10
Hallo Arose,

Ich kann nicht garantieren, ob das auch für diese Krankenhauskeime gilt und du müsstest da selber mal im Internet nach suchen aber ein paar Minuten Mikrowelle tötet so ziehmlich alles ab.

Kann jemand dazu noch was schreiben?

Ich habe neulich was zum waschen gelesen. Da ging es jedoch nur um normale Keime in der Wäsche. 60 Grad reicht defenitiv nicht. Um die Bakterienzahl deutlich zu reduzieren, muss man die Wäsche kochen und wenn man mit 60 Grad wäscht, sollte man zusätzlich ein Bleichmittel verwenden, welches Bakterien abtötet.

Frag doch mal im Krankenhaus nach, welche Waschtemperatur sie empfehlen und welches Bleichmittel/Dessinfektionsmittel und was sie von der Möglichkeit halten, die Sachen in die Mikrowelle zu stecken. Die müssen ja ihre Sachen auch immer dessinfizieren und können dir Tipps geben, die du uns dann gerne weitergeben kannst.

Sie sind längst in unserem Körper, und wenn wir irgendwann geschwächt sind
Keine Angst, so ist das nicht. Man infiziert sich, dann gibt es eine Inkubationszeit (einige Tage), in der sich die Keime vermehren und dann bricht die Krankheit aus.

Grüsse
derstreeck

Geändert von derstreeck (23.10.11 um 21:22 Uhr)

multiresistente Krankenhauskeim bei 60° Wäsche abgetötet?

James ist offline
Moderator
Leiter WIKI
Beiträge: 5.904
Seit: 20.05.08
Hallo,

in unserem Wiki MRSA findet man sowohl Hinweise als auch Links zum Thema.
Ich halte 60 Grad auch für grenzwertig, besser wäre eine höhere Temperatur. Die Mikrowelle geht tatsächlich gut, ist nur leider räumlich sehr begrenzt.
Zur Desinfektion ist Essig schon recht gut geeignet, es müssen nicht immer teure Spezialmittel sein. Natürlich kommt es auch darauf an um welche Bakterienstämme es sich handelt, da sich auch dadurch Unterschiede ergeben.
__________________
Die Krise ist ein produktiver Zustand. Man muß ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen. Max Frisch, schweizerischer Architekt und Schriftsteller

Gruß, James

multiresistente Krankenhauskeim bei 60° Wäsche abgetötet?

Krankenhaushasser ist offline
Beiträge: 288
Seit: 15.09.10
Als mein Vater sich die Keime eingefangen hatte, habe ich im KH gefragt, wie ich seine Kleidung waschen soll - mir wurde gesagt, dass ich nichts Besonderes beachten muss.

Ich habe dann mit 60 Grad gewaschen und als Spülmittel Sagrotan - Wäsche Spülung oder ähnliches genommen. Ob es was geholfen hat, kann ich nicht sagen - seine Keime sind nie wieder weggegangen.

Es ist ja sowieso das erstaunliche, das in sämtlichen Hygiene - Merkblättern von Krankenhäusern steht, dass z. B. MRSA im häuslichen Bereich völlig unschädlich ist. Und andererseits wird von allen Krankenhäusern behauptet, dass fast alle Patienten die Keime von zuhause mitbringen.

multiresistente Krankenhauskeim bei 60° Wäsche abgetötet?

Arosa ist offline
Themenstarter Beiträge: 170
Seit: 13.08.11
Danke für Eure Antworten.
Ich habe auf jeden Fall die Wäsche nochmals gewaschen, bei 90°. Jetzt werde ich sie noch bügeln.
Ob ich sie in die Mikrowelle stecke... Das ist der Küchenbereich!
Spülungen mit Essig, Bleichmittel oder Sagrotan-Spüler sind sicher nicht schädlich!
Und ich werde das Pflegepersonal fragen - ich wette jetzt schon mit Euch, dass ich die gleiche Antwort kriege wie du, krankenhaushasser.

Derstreeck, sind diese Keime tatsächlich so kurzlebig wie harmlose Erkältungsbakterien?
Ich weiß nicht, um welche Keime es sich handelt, es waren nur zwei Kommentare in den Klinikbewertungen.

Noch ne Frage: Wenn eine Klinik die Dinger mal hat, kriegt sie die je wieder los?
Grüße von Arosa

Multiresistente Krankenhauskeim bei 60° Wäsche abgetötet?

derstreeck ist offline
Beiträge: 4.165
Seit: 08.11.10
Hallo Arosa,

Derstreeck, sind diese Keime tatsächlich so kurzlebig wie harmlose Erkältungsbakterien?
Ich habe leider keine exakte Antwort darauf. Sie sind nicht unbedingt kurzlebig sondern können zig Tage auf irgendwelchen Gegenständen überleben aber es ist eben auch nicht so wie du befürchtest, dass die schon in deinem Körper sind und irgendwann, wenn du geschwächt bist, ausbrechen.

Zur Mikrowelle. Ich habe eine für 50 Euro in der Küche zu stehen. Du könntest dir eine billige, gebrauchte kaufen und neben die Waschmaschiene stellen und nach dem trocknen die Wäsche noch mal 2 min bestrahlen. Das bringt mehr als Bügeln.

Multiresistente Krankenhauskeim bei 60° Wäsche abgetötet?

James ist offline
Moderator
Leiter WIKI
Beiträge: 5.904
Seit: 20.05.08
MRSA, also natürlich auch der "normale" Staphylococcus aureus überlebt an sonst völlig sterilen Flächen bei Zimmertemperatur mehr als 100 Tage. Die resistenten Formen werden immer dann neu "gezüchtet", wenn bei einer Antibiotika-Behandlung einige der Keime überleben. Sie können die erworbene Fähigkeit der Resistenz an andere Keime (auch an völlig fremde Arten!!!) ganz leicht weiter geben denn Bakterien haben die Fähigkeit Erbgut untereinander auszutauschen zu können. Es wird dadurch deutlich, dass die Brutstätte der Superkeime wohl kaum ein normaler Haushalt sondern wohl eher eine Intensivstation oder ein Pflegeheim sein dürfte.
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Gruß, James

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Manno ist offline
Beiträge: 1.141
Seit: 09.09.08
Ob ich sie in die Mikrowelle stecke... Das ist der Küchenbereich!
Ja, ja - der Küchenbereich. Von dort aus werden die MRSA Keime dann wohl auch die Reise in die Krankenhäuser antreten:
Auf 42 Prozent der Putenfleischproben wurden vom BfR resistente Keime (MRSA) gefunden. (Report Mainz).
http://www.g-o.de/wissen-aktuell-bild-12704-2010-12-14-16812.html
Salmonellen aus Hühnerfleisch und Putenfleisch sind gegenüber der Gruppe der Chinolone und Fluorochinolone zu 60 bis 85 Prozent resistent. Bis zu zwei Dritteln der Escherichia coli und Campylobacterstämme aus Hähnchen und Mastkälbern sind inzwischen gegenüber Fluorochinolonen und Cephalosporinen der dritten Generation resistent. (die Zahlen waren bei Schweinen und Rindern noch höher. Wahrscheinlich werden sie deswegen gar nicht mehr veröffentlicht !) In über fünf Prozent der Escherichia coli-Isolate von Masthähnchen und vom Mastkalb wurden vierfach resistente Bakterien nachgewiesen ...
Jedes zweite Stück Fleisch ... Da frage ich mich dann schon, wo diese Bakterien überall hängen (Pfannengriff, Spültücher, Handtücher, Türklinken) nachdem mal eben so ein Schnitzel in die Pfanne gelegt wurde ... Ob sich nach der Zubereitung von Fleisch auch wirklich jeder nachher ausgibig mit einem Desinfektionsmittel die Hände wäscht ? Wahrscheinlich waschen sich die meisten nachher lediglich die Hände mit warmen Wasser ab und trocknen sie sich danach mit dem Küchentuch ab ... Ob's danach noch auf die Wäsche aus dem Krankenhaus ankommt ?
Zitat von Krankenhaushasser Beitrag anzeigen
Es ist ja sowieso das erstaunliche, das in sämtlichen Hygiene - Merkblättern von Krankenhäusern steht, dass z. B. MRSA im häuslichen Bereich völlig unschädlich ist. Und andererseits wird von allen Krankenhäusern behauptet, dass fast alle Patienten die Keime von zuhause mitbringen.
Davon kann man ausgehen, denn das ist der Preis den wir für die Massentierhaltung zahlen müssen. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, daß sich mehr wie jeder Zweite nach dem Zubereiten von Fleisch seine Hände gründlich desinfiziert und damit verteilt er dann diese MRSA Bakterien in der ganzen Wohnung. Da diese Bakterien tatsächlich 100 Tage überleben können, reicht es aus, wenn man sich einmal im Monat mal nicht die Hände desinfiziert hat und schon trägt die ganze Familie MRSA Keime mit sich herum. Ob die so ungefährlich sind, darf man bezweifeln (besonders bei Personen mit offenen Wunden oder Neurodermitis), aber das das Einschleppen dieser Bakterien heute kaum noch zu verhindern ist, davon kann man auch ausgehen ... Was passiert denn mit dem Schneidebrett und dem Abtropfwasser ? Das fließt ins Spülbecken und nachher wird dann in diesem Becken das Geschirr und das Schneidebrett in handwarmen Wasser abgespült ... Bei der heutigen Keimbelastung sollte eine Spülmaschine in allen Haushalten zur Pflicht gemacht werden.

Insofern wundert es mich schon, daß die Besucher von Krankenhäusern nicht verpflichtet werden sich am Eingang (in einer Art Hygieneschleuse) die Hände zu desinfizieren. Ich könnte wetten, daß mindestens jeder vierte Besucher MRSA Keime ins Krankenhaus einschleppt und diese dann an allen Türklinken verteilt. Es dürfte schon etwas kritisch werden, wenn solche Keime in offene Wunden kommen (z.B. bei Neurodermitis). Allerdings leben wir in einer Zeit in der wir wohl tagtäglich mit solchen Bakterien konfrontiert werden.

Zitat von Arosa Beitrag anzeigen
Übrigens, es gibt ein Gedicht von Rilke, fällt mir dazu ein, über den Tod, dass er nicht von außen kommt, sondern in uns ist und wartet auf seinen Moment, da wir schwach sind, und dann zuschlägt. So ist es doch auch mit diesen Keimen, oder? Sie sind längst in unserem Körper, und wenn wir irgendwann geschwächt sind ...
Genauso sehe ich das auch. Die meisten Menschen glauben ja immernoch, daß sie merken wenn sie infiziert wurden. Tja - und dann bekommen wir auf unserem Laborbogen hundert "abgelaufene" Infektionen bescheinigt, gegen die wir noch nicht einmal "geimpft" worden sind. Unfaßbar, gegen was wir im Laufe unseres Lebens so alles Antikörper gebildet haben ...

Dumm nur, daß all diese Erreger keineswegs wieder verschwunden sind. Unser Organismus kann sie nie wieder entfernen (auch MRSA nicht), sondern nur unterdrücken. Leider funktioniert das bei immungeschwächten Personen (z.B. CFS-Kranken) nicht mehr so richtig, sodaß bei denen die "längst totgeglaubten Hunde" nicht mehr dauerhaft unterdrückt werden können. Bei denen beginnen diese Hunde immer wieder neu aufzuheulen. Reaktivierung nennt man das dann. Diese Zweitinfektionen laufen zwar wesentlich milder ab - doch nur solange man noch "einigermaßen" gesund ist. Nach einer umfangreicheren Operation kann unser Körper dann aber so geschwächt werden, daß gleich mehrere Reinfektionen (gleichzeitig) ausbrechen. Dann wird's kritisch, denn jedes reaktivierte Bakterium hat oft schon gegen einige Antibiotika Resistenzen entwickelt und ein Antibiotika gegen ALLE gleichzeitig gibt's dann nicht mehr ... Insofern dürfte Rilke schon Recht haben.


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