Multiresistente Krankenhauskeim bei 60° Wäsche abgetötet?

23.10.11 13:18 #1
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Multiresistente Krankenhauskeim bei 60° Wäsche abgetötet?

James ist offline
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Seit: 20.05.08
Ich möchte hier noch mal betonen:
Staph. aureus ist ein Keim, der überall vorhanden ist! Er gehört deshalb zur "normalen" Flora unserer Haut. Es ist der Keim, der Wunden eitern lässt und den wohl jeder Mensch schon mal gespürt hat, wenn man sich einen Splitter einzog, den man nicht gleich entfernen konnte.
Dieser Keim ist unserem Immunsystem also gut bekannt und wird dadurch im Schach gehalten.
Erst wenn der Keim in größeren Mengen an ungewöhnlicher Stelle bei geschwächtem Immunsystem auftritt, wird es gefährlich. Die Ärzte reagieren idR dann gewohnheitsgemäß und verordnen ein Antibiotika. Ist dieser Punkt erreicht, entscheidet das Zufallsprinzip. Ist der Keim dann resistent, hat der Patient schlechte Karten. Wenn er Glück hat, wird gleich ein Antibiogramm gemacht und ermittelt, welches AB "noch" hilft und das Medikament gewechselt. Dann kann der Schaden manchmal noch in Grenzen gehalten werden....

Deshalb wäre es doch (wie in den Niederlanden praktiziert) richtig erst einmal die Art der Besiedlung zu ermitteln und ggf zu sanieren ehe man mit einer größeren Behandlung beginnt. In sehr vielen Fällen ist genügend Zeit vorhanden. Der überwiegende Teil ist geplant und für akute Fälle gibt es Schnelltestverfahren.

Inzwischen gibt es unzählig viele verschiedene resistente Stämme und ständig "züchtet" man neue. Das hängt einzig und allein vom unbedarften Umgang mit Antibiotika zusammen. Bei jeder Gabe bleiben -bedingt durch die wahnsinnig schnelle Generationsfolge und durch die Fähigkeit Erbgut auch mit fremden Arten auszutauschen- genügend Keime übrig, die dann schon Resistenzen gegen das Mittel entwickeln konnten. Macht man so einen Blödsinn wie Einsatz von AB als Mastbeschleuniger im Tierfutter, bzw. Verordnung von AB vom Arzt bei Virusinfektionen oder einen vorzeitigen Abbruch durch Patienten wegen unerwünschter Nebenwirkung (2 Tage nehmen, den Rest zur Mülltonne) braucht man sich doch nicht zu wundern....
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Die Krise ist ein produktiver Zustand. Man muß ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen. Max Frisch, schweizerischer Architekt und Schriftsteller

Gruß, James

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Manno ist offline
Beiträge: 1.141
Seit: 09.09.08
Zitat von James Beitrag anzeigen
Ich möchte hier noch mal betonen: Staph. aureus ist ein Keim, der zur "normalen" Flora unserer Haut gehört. Dieser Keim ist unserem Immunsystem also gut bekannt und wird dadurch im Schach gehalten. Erst wenn der Keim in größeren Mengen an ungewöhnlicher Stelle bei geschwächtem Immunsystem auftritt, wird es gefährlich.
Diesbezüglich möchte ich jetzt mal darauf hinweisen, daß der Keim bei Neurodermitis Kranken oft nur noch mit einer antibiotischen Salbe unter Kontrolle zu halten ist. Dumm, wenn dann Antibiotika nicht mehr wirken !

Zitat von James Beitrag anzeigen
Macht man so einen Blödsinn wie Einsatz von AB als Mastbeschleuniger im Tierfutter, bzw. Verordnung von AB vom Arzt bei Virusinfektionen oder einen vorzeitigen Abbruch durch Patienten wegen unerwünschter Nebenwirkung (2 Tage nehmen, den Rest zur Mülltonne) braucht man sich doch nicht zu wundern....
Vorsicht - das ist Propaganda der Pharmaindustrie ! In Wahrheit werden Resistenzen nicht dadurch ausgelöst, daß man Antibiotika zu kurz nimmt, sondern dadurch, daß man sie zu lange nimmt ... (die AB schaden den Mitochondrien, der Darmflora und dem Immunsystem ganz enorm, da sie das Pilz und Virenwachstum innerhalb der Zelle fördern).

Antibiotika: Weniger ist mehr
09.06.2006 von FOCUS-Online-Autorin Petra Apfel
Eine Antibiotika-Behandlung von nur drei Tagen wirkt gegen eine leichte Lungenentzündung ebenso gut wie die übliche Zehn-Tages-Kur.

Wenn Ärzte Antibiotika verschreiben, empfehlen sie in der Regel eine Behandlungszeit von sieben bis zehn Tagen, die die Patienten auch unbedingt einhalten sollen. Niederländische Mediziner wiesen jetzt in einer Studie nach, dass schon drei Tage mit Antibiotika genügen, um die Krankheitskeime auszuschalten.

Die Wissenschaftler vom Academic Medical Center in Amsterdam ... Fünf weitere Antibiotika-Tage bringen nichts. Wenn sich Patienten in den ersten Tagen deutlich erholen, bringe die längere Verabreichung von Antibiotika keine Vorteile mehr. Die kurze Behandlungszeit habe allerdings einen weiteren entscheidenen Vorteil: Die Bakterien können nicht so schnell eine Resistenz gegen die Medikamente entwickeln.

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James ist offline
Moderator
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Beiträge: 5.904
Seit: 20.05.08
@Manno:

dass ich Propaganda für die Pharma mache, wurde mir noch nie vorgeworfen. Sonst wurde eher das Gegenteil behauptet
Aber im Ernst: Tatsächlich ist es so, dass meist am 2. Tag Darmbeschwerden einsetzen und Patienten deshalb die Behandlung unterbrechen. Die Darmflora ist dann schon gestört, ein potentiell gefährlicher Keim meist noch nicht.
Natürlich geschieht auch das Gegenteil. Ein AB wird verordnet. Wirkt es nicht wie gewohnt wird die Ursache (nämlich eine mögliche Resistenz) nicht ermittelt, sondern lustig weiter gegeben. Genau so fatal...
Was ich ausdrücken wollte:
An der Situation sind nicht allein nur die Ärzte Schuld. Sowohl die Gesundheitspolitik als auch die Nahrungsmittelproduzenten und letztlich auch Patienten haben ihren Teil dazu beigetragen.
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Gruß, James

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Arosa ist offline
Themenstarter Beiträge: 170
Seit: 13.08.11
Hallo miteinander,
Zwischenstand:
Krankenhauspersonal sagt: einer: ganz normal waschen, 60°; der andere: Desinfektionsspüler.
Hab einen gekauft, drauf steht: 99,99% der Keime werden damit abgetötet - alles klar! 0,01 kriegst du! Sind vermutlich die Krankenhauskeime.
Ja, ich denke wie Manno, (wenn ich Dich richtig verstanden habe) dass der Kampf eh schon verloren ist.
Der eine Keim kommt durch Unvorsichtigkeit, der andere durchs Fleisch, dann: ein Mensch, der vorher im Krankenhaus war und die Türklinke angefasst hat, gibt mir die Hand usw.
Der gesunde Menschenverstand sagt, die kann man doch gar nicht eindämmen.

Zudem: wenn ich alles dauernd chemisch desinfiziere, auch die Hände im Krankenhaus, sorry, aber das ist doch Gift?!
Finden wir uns damit ab, wie sich die Menschen im Mittelalter mit der Pest abgefunden haben.
LG
A.

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James ist offline
Moderator
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Beiträge: 5.904
Seit: 20.05.08
Komisch, dann ist wohl Holland auf einem anderen Planeten. Dort liegt die Infektionsrate schon unter 0,1%, während sich bei uns diese um die 12% bewegt. Das ist immerhin ein 120-fach höheres Risiko. Es geht also, man muß es nur wollen! Mit Sicherheit würden wir angesichts der verpassten Gelegenheiten diese Zahlen nie mehr erreichen, aber trotzdem! Dabei entsteht dem Gesundheitssystem in Holland noch ein gewaltiger Kostenvorteil, denn geringere Liegezeiten ohne Intensivmedizin und teure Medikamente bringen schon etwas. Wenn man aber vermeidbares Leid, Tot oder Amputationen mit Verlust der Arbeitsfähigkeit sowie Verrentungskosten mit betrachtet, ist der Unterschied schon stattlich.....Davon könnte man einige verarmte Banken retten
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Gruß, James

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Nischka ist offline
Beiträge: 1.532
Seit: 02.01.11
Ich habe mal gelesen, daß Teebaumöl sehr gut desinfiziert. Wenn man z. B. putzen will, reiche ein Tropfen auf zehn Liter. Ich nehme allerdings immer einen Tropfen auf meinen Putzschwamm und putze damit alles.
Ansonsten sind Effektive Mikroorganismen (EM) möglicherweise noch eine Idee, wie man gut desinfizieren kann. Aber da müßte man sich schlaumachen.

Zur Mikrowelle: Wenn sie gut desinfiziert, ist das vielleicht eine gute Idee. Aber man sollte sie auf keinen Fall für Essen benutzen. Die Strahlung macht das Essen zu Sondermüll, belastet die Zellen, kann Krebs auslösen. Die Strahlung der Mikrowellenöfen reicht laut Prof. Hecht 500 Meter weit.
Man sollte sie also nur in Ausnahmefällen nutzen, selbst weit Abstand nehmen, solange sie aktiv ist und darauf achten, daß Nachbarn nicht mitbestrahlt werden. Ich kenne Menschen, die herausgefunden haben, daß sie unter der Nutzung der Mikrowellenöfen ihrer Nachbarn leiden - ebenso wie unter der Strahlung von Handys, Schnurlostelefonen, WLAN etc., die auch Mikrowellen auf zig Meter abgeben. Nur so als Hinweis.
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Stell Dir vor, es gibt Funk, und keiner nutzt ihn :-D

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Arosa ist offline
Themenstarter Beiträge: 170
Seit: 13.08.11
Hallo Nischka und danke für die Hinweise.
Ich benütze die Mikrowelle sowieso nicht für Essen, war mir schon immer unangenehm, aber schon die Nähe zum Essbereich und Desinfektion der Wäsche ist mir unangenehm.
(Und die anderen Strahlungen - Handy WLAN usw. - stimmt, es gibt genug Untersuchungen)

Strikte Hygiene im Krankenhaus- : heut war in der Wäschetüte, die ich vom Krankenhaus mit nach Hause nahm, in der Trainingshose die Unterhose, in dieser die Pamper, in der wiederum schöne braune Spuren von .....(ESBL - übertragbar durch Schmierinfektion!) Jawoll ja, strikte Hygiene. Will ja nicht mutmaßen, warum weiße Sportsocken in der Wäsche dunkelbraune Spuren haben bei einem Bettlägrigen, der nicht ins Freie kommt.
Ich sage auch nichts mehr, dass im Vorraum zum Krankenzimmer, wo man sich die Schutzkleidung anzieht, die sogenannte "Reine Seite", wo Jacken, Taschen, Mäntel aufgehängt werden, und die "Unreine Seite", wo das Pflegepersonal gebrauchte Schutzkleidung aufhängt, fast jeden Tag wechselt.

Wie soll man ernst das nehmen?

Grüße von
Arosa

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James ist offline
Moderator
Leiter WIKI
Beiträge: 5.904
Seit: 20.05.08
@Arosa,

so eine Einrichtung kann man natürlich nicht ernst nehmen! Das widerspricht ja den primitivsten Hygieneregeln. Ich würde in so einem Fall (wenn es der Zustand erlaubt) im Interesse des Patienten die Klinik wechseln und mich mit der Krankenkasse (die bezahlt ja noch die Schweinerei) in Verbindung setzen.
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Gruß, James

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Arosa ist offline
Themenstarter Beiträge: 170
Seit: 13.08.11
Hallo James,
nein, ein Wechsel ist sicher nicht möglich. Und ich finde die Klinik sonst ja auch nicht schlecht, menschlich ist das Pflegepersonal sehr angenehm und viele sind korrekt. Und "menscheln" wird es überall. Es könnte noch schlimmer kommen.
Grüße von Arosa


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