7-Tage-Regel bei Antibiotika neuerdings veraltet

07.04.17 11:17 #1
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MaxJoy ist offline
Beiträge: 1.673
Seit: 18.03.16
Hier ein Artikel zur aktuellen Lage bei den Antibiotikaresistenzen. Lustigerweise soll nun die seit 50 Jahren verbreitete Empfehlung, Antibiotika mindestens eine Woche einzunehmen bzw. die Packung aufzubrauchen, Schuld an den immer weiter fortschreitenden Antibiotikaresistenzen sein. Wer also bisher glaubte, alles richtig gemacht zu haben, war in Wahrheit schon immer einer von den Bösen. So ist das Leben.

Multiresistente Bakterien: Vom richtigen Umgang mit Antibiotika

Natürlich sind solche Expertendiskussionen und die neuen Erkenntnisse, die sich daraus ergeben, wünschenswert. Nur darf man nicht vergessen, dass der Zug bereits abgefahren ist und solche Ratschläge die verloren gegangene Wirksamkeit der Antibiotika nicht wieder herstellen können. Was weiterhin fehlt, ist vernünftiger Lösungsansatz für die Probleme, es scheint nur darum zu gehen, den Schwarzen Peter der Schuldzuweisungen zwischen den Beteiligten hin- und herzuschieben.


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Oregano ist offline
Beiträge: 63.694
Seit: 10.01.04
Das ist ja interessant, MaxJoy.
Abgesehen davon, daß - wie Du sagst, der Zug schon abgefahren ist und die Resistenzen angekommen, wird es sicher noch eine Weile bis Jahre dauern, bis diese Erkenntnis auch bei den Ärzten und Kranken angekommen ist.

Antibiotika-Therapie: Dauert meist viel zu lange

Grüsse,
Oregano
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Tarajal ist offline
Beiträge: 4.507
Seit: 12.05.13
Danke Maxjoy für die Info,

ich war also früher eine von den ungehorsamen und Bösen und bin heute dafür besser drauf,

es lebe die Eigenverantwortung und mangelnde Gehorsamkeit...

Liebe Grüße Tarajal

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Kayen ist offline
Beiträge: 5.057
Seit: 14.03.07
Besser wäre noch, Antibiotika nicht gleich bei einem grippalen Infekt zu verschreiben ohne überhaupt von Seiten des Arztes zu kontrollieren ob dieser viral oder bakteriell ist. Hier sehe ich viel eher den Handlungsbedarf als die 2 Tage AB mehr oder weniger. Und noch günstiger wäre es das Bakterium zu bestimmen und dann das passende AB zu verabreichen, denn auch hier wird viel zu großzügig abgehandelt und vorstellen könnte ich mir auch, dass es sich nicht einfach immer um eine Resistenz handelt, sondern um ein falsches AB.


Beste Grüße von Kayen
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MaxJoy ist offline
Themenstarter Beiträge: 1.673
Seit: 18.03.16
Superärgerlich finde ich, dass bei diesen Expertenrunden immer herauskommt, dass die Verbraucher, also die dummen Beitragszahler und die Bauern, selbst schuld an dem Elend sind. Gestern waren sie schuld, weil sie sich nicht an die Empfehlungen der Ärzte gehalten haben. Heute sind sie schuld, weil sie sich an die Empfehlungen der Ärzte gehalten haben. Nur die, die mit nunmehr wirkungslosen Arzneimitteln immer noch Milliarden verdienen, haben natürlich eine weiße Weste und ein reines Gewissen.

Aber immerhin bleiben uns die wertvollen Nebenwirkungen dieser Medikamente erhalten, das ist schon was.

Zitat von Tarajal Beitrag anzeigen
es lebe die Eigenverantwortung und mangelnde Gehorsamkeit...
So wird's wohl sein.

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Rauke ist offline
Beiträge: 788
Seit: 17.11.12
Ein interessanter Bericht.
Ich werde den mal im Bekanntenkreis verteilen.

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hitti ist offline
Beiträge: 1.975
Seit: 26.02.12
Oh man, ich war immer brav und habe streng darauf geachtet, dass (damals) immer die 10 Tage weiter eingenommen wurde.
Wohlgemerkt: Um Resistenzen vorzubeugen! (Wurde mir als Kind schon so beigebracht)

Ich fasse es nicht. Es hieß immer: Wenn AB, dann aber bis zum Ende durchnehmen. Habe ich selbst gemacht, wenn das AB nicht anschlug...

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James ist offline
Moderator
Leiter WIKI
Beiträge: 5.906
Seit: 20.05.08
Ich wäre da vorsichtig wieder mal alles über einen Kamm zu scheren!
Es kommt sicher auf die Art der Infektion an und natürlich auch davon, welche Bakterien diese ausgelöst haben. Es wurde in der Studie nur von "Lungenentzündung" gesprochen und nicht mal genannt um welche Bakterien es sich handelte. Dann auf den Schluß zu kommen dass 3 Tage bei Antibiotika (welches auch immer!) ausreichen ist nach meiner Meinung zu sehr verallgemeinert. Den Bericht finde ich unschlüssig und eher dazu geeignet den Leser zu verunsichern.
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Die Krise ist ein produktiver Zustand. Man muß ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen. Max Frisch, schweizerischer Architekt und Schriftsteller

Gruß, James

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Oregano ist offline
Beiträge: 63.694
Seit: 10.01.04
... Abgesehen davon, daß es ja auch bisher schon Antibiotika-Behandlungen gab, die nur kurze Zeit ansetzten, z.B.:

... In besonderen Fällen gelten Spezialdosierungen, so zum Beispiel bei der unkomplizierten Blasenentzündung der Frau. Hierbei wird mit einer Einmalgabe von 2880 Milligramm der Wirkstoffkombination behandelt. Dies entspricht einmal sechs Tabletten (geringere Dosierung) beziehungsweise einmal drei Tabletten (höhere Dosierung). ...
Cotrim-ratiopharm/- forte ratiopharm: Wirkung & Dosierung - Onmeda.de

Grüsse,
Oregano
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MaxJoy ist offline
Themenstarter Beiträge: 1.673
Seit: 18.03.16
Zitat von James Beitrag anzeigen
Es wurde in der Studie nur von "Lungenentzündung" gesprochen und nicht mal genannt um welche Bakterien es sich handelte. Dann auf den Schluß zu kommen dass 3 Tage bei Antibiotika (welches auch immer!) ausreichen ist nach meiner Meinung zu sehr verallgemeinert. Den Bericht finde ich unschlüssig und eher dazu geeignet den Leser zu verunsichern.
Das war keine Studie, sondern eine Krisenkonferenz der WHO mit Experten aus aller Welt. Es ist auch nicht nur von Lungenentzündungen die Rede, sondern auch von Streptokokken-Angina, chronischer bakterielle Bronchitis und Nasennebenhöhlenentzündungen. Der zutreffend geschilderte Resistenzbildungsmechanismus ist so generisch, dass er noch für beliebige weitere bakterielle Infektionskrankheiten gelten muss. Wobei die Resistenzbildung nicht nur bei den eigentlich bekämpften Bakterien stattfindet, sondern im Darm so nebenbei bei vielen weiteren Stämmen, die die Resistenzgene auch noch mittels der Plasmide über Artgrenzen hinweg verbreiten.

Das alles habe ich auch anderswo schon so gelesen, neu ist lediglich die Einschätzung bzw. Erfahrung, dass man mit kürzeren Behandlungszeiten besser fährt und weniger Resistenzen provoziert.

Ich finde, der Artikel ist sehr gut recherchiert und geschrieben.


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