Wo und wie bekommt man Infos über Keimstatus" von Krankenhäusern?

11.05.12 11:46 #1
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Arosa ist offline
Beiträge: 170
Seit: 13.08.11
Hallo,
nach häufigem Kontakt mit Krankenhäusern im letzten Jahr, sowohl als Patientin als auch als Angehörige stellt sich mir diese Frage.
Es gibt Kliniken, wo die Zimmer brav isoliert werden und ein Schildchen an der Tür haben, "M" oder "E" oder "N". Dann denkt man natürlich: Puh, gibt's hier viele Keime!
Aber dann merkt man: Das ist gut so, denn totgeschwiegene Keime sind ja nicht gleich nicht existent.
Kommt ein Patient (so erlebt!) freitags in eine Klinik und wird montags wg. Keim isoliert, dann folgere ich logisch, dass er diesen schon am Freitag mitgebracht hat, und zwar - ebenfalls logisch gefolgert - aus dem Krankenhaus, in dem er vorher war, wo aber nichts getestet und nichts gesagt und nichts isoliert war. Wo ich nie etwas über Keime gehört oder gesehen habe...
Nicht jedes Krankenhaus macht ja Sreenings. Manche fragen die Neuzugangspatienten wenigstens.
Dann gibt es wieder die Gerüchte:"...dort sind schon ganze Abteilungen geschlossen worden wg. der Keime..." Zitat Mitpatientin über ein anderes Krankenhaus. Habe versäumt zu fragen, woher sie das weiß, vermutlich aus der Lokalpresse.
Meine Frage: Wo und wie kann ich mich informieren, auch über Reha-Kliniken, außer über learnng by doing = learning by Keimkriegen?
Oder gibt es für Krankenhäuser und Reha-Kliniken nur eine Empfehlung: "Weiträumig umfahren"?
Viele Grüße
Arosa

Geändert von Arosa (11.05.12 um 11:48 Uhr)

Wo und wie bekommt man Infos über Keimstatus" von Krankenhäus

Krankenhaushasser ist offline
Beiträge: 288
Seit: 15.09.10
Hallo Arosa,
jedes Krankenhaus ist verpflichtet ihre Keime zu dokumentieren - aber irgendwie darf das keiner der Patienten sehen (nur das Gesundheitsamt und solche Leute).

Eine Möglichkeit ist Klinik-Bewertungen: Krankenhäuser im Vergleich - da äußern sich Patienten über ihre Erfahrungen mit den einzelnen Krankenhäusern - da steht oft etwas über die Hygiene der KH.

LG Silke

Wo und wie bekommt man Infos über Keimstatus" von Krankenhäus
darleen
Zitat von Krankenhaushasser Beitrag anzeigen
Hallo Arosa,
jedes Krankenhaus ist verpflichtet ihre Keime zu dokumentieren - aber irgendwie darf das keiner der Patienten sehen (nur das Gesundheitsamt und solche Leute).

Eine Möglichkeit ist Klinik-Bewertungen: Krankenhäuser im Vergleich - da äußern sich Patienten über ihre Erfahrungen mit den einzelnen Krankenhäusern - da steht oft etwas über die Hygiene der KH.

LG Silke
Hallo Silke

gibnt es sowas auch für stationäre Reha-Einrichtungen??so ein Bewertungsprotal?, habe zwar schon gesucht, werde aber nicht fündig

liebe grüße darleen

Wo und wie bekommt man Infos über Keimstatus" von Krankenhäus

Krankenhaushasser ist offline
Beiträge: 288
Seit: 15.09.10
Zitat von darleen Beitrag anzeigen
gibnt es sowas auch für stationäre Reha-Einrichtungen??
Die sind bei Klinikbewertungen auch dabei.

lg

Wo und wie bekommt man Infos über Keimstatus" von Krankenhäus
darleen
Zitat von Krankenhaushasser Beitrag anzeigen
Die sind bei Klinikbewertungen auch dabei.

lg
Ah danke dir

Wo und wie bekommt man Infos über Keimstatus" von Krankenhäus

Arosa ist offline
Themenstarter Beiträge: 170
Seit: 13.08.11
Danke Silke,
die Seite kenne und nutze ich, leider ist sie in der Hinsicht wenig ergiebig, denn gerade die Kliniken, die offen mit Keimen umgehen, werden dann von Patienten auch als Keim-Kliniken genannt, aber wenn ich von einem Kankenhaus nur einen einzigen subjektiven Erfahrungsbericht habe, kann ich mir zwar viel denken, wie dieses Haus mit dem Problem umgeht, aber es sind trotzdem zu wenig Informationen.

Interessanter wäre schon, wie man an diese Register in Gesundheitsämtern rankommt. Könnte man nicht die Medien anspitzen?
Oder könnte man das einklagen? (Ich meine, bis das durch alle Instanzen wäre, nützt es einem eh nicht mehr, aber rein hypothetisch, für die kommenden Generationen).

Und wie ist das eigentlich in den Arztpraxen? Sind die auch meldepflichtig?

Viele Grüße
Arosa

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Krankenhaushasser ist offline
Beiträge: 288
Seit: 15.09.10
Klagen bringt wohl nichts:

In erster Instanz abgewiesen vom LG Bielefeld

Krankenhauskeime: Auskunftsklage auf Grundlage des § 23 IfSG | Anwaltskanzlei Dr. Marion Rosenke, Fachanwalt für Medizinrecht

und in zweiter Instanz vom OLG Hamm

Kein Recht auf Auskunft | Anwaltskanzlei Dr. Marion Rosenke, Fachanwalt für Medizinrecht

Einfacher wäre es, wenn man erreichen könnte, dass die Qualitätsberichte jährlich erstellt werden müssen und hier die Zahl der ambulanten Patienten, der Liege-/Pflegetage und der Sterilliumverbrauch veröffentlicht werden müssen.

Darüber habe ich in einem Spiegel-Chat schon mal fabuliert – das poste ich, wenn ich es gefunden habe.

In der Arztpraxis habe ich nicht so viel Angst: Ich setze mich nicht ins Wartezimmer (auch wenn die meckern), gehe nicht aufs Klo und gebe niemandem die Hand – da ist man sowieso nicht so komplett ausgeliefert wie im Krankenhaus. In wieweit die was melden müssen, weiß ich nicht – ich weiß nur, dass der Anteil an resistenten Staph. aureus im ambulanten Bereich mit 13 % sämtlicher Staph. a. wesendlich geringer ist, als im Krankenhaus (ca. 24 %), obwohl im ambulanten Bereich die Keime wesendlich öfter auf Resistenzen untersucht werden (ca. 60%), als im Krankenhaus (unter 40%).

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Krankenhaushasser ist offline
Beiträge: 288
Seit: 15.09.10
In diesem Artikel wird über ein Krankenhaus in Lünen berichtet.
Mit Desinfektionsmitteln | DerWesten

Abgesehen davon, dass auch hier wieder das Märchen erzählt wird, dass es meist die Patienten sind, die die so genannten multiresistenten Keime (MRSK ???????) mitbringen, wird stolz berichtet, dass im Jahr 2011 3.780 Liter Sterillium verbraucht wurde und das für eine Handdesinfektion 3 ml. benötigt werden. Das wird auch bei HAND-KISS vom nrz - Hygiene so zugrunde gelegt.

3.780 Liter Sterillium sind 3.780.000 ml. Geteilt durch drei ergibt das insgesamt 1.260.000 Handdesinfektionen (HD) im Jahr 2011. Hört sich erstmal viel an.

In 2010 (neuere Zahlen gibt leider nicht – aber das wird sich in 2011 nicht so furchtbar verändert haben) wurden in diesem Krankenhaus 26.938 Patienten ambulant behandelt. Wenn bei jedem dieser Patienten eine HD gemacht wurde (eigentlich müssten es ja zwei sein und bei jeder Untersuchung wie Röntgen, EKG etc. noch eine) bleiben für die stationären Patienten 1.233.062 HD über.

Wenn von den täglichen 1.000 Besuchern nur ein Drittel je eine HD vorgenommen hat, sind das noch mal 333 x 365 = 121.545 HD. Nun bleiben 1.111.517 HD übrig.

Auch in 2010 meldet dieses Krankenhaus 20.780 stationäre Patienten mit insgesamt 162.908 Pflegetagen. 1.111.517 HD geteilt durch 162.908 Pflegetage ergibt 6,8 HD pro Patient und Pflegetag in drei Schichten, also 2,3 HD pro Schicht für sämtliche Pflegekräfte, Ärzte und das Reinigungspersonal. Inklusive Untersuchungen außerhalb des Krankenzimmers und inklusive eventuelle Operationen. Und auch inklusive der Intensivstation.

Wenn man berücksichtigt, das bei HAND-KISS herausgefunden wurde, dass bei sämtlichen meldenden Krankenhäusern durchschnittlich 7 HD pro Patiententag auf den Normalstationen – aber 30 HD pro Patiententag auf Intensivstationen gemacht wurden, sieht es hier auf den Normalstationen noch trauriger aus.

Der billigste Preis, den ich für eine 1.000 ml. Flasche Sterillium gefunden habe, war 6,95 – das Sterillium hat also etwas über 26.000 Euro gekostet – mal ganz abgesehen davon, dass die Krankenhäuser das mit Sicherheit erheblich billiger bekommen.

ZU TEUER ?????

Eine HD dauert 30 Sekunden – 1.260.000 HD dauern 630.000 Minuten das sind 10.500 Stunden im ganzen Jahr. Im Jahresdurchschnitt waren 1.244 Mitarbeiter beschäftig – abzüglich Technischem Dienst (76) und Verwaltungsdienst (30) bleiben 1.138 Mitarbeiter mit direktem oder indirektem Patientenkontakt. Das bedeutet, dass jeder Mitarbeiter durchschnittlich IM GANZEN JAHR 9 (NEUN) STUNDEN mit Handdesinfektion vergeudet hat.

ZU ZEITAUFWÄNDIG ??????

Es wäre vielleicht nicht verkehrt, wenn sämtliche Krankenhäuser in den Qualitätsberichten ihren Sterilliumverbrauch unter Vorlage der Rechnungen veröffentlichen müssten und dann regelmäßig in den Kellern nachgesehen würde, ob sich dort nicht ein riesiges Sterilliumlager befindet.

Wo und wie bekommt man Infos über Keimstatus" von Krankenhäus

Arosa ist offline
Themenstarter Beiträge: 170
Seit: 13.08.11
Danke Silke, für die ausführlchen Antworen und die links.
Dass es mit der Hygiene in Krankenhäusern auch anders gehen kann, zeigen ja Länder wie Niederlande.
Da ist mir übrigens auch eine Antwort auf meine eigene Frage eingefallen: Vor Jahren sah ich einen TV-Bericht über das Problem und die Handhabung in NL. Damals wurde dann den Zuschauern geraten bei einem Krankenhaus zu fragen, ob die einen speziellen Krakenhaushygieniker haben.
(Was nüzen einem solche Tipps, wenn man sie im entscheidenden Moment wieder vergisst, so wie ich!)

Mit "Medien ansptzen" dachte ich auch daran, dass viele TV-Sender auf Suche nach skandalträchtigen Erlebnissen von Zuschauern sind, kenne das selbst in anderem Zusammenhang bei ZDF-Aufreger und SWR-marktcheck in Deutschland. Ob die allerdings auch Erlebnisse mit Krankenhäusern aufnehmen, ist noch die Frage.
Viele Grüße
Arosa

Wo und wie bekommt man Infos über Keimstatus" von Krankenhäus

Arosa ist offline
Themenstarter Beiträge: 170
Seit: 13.08.11
Nochmals hallo!
Mir ist noch was eingefallen:
Frage an die Moderatoren: Hier im Forum dürfen wir wahrscheinlich nicht offen mit Namensnennung von Krankenhäusern unsere "Keimerfahrungen" austauschen, oder? Aus rechtlichen Gründen, meine ich. Sonst könnten wir ja eine entsprechende Plattform aufmachen...
Übrigens nehme ich gerne PN zu diesem Thema entgegen, Nord-Baden-Württ. interessiert mich, rund um Stuttgart und dann nordöstlich davon Richtung Franken.
Keine Sorge, ich bin in der Lage, mir daraus immer noch die eigene Meinung zu bilden.
Viele Grüße
Arosa


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