Auch ich...

04.10.10 11:33 #1
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Jerina ist offline
Beiträge: 100
Seit: 29.09.10
Ja, auch ich bin Alkoholikerin. Schleichend hinein gerutscht, immer wieder mit Pausen, in denen ich dachte, es sei doch gar nicht so arg, weil....

Aber ich bin Alki, ganz klar.

Zunächst einmal hier an dieser Stelle soviel - ich will mich einfach vor allem deshalb outen, damit es nicht den Anschein erweckt, ich stelle mich über irgendjemanden, wenn ich hier mal zu einigen threads Stellung nehme.

Jerina ist also Alkoholikerin.
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Das Kostbarste, was man einem Lebewesen schenken kann, sind Zeit und Zuwendung

Auch ich..... :(

Difi ist offline
Beiträge: 4.051
Seit: 28.04.09
Hola Jerina...

willkommen im Club!

Willst du darüber schreiben? Manchmal ist es gut darüber zu quasseln.

LG, Difi
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Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt! -- Einstein --

Bei Alkoholsucht kann Hypnosetherapie hilfreich sein

Wenn man wirklich aufhören möchte zu trinken, dann ist die aufdeckende Hypnosetherapie eines der effektivsten Instrumente, diesen Wunsch Realität werden zu lassen. Sie wirkt da, wo die Sucht entstanden ist, nämlich im Unterbewusstsein.

Wenn erst einmal die emotionale Ursache für das Suchtverhalten aufgefunden und neutralisiert wurde, kann der Mensch wieder suchtfrei leben. Aber wie erwähnt muss der Wunsch nach Veränderung vorhanden sein. Niemand kann mit Hypnose dazu gezwungen werden, etwas zu tun, was er selber nicht wirklich möchte.
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Auch ich..... :(

Jerina ist offline
Themenstarter Beiträge: 100
Seit: 29.09.10
Kommt noch - ich wollte langsam anfangen und eben VOR einem evtl. Kommentar zu einem anderen User benennen, dass ich (leider) auch dazu gehöre, um die Situation zu klären.

LG

Jerina
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Shelley ist offline
Beiträge: 10.451
Seit: 28.09.05
hallo jerina,

weisst du; ich finde toll, dass du das so offen und ehrlich sagst. ich meine; was ist dabei, wenn man alkoholiker ist und es offen zugibt und dazu steht? ja; es ist eine krankheit. andere krankheiten sagen die leute auch. okay; ich persönlich finde die alkoholkrankheit ekelig, weil ich emetophobie hatte. aber das ist ein anderes thema.

weisst du; da gibt es leute, die lügen. wenn man sie fragt, ob sie alkohol trinken, finden sie höchsten: "ja ganz früher mal, aber jahre lang nicht mehr."
und wenn man sie dann besser "kennen" lernt, so erfährt man, dass sie immer noch alkohol trinken wie ein komposthaufen, auf den man überreiffe früchte wirft.

du: ich finde dann nicht unbedingt die tatsache schlimm, dass sie alkohol trinken. aber wirklich schlimm finde ich, dass sie lügen. ich finde das ist das schlimmste dieser krankheit. die lügen.

indem du hier offen und ehrlich zu deiner krankheit stehst, lügst du nicht mehr.
und das finde ich das gute!
ich denke, den schlimmsten punkt der krankheit hast du überwunden: die wahrheit zu sagen und "dazu stehen". ich setze das zwischen strichlein, weil ich denke, dass du vielleicht nicht wirklich zu deiner krnakheit stehst, sondern sie doof findest. aber du stellst dich hin und sagst: "hey! ich habe sie!" und das ist ehrlich und von solch einem mut sollten sich alle lügner einen schnitz davon abschneiden.

viele liebe grüsse von shelley
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IchDiskutierNichtMitIdioten.ErstZiehnSieMichAufIhrNiveauRab, DannSchlagen'sMichMitIhrerErfahrung.

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Jerina ist offline
Themenstarter Beiträge: 100
Seit: 29.09.10
Danke. Deine Krankheit kenne ich - sie ist relativ selten; was mich aber in diesem Zusammenhang interessiert, ist, weshalb dich der Alkohlismus ekelt.
Es geht ja bei deiner KH nicht ums Nahrung aufnehmen, sondern um - ich möchte es jetz nicht aussprechen, weil ich weiß, dass allein das vielen schon Probs bereitet.
Insofern - ernst gemeinte Frage - verstehe ich grad den Zusammenhang nicht. Wenn du kannst und magst, erkläre ihn mir einfach bitte.

Zu dem dazu stehen können: Zunächst einmal muss man ja auch MERKEN, dass da etwas nicht stimmt.
Ich bin noch nicht sehr lange Alki, ca. 3 Jahre und das Ganze begann wie erwähnt schleichend. Hinzu kam/Kommt, dass ich nie physisch abhängig war - und die psychische Abhängigkeit wird eher unterschätzt, denn ist die Motivation groß genug (bei mir z.B. ein Besuch meiner Kinder - selbst wenn dieser mehrere Tage dauert, trinke ich keinen Tropfen), kann ich den Alk stehen lassen.
So hat das Begreifen der vielen Facetten dieser Sucht eine Weile gedauert.
Mittlerweile besuche ich eine AA- Gruppe - und auch dort musste ich mühsam erst ankommen, schien ich doch irgendwie dort nicht wirklich hinein zu passen, wenn ich die anderen stories hörte.
Aber inzwischen ist es einfach klar: ICH BIN ALKI und das werde ich ein Leben lang nun bleiben; nass oder trocken, das wird der Weg sein und kein anderer mehr.
Bitter für einen Menschen, der über 45 Jahre lang Alkohol immer verabscheut hat.....
Bitter - aber ebenso bitter wahr.....:(

Jerina
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Zahira ist offline
Beiträge: 886
Seit: 25.10.08
ich finde es toll so offene worte zu lesen.
ich selbst habs nicht so mit alk aber mein " bruder" ist alkoholiker und ich bin jeden tag aufs neue stolz.. besonders jetzt: er hatte einen schweren motorradunfall aber ist stark
ich habe früher thc und amphetamine konsumiert und bekam (im grunde gott sei dank) eine drogeninduzierte psychose und schaffte so den absprung.
ich habe einen wahnsinnsekel gegen den geruch von amph entwickelt.
jetzt im moment rauche ich leider öfter einen weil ich bei nem starken kopfwehanfall noch nichts anderes gefunden hab was ohne nebenwirkungen hilft...


Auch ich...

Jerina ist offline
Themenstarter Beiträge: 100
Seit: 29.09.10
Heute ist ein totaler Stresstag - und ich hocke schon jetzt hier mit einer Flasche Pro secco und suche mein Inneres zu dämpfen.

Ich trinke nie in Gesellschaft, trinke nie zum Spaß, nie aus Freude am sog. "guten Wein" - ich trinke, um zu überleben.....

Heute - ich schaffe es nicht, das, was ansteht und so saufe ich die Angst davor nieder, betäube mich (bei mir gehört nicht viel dazu an Alk, ich reagiere sehr intensiv schon auf 2 Gläser Wein) und rutsche immer weiter hinein....

Denn wenn es nicht Stress ist wie heute, dann ist es die Einsamkeit, die Isolation, die Depression.

Doch letztlich bin ICH es, die säuft - ICH habe die Entscheidung, es zu tun oder nicht....

Jerina
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Zahira ist offline
Beiträge: 886
Seit: 25.10.08
Zitat von Jerina Beitrag anzeigen
Doch letztlich bin ICH es, die säuft - ICH habe die Entscheidung, es zu tun oder nicht....

Jerina
mein bruder und ich nennen das was trinken oder rauchen will den grolm..
ich möchte nicht meinem ganzen ich die schuld zuschieben-es ist der teil in mir der verlassen, traurig, wütend und verzweifelt ist und ich glaube der braucht keine vorwürfe sondern liebe...

nur eine andere sicht

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Bergeversetzer ist offline
Beiträge: 1.143
Seit: 12.04.10
Beeindruckend wie klar du dich selbst siehst.

Ich denke, es gibt mehr Alkoholiker als man sich normalerweise denkt.
Ich könnte auf Anhieb in meiner Verwandtschaft mindestens 5 Personen nennen, die ein derartiges Problem haben. Erkannt oder unerkannt.
Ich selbst habe als Jugendlicher viel getrunken. Und lange.
Ich glaube, ich stand damals kurz davor wirklich abhängig zu sein.
Ich weiß nicht wie ich es weg gebracht habe. Heute kann ich auf einer Party ein Bier trinken, ohne am nächsten Tag oder in den nächsten Wochen wieder Alkohol trinken zu wollen/müssen.
Vielleicht war meine Abhängigkeit damals eher psychischer Natur und ist durch Umwälzung verschwunden oder durch Ängerung der Lebensumstände.
Ich vermute bei dir ähnliches.
Wenn der Alkohol dich aufbaut, wie aus deinem letzten Beitrag zu entnehmen ist, ist die Sucht psychisch.

Ich denke, je älter man ist, wenn man in sowas reinrutscht, umso schwerer ist es das zu bearbeiten. Weil man sich nicht mehr so schnell umgewöhnt und einfach schon ein reifer Mensch ist, im Gegensatz zu Jugendlichen.

Die wichtige Frage bei dir ist jedoch: Möchtest du diese Einsicht nutzen, um dir selbst zu helfen? Oder möchtest du mit dieser Einsicht leben und es akzeptieren wie es ist und so lassen?


LGB
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Nette Grüße
Bergeversetzer

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Jerina ist offline
Themenstarter Beiträge: 100
Seit: 29.09.10
Nein, ich möchte da schon wieder heraus. Ich bin Christ und kann es schon allein vor meinem Herrn nicht verantworten, meinen Körper und meine Seele so zu ruinieren.
Aber ich weiß derzeit einfach nicht, wie... :(
Wenn morgens - ich trinke nur morgens und nur allein - mich Angst vor dem Tag und Iso überfallen und wie heute noch Stressfaktoren hinzu kommen, bin ich zu schwach, mich zu wehren und gebe auf.
Aber ich WILL nicht aufgeben - ich WILL DA RAUS!!!!

Jerina
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